Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 24 (14.6.1867)
- Date
- 1867-06-14
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Dir ®*8';ausart En» Verlegung der Lenfirmation 10 den HrtMdienft hi»- ein ist ja au« einem Theil der ebe» angrführlrn Grinde eien so unthunlich; nur daß diejenigen, die die ganze Eonfirmatton nicht abwarten können oder mögen, e« ebenso mit dem letzten Theil de« Gottesdienstehalten würden. Zudem ist die Frage -nach der Berechtigung der Lonstrmatto«, in den Gottesdienst eingereiht zu werden, noch eine streitige. AuS allem dem ergiebt sich schließlich nur noch der eine annehmbare Weg: Die Konfirmation findet ganz getrennt von Gottesdienste als ein von und io dem Gottes Hause geweihter Familienakt im Beisein der Eltern, Verwandten und sonst Theilnehmenden, nicht aber geflifienttich vor der versammelten Gemeinde statt. Das entspricht der sittlich religiösen, da« entspricht der pär dagogischen, da» entspricht der diSciplinarischen Seite des in Rede stehenden Vorganges. Die evangelische Kirche veranstaltet nur tu r diesem Sinne ihre Constrmattonen. In einer kleinen Gemeinde kann immerhin ein Familienvorgang eine.. werden mit einem Gemeindevorgange. Eine große Gemeiod« wie die hiesige muß vorsichtig sein mit der Oeffentlichkeit und da«, was zunächst der Familie gehört, nicht zu weit hinausttagen wollen. Zum Schluffe können wir nicht umhin des vortrefflichen musikalischen Theil« zu gedenken, um den sich Herr Musikdirektor Lewandowski verdient gemacht.*) * Bo» der Rahe, 7. Juni. Im Jahre 1848 sandte die königliche Regierung gu Arnsberg ein Rescript an alle jüdischen Lehrer de» Regierungsbezirk«, de« Inhalte«, daß denselben unter Strafe verboten sei, eine der Tracht der evangelischen Geistlichen ähnliche zu tragen, weil dadurch die evangelische Religion verspottet würde. Als alle Gegenvorstellungen bei der Regierung nichts fluchteten, bewirkte man eine Jnterpellatton bei dem Landtage, in Folge deren der königliche Minister Herr v. Ladenberg auf die 1 gegnerischen Gründe einging und der königlichen Regierung befahl, das Rescript zurückzunehmen. Es war nämlich von den jüdischen Lehrern bewiesen worden, daß die Juden schon im Tempel eine vorgeschriebene Tracht hatten, daß also ein solche« Kleid keine Nachäffung ihrerseits sei. Wa« nun die Beschuldigung der Berspottung der evangelischen Geistlichkeit durch diese Tracht betreffe, so sei e« doch undenkbar, daß dakleine Häufchen der Juden seinen Kultus dazu verwenden sollte, den einer großen Majorität zu verspotten. Genug, ewurde dem Lehrer Sattsfactton, und die Sache war abgethan. Heute nun taucht dieselbe Angelegenhett in LaaSphe, Kreis Wittgenstein, wieder auf, indem da» PreSbhterium daselbst den Lehrer Simon dieses Verbrechen« angeklagt. Freilich konnte der königliche Staatsanwalt kein Verbrechen darin finden, allein da» Presbyterium hat die Polizei um Hülfe augerufen und die Klage auflecht erhallen. Neustadt (Pfalz). 19. Mai. Wir hatten gestern und vorgestern eine seltene Feier in unserer Stadt — die Einweihung des neuen iSraelitischm Gotteshauses. Im maunfch-romanischen Styl ragt das hsidsche Haus mit seinen MinaretS ähnlichen Thürmchen au« herrlicher Umgebung hervor, gelungm in allen seinen baulichen Einrichtungen, ein monumentale- Gebäude, da» unserer Stadt zur Zstrde, seinen Gründern und Erbauern zur Ehre gereicht. Auch da« Innere ist sehr hübsch und doch in keiuer Weise überladen, ganz eine- Gotteshauses würdig. Die Feierlichkeiten begannen Freitag gegen 5 Uhr damit, daß von den 6 ältesten *) Auch die poetisch« Wahrheit und «rast der Texte, die von Herrn Retwr Hvnvitz gedichtet sind, trug zur Erhebung der Semciude wesentlich bei und vrrdimt hrrvorgehobrn zu werden. D. Red. —■■,m k -- M 7«״=■«- ־■--׳-=■־־- ■--, Märmern der israelitischen Gemeinde die Thora-Rollen nt die »eu» Shaagage getragen, von den beiden Rabbinern vr. Sal« vendi und Dr. Grünebaum am Eingang empfangen und in der heiligen Lade niedergelegt wurden, unter Ehorgesang von der wohlßelungmeo Otgel b»M«t. Ditttck schloß sich, der Gotte«. die»sk in einer d«cha»< wiiÄige, wt» erhebend eu Weise. Mit den Gliedern der Eultgemeinde und zahlreichen auswärtigen GlaubenSgenoffen hatten sich die Herren Beamten und die Glieder unserer Stadtverwaltung, sowie viele hiesige Bürger eiugefunden. Ueber die Weiherede de« BezirkSrabbinerS Herrn Vr. Salvendi laffen Sie «ns mit wenigen Worten hiuwegeileo. Wir sind die Letzten, die e« versuchen möchten, irgend einer religiösen Ansicht ihre Berechtt'gung und also dem Herrn Rabbiner da» Recht zu bestreiten, eine Philippika gegen alle und jede Aenderung der herkömmlichen Gebräuche, Gebete und gottesdienstlichen Ordnung der Juden (die doch bekanntlich in den düstern Zeiten de- Mittelalters so manche Auswüchse getrieben) zu halten. Aber ob diese Zeit und dieser Ort und diese Versammlung der rechte Platz gewesen sind, um eine 1V,stündige Rede mit Protestationen gegen jede Veränderung de- Herkömmlichen zu füllen und als Kern der Predigt die Pflicht zu betonen, daß die ganze Gemeinde nicht blo« allsabbatlich, sondern täglich, und, haben wir den Redner recht verstanden, täglich mehrmals den öffentlichen Gottesdienst in der Synagoge zu besuchen habe, ob, sagen wir, diedie geeignete Gelegenheit war, möchten wir fast bezwei« fein. — Zum Glück war die Feier am Sabbat-Morgen, zu der sich eine noch größere Maffe Theilnehmender inzwischen eingefunden hatte, eine völlig ungetrübte. Ihr Glanzpunkt war die Weihe« rede des BezirkSrabbinerS vr. Grünebaum, und wahrlich seine Worte werden lange und nachhaltig im Herzen und im Geiste der zahlreichen Zuhörer leben! Da» waren Worte, wie unsere Zeit und unsere Pfalz sie bedarf — Worte, die aus dem Herzen kamen und zu den Herzen drangen: Worte begeisterter Vaterland-liebe — o es thut dem Juden so wohl, vom Vaterland, da« er eben erst gewonnen hat, zu hören und zu sprechen! — Worte inniger Menschenliebe, die sich weit über die engen Grenzen de» Eonfessionellen emporschwingt; Worte tiefer, wahrer, inniger Religiösität, die dem Gegebenen, der Geschichte, der Vergangenheit ihr hohe» Recht zugesteht, da» Alte zu schützen und zu erhalten sucht, und nur gegen da« Veraltete, gegen Werkheiligkeit und abgestorbene» Ceremonienwesen den Kampf er« hebt. Wir sahen beim Schluffe de» Gottesdienste« Männer aller Eonfessionen, aller Stände und Alter um dm wackern Kämpfer für Recht und Vernunft sich schaaren, ihm ihren Dank und ihre Glückwünsche darbringend, und eben vernehmen wfl, daß noch am Nachmittage eine Deputatton der Gemeinde, ihre Vorstände an der Spitze, sich zu dem würdigen Geistlichen begab, um ihm ih« ren Dank und ihre Sympachie au-zudrücken und sich den Text der Predigt zu erbitten, die demnächst im Druck erscheinen wird. Reunionen und Bälle schlossen die schöne Feier, die durch keinm weiteren Mißton gestött wurde. Möge daneue Gotteshaus und der verbesserte würdige Gottesdienst in ihm blühen und ein neue» Band werden, das die verschiedenen ln ungetrübter Eintracht le« benden Eonfessionen unserer Stadt zum Heile Aller gemeinsam nmschlingt! N. W. Prag. Nach ^em LecttonSkataloge der hiesigen Universität liest im laufenden Sommersemester Prof. Weffely ״über da» Buch EoSri de« R. Iehuda Halevi" und Prof. Kämpf ״über die Misch« nah-Sprache in ihrem Verhältnisse zu den übrigen semitischen Idiomm, mit Zugrundelegung der Pirke-Aboth."