Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 21 (24.5.1867)
- Date
- 1867-05-24
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 überreichenden Deputation, daß er warm« Theiluahme für i-raolitische Sultu-augelegenheüm hege und stellte insbesondere seine Mitwirkung dafür in Aussicht, daß der ״LaodeSschulfond" zu solchen Zwecken verwendet werde, welche den Interesse« der israelitischen Eonfession entsprechm und auf alle EultuSgemeinden gleichermaßen billige Rücksicht nehmen. Die Idee einer iSrae« litischen LaudeSsynode stimmt — wie der ״Magyar ixraelita“ dem wir diese interessanten Mitiheilungen entnehmen, weiter berichtet, mit dm Intentionen de- Kultusministers vollkommen überein und soll derselbe sich dahin geäußert haben, daß er geneigt sei dieselbe in eigener Person zu eröffnm. W. T. Dublin. Die Lehrstühle der Anatomie, Chirurgie, Ehe« mie und Botanik an der Universität zu Dublin sind den Gelehrtm aller Rationen, ohne Unterschied der Religion, eröffnet worden. ~—. Jew. Ehr. Floreuz. Da- Central-Comitä für diejüdischen Angelegenheilen in Italien hat an sämmtliche Gemeinden Italiens ein Einladungsschreiben zu einer am 30. April in Flormz abzuhaltmdm Gmeralversammlung ergehen lassm. Di« Gemeinden wurden ersucht, einm oder zwei Deputirte, die sie repräsenttren sollen, zu senden. Gegenstände von großer Wichtigkeit werden der General- Versammlung zur Derhandlung vorgelegt werden. Jew. Ehr. Paris, im Mai. Bon besonderem Interesse ist, und eines ganz außerordentlichm Zuspruchevon Seiten de» Publikumerfreut sich die von einem englischen Pastor geleitete Ausstellung hebräischer Antiquitäten. Nicht nur, daß die vielm uralten Pergamentrollm für dm Philologen von ganz außerordentlichem Interesse sind, ehat auch die Ausstellung der kunstvollen Modelle der Tempeleinrichtungsgegenstände, so wie des salomonischen Tempels selbst, und die plastische Darstellung von Jerusalem für das große Publikum ein bedeutende« historische« Interesse. Frbl. Das Gesetz der Entwicklung im Iudmthum. I. E« ist oft schon als charakteristischer Unterschied zwischm Heiden- und Iudmthum hervorgehoben worden, daß jene« da- 'J goldene Zeitalter der Menschheit in den Anfang ihrer Geschichte verlegt und ihm rin silbeme», eherne- und eiserne» folgen, also eine immer weiter gehende Verschlimmerung ihrer, sowohl moralischen als physischen, Zustände eintreten läßt, dieses dagegen, wiewohl e» die menschliche Entwicklung mit dem glücklichen, unschuld-vollen Leben im Paradiese beginnend darstellt, diedoch nur aleine schnell vorübergehende Phase (gleichsam ein Borspiel) derselben auffaßt, welche durch dm, mittelst der Uebertretuug degöttlichen Geboteerzeugten Zwiespalt im menschlichen Geist und Willen, unmittelbar dem schweren inneren und äußeren Kampf mit den schlimmen Regungen tm eigenen Herzen und dm von Natur, und Menschmwelt mtgegengestellten Hindernissen und anferlegtm Bürden den Platz räumm muß. E« tritt daher als« bgld eine eiserne, in dem verderbten Geschlecht der Sündfluth gipftlnde Periode ein, um dann durch unter heftigen KLmpfm gezeltigten Fortschritt immer bessere sittliche und materielle Zu« stände herbetzuführm, dmen am Ende der Tage da« von den Prophetm verkündete goldene Zeitalter der Liebe, Gerechtigkeit und de- Friedens, der Brseeligung und vollsten Harmonie in allen Verhältnissen de- Menschengeschlecht« folgen werde. ״Wenn Du vermeinst," sagt deshalb koheleth, ״daß di« Tage der Vorzeit besser gewesen aldie Deinigen, so hast Du Dich darob nicht mit der Wahrheit berathen", und ״der Weg de- Lebenführt aufwärt« für dm vernünftig« Beobachter," sagt der Spruchrrdner in gleichem Sinne. Ring« nach einem höherem Ziele, Hoffm auf schüuer« Tage, Selbstveredlung, steigende Vollkommenheit der Gesammtheit de- MmschmthmnS, dafind di« Grundpamcipien dieser Weltanschauung und ihnen allein habm wir e« M dank«, daß Israel trotz aller Drangsale, die er von früher Jugend» zeit erduldet, nicht erliegen, die Feinde chm nicht beikommm konutm; ״ber Ewige, der Gerechte zerriß die Baude der Uebelthäter" (Pst 129). Wenn irgend einem Staat-- oder Religion-Gebilde», so ist für dajüdische die Lebm-ader, mit der« Unterbindung sein Dafein aushört: sich beständig zu entwickeln und immer weiter auf der betretenen Bahn vorzuschrettm. kein Banner aber, da« dm Nationen auf ihrem Wege durch die Jahrhunderte und Iahrtaufmde voranflatterte, trug so dmtlich und in so glänzmd hervorstechenden Lettern die Parole ״Vorwärts״, al» die Fahne Israel'« und Juda'« sie zu der chrigen gemacht hat. E« ist die» die frohe Botschaft, die da- Indmchum der gesammten Mmschheit unablässig zmuft, als Mah« n ung eineStheilS, um zum unermüdlich« Wetterstreben in Allem, wa« geistiger und materieller Wohlfahrt diente, anzuftuern, al- Trostwort andrerseits, um vor Niedergeschlagmheit und Ber« zweiflung zu wahren, wenn Einzelnen oder Gesammtheiten selbst längere Zeittäufe begegnen, die einem traurigm Rückgänge weit ähnlicher sehen, als einem ftöhlichen Fortschritt. Sie flößt ihnen dann die Zuversicht ein, daß jme Perioden nur (wie unsere gegenwattige Zeit selbst auf beidm Erdhälstm eine lebendige Jllustration für diese Wahrheit bietet) einen nothwmdigm Durchgang zu erneutem Aufschwung und desto entschiednerem Entfalt« aller für den Augenblick gebunden« Kräfte bilden. Der jahrhundettelange Stillstand beziehungsweise Rückschritt in den Zuständen de« Judenthum«, der bi« zu Mendelssohn'« Zeiten wie ein Alp auf ihm lastete, er war nicht« weniger als in seinem Wesm und Geiste begründtt, vielmehr nur durch die immer au«- geprägter hervorttttende äußere Paria-, ja Sllavmstellung chm aufgezwungen, welche seinen Bekenne« um ihre« Glauben« will« mit herzloser Hätte angewiesen worden, und eS bedurfte nur einer gering«, erst allmälig sich erweiterndm Lockerung der chm aufgezwungmm Schranken, um sein natürliche- Leben-princip ln chm wieder zur Geltung zu bttngen. Liegt auch in dm Au-drücken und Zusammmstellnngm r Judenagitation, Judenpresse, Iudenliteratur, Inden und Demokraten rc. noch so viele Unwahrheit und absichtliche Uebettreibung, da« Zngestäudniß (und von solcher Seite hat eerhöhten Wetth) ist dattn unbestreitbar eingeschlossen, daß eine große Zahl von Juden für Verbesserung der öffentlichen Verhältnisse, Durchführung der modernen Ideen in Staat und Gesellschaft, für Alle« wajenm Anllägern ein Dom im Auge, sich mit Begeisterung interesstrt, und chre besten Kräfte einsetzt, um sie zur Wirklichkeit zu-mach«. Wie sehr die mosaische Gesetzgebung beflissen, solchen Gemeinfinu, Geist der Oeffmtllchkeit dem iSraelltischen Volke einzupflaNzeu» wie diedaleitende Princip und der rothe Faden, di« sich durch alle chre polittschen und religiösen Anordnungm hindmchzieheu, ist bereit« vielfach anf« Evidenteste nachgewiesen worden, und so tiefe Riffe die geschichtlichm Ereignisse auch in viele« Einzelne jmer Festsetzung« mit Rothwrodigkeit brachten, der allgemeine in ihnen lebende Geist wurde nicht erstickt, er erstarkte in ihnm nur mehr und mehr; der Gemeinsinn spomt die wahren Bekenner des Iudmthum« zur hingebmdstm Lhätigkeit und -ereitwilligstm Ans- Opferung, wo immer, tm Krieg oder Fried«, in Stadt oder Staat, öffentliche- Wohl gefvrdett, Wehe gelindert und gehobe» werdm soll. , n׳.