Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 21 (24.5.1867)
- Date
- 1867-05-24
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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' gcritm Vochliifchelft Me'SArsch« tngdtflafrto. מ1 Wett entfernt inbe^ einm PaneghrkkuS anftiamfea grftotba Mb He fligen voeMäugekn anb Fchleru zu verschließen, soll Hefe VergegenwärtigMg nufere» ReligionSprincip« un» vielmehr Var lebhaft ms vewußtsei» rufen, was Ar als unser durchgängtgeS LebrnSelement zu betrachten haben: Jeder Neigung der Selbstsucht, be- Netulichen PrivaiintereffeS die Wurzeln tu unserem Herzen abschneiben, Staats« uub Weltbürger auuuschaffen. He den Edelsten nicht uachstehrn» und, wie der Segen für Abrahaue» Geschlecht «s verheißt, im Aus- und BorwärtSstreben, sowie ttt Bethätigung de» Gemeingeistes als musterhafte Vorbilder hell vorauleuchten I Frankfurt a. O. Dr. M. St. Zur Charaklrrifinmg unserer nrurstm Bidrlausirgung. Un» liegt ein neuer, eben erschienener Kommentar zur Thora vor. Es ist ״ber Pentateuch, übersetzt unb erläutert von Gamson'Raphael Hirsch, Rabbiner dev israelitischen ReligionSgesellschast zu Frankfurt a. M. (bei Kauffmann) 1867»" Der Verfasser gehört bekanntlich ber streng konservativen Richtung an, bilbet aber insofern eine rühmliche Ausnahme unter seinen schweigsamen College», als er es nicht verschmäht, in rühriger und rüstiger Wekfe in bie Oeffentlichkeit herauszutreten unb seinen Stanbpunkt auch in schriftstellerischer Thätigkeit zu verfechten. Wir können ihm bas nur Dank wissen; denn nur so wirb uns Gelegenheit geboten, bie entgegenstehenben Anschauungen kennen zu lernen unb sich mit ihnen in offenem, ehrlichem Kampfe zu messen. E» kann inbeß unsere Absicht nicht sein, ein Buch, beffen Seiftungen sich in so vielen Einzelnheitm barlegen, an dieser Stelle einer eingehenden Kritik unb ausführlichen Beurtheilung zu unter- Wersen. Rur zu einer Eharakterifirung unserer neuesten Bibelauslegung im Allgemeinen, wie sie sich in zweien ihrer vornehwstm Repräsentanten barstellt, soll eS uns einen willkommenen Anhalt«. Punkt liefern. - Wir wollen nur ein einziges Beispiel wählen, aber enr solches, zu bem bie Schrift uns selbst ben Anlaß giebt in einer Stelle, bie uns wegen ihre« ausnahmsweise stark polemischen Charakter« ganz besonberS frappirt hat. E« ist bie Bemerkung, He wir zu Genesis 22, ll der zu allen Zeiten mit so großer Vorliebe betrachteten Akebah (Geschichte von ber Opferung Isaaks) — in bem -Lachten kommen- , tare ';lchey/. sSt? Betreff des i» imnrer Zeit so oft ventilirten unb allerdings auffallenden Wechsels ber GottrSnamen in jene» Ka» Ml macht Hirsch nachstehende, wie wir nicht leugnen können, in 1 einer Beziehung zutreffende Bemerkung: 1 ״ES dürfte bedeutsam sein, sagt er in bem bis jetzt erschiejttnen ersten Bande (Genesis) S- 353, baß Gott diese Mittheilung (B. Il) durch einen Engel sandte, während sonst in Abra- Ham« Leben Gott selbst mit Abraham spricht. Zum Sunehaltr» genügt die Sendung eine« Engel«. Auch hierin liegt bie ganze Tiefe M Kampfes, ben Abraham za bestehen hatte. Hätte ihm ein Engel bie Aufforderung gebracht: opfere deinen Sohn, er hätte ihm nicht geglaubt; so sehr außer allem Zusammenhang unb so ta schreiendem Widerspmch mit Alle«, was er von Gott im Allgemeinen wußte unb was ihm Gott bisher in Betreff SizchakS im Besonderen offenbart hatte, stand diese Aufforderung. Zum Richtopfern genügte die Sendung eine« Engel»; denn dazu unb zur Erklärung ber ganzen Aufforberung als Prüfung, die mit bem zum Opfer bereiten Willen erfüllt werben, dazu bedurfte e» keiner außerörveutlichen Offeubanmg,.baS fügte sich Allem, bem Abraham bekanuten Andere« harmoaisch au. ״Wir heben dir« aber «och ganz besonder» Herder, well ein, da» ,Miffnlschust de« IudeuttzumS" nennender Wach»- Witz auch au diese, ben Glanz- und Höhepunkt nicht nur ber jtbischen, sondern überhaupt ber fittlichm Menschengröße bildende Begebenhrtt seine, Wahrheit in Lüge verkehrende Hand gewagt, auch sie in ihr Gegentheil zu verwaubeln unb zu sprechen: nicht baß Abraham auf Gottes Geheiß seinen Sohn zu opferu bereit gewesen, sondern baß er bem Zuruf de» Engels gehorcht, ihn nicht zu opfern, darin besteht seine Größe, baß chm noch zur rechten Zett da« Bewußtsein gekommen, Menschenopfer sei Go« nicht wohlgefällig! Eben damit sei Abraham ber große Reformator seiner Zett geworden unb habe zuerst Menschenopfer abge« schafft und chnen Thieropfer sutstituirl — wo bann natürlich wir ben AbrahamSgeist noch überflügeln, eine noch höhere Größe dadurch berühren, baß wir gar nicht mehr opfern!! Rur Wahnwitz kann dies aus unserer Geschichte hrrausargumrntiren. ״Wo ist da« Lamm zum Opfer?" fragt Isaak schon auf bem Wege unb war daher Wohl schon gewöhnt, in seinem Vater keinen Ka« nibalen zu sehen, der seinem Vizzipuzli einen Menschen schlachtet, unb unendlich klar unb nicht wegzubeuten stehen ja bie Worte: .'עתה ידעתי כי ירא אלקים אתה ולא חשכת וכלו Also nur darin erkennt Gott bie Größe Abrahams, baß er ihm selbst seinen einzigen Sohn zu opfern bereit gewest«, nicht aber darin, baß er die« noch zur rechten Zeit unterlassen! Unb eben darauf, auf bie ״Akebah SizchakS", blickt bie ganze jüdische, Jubenheit bi» heute, als auf da« Höheziel mustergültiger Gottesfurcht begeistert hin. Freilich ist jener Wahn- Witz bann auch dieselbe ״Wissenschaft beS JubenthnmS", bie eine Gottesfurcht, welche bie höchste sittliche Freiheit unb Menschen- Vernünftigkeit durch freie ganze Unterordnung ihrer Einsicht unb ihre» Willen« unter bie Einsicht unb ben Willen ber höchste« Vanunft unb höchsten Güte bethätigt — Hunbe-Gehorsam zu nennen weiß." So weit Herr Rabbiner Hirsch in seiner Bemerkung. Sch muß bekennen, baß ich ben ״Hunbe-Gehvrsam" trotz vielen GuchenS nicht habe wieberauffinben können, desto erinnerlicher fteilich war mir eine Stelle au» Gei ge r'S Vorlesungen ״Das Süden- Ihum uub seine Geschichte" Band I. (BreSlau 1864), wo wir allerdings jene, auch mir schon beim Lesen nicht zusagende Deutung ber Akebäh aufgefallen war. Schon der- Gerechtigkett wegen aber ist «S erforderlich, baß wir Geiger, als auf ben jene freigebige dreifache Belehrung mit dem ״Wahnwitz" ber ״Wissenschaft de« SüdenthuMS" abzielt, wie gerade nicht unschwer zu erkennen ist, mit seinen eigenen Worten hören. Geiger spricht in bem gedachten Buche, in ber 5. Vorlesung, von bem Opferbienst unb Priester« thum. Er schätzt dir Bedeutung de« Opferwesens auch nach unserer Ansicht, zu niedrig, möchte ״da» thierische Opfer" al« ״nicht ber Wurzel de« SubenthumS entsproffen", als ״geduldet zwar, aber auch blo» geduldet, von dm Edelsten uub Besten in Israel, seinen Propheten, immer bekämpft" Nachweisen — eine Ansicht, auf bie wir hier nicht weiter ringrhen lönuen. Darum gilt chtzl aber auch jenes erste große Opfer Abraham» nur nach ber ein«, bem wahren Gottesbegriff de» SubenthumS, ber OffenbarpngSre« ligion zugewanbten Seite, ohne baß er merkt, baß er btn unzweifelhaften Sinn ber Erzählung damit umkehrt. Er sagt daher in diesem Sinne (idiä. p. SO): ״Scho« an ber Schwelle de« SubenthumS läßt e» im Sn-