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Die Gegenwart · 1867-05-24 · 21 (24.5.1867) · p. Seite 163

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
21 (24.5.1867)
Date
1867-05-24
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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vrrwer W«ch«»schrU MM»chchr IsgckgaftdttH. 16S Wir haben bk« hier vielsüttig pr beobachte» Gelegenheit gehabt. Wer auch vo, Frankfurt gela»gte alljährlich eia Zeugniß die« sa treu« mW tmwer gesteigerten Kunde zu u,« in den Aussätzen der Programme, die er den Freunden übersandte. Mochte er über die Erziehung zur Wahrhaftigkeit oder über die Verschiedenheit der Kindercharaktere und der ihn« entsprechenden Erziehung ober über irgend einen andern Gegenstand der Pädagogik reden, immer war es ein hoher und erheblicher Gesichtspunkt, immer eine neue Seite de- Kindesleben-, die er unin ihrer Bedeutung zu erkennen, die er unwürdig zu pflegen und anzubanen lehrte. Da- Alle-, meine Freunde, müssen wir nun trauernd enthehren, da- Allo- Haben auch Andere in gleichem oder ähnlichem Grade verloren, in gleichem Maße zu schätzen gewußt. Auch f Andere klagen: Ach, daß sein thätig gestattender Arm dahin gefunken, daß sein beredter Mund zu ewigem Schweigen verstummt ist; ach, daß sein lebendige- Wort erstorben, seine Lehre nicht mchr himmlischen Thau erquickend träufelt auf Groß und Klein, ach, daß sein Genius so frühzeitig heimgegangen zu dem großen Geiste, au« dem er zu unheruiedergestiegen! — Aber Ähr sichlet, daß wir gewürdigt worden sind, alle seine herrlichen Gaben noch in einer desondern Offenbarung an uuvorübergehen, in unserer Mitte zur glänzenden Erscheinung gelangen zu sehen. Zuerst die äußere Gestattung-gabe. Wenn die Steine reden könnten, die Steine diese-Hausewürden von Stern'- schöpferischer Kraft, von seinen Verdiensten um unser sichtbare- Bestehen, um die Verkörperung unserer hohen Ziele reden; sie würden un« erzählen von seinen Kämpfen für uns, von seiner treuen, nimmer müden Sorge, .von seiner energischen Rastlosigkeit, die bizum erreichten Ziele , drängte. Ueber diesem Hause walten die Schalte» de« Verblichenen wie mahnende, aber auch wie freundlich schützende Engel, die ihre Hand segnend über unser Werk und über unsre Zukunft au-breiten. Und jeder einzelne Theil unseres von den edelsten Gedanken getragenen Institutzeugt laut von seiner Klarheit, von seiner hervorbringenden und lebensvoll gliedernden Kunst. Wo hat sich ferner diese Geiste-llarheit, wenn sie sich ausdrückte im beredten zündenden Worte, noch so mächtig erwiesen wie. unter uns? Nur einmal in langen, langen Zeiträumen erscheint wie ein Prophet in der Menschen Mitte ein Redner, der da- Neue und Ungewohnte so klar verkündet, der die volle Brust so au-strömt, der Vergangenheit und Zukunft so mit einem Blick überschaut und ihre geheimnißvollen Räthsel löst, der die Aufgabe und Pflichten der Gegenwart einem großen lauschenden Kreise von Hörern init so wunderbarer Gewalt an- Herz Jegt, daß man sich vereinigt, um gemeinschafttich den! Vernommenen gerecht zu werden/ da« Vergessene und Versäumte nachzuholrn. Ja, auch ein großer Mann kann nur einmal er selbst in seiner höchsten und reinsten Gestalt, auch Stern konnte nur einmal Stern sein. Wa« er uns, was er damals war, ist er vorher und nachher Niemandem gewesen. Seine Borträge über das Äudenthum haben durch undem Geiste der Zeit nach einer Seite hin seinen vollstev, gediegensten Ausdruck, haben den Bekenuern de- Judenthumdawichtige Verständniß ihrer selbst gebracht. Hierin war er Original wie in keinem Fache, hierin liegt vor Allem die Größe seine- Wirken«. Er hat bedeutende Menschenkreise, was nur seltm, nur. hie und da in einem Jahrhundert geschieht, einen weitech weiten Schritt vorwärt» geführt. Wohl weiß ich, daß er hierbei selbst nur den Ausdruck einer größern Gesammthrit, ein Glied in der Kette vereinter Genossen.bildete; allein glücklich da- Zeüatter, glücklich die Mitmenschen, die in ihrem bald dunkleren. bald Heller« Drange einen so klar«, verstäMmißinuigen «ft formgewandt«, Herold ihrer Gedanke, und Bestrebungen gestufte«, einen solche, hochgesinnten und majestätischen Führer, dessen Euergir und Fähigkeit sie zu bestimmten, Lebeis und Gestalt gewume». den Resultaten brachte. Und war er Manche» unter Euch, Lieben, ein Mitkämpfer, so war er mir und den jüugern Seuoffe» ein Vorkämpfer, auf deu wir mit inniger und kindlicher Berrhrung, auf den wir bei unserm eigmen Werke mit Dank, mit tief» gefühlter Pietät blicken. Und wie durch die freie sstede, so hat er aqch durch daß schriftliche Wort Großes unter NuS geleistet. Insbesondere ist ein un- Allen werthvolle- Buch, welchein tausendfachen Abdrükken sich in unfern und unserer Äugend Händen befindet, größtentheilS von ihm auSgegangen, ich meine unser Gebetbuch. Er hat auch hier darechte Wort gefunden für die üefinnere Beziehung zwischen dem demüthig vor seinem Gotte stehenden Menschen und dem himmlischen Urquell feine- Dasein»; er hat da« ewig Menschliche und daunserer Stofe und unserem Geschlecht Eigenthüm- ׳ liche getroffen, den Ton, welcher dem Kinde und welcher zugleich der Würde denach Gottähnlichkeit ringenden Kämpfer« ansteht, den Inhalt, welcher unmit der Vergangenheit unsrer Väter vcrbindet und der doch wieder ein besondere« Bewußtsein degegenwärtigen IudenchumS als vorhanden bezeichnet. Kurz, er hat auch hier unser tiefste« Seelenbedürfniß befriedigt. Wir sind in der Folge manchmal, da Mängel und Unzulänglichkeiten leichter zu bemerken als zu heben sind, darangegangen, die bemerkten Lücken und Fehler zu verbessern; aber immer stellte sich heraus, daß da«, wa« er mit. manchem wackern Mitarbeiter au« der Tiefe der Begeisterung geschaffen, da« Gelungnere war. Und so wollen wir auch bei seinem Tode überhaupt beherzigen, waein großer deutscher Mann gesagt hat, dem er durch Schönheitssinn und Gei« ste-klarheit verwandt war: Nicht was der Abgeschiedene gefehtt und gelitten, sondern wa« er geleistet und gethan, beschäftige die Hinterbliebenen. An den Fehlern erkennt man deu Menschen, an den Vorzügen den Einzelnen. Mängel haben wir Alle gemein, die Tugenden gehören Jedem besonders. Wohl, meine Freunde, an seinen hohen Tugenden, an seinen vortrefflichen Eigenschaften, an seiner Einsicht und gediegenen Erkenntniß wollen wir uns erheben jedeSmal wenn wir sein geben« ken, und möge die Fülle edler und beglückender Erinnerungen, die sich an den Namen des theuren Hingeschiedenen knüpfen, uoö zum Leitstern und zum Segen werden für unsere ganze künftige Laufbahn. Amen. A,ö dem Rordwesteu Deutschland«. Ob den folgenden Mitthrilungen der Name und Charakter eine- Bericht» oder einer Reflexion zu vindiciren ist, weiß ich nicht; sie werden wohl die Mitte zwischen beiden halten, da sie einerseits eine prattisch«, überall zu lösende Lebensfrage betreffen, andrerseits Streifzüge in da» tiefere Gebiet der Betrachtung und der Wissenschaft nicht ganz werden vermeiden können. Der alte Spektakel über die Zulässigkeit, über die Bedeutung der Reformen im Judenthum wühlt sich iuimer von Neuem auf und giebt Anlaß zu Erörterungen und Streit. Nicht bloS die ganz streqge Stabilitäts-Orthodoxie geräth in Unruhe und Haroisch, so oft im Eultu« Etwas zeitgemäß umgestaltet, reformirt werden soll und findet darin eine Anfechtung de« religiöS-traditionelle» Princip», indem sie diese« Priucip au-dehnt auf die ganze äußere herkömmliche Erscheinung und Vorstellung de- Judenthum-, sondern auch ein nicht kleiner Theil jener Loterie von Juden,

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