Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 23 (7.6.1867)
- Date
- 1867-06-07
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Brrlmcr Wochrnschrift ffe Jüdisch« Aagelegnchritru. 179 nagoge', sondern sämmtllche Torarvllen, Paramente u. s. w. zu : verlieren. j Sehr schwer traf unS dieser UnglllckSfall, da wir die Mild«! thLtigkeit der löblichen israelitischen Gemeinden nicht in Anspruch | nehmen wollten, noch schwerer, weil wir in dieser precLrrn Ge« j fchästSzeit kaum da« täglich« vrod verdienen konnten, besonderaber, weil wir gar keine Aussicht zur Wiedererbammg unserer Synagoge, Schule und RabbinatSwohnuug hatten. Trotzdem wir alle, in unfern Kräften stehenden Opfer brachten, sehen wir un« von unserem vorhabenden Ziele noch weit entfernt, weshalb wir dm einzigen Weg zur Erreichung desielbett — jenm der öffentlichm Appellation an unsere verehrtm Glaubensbrüder, an alle edlen Menschenfreunde, wagen, un« durch milde Spenden in unserem gottgefälligen Vorhaben zu unterstützen, auf daß wir wieder gemeinschaftlich an geweihter Stätte dm Ewig Einen anrufen, und unsere Kinder im Glauben Unserer Väter unterrichten lassen könneu. — Die kleinste Gabe selbst wird dankbar angenommen vom Kultus-Vorstand Slabetz und Rakonitz. M. Popper, KultuS-Vorsteher. TemeSvar (Ungarn). Hier cirkulirt ein Flugblatt mit der Ueberschrift ״Aufruf an sämmtliche Wähler TemeSvarS", da« den Geist unserer Bevölkerung in freundlichster Weise illustrirt. ES lautet: Die gesammte Einwohnerschaft unserer Stadt ist eben durch ihre polyglotte Lage in der liberalen Auffassung der Gleichberechttgung viel eher entwickelt, qls manche andere Stadt unsere« Vaterlandes. Der tägliche Verkehr und das gemeinsame Leben haben bei uns die Nationalitätm und verschiedenm Confessionen so friedlich in dem allgemeinen Genuß der Berfaffung verschmolzen, daß unsere aufgeklärte Bürgerschaft immer nur die Eapacität bei den Wahlen bettachtete. ES sind somit die Wähler an Liberalitat nie hinter der übrigen Einwohnerschaft geblieben. Sie mögm aber auch nicht hinter der Liberalität anderer Schwesterstädte, nicht hinter der Liberalität der einfachen EomitatS-Einwohner bleiben, die dann mit Recht vorwerfen würden, daß die voranschrei« tmde Bildung der Städtebewohner nur zur Unterdrückung des Naturverstandes und de« GilligkeitSgefühleS und der Entfesselung der Leidenschaften, somit in die Schattenseiten der Civilisation führe. Die Promulgation der vollkommenen Gleichstellung unserer Eompatrioten mosaischer Religion, deren )0 viele da« Honvedkleid mit Ehren gettagen, ist in den nächsten Tagen zu erwarten, und diesem Umstande haben bereit« die Städte Arad, Szmte« und Andere Rechnung gettagen, indem sie aus der Mitte der iSraeli« tischen Mitbürger und Mitkoutribuenten einige StaatSrepräsentantm gewählt, um nicht später wegen Besetztsein der Stellen sie auSfchließm zu müssen. Wir wissen ferner allgemein, daß bereits im Jahre 1861 in jedem Comitate einige würdige Israeliten zu MÜgliedern der EomttatSauSschüffe gewählt wurden, und auch seither ohne Anstand al» solche fungtten. Wir mögen also, meine geehrten Herren Mitbürger, ebenfalls nicht Zurückbleiben, und wählen mindestendrei Mitbürger mosaischer Eonfrssion in die Stadttepräsentanz und »geben wir damit ein rühmliches Zeugniß nuferer Liberalltät. Der Umstand, daß diese unsere Mitbürger sich in den Wählerlisten nicht befinden, ist kein Hinderniß, da ihre Namen eingeschaltet werden können, ebenso wie jene der verspätet «utorisirten. Franz v. Nagy, Advokat, Mitwähler. Jassy, 12. Mai. Die von Bratiano genehmigten Berfügungen der hiesigen ״Premerie" (Eommunal-Verwaltung) gegen die Judy, waren folgende: ») Es wurde beschlossen, den Juden die Erlaubtstzom Ankäufe von Häusern und liegenden Gründen, sowie da« Pachtm der letztere» zu mtziehm; b) es wurde be« schlossen, deu GutSbesttzem zu verbieten, ihre VutSpropinattoneu a« Juden zu verpachten; c) e« wurde beschlossen, den Juden dm Verkauf von Branntwein in der Stadt Jassy zu mtziehm; d) r« wurde dm Judm verboten Spezereihändler zu sein; e) wurde ein Gesetz zur Abschiebung von Bagabundm au» Jassy nach I«. mail erlassen. Doch wie wurde die« gehandhabt? . . .1 Unter den an einem Tage zu diesem Zwecke zusammm ver« hafteten Individuell waren 12 Christen und 111 Juden! Unter diesen Juden befinden sich 60 jährige ehrliche Greise, die seit 30 oder 40 Jahren sich auf kärgliche, aber ehrliche Weise ihr Brot in Jassy verdimen. Unter den 2—300 Eingesperrtm und zum Theil schon au die Grenze TranSportirtm dürften vielleicht kaum 20 wirklich Vagabunden sein. Die meisten haben ihren nothdürftigen Erwerb und viele sogar ihr Häuschen. Haarsträubmd ist die Art und Weise, wie diese armen Leute zu Vagabunden gestempelt, eingesperrt und ttanSportirt wurden. E« geht ein Jude in etwa« ärmlicher Kleidung mit Bart und PeaS (Haarlocken) über die Straße; der Sergeant nähert sich ihm, schaut ihn an-tu jes Jydan Bagabund! (du bist ein Judmvagabund) spricht er und führt den armen Mann fort. Doch nicht auf der Gasse allein geschieht solche«, selbst in die Wohnungen wird eingedrungen. E» werden Söhne von ihren Eltern, Greise, Väter von Frau und Kind gettennt und ttotz ihrer Legitimation als erwerb- und paßhabende Leute eingesperrt und ttanSportirt. Ausländer, Oesterreicher, Rossen suchen sich dadurch zu schützen, daß sie ihre Passe vorzeigen; diese jedoch werden vor ihren Augen zerrissen und dann heißt es: ״Du bist paßloS". Die hiesige Judengemeinde hatte sich telegraphisch und schrift« lich nach Paris an Rothschild und Eremieux um Fürbitte bei der Regierung gewendet. (Bekanntlich mit Erfolg.) Jtaliea. Der Ausschuß des israelitischen CongresseS zu Ferrara hat eine neue Generalversammlung von Repräsentanten aller jüdischen Gemeinvm JtalimS nach Florenz zusammenberufen. Zweck der Versammlung ist, Mittel ausfindig zu machen, wie der bedrängten Lage der Gemeinden aufzuhelfen ist und bei Gelegen« heit der Ordnung der Beziehungm zwischen Staat und Kirche, von der Regierung Staatssubventionen zu Gunsten de« iSraelitt« scheu Kultus zu erwirken. Korfu. Ein Eorrespondent aus Korfu schreibt dem ״Edu« catore Jsraelita": Die Neuigkeüen, welche ich ihnen mitzutheilrn habe, sind nicht angenehm. Die bürgerlichen Gesetze sind günstig für uns; aber die allgemeine Lage, die Unglücksfälle, die schnell aufeinander folgen und die mormen, obgleich unvermeidlichen Abgaben veranlassen Viele zur Auswanderung, bringen viel Noch und verhindern im Allgemeinen die Jugenderziehung, welche jetzt so nochwendig ist. Trotz dieser Schwierigkeiten hat sich der jü« vische Wohlthätigkeitöfinn bei unseren Glaubensgenosse» in großem Glanze bewährt. Nach dem schrecklichen Erdbeben auf dem benachbarten Eephalonia veranstaltete unser Rabbiner eine Eollecte, zu der Reiche und Arme nach Derhältniß ihre» Vermögen« bei« steuerten. Besonders hat sich Signor Marco Levi di Moise durch seine schnelle und großmüthige Mildthätigkeit ausgezeichnet. Am selben Tage, als die bettübende Nachricht bekannt wurde, schickte er 10000 Pfund Brot nach dem Schauplatze der Verwüstung. Loudou, 12. April. In der jüngsten Zeit haben Freunde der Mission gegen jüdische Schriftsteller die Anklage erhoben, sie beschuldigten fälschlich die ^Missionäre eigennütziger Motive. Fol« gender Artikel wird daher nicht ohne Interesse sein. Der ״Staudard" berichtet: Gestern wurde eine Untersuchling im Hause des Herrn John Humphrey, des Coroners von Middlesex, wegen des 23*