Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 22 (31.5.1867)
- Date
- 1867-05-31
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4889892-5434108-5434154--210-4890074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
178 Die Gegenwert. Vorbereitung-schalen für Knaben, welche sich dem theologische» Stande widmen, einzurichten wären. Tiara»« ginge hervor, daß die einsichtsvolle weise Regierung zur Kenntniß gelangt ist, baß Preßburg unmöglich die alleinseligmachende Hochschule für Rabbiner, welche nach der Grammatik und Logik reden, schreiben und unterrichten sollen, sein und bleiben kann, und daß Vorbereitung«׳ schulen, wo ״Durst" docirt, Text und Thema konsundirt und Latein geduldet, griechisch perhorreSzirt wird, ferner solche, wo jenen der Text gelesen wird, welche sich einen Wurst zum Thema machen, eben nur für ein BerdummungSsystem passen. Hoffen und arbei« ten wir dahin, daß in Wim ein Reichsseminar gegründet werde, und daß in den einzelnen Aronländern Rabbiner ausgestellt wer׳ dm, welche fähige Kinder tüchtig vorbereiten. Mähren hat solche Rabbiner genug, auch die andern Kronländer, Ungarn lnitbe׳ griffen, haben Rabbiner, welche Träger für die theologischm Studien gehörig präpariren, ihnen da« Lesen und Auffaffen de» Talmud« und da« Unterghmnasium beibringen können. Nmzeit. Au« Großwardeiu schreibt man dem ״Magharorßag", daß sowohl von Seiten de« Biharer Komitate«, als auch von Seiten der Lladt Großwardein den Honorationen*) der israelitischen Konfession da« aktive Wahlrecht ertheilt wurde. In den KomitatSauSschuß wurden ferner, — wie im Jahre 1861, so auch jetzt, — mehrere Israeliten berufen. Landau, 10. Mai. Die britische Gesellschaft zur Verbreitu»g des Christenthumö unter den Juden, hat eine Einnahme von 7140 £ (47,600 fl.). Der berichterstattende Secretär diese« BerünS gestand zu, daß die Bekehrungm der Juden zum christlichen Bekenntnisse hinter den Erwartungen der Gesellschaft zurückgeblieben seien. Dieselbe hat 24 Missionäre in England und über den Conlinenf verstreut. Einer derselben, der bei der Pariser Weltausstellung stationirt ist, hat dort bereits 300 Exem-' plare der heiligen Schrift, danmter 200 Exemplare in he« dräischcr, englischer, französischer und deutscher Sprache verlhcilt. London, 23. Mai. Aus Malta wird von gestern telegraphirt: Die Cholera ist unter der jüdischen Bevölkerung von Tuni« auSgebrochen, weshalb von dort einlaufende Schiffe sich fortan einer 2l tägigen Quarantaine zu unterziehen haben werden. Pari«. Der ״Moniteur" vom 10. April theilte Folgendes für die israelitischen Soldaten mit: Da« Osterfest der JSrae« liten beginnt diese« Jahr am 19. April und dauert bis incl. den 27. d. M. Gemäß der Ordre de« Marschalls, Kommandanten des ersten Armeekorps, sind diejenigen Soldaten, die der iSrael. Konfession angehören, wie in den früheren Jahren, während der Dauer dieses Feste« von allem Dienste befreit. Diejenigen, welch« in der Stadt liegen, dürfen an den bei« den ersten Abenden bis 11 Uhr auSbleiben, die in den FestungSwerken dürfen diese beiden. Nächte in der Stadt verbringen. Die übrigen Abende müffen sie, wie gewöhnlich um 9 Uhr in ihrer Kaserne sein. — Die Alliance JSraälite Universelle hat von Sir Scott ein Legat von 25,000 Franc» erhalten. Testamentsvollstrecker ist Baron Anton v. Rothschild in London. Sir Scott, englischer Unterthan, hat diesen pseudonymen Namen anstatt seines Familiennamen«, welcher Blumenthal war, angenommm, als er im Jahre 1859 als Freiwilliger in die italienische Armee einttat. Er kämpfte unter Garibaldi und erhielt eine Wunde, in Folge deren er lange leidend war, wurde später zum Offizier ernannt *) Rur den Honoratioren? Saubere Honoratioren, die da» annehmeul und erhielt dm italimischm Orvm. Im November »iaS. starb er in Vmedig. Er war ein eifriger Israelit und nmthiger Bertheidiger «<׳ srrer Sache. Zur Zeit de« Feldzüge« Garibaldi'« i« Jahre 1860 bat er den Gmeral um die Etlaubnißmit eintgm Genoffm, al« Kapuziner verkleidet, nach Rom za reisen, am dm jungen Morlara au« seinem Kloster zu mtführm. Wege» andermutheter Abreise wurde dieser Versuch nicht aaSgeführt. Sir Scott liebte e-, unter dem Schleier der Anonymität Gute« zu thun. Unter dem Namen ״Makkabäer"' war er Mtglied dtr Alliance und bedachte sie oft mit vielen Gaben. — Freitag dm 18. April fand im Betzimmer de« »mm Hospital« zu Metz die Einweihung dieses Hause« statt. Man bemerkte unter den Anwesmden, außer dem Konsistorium, dem Oberrabbiner und den verschiedenen iSrael. Administrattonm, dm Herrn Bürgermeister von Metz, Präfidentm der HoSpicim-Kommffston, welcher da« Etablissement in allen seinen Theilen besichtigte. Arch. J«r. Ein churmärkischer Jude. Herr vr. Julius Beer berichtet im 3. Theile feine« Auf« fatzeS ״Ein altberlinischer Friedhof", enthalten in Nr. 18 dieses BlqtteS u. A. wie folgt: ״So lebte Juda von Frankfurt a. d. Oder in Berlin, den die Möller'sche Chronik für einen verkappten Grafm von Reinstem auSgiebt." Diese kurze Notiz veranlaßt uns zu folgenden Zeilen, welche für alle diejmigen, denen die ältere ״Geschichte der Juden in der Mark" nicht gleichgültig, sicherlich von einigem Jntereffe sein dürften. Der Mann, den Hxrr vr. I. Beer meint, hat Rabbi Michael Juda geheißen und um die Mitte de» 16. JahrhundertS, — zur Zeit der Regierung des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. (Hector) — theils in Frankfurt a. O., theilS in Berlin gelebt. Die meisten Chronisten und Historio« graphen, welche die alte Aurmark oder einzelne Theile derselben zum Gegenstände ihrer Beschreibung gewählt haben (wie Angelu«, Jobsten, HaffittuS, CbertuS, Beckmann, Sachse, Wohlbrück u. A.) erwähnen deS gedachten Juden und stimmen sämmtlich darin überein, daß derselbe, aus Süddeutschland eingewandert, hierzulande für einen ״verkappten Ritter" gegoltm habe. Wie von der Müller'schen Chronik, so wird ihm auch von Angeluö und HaffittuS der Grafentitel beigelegt; .nur nennen ihn die beiden letzterm Historiker ״von Regenstein", während er bei Möller ״voll Rein« stein" und noch anderswo ״von Reigenftein" genannt ist. Nach Einigen soll Michael Juda eine Zeit lang der ״unbesoldete" Rabbi der Frankfurter Judengemeinde gewesm sein, nach Anderen dagegen immer nur als Privatmann gelebt haben. Doch, sei dem, wie ihm wolle, so steht unbezweifelt fest, daß Michael Juda große Reichthumer beseffen, aber nicht nur dieserhalb, sondern auch — und ganz besonder« — ״wegm seine« trefflichen Verstandes und seltenm Charakters״ bei seinem Herm, dem KurfürstM, in hohem Ansehen gestanden. Unter allen churmärkischm Judm seiner Zeit war er der einzige, dem eS erlaubt war, in der Klosterstraße zu Berlin ein Hau« zu besitzen (HaffittuS Th. II.) und sogar am Marktplatze von Frankfurt a. O. durste er ein hohe«, steinerne« Gebäude sein Eigmthum nemm. Er hatte seine Dienerschaft, seine Wagen, Pferde und mehr dergleichen. Seinem Einflüsse am H0HM«