Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 19 (10.5.1867)
- Date
- 1867-05-10
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m יד.’ ר'••», '-iÜr4(|ä)nwfc' f ׳יי״ *׳•'׳ ־‘ Alle» mögliche, »wen sie wenig »der gar nichts verdauen, llesterhaupt ist erin sonderbare» Ding, mit einem im ebene» Wähnten verkehrten Talmndftndinm ausgewachsenen jnngen Manne etwa» andere» al» Talmud zu treiben, z. B. mit ihm einen latei« nifchen Dichter zu lesen. Da kann einem pafstren, daß bei der Lektüre de- Birgst an der Stelle, wo Palinuruin dunster -Nacht dit seinem Schiffe Sturm und Gefahr' drehenden Welken sich sammeln steht, der junge der Frage und Oppofltkon-sucht noch nicht entwöhnte Talmudist, die Frage thut: ״Wie hat er aber da» sehen können, es ist doch dnnste Nacht gewesen?" — Die Selbsttäuschung solcher Leute über ihr venneinttiche» Wissen wird nun noch völlig gestärkt durch die schanderhastm Ghmnasialzustände de- Staate-, wo man z. B. kn Ungarn an gewisten Ghm« aasten für Geld maturiren kann. Hat ein junger RabbinatSkan« didat sich in oberstächlicher Weise mit dem stassischen Alterthnm und anderen Zweigm de- Ghmnafialunterricht» bekannt gemacht, so wallfahrtet er nach einem solchen Gymnasium, erlegt seine 100 bi» ILO Gulden und erhält ein MaturitätSzeugniß eximia cum lande!, ohne auch nur eine griechische Form deutlich analhsiren zu können. — An dem daran» folgenden Zustande von Unruhe und Selbstüberhebung werden dann halbe philosophische Etudim gemacht, deren Resultat dann eine theologische Größe ist, wie Sie eine solche in nächster Nähe vielleicht schon z» bewundern Gelegenheit gehabt haben. — Heuchelei und Unwissenheit sind die Folgen einer so mangelhaften geistigen Ausbildung, die allerdings dem redlichen und ehrenhaften Streben Jellinek» nicht zur Last gelegt werden dürfen. — Da» sind die sog. Extreme! In mei« nem Nächsten da» ״Jastc milien.“ Prag, 28. April. An mehreren Orten de- Landehaben Demonstrationen gegm jüdische, der deutschen Partei angehö« rige Kaufleute stattgefunden. Besonderarg von Fenstereinwerfen und Häuserdemolirung-versuchen begleitet waren dieselben vorgestern in Bjela. Bon Seiten der Statthalterei wurde die strengste Un« tersuchung angeordnet. St. PtterSburg. Mit Genehmigung de- Ministerde- Innern wurden die Statuten der ״Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" in einigen Paragraphen abgeändert. Dir werden in Bälde Nähereüber diese Ge« sellschast mlttheilen. Hleber Aufklärung. Egiebt bekanntlich Leute, die behaupten, da- Menschenge« schlecht gleiche den Karpfen im Karpfenteiche und esei Bestim« mung und Pflicht der großen Hechte, durch geeignete Mittel da« für zu sorgen, daß die Karpfen nicht allzusehr von der entsetzlichen Krankheit der AufNSrung oder, wie sie höhnisch sagen, des ,;Auf« stärichtS" belästigt würden. ״Wa» Bildung! Was Kultur! Phra« fen! Glauben ist Bildung!" ES wird für Denkende von Interesse sein, sich in eine Zeit znrückzuversetzen, wo die edelsten und höchsten Geister der deutschen Ration sich mit der Frage nach dem Wesen wahrer Aufstärung beschäftigten. In der ״Berlinischen Monatsschrift", einer im vorigen Jahr« hundert hochangesehenen und für die damaligen Verhältnisse weit verbreiteten Zeitschrift wird diese Frage aufgeworfen, und Mo« se» Mendelssohn war es von der Geschichte Vorbehalten, zu« «st an die Lösung der Frage zu gehen; bald darauf gab Kant fein Votum ab; ihm folgten Andere, f -"''Wir hallen efür zeitgemäß, die Erinnerung an jene würde« volle, nntn möchte sagen» wechevolle Diskussion wieder aufzufri« scheu, um so mehr, at» noch kein Wort jener Männer et»«» an Vedeutnng verloren hat. Lassen wir zuerst Mendelssohn reden. Die Worte Aufklärung, Kultur, Bildung, sagt Men« del-sohn, sind ln unserer Sprayt noch neue Ankömmlinge. Eie gehören vor der Hand blo« zür Güchersprache. Der gemeine Haufe versteht sie kaum. Sollte dieein Beweis sein, daß auch die Sache bei unnoch neu sei? Ich glaube nicht. Man saK von einem gewissen Volke, daß rkein bestimmte- Wort für Tu» gend, kein» für Aberglauben habe, ob man Ihm gleich ein nicht geringes Maß von beiden mit Recht znschreiben darf. Indessen hat der Sprachgebrauch, der zwischen diesen gleich» bedeutenden Wörtern einen Unterschied augeben zu wollen scheint, noch nicht Zeit gehabt, die Grenzen derselben feftzusetzen. Bll« düng, Kultur und Aufklärung sind Modifikationen de» geselligen Lebens, Wirkungen de- Fleißes und der Bemühungen der Men« schrn, ihren geselligen Zustand zu verbessern. Je mehr der-gesellige Zustand eine- Volkedurch Kunst und Fleiß mit der Bestimmung des Menschen in Harmonie gebracht worden; desto mehr Bildung hat diese- Volk. Bildung zerfällt in Kultur und Aufklärung. Jene scheint mehr auf das Praktische zu gehen: auf-Güte, Feinheit und Schönheit kn Handwerken, Künsten und GeselligkeitSsitteu (objektive); auf Fertigkeit, Fleiß und GeschiGichkeit in jenev, Neigungen, Triebe und Gewohnheit in diesen (silbjective). Je mehr diese bei einem Volke der Bestimmung deS Menschen mt« sprechen, desto mehr Kultur wird demselben beigelegt; sowie einem Grundstücke desto mehr Kultur und Anbau zugeschrieben wird, je mehr es durch den Fleiß der Menschen in den Stand gesetzt wor« den, dem Menschen nützliche Dinge hervorzubringen. — Aufklärung hingegen scheint sich mehr auf da- Theoretische zu be» ziehen. Auf vernünftige Erkenntniß (object.) und Fertigkeit (subj.) zum vernünftigen Nachdenken, über Dinge de« menschlichen Leben-, nach Maßgebuug ihrer Wichtigkeit und ihre» Einflusses in die Be« stimmung de- Menschen. Ich setze allezeit die Bestimmung de- Menschen als Maaß und Ziel aller unserer Bestrebungen und Bemühungen, aleinm Punkt, worauf wir unsere Augen richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen. * Eine Sprache erlangt Aufklärung durch die Wissenschaf« ten, und erlangt Kultur durch gesellschaftlichen Umgang, Poesie und Beredsamkeit. Durch jene wird sie geschickter zu cheoreti» schem, durch diese zu praktischem Gebrauche. Beidezusammen giebt einer Sprache die Bildung. Kultur im Aeußerlichen heißt Politur. Heil der Nation, deren Polüur Wirkung der Kultur und Aufilärung ist, deren äußerlicher Glanz und Geschliffenheit innerliche, gediegene Aechcheit zum Grunde hat! Aufilärung verhält sich zur Kultur, wie überhaupt Theorie zur Praxis, wie Erkenntniß zur Sittlichkeit, wie Kritik zur Virtuosität. An und für sich betrachtet (objektive) stehen sie in dem genauesten Zusammenhänge, ob sie gleich subjecttv sehr oft getrennt sein können. Man kann sagen: die Nürnberger haben mehr Kultur, die Berliner mehr Aufilärung; die Franzosen mehr Kultur, die Eng« länder mehr Aufilärung; die Chinesen viel Kultur und wenig Aufilärung. Die Griechen hatten beide-, Kultur und Aufilärung. Sie waren eine gebildete Nation, so wie ihre Sprache eine gebildete Sprache ist. — Ueberhaupt ist die Sprache eine- Volkdie beste Anzeige seiner Bildung, der Kultur sowohl alder Aufilärung, der Ausdehnung sowohl alt>er Stärke nach. Ferner läßt sich die Bestimmung de- Menschen eintheilea: