Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 21 (24.5.1867)
- Date
- 1867-05-24
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sofiaer Vocheaschrip Dr MMch» Emgrfega^etaL 166 amt ♦fl, da Produkt de» ganen Umschwuug», welcher sich Me ater fortschreitend an ua» vaüzog« hat. Da» Sudenthum, früherhio scheinbar abgeschloss« und sta» btk, ist mchr uad aohr belebt »ad berührt worden, von dem Welt- -eistr, von jenem Seifte, welcher Alle» zerfetzt and Reue» zu schaffe« und an deffen Stelle zu setzen fich berufen glaubt. Und zwar von zwei Seit« her. Je mehr dir Juden au» chrer Abge« schloffenheit heraustraten und treten durste», je mehr sie in Ber« kehr und Verbindung traten mit der Welt, mit der Gesellschaft, desto enger wurde ihnen da» alte Kleid der religiös« Satzung, desto mehr fühlten fie sich durch die absouderudeu Gebräuche, Sitten und Vorschriften in der freien Bewegung, im Leben und Wirken gehematt und da fragt« Biele: Muß da» Alle» so sein? Sind alle diese Absooderungen durchaus bindend? Oder sie fragten nicht lange, sondern fetzt« mit kühnem und keckem Sprunge über die Barriere, warfen Alleab. Da» ist die eine Seite. Von der andern trieb der Forschungsgeist, da- Bedürfnis der wissenschaftlichen Auffassung und Darstellung de« Judmthum» zur kritischen Sichtung und Lichtung und brachte eine Bresche um die andere in da» alte Gebäude. Die Anfänge warm auch in dieser Beziehung schüchtern und weniger verfänglich, fie erstreckten sich auf einzrlue Gebräuche und Sittm der nach« talmudischen Zeit, auf rabbivische Anordnungen, שלחן ערוך tc. Die Wissenschaft aber und die Kritik drängten und drängen wei« 1er, da» ganze rabbinisch-traditionelle Princip mit seinen catego« risch« Imperativ« kam in Fluß und muß sich eine laxere Auf« faffung und Anwendung auf» Leben gefallen lassen, ja der bibli« sch« Urkunde selbst blieb bekanntlich die Kritik nicht mehr fern al» einem voii me tangere, die Anfänge dazu machte unter dm jüdischen Gelehrten Zunz an der Lhronik, Luzzato an dem Prediger, uad Geiger und andere jüdische Theologen Hab« die Kritik noch weiter ausgedehnt, haben auch in, dieser Beziehung noch schärfere Einschnitte gethan in da» Fleisch der Tradition. Der Reflex diesewiffmschaftlich'kritischen Prozesse» aber auf da», wa» auf der Kanzel, wa» in den jüdischen Schulen gelehrt wird, läßt sich widerum nicht ganz vermeiden, uad wmn man fich auch hüte« muß, Kanzel und Schule zum Tummelplätze wiffmschast« licher.Streitfragen zu mach«, so ist'» doch gar nicht ander» mög« lich, als daß sich hin und wieder die Ueberzeugung de» Kanzel« redner» in seiner öffentlichen Lehre abspiegelt, al» daß im höhern Religions-Unterricht da-jmige Besprechung und Würdigung flu« det, wa» die Wiffmschast schon so ziemlich evident gemacht hat. Ich brauche die Reform, die hierdurch eingebrochen ist, nicht erst zu kmnzeichnm'und würde eine weitere Beleuchtung derselben die Grenzen dieser Mittheilungm weit überschreit«. Nur da« Eine sei noch zum Schluffe gesagt: Mit Kolb« todtschlagen, mit Ge« Walt unterdrück« läßt sich diese so wmig und noch weniger al» die mltuelle Reform, aber eb« so wmig darf sie übereilt, über« stürzt, der religiösen Ueberzeugung mit Hast und Zodringsichkeit augeboten werden. Wa» an ihr berechtigt ist und ttef begründet, da» wird fich schon sein« Weg weiter bahn«. Alle« Hppothe« ttfch« aber und noch nicht völlig Spruchreife bleibe fe« von Kan« zel und Unterricht. W. . Wien, bro 11. Mai. Dieser Tage hat sich iu Wien ein LvmitL gebildet, um in Angelegenheit der Geldfammlungen für die armen Juden Palästina» definitive Ordnung zu schaff«. Bisher erschimen iu der Regel alle 2—3 Jahre eigme ״Beglaubigte" au» Palästina, welche auf ihrer Rundreise durch Europa die tu dm Synagogen — in eigenen Opferstöcken — aiedergelegtrn Spmdm übernahm«. Diese Gelder wurden nach Abzug von SO Prozent, welche die ״Beglaubigten" für Reife« . \ fpesnt and ihre Bemühung erhielten, dem Oberrubbi von Jerusa« lem (Ehachata-Pascha) Übergeben, der mit der Bertheilung aller für die Judm nach Palästina gelangend« Gelder betraut ist. Die Bertheilang wurde bisher vm dem Ehacham-Pascha, nach Abzug weiterer SO Prozent für sich und sein Shnhedrion (RahbinatS'Kollegium), nach der Kopfzahl, ohne Rücksicht auf die Ber«' hältniffe der einzelnen Gemeinden, vorgenommm, wodurch die einzelnen mtfallendm Bettäge oft in grellstem Mißverhältnisse zu einander stand«. Dies«! Uebelstande soll nun dadurch abgehol« fen werden, daß in den Gemeind« Vertraum-männer da» Ein« sammeln der Spmden übernehmen und die gesammelten Gelder dem Eentral-Eomitä in Wien überwach«, welche» nach gmaum statistisch« Erhebung« in Palästina, unter Intervention de» Koasulate» die Bertheilung nach Maßgabe der wirklich« Bedürftig« keit einzuleitrn und zu überwachen hätte. Pest, den 10. April. Die Pester iSrael. KultuSge« m einde hat an die israelitisch« KultuSgemeindm de- Lande» ein Handschreiben gerichtet, worin dieselbe mittheilt,, daß an fie von Seite Sr. Excellenz de» Minister» für Sultu» und Unter« richt die Aufforderung ergänz«, die auf konfessionell« Angeleg«. heilen bezüglich« Wünsche der J»raeliten Ungarn« in einem Me« morandum zu unterbreit«. Da nun die Pester i-raelittsche Gemeinde allein nicht berufen ist, im Namen der Gesammtjudm« schast Ungarns da» Wort zu erheb«, so beschränkte sie fich im Memorandum darauf, hervorzuheben, wie nöthig e» sei, sämmt» liche Gemeinden de» Landezu vernehmen und suchte um die Sr« laubniß der Abhaltung und Einberufung einer LandeSshnode nach, welche dm Grundstein eine» neuen Ehsteme» und der hiermit verknüpften bessern Zukunft leg« könne. Zum Schluffe, nachdem da» Memorandum nachgewiesen, wie bedauern-werth die gegm« wartigen Zustände sind und wie nöthig eine rasche und gründliche Abhülfe sei, heißt e«: ״Unsere ergebenste Bitte ist e» demnach, daß Euer Excellenz eine Versammlung einzuberufen geruhe, damit dieselbe dtn Grundstein einer universell« Gemeindeorganisation und einer Centralvertretung derselben, eine» neueren System» und der von demselben erwarteten bessern Zukunft bergen könne. Wir hatten die» für um so nothwendiger, al» auch bi» 1848, so oft von die GesammtkultuSgemeinden berührenden Gegenständ« die Rede war, die Abhaltung solcher Lande-shnoden üblich war und eine Abweichung von dieser althergebrachten Sitte auch jetzt nicht motivirt werden könnte." Au» dem betreffenden Memorandum heben wir folgende einleitenden Sätze heran»: ״Euer Excellenzk Indem wir der gnädig« Aufforderung Eurer Excellenz nachkom« mrad im Begriffe find, un» über die Wünsche der ungarischen Judm auszusprechen, glauben wir, daß die Aufforderung Eurer Excellenz sich nicht auf jene Verhältnisse beziehen kann, deren Regelung gewöhnlich mit dem Namen Emancipation bezeichnet zu werden pflegt. Unsere Ueberzeugung ist e», daß wir al» Jud« auf die Frage, ob die bürgerliche Freiheit aufhöre, ein Borrecht ^ivilegirter Eonfessionen zu sein — nicht» zu sagen haben. Die» ist^Sache de» gesammtm Laude» und der Nation, deren Wohl durch die Erfüllung dieseunabweisbar« Postulates de» Fort« schritte» gefördert wird; demzufolge ist die Lösung dieser Frage Aufgabe der nationalen Gesetzgebung, und wir fühl« un» nicht berufen, diesbezüglich bittend oder Nagend dazwischen zu trete«. Wir werden daher nicht von den Rechten und Interessen einzelner Glaubensgenoss«, sondern von der rechtlichen Stellung und d« allgemein« EultuSintereffen unserer ganzen Glaubensgenossenschaft, deren zweckmäßige Regelung die Grundbedingung der Entwicklung unseregesammt« Gemeindeleben» bildet, sprechen." Der Kal« tusmintster Davon Cötvö» versicherte der, da» Memorandum