Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 22 (31.5.1867)
- Date
- 1867-05-31
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«nfitur Wacheuschrist ffcr »disch« «u^lkgeuheite». 17S zoUer'schm Hofe verdanke« gar Biele seiner Glanben-gcuofi« in der Kmmiark den Schutz und die Privilegiey, die sie genoffen, und seine Fürsprache vor dem Throne und den hohen Behörde» war so wirksam, daß er um dieselbe nicht blo« von jüdischen, sondern auch von christlichen Mittmterthanen zu oft uur angegan« gen wurde. — Fragte man aber nach der Ursache dieser ungr« wöhnlichrn Erscheinung der so hohen Auszeichnung eines Juden, so hieß es gewöhnlich: ״Was Wunder! Der reiche Michael Juda ist ja gar nicht, was er scheint und wofür er sich auSgiebt! Steckt ja hinter diesem langen schwarzen Judenrocke ein schwä« bischer RittrrSmann, der viele Reisige auf Strauch hat, Rosse, Knappen und Knechte, wir irgend Eiuer der Großen und Edlen im Lande!" — So und ähnlicher Weise sprach der Leu« muud des Volkes und duldete keine Widerrede. — Einstmals, eS war im Herbst de» Jahre» 1549, hatte Michael Juda eine Ge« schäftSreise nach dem Thüringer Lande unternommen. Auf der Rückkehr ward er von Wegelagerern augefallen und — HaffitiuS meint, weil er Einem derselben etliche Guldm in der Güte nicht hatte geben wollen — gefangen genommen, mit Stricken gefesselt und nach Kressen unweit Torgau geschleppt. Während aber die Raubgesellen des RachtS in einem Dorfe zechen, gelinge« dem Judensich von seinen Banden frei zu machen und ungehindert zu entrinnen. Er eilt gen Berlin, wo er da« Geschehene anzeigt. Der Kurfürst ist darob umsomehr erbittert, als ja in seinem Ge« biete der kaiserliche Landfrieden auf die frechste Weise war gestört worden. Flug« hat er seine Befehle ertheilt und den de« treffenden Eourir abgefertigt. ES wird auf die Räuber gefahndet, und eS dauert gar nicht lange, so sind sie eingezogcn und nach Torgau geführt. י DaS dasige Gericht soll, nach dem ausdrücklichen Gebote des Kurfürsten, des. Gesetzes schärfste Strenge walten lasten. DaS Berdict wird gesprochen, nach welchem die ganze Bande dem Strange verfallen. Da ereignet eS sich aber, daß einen Tag vor demjenigen, an welchem das TodeSurtheil vollstreckt werden soll, der Rabbi Michael Juda, um Etwa« zu verrichten, in den Kellerraum seines Hauses zu Berlin hinabsteigt, einen gefährlichen Fehltritt macht und einen Fall thut, der seinen augenblicklichen Tod herbeiführt. Kaum hat der Kurfürst hiervon Kunde erhal« ten, als er sofort einen reitenden Boten nach Torgau absendet, mit dem Befehl, bie] Execution zu inhibiren. Doch der Reiter kommt zu spät; das Urtheil ist bereit« vollstreckt, die Ruchlosen haben ihren Lohn empfange». — Den Erben Michael Juda'S soll ihr Erbtheil nicht im Mindesten geschmälert worden sein. Frankfurt a. O. Louis Wehl. Zur Charskteristrnng unserer neueste» Kibelauslegung. (Schluß zu S. ISS.) ES ist offenbar, daß hier zu Gunsten einer liebgewonnenen und an sich ja richtigen Idee der klare Wortsinn einer biblischen Erzählung in den gerade entgegengesetzten umgedeutet worden ist. Die» kommt wohl zunächst daher, daß man aus ״Vorlesungen", dem leicht dahin gesprochenen Wort, ein Buch macht, wie denn auch der Hirsch'sche Eommentar nach eigener Angabe des BerfasterS auf diesem ״nicht mehr ungewöhnlichen" Wege entstanden ist, also da« alte חכמים חוהרו בדבריכם nicht genug beachtet. Aber welcher Un« terschird ist doch zwischen der zu erbaulichen Zwecken bestimmten Auslegung und den Anforderungen, die die streng« Wiffenschaft zu stellen berechtigt ist! Welcher Unterschied, ob man alS Homi« letvder als Historiker, als Philolog de» Sinn einer Stelle zu erörtern hat! Al« Draach läßt man sich dergleichen gefallen: « ״ non vpro, e tan trovato, oder wie die Alten e» schon 8v« zeichneten אין משיב׳ין על חרחש, aber vom Standpunkte ernster Wissenschaft reicht «an damst der Nnwiffenschaftlichkett Und Kritiklosigkeit uur selbst da» Schwert in die Hand. Denn wenn Hirsch hier eine veroinzette Deutung Geiger- und in ihr feine ganze ״Wissenschast des Judenthum«" als Wahnwitz zu bezeichnen wagt, so sollte man ihm doch zurufen: nimm erst den Ballen au» dem eigenen Auge! Denn um nur bei dem gewählten Beffpiele stehen zu bleibe», so liegt e» auf der Hand, daß Hirsch, der sich auf den Stand- Punkt der Tradittvn stellt und ״den biblischen Text au» sich selber zu erklären" al« seine Aufgabe angiebt, von der eigenttichen Gchwie» rigkeit, die in der Opfergeschichte Isaak« liegt, kaum eine Ahnung hat.. Die Naivität seiner Orthodoxie merkt nicht« davon, daß Gott eine solche Prüfung, die das Heiligste im Menschen, sein religiös« sittliche« Gefühl selber durchkreuzte und verwirren müßte, also eine ״Versuchung" zuschreiben eine Blasphemie gegen Gott selber wäre, einen Widerspruch enthielte, den alle theologische Sophistik, alle exegetische Spitzfindigkeit umsonst wegzurSsonniren sich abmühen würde. Wir wollen hier nur eben einen jener neueren theologischen Tausendkünstler citiren, wie er sich bemüht, diesen Widersinn al« ein tiefes ״Geheimniß", als eine ״OffenbarungSthatsache" oder wie dergleichen exegetische Kunststückchen genannt zu werden pflegen, zu proklamiren. Man lese Delitzsch'« Commentar zur Genesis S. 409ff.: ״Die Handlung, welche dem Abraham abgefordert wird, läuft so wider das menschliche Gefühl und GotteS eigene» Gebot 9, 6, daß Schellmg den אלחים für dasselbe widergöttliche Princip erklärt, welche« andere Völker zu Menschen« opfern verleitete, und den מלאך ח׳ für die Erscheinung de« wah« ren GotteS, welche durch das widergöttliche Princip vermittelt ist und diese» überwindet (Vorles. eck. Paulus S. 66 l f.) Mit anderen Worten: eS zeigt sich hier an einem einzelnen Falle, daß die Offenbarung de» A. T. nur die durch die Mythologie hindurchbrechende Offenbarung ist;* *) ״Elohim ist die Gub« stanz de« alttestl. Bewußtseins, der Engel Jehova'« dagegen ist nicht« Substantielle«, sondern ein im Bewußtsein nur Werdendes, nur Erscheinende-." Diese Ansicht (an welche die Ewald'«, daß die Erzählung von der die Opferung Isaaks for« dernden Nacht« und Traumstimme die ״Helle und laute am vollen Tage" unterscheide, und-die Knobelanstreift. daß Elohim gebraucht werde, so lange es sich um ein Menschenopfer handett und daß erst nach Beseitigung solchen der Zehovareligion fremden Opfer« יחוח eintrete) steht ebenso sehr in Widerspruch mit dem Wortlaut der Geschichte als ihrer N. Tl. Auffassung." rc. rc. — Wir übergehen die gelehrte Ausführung und citiren nur noch: ,Mf da« Bedenken, wie Gott eine solche Handlung gebieten konnte, gegen die damenschliche Gefühl sich sträubt, ist zu ant- Worten: Gott steht nicht unter dem menschlichen Gefühl, sondern über ihm, seine Forderungen und Handlungen sind immer gut, aber nicht immer übereinstimmend mit seinem für Mensche» gültigen Gesetze. Aber leistet Gott nicht der Sünde Vorschub, indem er etwa« gebietet, wa« al« eine That menschlicher Wahll ^Dünde sein würde? Auch diese- Bedenken erledigt sich, wenn wir Erwägen, daß Gott, wa» er von Abraham verlangt, nur zu dem ' Zwecke der Glaubensprüfung verlangt ....*) — ונבא ולא ידע מה (בא (* *) Und da Zweck heiligt die Mittel? — nicht wahr? — Wie mriut denn Dckitzsch wohl, daß Gott dem Abraham dies« seinen höhne» Satte»« willen mitgetheilt habe? — Durch innere, geistige Erleuchtung, ad« auf rei» äußerlichem, mechanischem Wege? —