Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 23 (7.6.1867)
- Date
- 1867-06-07
- Page
- Seite 177 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ז־ Xufrt 8Utt «ttcmt id» Srcitag. Wwwnitl»Brei« vikrtrüthrlich flSSlnRnig*«*!)1 f«».n«|aK Berliner WÄe w-ixütDn-G«»»« «. a »»«>111•«: >rift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, dm 7. Juni. No. 23. Erster Jahrgang. 1867. Inhalt: «,«t,»,״»m)»n: Stalin, Töthm, Stady, Lembrrg, NikolSbnrg. Prag, Nakmiy, TmieSvar, Jaffy, Italien, Korfu, kondon, Prru. — Literatur- Arrjcht. — Tin jüdisch« Doctor und rin katholisch« Pfa««. — Vermisch, fr«. — V«r«n;rnliste. — — Inserat«. j - * Berlin, den 4. Juni. Die Rabbinertvahl ist noch im« «er nicht zum Abschlüsse gebracht. 7 Die Eommisston, der die Re« präseutamen-Bersammlung die ^rageübergeben -hatte, ernannte, vie man hört, Herrn RechtSapMalt׳Matower za ihrem Refere»- (en. Vorige Woche fand einc-gehrime Repräsentantensitzungj in der Rabbiner,Angelegenheit, statt,- in der die Eommisfion Bericht erstattete. E« lam hierauf zu einer Debatte, jedoch nicht zur Ab« stiwmung, da beschlossen wurde, die Abstimmung auf sechs Wo« chm zu vertagen. — ES cirkulirt in der Gemeinde eine Adresse an.daL Eolhegiumder Gemeinderepräsentanten, worin dasselbe ersucht wird, sich dem Vorstände in der Wahl Geigers an«, 4. UischWeu. .,L)ie Petition wird nsq^suhaf,t uzit lsnterschriftv^,bestehenden Gasse aus, griff bei dem Vorhandensein leicht bedeckt. — Auf der andern Seite wird der Kampf mit verhüll« mennbarer Stoffe, und angefacht durch einen scharfgehenden Wind, Ideen und eine wechselseitige Ergänzung ihrer wiffenschaftlichen Studien, soweit sie das Gebiet de» JndenthumS berühren, zu be« fördern. Dieser Zweck soll durch periodische Versammlungen, in »men Vorträge und Besprechungen stattfinden, erreicht werden. Wir betrachten dieses Faktum als einen Beweis regen tviffenschaft« lichrn Streben» in unserer Gemeinde, und wünschen^ dem neuen Vereine ein gutes Gedeihen und zahlreiche Betheiligung. — Am 2. d. M. wurde Dr. Leonh. Auerbach zum Boreher der ״Baruch«Auerbach'schen Waisen-ErziehUngS-Anstalten" ählt.! C-theu. An Stelle de» nach Ratibor benifenen 0r. Hrkscher ist Or. Michaeli», Zögling de» jüdisch, theologischen Eemi« tzar« zu GreSlau, zum Prediger und Religion-lehrer der hiesigen Gemeinde gewählt worden. , Brody, den 2b. Mai. Nach einem Intervall von acht Kahren (der letzte Brand war am 5. Mai 1859) wurden wir Vorgestern neuerding» von einer furchtbaren Feuersbrunst betroffen. Am b Uhr Nachmittag» de- 23. d. M. brach da» Feuer, deffen Arsprmig noch unermittelt ist, in einer engen, au» hölzernen Hau« stehen ßrwä tem Visir und von dem Walle der Anonymität herab geführt; doch nicht mit den scharfen Waffen der Logik, nicht mit Vernunft und Gründen kämpfen die Gegner, sie werfen nur mit'Schmutz um sich. Die meisten ״Eingesandt»" in den hiesigen Zeitungen sind durch ihre consequente barbarische Sprachwidrigkeit, besonder» durch einige häufig widerkehrende Fehler, zumeist aber durch die aus ihnen sprechende bewußte Unwahrheit, ohne Mühe als Produkte einer einzige» Hand erkeunbar. Es ist ihnen de»« halb auch gar keine Bedeutung beizulegen. Wer etwas geltend machen will und eS mit ehrlichen Gründen unterstützen kann, mag die» öffentlich thun. Ein Mann vertritt ja auch sonst öffent« sich seine Ueberzeugung. So sahen wir z. B. am vergangenen Sonnabende ein Mitglied unserer Repräsentantenversammlung, da» sich bisher berufen fühlte, überdie ״Frömmigkeit" unserer Ge« meinde in wahrhaft mütterlicher Fürsorge zu wachen und sie vor dem drohenden Verderben zu retten, ganz gemüthlich im Wagen die Straßen entlang fahren. ES ist gewiß lobenSwerth, wenn ein Mann seine Gesinnungen frei und unverhüüt vor der Welt dar. legt, wenn auch freilich eine sabbatliche Spazierfahrt so wasczuo sowohl durch die Hitze als durch die Polizei sehr erschwert wäre. Allein Offenheit und Freimüthigkeit werden erst Tugenden, wenn Eonsequenz hinzutritt. Ist es aber konsequent, wenn Männer von solch' ״freier" Anschauungsweise sich als Vertreter der Orthodoxie geriren? Und ist die landesübliche Orthodoxie damit einverstanden'? — Wir gedenken ein andere» Mal auSsühr« sicher über dieses Thema unzu verbreiten. — Kürzlich hat sich hier au» jungen Philologen und Theo« logen ein ״Verein für jüdische Wiffenschaft" gebildet. Derselbe hat den Zweck, unter seinen Mitgliedern einen Austausch der so rasch mm sich, daß man kaum wußte, wohin zuerst die Spritzen und Mannschaft zu dirigiren, und bald stanv da« ganze erste Stadtviertel in Hellen Flammen. Das Feuer begnügte sich nicht mit den niederen hölzernen Wohnhäusern der Armen, die eS rasch wegfegte, es griff die beiden Synagogen an, von denen die eine nicht unerheblich gelitten. Bon da zog sich das Feuer, Alle» ans seinem Wege vernichtend, zum großen israelitischen Spital, au» dem die Kranken winselnd krochen, um sich in nahen Gärten zwi« scheu schützendem Gebüsch zu verbergen. DaS Spital wurde völlig niedergebrannt, ebenso die herrschaftliche Bierbrauerei nebst den Nebengebäuden. Der Brand griff dann ein großes, der Herr« schüft gehöriges Holzlager an, verbreitete sich über die Bauern» Hütten de» Vorwerk» Folwark, wendete sich mit dem Winde gegen das östliche und südliche Stadtgebiet, griff die Leinbergergasse, die Pfarrgaffe und einen Theil de» Ringes an, und legte so inner« halb 14—1b Stunden ca. 800 Häuser in Asche, machte 4000 Men« scheu obdachlos und tödtete 10 Menschen, von denen einige er« stickten, andere verbrannten, venn das Feuer griff so vehement um sich, daß man sich — eine Minute früher ziemlich sicher — nur mit Lebensgefahr durch Flammen und Rauch, welche au« allen Gaffen schlugen, flüchten konnte. Der Wirbelwind schleuderte überdie» die glühenden Kohlen von den prasselnden und krachenden Dächern, daß e» buchstäblich Feuer hagelte, (Nach neueren Berich« ten ist die ganze westliche Seite der Stzdt, 800—1000 HLu« ser, da» Opfer der Flamme» geworden. Der Brand kam Don- »erstag Abend» 7 Uhr au»; erst am 24. Abends erlosch er au» Mangel an Material, nachdem die nach dem Brande von 1859 gebauten, mit Blech gedeckten Häuser erfolgreich Widerstand leisteten.) 23