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Die Gegenwart · 1867-06-07 · 23 (7.6.1867) · p. Seite 181

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
23 (7.6.1867)
Date
1867-06-07
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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ftafrnct Wochenschrift für Jßdisch« Angelegenheiten. I 181 Ende zu leitenden schlichten Mann, dessen ״Wille" erst durch ein» leuchtende allmälig gewinnende Darlegung bestimmt werden kann, sind sie meist zu aphoristisch gehalten, ihm muthen sie zu viel eigene Ergänzung zu. Besonders gegen daS Ende reißt gewöhnlich — ein Zeichen der Schwäche-— der Faden der Geduld und mit ihm derjenige der gewünschten Führung bis zum Schlüsse. Ich will hierdurch keineswegs dem allzu behaglichen Breittreten des Inhalts, worin sich manche auch der rühmlicher genannten Prediger gefallen, das Wort reden; auch sind mir die Predigten de» vr. Joel an und für sich nicht zu kurz, aber bei dieser Knappheit hätten denn lieber manche Nebengedanken, manche sonst geistvolle Bemerkungen wegfallen müsse», als daß die lebensvolle Anwendung und die Klarheit und Vollständigkeit' in der Entwicklung darunter litten. Die gemachte Ausstellung mag freilich in ihrem vollen Um« fange nur für diejenigen Predigten gelten, welche vom Verfasser als in dem Betlokale des jüdisch-theologischen Seminars gehalten bezeichnet sind; allein in einem gewissen Maße dürfte sie auf alle anzuwenden sein. Ich vermuthe, daß ein Theil auch der späteren vor der Breslauer Gemeinde gehaltenen, dem nrsprünglichrn Gedanken nach aus jenen erstem hervorgegangen sind. Diese geben sich durch einen vorherrschend dialectischen, der philosophischen und talmudischen Schule angehörigen Charakter als solche zu erkennen, und einigen von ihnen scheint dann bei der Ueberarbeitung ein mehr intuitives und der specifischen Andacht entsprechenderes Gewand angelegt worden zu sein. ( R—r. Bibliothck der griechischen und römischen Schriftsteller über Ju denthum und Juden, in neuen Uebertragungen und Sammlungen. Erster Band, Leipzig 1865. Zweiter Band, Leipzig 1867. So anerkennenSwerth an und für sich die von dem Institute zur Förderung der israelitischen Literatur aufgenominene und bereits inS Werk gesetzte Idee ist,' eine neue Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Judenthum und Juden zu gründen, so läßt doch die Art der Ausführung noch Manches zu wünschen übrig. Wenn auch die Uebertragung dieser volkSthümlichen Literaturerzeug niste, die, ihrer ganzen Haltung nach, man darf sagen, an die gesammte gebildete Welt gerichtet waren, im Ganzen keine erheblichen Schwierigkeiten bittet' so gehört doch eine sachkundige Hand dazu, die mit der nöthigen Kenntniß der Quellen und einschlägigen Arbeiten, auch Sorgfalt und Umsicht, sowie Takt und Geschmack verbindet, um einem größeren Publikum das richtige Verständniß zu vermitteln und Genuß än der Lektüre zu bereiten. Leichter war diese- Ziel bei Erzählungen und Schilderungen zu erreichen, wie wir sie im Leben Mosis von Philo, das vor zwei Jahren vom Institute auSgegeben worden ist, und in Josephus' Selbstbiographie, wie größtentheils auch in der Abhandluug über die Makkabäer, antreffen. Der Faden wickelt sich in denselben gewistermaßen von selber ab und der gefügige Stoff findet leicht die paffende Form. Andergestaltet sich aber das Verhältniß, wo es sich wie bei Joseph»»' Schrift gegen Apion, die nebst den zuletztgenanntm beiden Schriften in dem diese- Jahr ausgegebenen zweiten Bande der ״Bibliothek" enthalten ist, um ein Raisonnement handelt und . der Dialektik ein weite- Feld eingeräumt ist. Da wird Aufmerksawkeit und Au-dmck verlangt um den gadm festzuhalten, nicht minder ist Gewandtheit in der Uebertragung uothwendig, um die feineren Nüancen de- Original» wiederzugeben. Hiergegen ist i» der bezüglichen Abhandlung von deren Uebersetzer vielfach gefehlt worden, er hat uns, um den richtigen Ausdruck zu gebrauch«,, eine Schülerarbeit geliefert, die einzelnen Sätze hat er ans dem Urtexte übersetzt, aber nicht immer auf den logischen Zusammen- Hang die gehörige Aufmerksamkeit verwendet, daher auch öfter ut* **) paffende VerbindungSwörter gebraucht. Da überdies auch zahlreiche Verstöße gegen die einfachsten Sprachgesetze Vorkommen, s» fehlt dem Ganzen durchweg die nöthige Politur, wodurch natürlich der Gesammteindrnck sehr abgeschwächt wird.*)- Zur Begründung meine» Urtheil» dürfte dem Leser ein alleiniger Hinweis auf die ersten vier Sätze II. 15 E. 168 schon vollständig genügen. ' r Im ersten dieser Sähe heißt es: ״daß diejenigen. durch Milde und Tüchtigkeit der Natur hervorstechend ״angenommen werden". In den drei nachfolgenden sigurirt je al» das dritte Wort das in der Schriftsprache überhaupt zu vermeidende ״nun", welche»,, wie sich Jeder leicht überzeugt, keineswegs geeignet ist, die Deduktion, mit welcher wir es an jener Stelle zu thun haben, in das richtige Licht zu setzen. r Daß diese Beispiele sich ansehnlich vermehren ließen, wird nach der gegebenen Probe, Niemand in Zweifel ziehen. Bemerken will ich noch, daß Phrasm wie: ״übten ihren Körper zur Schönheit" S. 181, nicht Vorkommen dürften, während in der Uebertragung S. 184: ״Diejenigen Künstler, die sehr wegen ihrer Statum aus Elfenbein und Gold bewundert werden, besitzen die Möglichkeit beständiger Neuerungen." An Unverstand wirklich, was nur irgend möglich, geleistet worden ist. — Auch sind Schnitzer wie: ״die Iberer seien eine Stadt" S. 111 oder: ״nach einer Götterüberlieferung hieß die Stadt früher Thphoninö" S. 139 nicht zu rechtfertigen. In Betreff der Auffassung will ich nur einen Punkt berichtigen, der de» VerfafferS persönlichen Verhältniffe betrifft. Seite 108 heißt es nämlich: ,.anderntheils vernahm,ich allein die Meldungen der Ueberläufer." Hier entsteht die Frage, warum gerade Joseph»« bazu au-- ersehen war, sie beantwortet sich dagegen von selbst, wenn wir richtig übersetzen: Andererseits verstand ich allein die AuSsagen der Ueberläufer.") . Gehen wir zu den übrigen in der Bibliothek enthaltenen Schriften über, so sind auch diese keineswegs ftei von Mißgriffen, *) Warum hat der Uebersetzer Frankel« treffliche Bearbeitung dieser Schutzschrist in deffen Zeitschrift, Jahrgang 18dt und 1852, nicht zu Rath« gezogen? **) Letztere sprachen nämlich aramäisch, welche« die zur Zeit in Palästina herrschende Bolwsprache war. * Aueiner Stelle in Josephu» Werken ant XVIII. 6, 10 scheint übri. gen« hervorzugehen, daß selbst da» Hebräische noch i«n erstm Jahrhundert «• Ehr. in Palästina gesprochen wurde. Er erzählt nämlich, daß ein Freigelassener de« zu Rom seiner Schulden halber im Kerker schmachtenden Agrippa, aus da« erste Serücht von Tibrriu»' Tode (». Tag) sich eiligst zu jenem bege, ben und ihm auf hebräisch die Worte ״der Löwe ist tobt" zugeflüstert habe. Au« einer Episode au« dem bewegten Leben deffelbrn Agrippa, die uat Philo gelegentlich in seiner Schrift gegen Flaccu» erzählt, enMehmen wir andrerseit«, daß dieser Autor (vgl. Fraukel» Programm 185«. S. »Sj vo« dem Aramäischen nicht« verstanden Hab«. Andernfall« würde er zur Erklärung de« höhnenden Ruse« ״Maria" ,Mar oder Maran), mit welchem nach seiner Erzählung der ein Jahr nach dem erwähnten^ Borgange, über Alexandrien nach Palästina heimkehrende neue König von den leichtfertigen Alexandrinern »er. spoUet wurde, nicht hinzugesetzt haben, daß jene« Wort die Bezeichnung d«r Syrer für ,^err" sein ״solle".

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