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Die Gegenwart · 1867-06-14 · 24 (14.6.1867) · p. Seite 185

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
24 (14.6.1867)
Date
1867-06-14
Page
Seite 185 (sequence 1)
Language
German
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Xjufrt^BUitct^ruaicfetn SSS«un>0 -<. r * Die GegenwM. (Ickacii•■: r fern« W°ch-Mnft st, JWischk AWkze-h-i^ Freitag, dm 14. Juni. R». 24. Erster Jahrgang. 1867. Mit dir. 27. beginnt dazweite Quartal, wir er» suchen höflichst, da- Abonnement rechtzeitig emeuem zu wollm, damit in der Zusendung leine Unterbrechung erfolgt. ^Die Expedition. Juhalt: L,rrt«P«1>dr»1r«: Berlin, Von der Kahr, Nmstadt, Prag, Bukarest, Pari», Tanger. — Entgegnung. — Literatur-Bericht. — Sin, jüdischer Doctor und ein katholischer Pfarrer. (Schluß.) — Vacan-entiße.-Inserate. * Berllu, den 11. Juni. Am ersten Tage des Wochen» feste» hat in der neuen Synagoge die erste öffentliche Eonfirmation durch den Herrn Rabbiner Dr. Aub stqttgefunden. <58 wary, dabei b Eonfirmanden und 5 Eonfirmandinnen betheiligt. 9m Gegensatz, zu frühem Veranstaltungen ähnlicher Art in der Men Gmei-ids-HMgoge,.ist ,0» Zoruhereio anerkennend hervor«^ zu^rben, daß der gesammte Eonfirma tion Saft, der früher nur in der Synagoge vor sich ging, nunmehr in seine zwei natürlichen Theile zerlegt wurde: in einen Prüfungsakt ad hoc, der der Schule angehört, und in den eigentlichen EonfirmationSakt, der der Synagoge zukommt. Da- Naturgemäße hierbei liegt darin, daß die jungen Geschöpfe nicht genöthigt sind, allzulange öffentlich zu functioniren und entweder durch Unebenheiten bei den Anwesenden da» Gefühl der Pein zu erwecke» oder durch allzugroße Glätte da den Gedanken auf Abrichtung und Außenwerk aufkom» men zu lassen, wo e» blo» auf Innerlichkeit abgesehen ist. Bereits am vorangegangenen Sonntage hatte Herr Rabbi« ner vr. Aub im VersammlungSsaal der neuen Synagoge mit den von ihm vorbereiteten Zöglingen im Beisein der Eltern und Der» wandten, der Gemeindebehörden und der Lehrer der Gemeinde» Lehranstalten die EonstrmationSprüfung vorgenonunens Die wesentlichste Wirkung diese» Vorgänge«, Einleitungsrede, Prüfung und Schlußwort, Alle-zusammengeuommen, lag in seiner Nicht« öffentlichkeit. ES war eben ein Verkehr zwischen Lehrern und Schülern, und die übrigen Anwesenden standen, wie nahe oder wie fern auch, durchaus in Beziehung zu der ganzen Veranstaltung. So ein nur mäßig erweiterter Familienvorgang hat immer etwa- Tiefinnerliches, wenn man noch den Berufaernst und die Lehrer» treue eines Mannes wie vr. Aub hinzurechnet. > So vorbereitet sollten nun die jungen Glaubensaspiranten am Tage de» Glaubensbunde» im Wege der öffentlichen Eonfir» mati^u in die Gemeinde eingeführt werden. Da» äußere Scenarinm diese» Vorganges war durchaus einfacher und der Natur der Sache entsprechender Art. Zwischen den ein» und auSleitendm Gesängen, lagen an beiden Enden die EinfühnmgSred« und der Schlußsegen de- Rabbiners, beides von Ernst, Würde und tieffter Innigkeit eingegeben, und in der Mitte nur wenige Bekenntnißworte — keine Gelöbnisse — und kurze Gebete der Eonfirmanden. / So weit wäre nun Allegut und dem Ernst und der Würde eines solchen Afte» durchaus entsprechend. Allein e« hsmmen hierbei dennoch Fragen in Betracht, die wir als schwe» hend ansehen und die mit Ruhe »nd Besonnenheit zum AuStrag tommen müssen, wenn nicht beim besten Willen und bei den lau» Irrsten Abfichten, dennoch die ganze Innigkeit und Innerlichkeit ein» solchen Akte» rwpfindllch leiden soll. \ Diese Bemerkung bezieht sich ans die Frage: wann — nämlich, rücksichtlich de» Gottesdienste« — soll die Eonfir» mation-stattfinden? Hierauf kann doch nur mit drei Mög« fichkeiten geantwortet werden: Die Eonfirmation findet statt innerhalb de» Gottesdienste« oder nach Beendigung desselben zwar, jedoch stillschweigend als eine separate Zugabe für die ganze Gemeinde, oder wirklich anßerhalb und abseiten» jede« Got» te-dienste» überhaupt, lediglich als ein im Gotteshause Vorgehen» der Familienakt, ähnlich wie die Trauung. > Bei der neulichen Veranstaltung hat der zweite Fall stattgefunden. Rach Beendigung de» Festgottesdienste«, der drei Stunden von 8—11 in Anspruch genommen hatte, trat eine vier» telstündige Pause ein, nach deren Ablauf die nahezu eine Stunde dauernde EonfirmationSfeier begann. Diese Einrichtung wird schwerlich beibehalten werden können; die Unzuträglichkeiten zeigen sich aus den ersten Blick. Der aus» gedehnte Festgottesdienst — selbst der gewöhnliche SabbatgotteS» dienst — erträgt nicht einen solchen Anhang. Viel Zeit — viel Zerstreuung — viel Abspannung — viel Unruhe und — wenig Sammlung. Die wenig ständige und eingesessene Synagogenversammlong, wie die große Berliner Gemeinde es mit sich bringt, die oft sehr geringe Geneigtheit solcher Synagogen-Passanten, sich in gettoffene Bestimmung einzuordnen oder den unausgesprochenen Forderungen der Schicklichkeit von selbst nachzukommen, sind nicht außer Acht zu lassen. Ferner: eine Pause im Gotteshause ist immer und unter allen Umstände» ein Uebel. Was soll in der Pause geschehen? Die Synagoge ist kein Watteraum, und nach dem Gottesdienst veranstaltet, wird die Eonfirmation immer eine Pause erfordern, wenn nicht Alle» mit halsbrechender Aengstlich» keil auf einander folgen soll. Schließlich zieht sich der einmal ringeschlichene Geist der Unruhe in den nachfolgende» Aft selbst hinein und beeinträchtigt in hohem Grad« seine Weihe. Die Bemerkung: ״Die Pause kann ja von denen, die nicht bleiben mö» gen oder können, benutzt werden, fortzugehen," wird durch die Erfahrung widerlegt. Man geht nicht in der Pause sott, son» dern mitten im Afte, oder nachdem ״man wenigstens etwas ge» sehen." ES scheint unzweifelhaft, daß diese» Arrangement nicht wird beibehalten werden dürfen. 24

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