Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 22 (31.5.1867)
- Date
- 1867-05-31
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
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174 Die Gegenwert. ״So ist also die höchste GlaubeaSprüfnng Mit dem Ge- Denn einer neuen erhabene« Wahrheit vollendet, nämlich, der, daß Jehova da« Menschenopfer nicht wolle" Mit "dieser großen Entdeckung Ewald'tzsGesch. d. Bolle« Israel S. 484) dem er diesen Satz, bei dem wir so klug find wie zuvor, al« Schluß entlehnt, durchleuchtet Delitzsch die Finsterniß dieser trübselig« Erklärung. Wir können hier auf fpeciellerr, die ganze Geschichte Abra« Ham« betreffende Ansichten der Gelehrt« nicht näher eiogehen; aber anch Geiger« nicht viel weiter reichende Ansicht, da« Auskunft«« mittel, die Bedeutung der Akedah gerade auf den Stopf zu stellen, verschlägt wenig. Wir gelangen eben bei jeder einzelnen Frage, bi« iu ihre Tiefen verfolgt, überall zu der Ueberzeugung, daß auf dem bisherigen Standpunkte der historischen Auffaffnng dieser biblischeu Erzählung« nicht durchzukommcn ist, daß Pie« vielmehr ge« wifsermaßm auf einen höheren Standpuntt der Erklärung hindrängt, den auch die wissenschaftliche historische Kritik der Bibel längst äuge« bahnt und vorbereitet und den nur eine verkehrte Scheu, mit alten, liebgewonnenen Borstellungen und Ueberlieferungen zu bre« chen, weiter zu verfolgen unS so lange abgehalten hat. Wirckönne» natürlich diesen höher«, die Lösung aller die« ser Fragen «chattenden Gesichtspunkt hier nur ganz flüchtig an« deuten. So lange man sich nicht dazu erheben kann, die Ansicht von der Geschichtlichkeit dieser biblisch« Neberliefe«ngen im vulgären Sinn einer höheren, aus der mythologisch« Auffassuug und Behandlung dieser Geschichtrpartieen selbst zu ge« Winnenden zu opfern, so lange kann auch von einem Fortschritte auf diesem Gebiete die Rede sein. Bleiben wir speziell bei dem hier vorliegenden Falle. So lange man sich nicht entschließen kann, den ersten ErfahningSsatz, den jede sachverstän« dige historische Kritik längst al« einen Kanon festgestellt hat, ״daß nämlich kein Volk und kein großer Stamm je seinen Stammvater gekannt) hat", in seiner vollen Conse« quenz auch für da« hebräische Alterthum anzuerkennen, kann auch von einem richtigen Berständniß irgend einer einschlägigen Frage über׳ Einzelnes au« dem Leben Abrahams nicht die Rede sein. Den ersten Schritt hierzu, die Negation, die Leugnung der Ge« schichtlichkeit dieser Theile de» hebräischen Alterthums hat aller« dingS die sogenannte rationalistische Bibelkritik bereits gethan, aber mit den de Wette'schm Nachweisungen, daß diese ältest« biblischen Relationen nur Mythm enthielten, war im Grunde we« nig gethan. ES handelt sich vielmehr darum, in positiver Weise die Entstehung und Bedeutung so scharf ausgeprägter Sa« gengestaltungen nachzuweisen. Da« Borangeschickte auf den hier un« vorliegend« Fall angewendet, können wir nur sagen: wenn irgmd ein Zug au« der Geschichte Abraham« geeignet ist, un« auf die richtige Spur der historischen Bedeutung deüber ihn un« Ueberliefertm zu führ«, so wäre e« gerade diese charakteristische Tradition von der Opferung seine« einzigen Sohne« Isaak. In den Traditionm aller Böller wenigstens, die mit Israel der Zeit »ach etwa die parallele Bahn durchschritt«, finden sich die unverkmnbarsten Spnrm von Ueberlirferung«, die ganz derselben Qnelle ent« sprungen. Ueberall lebt bei diesen Böllem die Eriimerung an eine vorgeschichtliche Zeit, die durch die Herrschaft einer Gottheit bezeichnet wird, der solche grause Menschenopfer gebracht wurden. In den Traditionen der Griechen ist diese Tollheit-geradezu in dm Gott der Zeit, Krono« umgewandelt, der seine eigen« Kin« der verzehrte., Biels deutlicher wird dasselbe von d« PHLnzziern berichtet,Äderen ältesten Traditionen wir freilich nur durch da« sehr getrübt« Medinm späterer׳ griechischer Schriftsteller,besitze«»!'7 ■Mm signifikantest« ist sicher die Steve, die so häufig al« Parallele zu Isaak» Opferung angeführt.Word« .«md die die älteren Au«, leger nur al« heidnische Nachäffung: durch die *antikia der be« nachbarten Heiden, sich zu erklären wußten. Er ist da^bekauutt Fragment de« Philo bei Eufebiu«: Mv-nx niw *a., in dem er« zählt wird, daß Lroao«, den die Phönizier Israel nenn«, sei»« ״eingeborenen" Sohn, Jehud, zur Zeit großer Kriegsgefahr» ge« opfert habe. Mau vergleiche, wa« Mover« iu seiupm lehrreich« Buche ״die Phönizier" I. .S. 130 ff. über diese de« Semitisch« Bölkem gemeinsame Urgottheit ziemlich ausführlich beigebracht, /־ wiewohl er selbst über da« Berhältniß dieser fremdlLtdischen Tra« Visionen zur biblischen uud speziell über Abraham, sich in den? herrschenden Ansicht« befangen zeigt und sich nicht zu׳ einer rich« tigen Einsicht in ihren wirklichen Zusammenhang erheben kann- Ueberall erscheint nun diese. Gottheit der semitisch« Urzeit , in der späteren historisirenden Anschauung der Böller als eine geschicht» liche Person, bald als ein alter Herrscher der Borzeit. Erfinder der Wiffenschaften, als ein menschlicher König, wie BeluS bei den Babyloniern überall an der Spitze ihrer KönigSlistm erscheintbald al« Gründer der Städte, als Urheber aller staatlich« Ord« nung« und Einrichtungen der Borzeit, als ohtitmp, agptyivie je., als Ahnherr und Stammvater.!׳! . Auch in dem hebräischen Volke lebte aus vorgeschichtlicher Zeit die Erinnerung an diese Urzeit in einem Namen, der sich sicher als nicht« andereerweist, als er bei den übrig« semiti« sch« Völkern gewesen. Er tritt uns hier äl» 3N, als ״hoi her Vater", ein Name, der offenbar die lokale Bezeichnung de«- selben Wesens, das anderswo als LI eljon Baal-ram, im Munde der Griechen al« KronoS, Saturn uns «tgegentritt, wie uns denn in der Sage von der Semi-rami« die weibliche Form der diesem Gotte beigeordneten höchsten Götti» erscheint, außerdem aber, geradezu al» *Jtyöc i tyumt »tot bei HesychiuS und in den For« men Baal-ram, Hypsuranius bei Sanchoniathon, u. A. geschicht» lich bezeugt ist. Als nun aber der Glaube an den Einen wahren Gott im Belke Wurzel faßte, mußte natürlich diese ursprünglich? Bedeu« tung des Namens immer mehr erblaffen und die menschliche Ge« statt deö Urahns Abraham daraus hervortreten. Und wa« hat nicht der sittliche Geist, der besondere Genius des jüdisch« ,BolkeS aus dieser Sage geschaffen! Wie erhaben erscheint un« die ehrwürdige Gestalt des Abraham, deS segnenden BölkervaterS, neben den Ausgestaltungen derselben Sage bei den andern Heidnischen Böllern, neben einem Kinder schlachtenden KronoS oder selbst neben dem seine eigenen Gebilde verschlingenden Zeitgott der Griechen. Nur unter diesem Gesichtspunkte laffen sich aber auch alle einzeln« Züge »Xd Mvrllente in »er Geschichte Aöra- Ham«, wie sie uns die Bibel erzähtt, befriedigend erklären. Wie himmelweit verschieden erscheint un« doch derselbe Sagenstoff bei dem hebräischen Volle im Vergleich zu dem bei den übrigen semitisch« Böllern! Ganz aber ließ sich die gegebme Grundlage nicht verwischen. Da« zeigt sich am deutlichsten in der hier besprochenen Geschichte von Abraham'« Opfer. Ohne eine solche gegebene Grundlage der Sage, wie hätte man vom Standpunkte de« reinen Monotheismus, der erhabenen Gottesanschauung de« nachmaligen I-rael«, auf eine so seltsame GlaubenStzrÜsintg verfall« können? 7־. - In diesem Sinne erweist ,sich,mm aber die ganze Mste Geschichte de« Bolle» als «i» Palimpsest, in dem durch di? , «achmalige monotheistische Färbung uyd Umbildung für den geübt«