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Die Gegenwart · 1867-06-07 · 23 (7.6.1867) · p. Seite 178

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
23 (7.6.1867)
Date
1867-06-07
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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17b Dir Ckgaoeart e Lemberg. 26. Mai. Die Polnische Nationalpartei hat hier mit Hülfe einiger Polnisch gesinnter jüdischer Gekehrteu eine, Verein in» Leben gerufen, der sich die Polonisirung ver jüdischen Be» völkerung durch systematische Verbreitung Polnischer Sprache und Gesinnung unter derselben zur Aufgabe gestellt hat. Rach den VereiuSstatuten soll diese Aufgabe erreicht werden 1) durch Pol» nische Reorganisation der jüdischen Schulen; 2) durch Besoldung von Privatlehrern der Polnischen Sprache; 3) durch Aussetzung von Prämien für die in der Polnischen Sprache sich auszeichnen« den Schüler; 4) durch Einrichtung Polnischer Lese-Bibliotheken; 5) durch Gründung einer Polnischen Zeitung für die Juden. Die zur Erreichung dieser Zwecke nöthigen Geldmittel werden durch Beiträge der BereinSmitglieder aufgebracht. Die BereinSmitglie» der zerfallen in fünf Klassen: 1) Gründer. 2) Förderer, 3) or» deutliche, 4) correspondirende, 5) Ehrenmitglieder. Die Gründer und Förderer, die größtentheils Polen sind, zahlen einen monat» lichen Beitrag von 50 resp. 25 sl.; die ordentlichen Mitglieder zahlen ein Eintrittsgeld von 2 fl. und einen monatlichen Beitrag von >/, fl. Tie jüdische Bevölkerung, die Jahrhunderte hindurch unter dein schwersten Druck ihre Deutsche Muttersprache mit be» wundernswürdiger Zähigkeit festgehalten hat, ist empört über diesen : Angriff auf bieselbe und bietet Alle« auf, um das Ministerium zu bestimmen, den Statuten de» Verein» zur Polonisirung der Juden ihre Genehmigung zu versagen. Doch befürchtet man, daß diese Bemühungen durch den Einfluß de» Gr. Goluchowöki und de- Polnischen ReichSrathSklubS paralysirt werden möchten.! NikolSdurg im Mai. Kürzlich ist den israelitische» Lehrern sowohl, wie den Gemeinden und Rabbinern Mähren», ein Erlaß de» Unterrichtsministerium» de« Inhalt» zugekommen, daß, nachdem die israelitischen Lehrer Mahren» über 30 wöchentliche Unterrichtsstunden angesetzt haben, das Maximum der wöchentlichen Unterrichtszeit jedoch nur auf 24 Stunden sich belaufe, demnächst eine nicht von Lehrern allein, sondern auch von Rab« binern und Gemeindevorstehern abzuhaltende Conferenz vom Mi» nisterium angeordnet werde, in welcher diese Angelegenheit zur Sprache gelangen soll. Diese Conferenz würde die Fortsetzung von früher begonnenen Berathungen bilden, in welchen seinerzeit auf Anregung de» Herrn Moritz Ei-ler (Direktor» der iSraeliti» schen Hauptschule zu Nikolsburg) über den Unterricht de« Hebräi» schen, sowie über einen Verein zur Versorgung von Lehrer-Witt» wen und Waisen verhandelt wurde. Prag. Unter dem Titel: ״Ein Wort zur Zeit!" ge« richtet an die israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz zu Prag, vor ihrer Konstituirung, von mehreren Mitgliehern der Prager Jsraelitengemeinde, ist hier eine Brochüre «-schienen, die in die Posaune stößt, um zur richtigen Neuwahl der Repräsentanz auf» zufordern. Da« Bild, da» von dem gegenwärtigen Kollegium entworfen wird, ist eben nicht sehr schmeichelhaft. Der Berfaffer nimmt al» Hauptfaktoren der Gemeinde an: 1. Daö Armenwesen. 2. Die Kultu»»SteuerumlagSkommis« sion. 3. Die Verwaltung. Da» Armenwesen, sagt er, äußerst schlecht gepflegt, ist in seinem derouten Zustande zu einem Bettelwesen herabgesunken, so daß der verschämte Arme eher hungert und darbt, bevor er sich über Klippen durch da» verkörperte Elend hindurchdrängt, um zu einer Gabe zu gelangen. Wo ist die Armenkommission, wo sind die dekretirten Ar« menväter? Beide existiren blo» dem Namen nach, so wie die Repräsentanz auch nur dem Namen nach existirt. Nicht» al» Illusionen! Wa» die Kultu-fteuerumlag-kommission betrifft, die von der Repräsentanz zusammengesetzt ist, so müssen wir diese al» den gechischrn Knoten ansehen, der schon lange de» Alexander» schwerte» wartet. In dieser Kommission saßen, so weit wir wis» sen, durchweg Männer der Ehre, hber nicht durchweg der richti» gen Anschauung. Wenn e» daher vorkamm, daß ein Mitglied der SteuerumlagSkommissiyu sich vhr» Hausmeister des jüdische» Gemeindehauses oder von de» ersten besten Commi» über die Vermögensumstände eine» oder de» anderen Gemeinde» Mitgliedes informiren ließ, bevor er in der Gemeinde selbst über den zu Besteuernden Erkundigungen enrzog, so darf sich Nie» mand hierüber wundern, wenn über den betreffenden schon viel früher abgeurtheilt wurde, ehe er noch vor den Areo»! Pag kam. Die Gemeinde vermißt ein geregelte» VerhälMiß ihrer Re« präsentanz. Sie findet nur Zerklüftung, Schroffheit statt Annä» herung; sie entbehrt noch mancher Einrichtung, die zur Schande einer uralten jüdischen Gemeinde, wie der in Prag, jede neu kon» stituirte Landgemeinde aufzuweisen hat, so z. B. findet man in der Prager jüdischen Gemeinde nicht einmal eine Badeanstalt, die sanitären und rituellen Zwecken entspricht, die bei aller Toleranz, bei aller Freigeisterei, zu den religiösen Satzungen einer jüdischen Gemeinde gehört. Wir find fest überzeugt, daß der größte Theil der Herren der Repräsentanz diese Einrichtung für lächerlich sin» den; darum empfehlen wir ihnen eine Inspektionsreise nach den großen Gemeinden Wien, Pest, Berlin, Brünn rc. und sie wer» den zur Ueberzeugung gelangen, daß, wenn auch die Herren eine ■ solche entbehren können, eine Gemeinde sie nicht entbehren darf. Ein Gleiches ist e» mit dem Verhältniffe der Repräsentanz z» den Synagogen Prag». Ohne sich mit den Vorständen derselben von Vornherein zu berathen, zieht sie e» vor, ihren Machtspruch allein auszusprechen, überhaupt über synagogale Angelegenheiten zu debattiren und zu beschließen, bei denen absolut die Zuziehung von Fachmännern und Synagvgenvorständen nothwendig ist, um« somehr al» in der Repräsentanz Herren sitzen, die da» ganze Jahr hindurch weder in den Synagogenrahon, noch in die Synagogen selbst kommen. Sie sprechen über religiöse Zustände, in die einen Einblick zu machen sie nie Gelegenheit gefunden, ja nicht einmal gesucht habm. E» ist der Wunsch der ganzen Gemeinde, daß die Statuten umgeändrrt, daß der in denselben vorkommeude Wahlmodu» dahin modificirt werde, daß sämmtliche 3 Wahlkörper an einem und demselben Tage zu wählen haben. Wir wiederholen e», daß e» Wunsch der Gemeinde ist und hoffen und rechnen gewiß darauf, daß demselben entsprochen wird, widrigenfalls wir die Nichtbefol» gung diesenichts als billigen Appells in den öffentlichen Blättern seiner Zeit besprechen müßten. Die Wahl ist berest» vorüber und wir stehen am Punkte einer neuen Phase! Weit entfernt, die Gewählten einer kritischen Beleuchtung zu unterwerfen, weil hier weder Namen noch Per» sonen, desto mehr ihre Fähigkeiten entscheiden, die wir eben vor dem Antritte ihre» Amte» nicht zu bemessen berechtigt sind, wollen wir doch vor Allem die neue Repräsentanz, bevor sie sich kon» stituirt, darauf aufmerksam machen, daß sie nur al» eine Vertre» tung Zusammentritt, die über jüdische Gemeindeinter» effen zu wachen, dieselben möglichst zu heben hat, daß sie aber kei» neSweg» eine parlamentarische Vorschule, kein Konglomerat von sich heranbildenden Staatsmännern, keine Maschine sein soll, deren Hebel (?) zum Erringen gewisser Ehrenposten dienen. Rakonitz (Böhmen), im Mai. Im v. I. theilte die erg. gefertigte KulwS-Gemeinde, au» ea. 40 sehr armen Mitgliedern bestehend, datraurige Schicksal vieler israelitischen Gemeinden Böhmen», durch eine Feoer-brxnst nicht nur die hellige Sy-

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