Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 23 (7.6.1867)
- Date
- 1867-06-07
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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182 Die QkganMrt fei c» int Ausdrucke oder in der Konstruktion, nur sind sie in denselben nicht so erheblich. Um so leichter hätte indeß die Feileimgelegt werden können. Man -betrachte z. B. folgende Konstruktion (Makkabäer €>, 220): ״Auch du, wenn du nicht gehorchst, wirst du", oder eine Inkorrektheit wie (Leben Mosis von Philo S. 3b): ״Hier» auf zu widersprechen, war nicht räthlich noch ungefährlich", einen unpassenden Ausdruck daselbst S. 2l, ״so zog sie aus seiuem Anblick nur desto größere Liebe" u. dergl. m. Mit letzterem Buche sind wir aber so schnell nicht fertig; hier sind ebesonders die dem Texte beigefügten Noten, die zu gerechtem Tadel Beranlassung geben. In mehreren derselben wird nämlich ans eine Abweichung Philo'S von den Angaben der Bibel aufmerksam gemacht, die in Wahrheit nicht existirt. So heißt es S. 33 in der Anmerkung: Die heilige Schrift (2. Mos. 3, 8. 10) spricht nicht von einer dreitägigen Reise in die Wüste u. s. w., während der von Philo, welcher den ganzen Vorgang nur etwa» kürzer zusammenfaßt, in Betracht gezogene Passus sich acht Verse weiter findet. S. 53 in der ersten Anmerkung wird gesagt, den Grund, daß Gott die Israeliten durch die Wüste geführt habe, um sie zu prüfe», setze Philo selbstständig hinzu, während derselbe Deuteron. 8, 2 ausdrücklich hervorgehoben ist. Man sieht, daß wir es hier, wo sich'S nur um die Kenntniß deS Pentateuchs handelt, mit einem in der Bibel wenig be- »änderten Bearbeiter zu tbun haben, was in wahrhaft komischer Weise in der ersten Anmerkung S. 62 zu Tage kommt. Die be- .zügliche Stelle im Texte lautet: ״Die Zubereitung [nun] geschah auf folgende Weise. Nachdem sie das am frühen Morgen Gefallene aufgesammelt hatten, zerschlugen oder zerrieben sie daSselbe, kochten eS und bereiteten sich so eine angenehme, Honigkuchen ähnliche Speise." Dazu wird bemerkt: ״daß das Manna gleich Honigkuchen geschmeckt, sagt allerdings 2 Bios. 16, 31; aber über die Art der Zubereitung bringt die Schrift Nicht»." Dabei stimmt, wie männiglich bekannt, Philo'S Angabe mit Num. II, 8 wörtlich überein und trifft nur die Schrift der Borwurf, daß sie es dem Bearbester nicht bequem genug ge« macht hat. Statt derartiger Bemerkungen hätte lieber über PhiloS philosophische Anschauungen z. B. über seine Zahlenshmbolik, wenigstens am geeigneten Orte, etwa« Vernünftiges gesagt werden sollen. Seile 128 wird von Philo die Siebenzahl als ״immer jungfräulich, weder von einer Mutter geboren, noch selbst Mutter" bezeichnet. Warum wird hier eine erklärende Note vermißt? Es wäre nur nöthig gewesen, Herzfeld'S kurze und bündige AuSführung, nach Philo'S Schrift über die Allegorieen der heiligen Ge« sehe §. 5., dem Texte an die Seite zu setzen. Ich meine folgende Worte, Geschichte de» Volkes Israel II. 478: ״die Phthagoreer «nmteu sie (die Sieben) ״mutterlos und immer Jungfrau", well st« weder geboren sei noch gebäre (nämlich allein von allen Zahfoi bi» zehn die Doppeleigenschaft habe, au» keiner Multiplika« tio» entstanden zu sein und kein noch innerhalb der Dekade fallen« de» Multiplum zu liefern)." Verstöße wie die angegebenen dürste ein Institut, daeine Verantwortung gegen da» Publikum übernimmt, sich nicht zu Schulden kommen lassen. Daß.dergleichen nicht nur in den be« [prochcnen Schriften Vorkommen, wird folgende» Beispiel darchun. 3a den 1863 erschienenen ״Parallele Legenden und Gedanken qu» Lastnud und Midrasch" lieft man S. 366: ״Ein gewisser Hadrian brannte vor Verlangen, den israelitischen Glauben anzu« nehmen, aber er fürchtete den Zorn seine« reichen Oheim« u. s. w. Wo, wie Jeder sieht, die Erzählung geradezu auf den Kopf ge« stellt wird. Möchten diese Ausführungen die Leiter de« in Achtung stehenden Institut«, dem ich seine Verdienste nicht absprechen will, daran mahnen, den Abonnenten derselben nur solche Schriften in die Hände zu geben, die durch Gediegenheit de» Inhalt« und Klarheit der Darstellung sich empfehlen. E.— Ein jüdischer Dortor und ein katholischer Pfarrer. Wien, 28. Mai. (Preßprozeß der Wiener Kirchen« zeitung.), Vorsitzender: LandeSgerichtSrath Giuliani; Botan« ten: LandeSgerichtSrath Kl ei bl und Adjunct W ilfort; Anklä« ger: Or. Adolph Polak, Gerichtsarzt in Mödling, vertreten durch vr, Neuda. Angeklagt sind: Eholewa Ritter v. Pawli« kowSki, Hausbesitzer in Mödling und Mitarbeiter der Wiener Kirchenzeitung und Eonsistorlalrath vr. P. Albert Wiesinger, Redakteur der genannten Wochenschrift, wegen Vergehen» der Eh. renbeleidig ung. Abweichend von der sonstigen ״Gepflogenheit", haben heute beide Angellagte nicht ans der Anklagebank, sondern vor dem grünen Tische, welcher sonst für die Vertheidigung bestimmt ist, Platz genommen. Befragt um die Generalien, giebt der erste Angeklagte an: Ich heiße Eholewa Ritter v. PawlikowSki, bin 66 Jahre alt, Gutsbesitzer und ehemaliger Landstand, und der zweite: Ich heiße Albert Wiesinger, bin au« Wien gebürtig, 36 Jahre, alt, Doctor der Theologie. Consistorialrath, Eurat-Be« neficiat bei St. Peter, Redakteur der Wiener Kirchenzeitmig. Der Schriftführer verliest hierauf folgende Anklage: ״Die Wiener Kirchenzeitung hat in der Beilage zur Num» mer 5 vom 2. Februar 1867 unter der Aufschrift: ״Ein jüdischer Dortor und ein katholischer Pfarrer" eine Eorrespondenz aus Mödling gebracht, welche von Herrn Eholewa Ritter v. PawlikowSki als Verfasser unterzeichnet ist. Die Einleitung dieser Eorrespondenz beginnt mit der Behauptung, daß, ״in unserem schönen Oesterreich die Katholiken und da» katholische Priefterthum nicht nur den Gemeinheiten der Judenpreffe allein, sondern zu« weilen auch jedem einzelnen Juden zur beliebigen Chicane, Zungendrescherei und Schmähung schon vollständig überliefert sind", und sie fügt sofort hinzu, daß die» durch eine kleine, meine Per« son (vr. Polak) betreffende Erzählung bewiesen werden solle. Sohin wird von mir erzählt, daß ich, in Mödling an einem Sonntage zu einem an der Lungenentzündung schwer Erkrankten gerufen, trotz dessen Schwäche die Uebertragung in da» Spital nach Wien verordnete, diesfalls wohl ein Zeugniß versprach, da», selbe aber erst Dienstag in vorgerückter Tageszeit, einige Stun« den, nachdem der Herr Pfarrer von Mödling den Kranken bereitversehen hatte, den Verwandten zukommen ließ, daß sch mich sohin seit meinem erstem Besuche bei diesem Kranken nicht mehr sehen ließ, wohl aber am Samstage darauf, als der Kranke starb und ich um einen Behandlungszettel angegangen wurde, auf einem kaum drei Finger breiten Papierstreif bemerkte, ich könne über einen Kranken, den ich nur einmal, und da« vor vier Tagen, ge« sehen, kein Attest ausfertigen, und der Herr Pfarrer möge e» verantworten, daß hier durch seine präpotente Einmischung die Hilfe verabsäumt worden. ״Die bei diesem hohen Gerichte gepflogene Voruntersuchung hat dem entgegen constatirt, daß ich die Krankheit de» Manne» nicht als eine Lungenentzündung, sondern al» eine Ripprnfellent«