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Die Gegenwart · 1867-06-14 · 24 (14.6.1867) · p. Seite 188

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
24 (14.6.1867)
Date
1867-06-14
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 Die Gegenwart. scheu Botschafter in Sonstantinopst. wo sich der Fürst von Serbien befand, die ausdrückliche Weisung geschickt, diesen daran zu erinnern^ daß England den unterdrückten Ehristen seiuen Beistand leihe, daß aber die Ehristen sich hüten müßten, die Juden zu unterdrücken." Der Kaiser antwortete: ״Diese Unterdrückung ist weder zu erttagen, noch zu begreifen. Ich werde dies dem Fürsten aus« sprechen." — Und ich, Sire, werde meinen unglücklichen Glau« bensgenosien von Rumänien die edlen Worte Ew. Majestät hinterbringen. Sie werden ihr Trost und ihre Hoffnung sein. Und wenn der Kaiser öffentlich seine Meinung ausspricht und diese Barbareien des Mittelalters brandmarkt, so werden sie aufhören und die Genugthuung wird kommen. Ich will mich ryeinerseit« an die Preffe wenden; ich weiß, daß alle ihre Shmpatieen un» zu Hilfe kommen, und daß alle Stimmen sich gegen diese gehäs. sige Verfolgung erheben werden, welche ein Minister einer konsti« tuttonellen Regierung eingeleitet hat. — Der Kaiser sagte: Für so große« Unglück sind meine Sympatieen gewonnen." — (Die guten Erfolge, die die Intervention Frankreichs und der andern Mächte erzielt, haben wir bereit« mitgetheilt.) Tanger. Man schreibt dem ״Moniteur" au- Tanger vom 23. Mai, daß, nachdem eine Bande von Bergbewohnern de- Riff die schwersten Gewaltthätigkeiten gegen Israeliten, die sich nach Tetuan begaben, und namentlich an der Person eine« gewiffrn Abraham Pariente, Dolmetscher und Schützling de« österreichischen Birekonsulate«, der todt auf dem Platze blieb, geübt hatten, daösterreichische Generalkonsulat in Tanger sich dieser Angelegenheit bemächtigt hat und die Lösung derselben officiell bei der maroka«' nischen Regierung betreibt. Entgegnung. Geehrteste Redaktion! Sie haben in den zwei letzten Rum« mern der ״Gegenwart" zwei einander sehr widersprechende Ur« theile gebracht über den biblischen Bericht von''Dem anfänglichen Beschlüsse Abraham'-, seinen Sohn Isaak zu opfern und der dann doch,unterlassenen Ausführung. Beide Urtheile, wenn auch im vollsten Gegensätze unter einander, geben sich doch als gegen diejenige Auffaffung gerichtet, welche ich in meinen Vorlesungen: Das Judenthum und seine Geschichte Bd. 1. S. 50 (2. AuSg. G. bl) dargelegt habe. AuS Herrn vr. Popper'« Anssatz habe ich zuerst die neuesten Aeußerungen de- Herrn S. R. Hirsch über diesen Gegenstand erfahren. Auf deffen Unsinn, der in menschenwürdigen Begriffen, logischem Gedankengange, Würde der Darstellung gewiß feinem ganzen Buche homogen sein mag, näher einzugehen, wäre eine Selbsterniedrigung. Hier ist da« einzig Angcmeffene — schweigend vorübergehm. Ander« ist e« mit der daran sich knüpfenden Erörterung de- Herrn vr. Popper selbst. Auch er findet, daß von mir an jener Stelle ״zu Gunsten eiuer liebgewonnenen und an sich ja richttgen Idee der klare Wortsinn einer biblischen Erzählung in den gerade entgegengesetzten umgedeutet worden ist." Hier hat aber offenbar Herr vr. Popper die ganze Haltung meine« Buche» verkannt. Ich versuche es in demselben, die Geschichte de« JudenthumS nach seinem tiefern Gehalte, nach seiner innern, mit der Nothwendigkest der zwingenden Idee, wenn auch nicht immer mit vollem staren Bewußtsein der zeitlichen Träger, vor sich gegangenen Entwicklung darzustellen, sie ohne gelehrte Begründung, in anregender Form einem geblldeten Publikum vorzuführen. Natürlich gebe ich daher keine Kritik der Berichte, wohl 'aber deren Inhalt nach Abstreifung der oft sehr kindlichen Darstellung, in welcher sie unüberliefert worden sind; ich halte mich an den Kern de« Berichtes, nicht an die AuSdruck-weise de« Berichterstatters. Eine jede einzelne Seite giebt Belege für diese« Bewahren; man kann daffelbe bestreiten, aber man kann nicht sagen, ich deutete irgmd eine Erzählung um, ich suche vielmehr au« der überlieferten Hülle,/1n welcher dieselbe zu ungelangt ist, die wirkliche Thatsache, mag auch der Berichterstatter sie ander« ״gedeutet" und un« so exzählt haben, zu ihrer Wahrheit zu erheben. In diesem Sinne nun sage ich, daß die thierischen Opfer der eigentlichen Idee de« JudenthumS nicht entsprechen, von den Propheten daher sehr entschieden bekämpft, mindestens als überflüssig, zu irriger Auffaffung und sittlicher Verkommenheit verführend bezeichnet, daß sie aber dennoch eine längere Zeit im Widerspruch mit dieser mächtigem Erkenntniß ge« duldet worden, stark in den Vordergrund getreten sind. Diese von mir wahrlich nicht zuerst vertretene Ansicht stimmt sicher nicht mit den Berichten in LeviticuS und andern Büchern überein, wo die Opfer als dahöchste Gottgeheiligte vorgeschrieben werdm. Allein die deutlichen Lehren und Ermahnungen der Prophr« tm und Psalmendichter, der Ausdruck und Geist ihrer Worte, daallmälige Durchdringen der ursprünglich bloS im Gebiete der Sehnsucht verbliebenen Anforderung ihrer Beseitigung, sie gaben un« die Anleitung, in den einzelnen Berichten, ja in dem lange geübten Gebrauche nicht den adäquaten Ausdruck der eigentlich jüdischen Anschauung zu erkennm, sondern lediglich eine Mittelstufe, welche Berichterstatter und ganze Zeiten eingenommen haben, indem sie den allgemein herrschenden Opferkultus auch in ihren Borstellungen noch nicht überwältigen konnten und ihm eine Berechtigung einräumten, die er au« der Idee de« JudenthumS nicht anzusprechen vermag. In Betreff der thierischen Opfers sind demnach die verschiedenm Bücher der Bibel, die verschiedenen Zeiten innerhalb der Geschichte de- JudenthumSl rücksichtlich ihres WertheS scheinbar irj schneidendem Widerspruche, und die Lösung liegt nur darin, daß die Idee in ihrer schöpferischen Kraft nicht mit einem Male sich voll verwirklicht, daß sie nothgedrungen lange Concessionm macht, bis sie, erstarkt, die Geister vollständig überwältigt. Ander«, fahre ich fort, verhält e« sich mit dem Menschenopfer. Mt dieser Art de« Opferdienstes duldete da« Judenthum zu keiner Zeit eine Vermittlung. In dem Schoße seiner Bekmner kam zwar auch diese Entartung, namentlich in der Form der Opferung de» eigenen Kindes, wohl vor; auch innerhalb Israel« glaubten schwache Gemüther in dieser Abtödtong de« natürlichsten Menschengefühls, dazugleich höchste Menschmpflicht ist, einen Ast der vollsten Hingebung an Gott zu erblicken und ihn als höchste Gottesverehrung zu vollziehen oder doch hochzustellen. Allein gegen eine solche Herabwürdigung der Menschenpersönlichkeit, gegen eine solche Verkennung der Vaterrechte und Baterpflichtm, na« mentlich auch gegen eine solche unwürdige Vorstellung von Gott tritt da« Judeuthum in allen seinen Organen, nicht bloS durch dm Mund der Propheten, sondern auch im Ausdrucke des mit den zeitlichm Vorstellungen noch sich vermittelnden Gesetze-, tritt e« zu allen Zeiten nicht erst nach vollendetem Entwick« lungSprozeffe, in den energischstm Kampf, es weist ohne irgend welche Concessien diesen wildesten Ausbruch des rohsten Heidm« thumS mit Entrüstung zurück. Schon an der Schwelle seiner Ge« schichte läßt Da« Judmthum den einzelnen Stammvater diesen Kampf mit dem untergeordneten religiösen Standpunkte führen und siegreich bestehm. Elohim befiehlt dem Abraham, seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern; Abraham bereitst sich dazu vor, da ruft ihm der Engst Jhvh'S zu, da« Werk zu untestaffen, und

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