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Die Gegenwart · 1867-05-31 · 22 (31.5.1867) · p. Seite 171

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
22 (31.5.1867)
Date
1867-05-31
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift fftr Jtwische- Angelegenheiten. 171 \ ■׳'.זי׳ Aaffy,SS. Mat. -in Telegramm tat ״Presse" meldet: ״Seit 16. d. M. finden unausgesetzt, täglich zahlreiche Der» haftun-en «md AuSweisqugen statt; die Stadt ist fortwährend i» einem ZustlMdd höchstet Aufregung. sda»! - Gerücht ist stark «schreitet, eStverde heut« Abend» der Ausstand loSbrecheu. Fremd« Unterthanen hqhen bereits an ihre Consulo Schutzpetttio« ««,-gerichtet." > Zum Berstästdnjß dieser Nachricht wird, man sich der vqran-! gegangen« Borgänge, erinnern müffm...Seitdem da« Ministerium Bdatiavo an'« Sinder gekommen und im Senate die Cassation«- hoffrage d. h. di« Frag« der Verlegung de- EaffationShyse« von Bukarest nach Jassy in einem für die letztgenanMe Stadt ungünstigra. «Sinne entschieden wurde, trat in der Moldau die feparutbstischx Pqrt«i sehr entschirdrn und imiuer kühner mit ihren Bestrebung«, in den Vordergrund. Sie verlangte vollständige Trennung beiher Fürstenthümrr in administrativer, finanzieller und selbst juridischer Beziehung und erklärte durchs ihr Organ, ״Mol« dowa", daß die Moldau durch nichts mehr an die Walachei ge- Kunden sei, al» durch die Personal-Union unter Karl von Hohenzollern. Je mehr die Separatistenpartei an Boden gewann, um so mehr verlor seit jenem Senatsbeschluß die Unionspartei und hat jetzt faktisch zu ^tistireir'drtfgehött, wenigstens hat sie, soweit sie nech vorhanden, jeden Einfluß verloren. Cs wagt kaum noch Jemand im Lande, für dieselbe die Stimme zu erheben, nicht einmal die friedfertige, unionsfreundliche, liberale ״Gazeta de Jassy." Sie sucht nur zu beschwichtigen, während die ״Moldowa" die separatistische Stimmung täglich anfeuert und namentlich die walachische Garnison, die allerdings hier wie in Feindesland haust, als wilde Horden bezeichnet. Als mehrere walachische Offiziere deshalb im Namen der Armee den Chef-Redakteur der Moldowa, Herrn LazeSko, wegen derartiger Jnvectiven znm Duell gefordert, da erhoben sich Bürger und Wähler der Stadt wie Ein Mann und verlangten in einer Monstre-Petition an den Bürgermeister, ihren liebtzewonnenen Anwalt LazeSko gegen die Angriffe ״fremder Eindringlinge" zu schützen. Das Duell unterblieb, die in Druck gelegte Petition wurde an allen Straßenecken affichirt und der Haß gegen die Walachen, wenn möglich, noch gesteigert. In Folge dieser wachsenden Aufregung und weil da« hiesige Wahlcollegium in demonstrativer Weise die Weigerung, den Senat zu beschicken, fortsetzt, sah sich der Ministerpräsident Bratiano veranlaßt, hierherzukommen, um selbst das Terrain zu recognoSciren. Was aber that nun der Minister, um den Sturm zu beschwören und sich die BolkSshmpathien zu zuwenden? Er glaubte den abergläubischen und religiösen Haß der Moldauer Bevölkerung gegen die Juden benutzen zu können, um durch einen Judenhaß der politischen Mißstimmung eine andere Richtung zu geben. Er erließ ein Rundschreiben an alle Präfecten, welches die Vertreibung der Juden vom flachen Lande befiehlt. Der ausgeworfene Köder verfehlte indeß die Wirkung, welche Bratiano erwartet,hatte. Die ganze besitzende Klaffe war nicht nur hierdurch nicht gewonnen, sondern gegen diesen Akt mittelalterlicher Willkür entrüstet. Der Senator Panajoti Balfch hat in einer Petition an den Minister, die er drucken und affichiren ließ, diesem Gefühle Ausdruck verliehen, ebenso die Gazeta de Jaffh, da» Organ der besitzenden intelligenten Klaffe, in einem bril« lauten Leitartikel, der fast eine ganze Nummer de» Blatte» ausfüllt. Viele Präfekten und Präsidenten der Tribunale erschrecken vor dem traurigen Exmissions-Aufträge, der ihnen geworden, könneu sich aber der״ Dienstpflicht schwer erwehren und beginnen da» ««selige Werk der Vertreibung. Handel-und Wandel sind lahm- -esegt, und feit mehreren Tqgen ist nur da» Gejammer jüdischer Weiber vernehmbar, die in Karawanen wehklagend die Ttrqßen durchzieh«, peil mau unter dem, Vorwände der ״Niedertracht" ihre Männer, Väter und Ernährer gefesselt au» dem Lande geschafft. Unterstützt wird Bratiano bei seiuem Unternehmen nur von einig« orthodox« Professor«, einigen Spekulanten und einem kleinen gesinnungslosen Anhänge, wie chn jede, auch die schlechteste Regierung hinter.sich zu Hab« pflegt. 7die ihre Versammlungen, im Municipal-Gebäude abhalten. Von dieser Clique war vor einigen Tagen eine Volksversammlung berufen, angeblich um zu berathm. — auf welche Weise mim Nacht» sich am raschesten der Juden entledig« könnte. Um 107» Uhr NachtS zog bereit» eine mehrere hundert Köpfe zählende Bande Bettler und anderer Strolche, denen man es ansah, daß man ihnen zuvor Muth eingeflößt, unter wüstem Geschrei durch die Straße»; sämmtliche Kaufläden und HauSthore wurden in allergrößter Eile gesperrt und man machte sich schon auf Scenen der schauderhaftesten Art gefaßt. Bei dieser droh«den Lage hatte Bratiano sich doch genöthigt gesehen. Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Sei es, daß da« Aufpflanzen der inzwischen angelangten Kanonen auf den die Stadt beherrschenden Anhöhen seine Wirkung ausübte, oder auch der Umstand, daß keine Seele sich in diesem Momente auf die Straße hinanSwagte, genug, der Lärm erstarb und der Pöbelhaufe verlor sich, ohne irgend einen erheblichen Schaden angcrichtet zu haben. Das war am iS. Mittlerweile — e» war bereit» l 17, 'Uhr NachtS — hatte sich der englische Consul zuerst, dann der rufsische, und bald darauf auch der österreichische zum Minister Bratiano begeben, um ihm dringende Vorstellungen über diese Borgänge sowohl, als auch über da» unmenschliche Einfangen von Menschen von der Straße (täglich werden 100 und mehr Personeu eingefangen) und das Vertreiben derselben zu machen. Der Minister beruhigte die Herren mit der Versicherung, daß bezüglich der Ruhe und Ordnung im Allgemeinen nichts zu befürchten sei, und versprach bezüglich der Vertreibung eine Commission von drei Mitgliedern aus dm Notabeln einer jeden JSraelitengcmcinde einzusetze», denen die Ausscheidung der ״Vagabunden von Nichtvaga- Kunden" anheimgestellt werden wird, und «vonach die Polizeibe- Hörden sich zu richten haben werden. Den Erfolg dieser tröstlichen Versicherung zeigt indeß obige Depesche. Der Zweck dieser barbarischen Maßregeln BratianoS wird in zwiefacher Weise angegeben: entweder «volle die Regierung dadurch einen Aufstand Hervorrufen, um sich dann «nöglichst vieler separatistischer Elemente zu entledigen, oder durch einen solchen Aufstand in die Lage komme», die Constitution beiseite setzen zu können. Die Separatisten thun alle«, was in ihren Kräften steht, um der Agitation gegen die Juden entgegen zu treten, denn man fürchtet, daß die Regierung entweder va banque oder — ein sehr sicheres Spiel spielt, indem sie bei einem von ihr angezettelten Aufstande mit gutem Grunde auf die Intervention eine» sehr nahen Nachbarn rechnet. Die Separatisten setzen daher jetzt Alle« daran, diesen Aufstand jetzt zu vermeiden und für sich eine gelegenere Zeit abzuwarten. Bukarest, Montag 27. Mai, Mittags. (W. T.-D.) Der Fürst hat gestern eine israelitische Deputation einpfangen, welche Beschwerden gegen die Maßnahmen der Regierung, betreffend die Lage der israelitischen Bevölkerung in der Moldau vortrug. Aus Mähren. Die Seininarfrage, welche in Ungarn so viel Leben und Bewegung, so viel Schlaf und Stillstand hcrvorrief, tritt auch in Mähren in den Vordergrund. E» wurden nämlich .die gewiegtesten Rabbiner Mährens befragt, ob, wie und wo «i*

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