Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 23 (7.6.1867)
- Date
- 1867-06-07
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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verüoer Wocheafchnft fftt Iidisch« Lugüegeuheitm. 185 zündung agnoscirt hatte, welche im Gegensätze zur Lungroeutzündüng eine längere KraukhettSdauer wahrscheinlich macht und die Rothweudigkeit einer andauernden, aufmerksamen und sorgsältigeu Pflege voraussetzt, während ich hei dem Kranken eine uugewöhu. liche Armuth vorfand und die Unmöglichkeit einer auch nur halb« weg» anständigen Pflege von Setten der Verwandten betheuern hörte; daß ich nur l>eShalb/^die Transportirung in das Spital nach Wien anrieth und zu diesem Zwecke auch die Ausstellung eineübrigens nicht unbedingt erforderlichen Empfehlungszettelzusicherte, welcher jedoch bei mir abzuholen war; daß dieser Zet« tel beim Besuche des Herrn Pfarrers am Dienstage bereits vorlag, von ihm eingesehen wurde, und daß er aus demselben die vorhandene Rippenfellentzündung, nicht Lungenentzündung des Kranken ersehen mußte; daß ich endlich seit Sonntag zu dem Kranken gar nicht gerufen war und guten Grund hatte, dmselben schon am Dienstage in Wien in^Spitale zu glauben. ״Wäre der Thatbestand so erzählt und hervorgehoben wor« den, daß gleichwohl der Herr Pfarrer eine Lungenentzündung bei dem Kranken unter zweimaligem Besuche behandelte und Haar« linsen-Umschläge verordnet, zudem ohne Beiziehung eine- Arztes eigenmächtig den Transport nach Wien Widerrieth und den Kranken der Wartung und Pflege von blutarmen Verwandten überließ, die ihn nicht etwa mit einer guten Suppe, sondern mit Linsen und harten Knödeln, dann stark gewässertem Kaffee nährten und an dem Nothwendigsten Mangel leiden ließen, daß endlich der drei Finger breite Papierstreif nur als ganz private Mittheilung für den Bürgermeister-Stellvertreter Herrn Eichinger in Mödling bestimmt war — dann würde eS der Leser der Kirchenzeitung begreiflich gefunden habe», daß ich bei dem schnellen tödtlichen Verlaufe der Krankheit Anstand nehmen mußte, einen Behändlungszettel auszufertigen und hierdurch die Verantwortlichkeit für das eingetretene traurige Ereigniß auf mich zu nehmen, sowie er andererseits geschlossen haben würde, daß ich noch des« halb den katholischen Priesterstand als solchen keineswegs zu schmähen beabsichtigte, wenn ich in einer durchaus privaten Miltheilung über die präpotente Einmischung deS Herrn Pfar« rerS in den ihm fernstehenden ärztlichen Wirkungskreis Klage führte." ״Ganz andere Folgerungen aber zieht der Herr Verfasser aus seiner gänzlich entstellten Erzählung'. Nachdem er seine Dar« stellung ausdrücklich als ״wahrheitsgetreu" hervorhebt, erklärt er, daß nur mich, niemals aber den Herrn Pfarrer die Verantwortuog für den unglücklichen AuSgang der Krankheit treffe, daß ich endlich meine beschworene Pflicht verletzt habe. Nach ihm mußte ich wissen, daß eine vernachlässigte Lungenentzündung mit dem Tode endige, und doch ließ ich den Kranken so viele Tage hilflos liegen; nach ihm wollte ich einen Kranken, den Weib und Sohn auf das beste gepflegt haben würden, muthwillig nach Wien in das Spital schicken, habe ich mit der Ausfertigung de» versproche« nen Zeugnisses gesäumt, und zum Schlüsse hält er e» für angezeigt daß-ich, nachdem ich meine Pflicht als Doctor so sehr ver« gessen Hab«, von amtSvegen au eine gewissenhaftere Erfüllung der« selben erinnert werde." ״Ich werde durch diese Verdächtigungen und Vorwürfe zu« nächst bestimmter unehrenhafter Handlungen als Arzt und Mensch, sowie auch noch des Vergehengegen die Sicherheit des Lebennach den 88- 358. und 335. St.«G. in direktester Weise beschul« digt; ich werde gleichzeittg im Eingänge des incriminirten Art!« kelS im Allgemeinen der verächtlichen Gesinnungen und Handlun« gen gegen die Katholiken und den katholischen Priesterstand gezie« hen; eS erscheint sonach durch diese Ausfälle der objectlve Thal« bestaub der 88• 487, 488 und 491 St. G. begründet» während die böse Absicht au» dem offenbar feindlichen und mir höchst gvhässigen Tone de» Artikel» hervorgeht." ״Ich erhebe demgemäß auf Grund dieser mich höchlichst verletzenden Eorrespondenz gegm den Herrn Eholewa Ritter v. Pawlikowski als den Verfasser derselben uud gegen den Herrn Konsistorialrath Or. Albert Wiesinger als verantwortlichen Rrdak« teur der Kirchenzeitung die Anklage wegen de- Vergehen» der Eh« renbeleidigung nach den 88- 487, 488 und 491 St. G., strafbar nach dem 8- 492 St. G. dann den 88- 33 uud 39." Nachdem die Anllage vorgetragen ist, läßt der Präsident den incriminirten Artikel der Wiener Kirchenzeitung verlesen und schrei« tet hierauf zum Verhöre der Angeflagten. Präs, (zu P. Wichtiger): Haben Sie den Arttkel vor Drucklegung gelesen? P. Wiesinger: Ja, ich habe ihn gelesen. Präs.: Und nahmen Sie keinen Anstand den Artikel ab« drucken zu lassen? P. Wiesinger: Nicht im geringsten. Er äs.: Sie haben die von Herrn Or. Polak eingebrachte Klage vortragen gehört und werden daraus entnommen habe», daß sich Herr Or. Polak durch die in dem Artikel erzählten ent« stellten Thatsachen und unwahren Beschuldigungen an seiner Ehre getränkt fühlt. P. Wiesinger: Der Aufsatz stammt aus der Feder de- Ritter v. Pawlikowski, den ich seit Jahren als ehrlichen, biederen Charakter kenne, mit einem Worte, als einen Mann, der seine» Adel verdienen würde, wenn er ihn nicht schon hätte, und lmrum habe ich, nachdem ich den Aufsatz gelesen hatte, keinen Anstand genommen, denselben abdrucken zu lassen. Abgesehen davon, daß ich den Inhalt de» Aufsatzes für wahr hielt, bekräftigte das mein vieljähriger Freund noch durch eine Privat-Correspondenz, in wel« cher er alle seine Angaben als wahr erklärte. Zur Aufnahme deS Artikels bewogen mich vorerst äußere Gründe, da keiner Re« daktion bessere Mittel zu Gebote stehen, sich von der Wahrheit»- liebe ihrer Correspondenten zu überzeugen, als die mir zu Gebote stehenden, die durch eine Reihe von Jahren erprobte und bewährte Wahrheisliebe deS guten Katholiken Ritter v. Pawlikowski. Aber auch innere Gründe waren eS, welche mich bewogen hatten, den Artikel aufzunehmen. Ein armer Mensch ruft den Arzt; die schöne Seite deS ärztlichen Berufes zeigt ssch am schön« sten am Krankenlager des Armen. Der Arzt wie der Priester, welche den Beruf haben, an das Krankenlager zu eilen, 'dürfen eS sich nicht verdienstlich anrechnen, am Krankenlager de» Reichen gewesen zu sein, weil da die Bermuthung nahe liegt, daß Beide au» anderen Mottven ihre Pflicht erfüllt haben. Anders verhält eS sich jedoch bei deu Armen, l!nd in unserer Zeit, welche die Humanität auf ihre Fahne schreibt, konnte ich nicht begreifen, wie Herr Or. Polak so pflichtvergessen gehandelt. Ja ich begreife eS heute noch nicht, wie Herr Or. Polak nicht in Conflikt kam mtt dem 8- 358. des Strafgesetzes, nach welchem Arzt und Priester ihre Pflicht zu erfüllen haben, auch wenn sie nicht gerufen werden. Diese Pflichten erfüllen nur katholische Priester, und zwar jeder katholische Priester. (Schluß folgt.) Vermischte». — Unserem kürzlich in Paris verstorbenen LandSmann, de» Orientalisten Salomv Munk, ist in Jerusalem zum dauernden