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Die Gegenwart · 1867-05-10 · 19 (10.5.1867) · p. Seite 149

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
19 (10.5.1867)
Date
1867-05-10
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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WWI « -־*! ., *w jupp ^- rf ** J- M- M1JU. <»_i. - ■ » 0» »יזמזGe»MW. sU^1«MWWe «WaEHtW»». WWMMWWWWWWWWW Ml nligiäfl» P«1etwspaltm,- u»d?Mchtmg-verschiedmM der Ge» meademitgli«»«» stk selbst ia der Gesinnung-Verschiedenheit der erfteU E>ütu«beamlen. Doch ich 'will Eie und den Leser mit diese« allgemeine« Gebauten «icht laagweilen. Eie können sich dieselben besser selbst »ergegemvärtige» und aut dem abstrahiren.wa» Sie Analogei» Ihrer eigenen Stadt vorfinden, obwohl dieselbe, ich meine hier nur die jüdische Gemeinde, — in religiösem JndifferentiSmn» etwag«mz ErklrMche» leistet. Sie h<cken in Berlin!nicht bloäußerlich sich auden יאו nigea Straßen und Gaffen soSgemacht, in denen sich aufrüheren dunklen Zeiten der Unterdrückung daabgeschlossene Leben und Treiben de» vorige« Jahrhunderterhalten hat, und wo der an und für sich makellose, von einem nicht immer unbegründeten Borurtheile ccher behaftete ״Schacher" zu Hause ist, — der größte Theil der jüdischen Einwohner Berlin» hat allmthalbeu sein Do« wizil in der Stadt aufgeschlagen und ist bemüht vermöge einer eigenthämlichen centrifugalen Kraft diese Erinnerung alter Zeit zu meiden; — nein! selbst der Mittelpunkt Ihre» jüdischen Leben», die Synagoge mit den Bureau» der Gemeindeverwaltung, ist von seiner ursprünglichen und durch da» Alter ehrwürdigen Stelle im Mittelpunkt deehemaligen ״Jude»viertel»" in qne comfor« tabelere und der Weltstellung der heutigen Gemeindemitglieder entsprechendere Gegend verlegt worden. — Daß damit auch mit dm alten Traditionm gebrochm worden) und da» selbst den Freifinnigsten Anheimelnde dealten jüdischen Gotte-dienste» in Ihrem alten Tempel theilweise verloren gegangen ist, — daß Mancher sich ftemd nnd beengt fühlt in den geräumigen, mit reicher Pracht au«grstat1eten Räumen de» neum Gotteshause», — va» scheinen die Bertheidiger und Freunde de» zeitgemäßen Fortschritteauf diesem Gebiete nicht genügend berücksichtigt zu haben. — Wenn Sie nun bedenken, daß man hier einen Zusammen« floß sännntlicher Juden de» europäischen-Osten», au» Rußland und Galizien die Polen, au» den Donaufürstenthümern und der Türkei die sogenannten Spaniolischen Juden, erblickt, — daß diese alle natürlich ihren besondere« Gottesdienst und sonstige divergmte religiöse Gebräuche haben, — so müßte ich eigentlich auf diesel« ben eingehen, wenn ich Ihnen eine ausführlichere Darstellung de» hieflgen Judenchum« geben wollte. — da jedoch alle diese, Eecten möchte ich sie nennen, ein» gemeinsam haben, — den Gegensatz nämlich zu der fteieren Richtung dedeutschen modernen Juden« chum», — so werde ich mich damit begnügen, zwei Richtungen zu unterscheiden, die altorthodoxe und die reformirmde freisinnige. Die erste, deren Kern besteht au» der Pflege de» verkehrtm Tal« mudstudium», der Gedankensprünge des Pilpul, wie er noch vor einem Jahrhundert allgemein al» erste Grundlage talmudischer Bildung betrachtet wurde, — diese, welche in den Concessionen, die man der Wissmschaft und veränderten Weltstellung de» Ju« denthum» hat machen müffen, eine Gefahr für ihre Orchodoxie erblickm, find eigentlich ohne bestimmte Leitung und Führung und befinden sich in einem völlig anarchistischen Zustande. Der Mann, welcher, wie man vermnthen könnte, ihre natürliche und selbstverständUche Spitze bildm dürfte, — der Rabbiner Horwitz, zeichnet sich durch eine passive, nach keiner Seite hinneigmde Haltung au», die nur noch durch seine private Abgrschloffenheit dm Gemeindemitgliedern gegenüber übertroffen wird. Bon eigentlichem Leben und reger Thätigkeit beseelt ist da« gegm die freiere, nach vorwärt» drängende Richtung, die fast den gesammten deutschen Theil der jüdischen Bevölkerung umfaßt und in allen Zweigen de» jüdischen Gemeindrleben» sich geltend macht. Bon dem verstorbenen mid hochverdienten Herrn Mannheimer in'- Leben gerufen^ wird sie vg» seinem Rachfolger, Jellinek t» ihrer weitere« Entwicklung gekniet» — ihr verdanke« wir die ««ן fassenden Anstalten für die Unterstützung dar Arme» -und für di» Pflege und Heranbildung der jüdischen Jugend. Man kann «icht leugnen, daß Di*. Jelinek, ein nicht Be« großer Manu wit einem intelligente« Gesichte, da» seine slavtsch« Abstammung deutlich vrrräth, trotz seiner große» «ad vielger-hw» ten Beredsamkeit doch «och einige, besonderfür eine« Prediger störende Mängel hat. — Will man absrheu von der Schwäche seine» Organe», mit dem ihn die Natur etwa» stiefmütterlich he« dacht hat, so kann man doch nicht übergehen, wa» zu Ludern und abzulegen in dem Bereich seine- Willen« Uegeu dürste. Wer einmal die allerdings an und für sich schon imposante» rhrfurchtgebietende Erscheinung Ihre» seligen Sach» auf der Kan« zel gesehen und gehört, wer die klassische Ruhe und, selbst in Mo« menten der Auflegung, graziöse Anmuth feine- Organ- und seiner Gestikulatiou bewundert hat, der wird sich uuaugenehm berührt fühlen durch die etwa» kreischende Stimme Jellinek's und die ia Momenten, — vielleicht erkünstelter? — Auflegung nicht» weui« ger al» anmuthigeu Haudbewegungen. Doch ist e» nicht zu ver« kennen, daß gerade seine Haltung durch die Einfachheit der Rede« weise und die Bermrirung der Wortzieherei und de» Singsaug» christlicher Geistlichen, wie sie bei den meisten heutigen Theologe« de» Judenthum» grassirt, vortheilhaft hervorragt und dem tradi« tionellen Ursprünge de» jüdischen Predigerwesen», der geistvollen, von Heiligen-Nimbu» freien Metamorphose der Midraschlehre, am nächsten kommt. — Dem -Inhalte nach kann man sagm, daß er in seinen Predigten seine Aufgabe richtig erfaßt hat: durch wo« ralische, allgemein verständliche Bettachtungen der menschliche« Ber« hältniffe in besonderer Beziehung zum Juventhüme und über die Aufgaben de» Juden als Menschen auf den Geist und da« Gr« müth seiner Hörer zu wirken und sie zum eignen Nachdenken über diese Punkte anzuregen. Nur will es mich bedünken, al» ob eine allzu geflissentliche Hineinziehung politischer Fragen in die religiöse Betrachtung, wie sie JeUinek liebt, der parteilosen Stellung eine» Geistlichen nicht ziemlich sei und leicht den Eindruck egoistisch-po« litischer Agitation machen könnte. Al« Zeugniß der Thätigkeit Jellinek's außerhalb de» Gotte»« Hauses möchte ich besondersein Bestteben erwähnen, in den nach Wim kommenden Jüngern des TalniudstudiumS Verbreiter und Förderer seiner Richtung zu bilden. — Allein, ich kann nicht sa« gen, daß diese« loben-werthe Stteben von besonderem Erfolge ge« krönt werde. — Um Ihnen den Charakter dieser jungen Leute kurz zu zeichnen, will ich Ihnen eine Anekdote mittheilen, die Sie vielleicht schon kennen, die aber bezeichnend und treffend sein dürfte. Ein Pole, ein junger Mann, mit körperlichen und geistigen Anlagen spärlich auSgestattet, war über die Wahl eines Leben»« berufeS in großer Verlegenheit, und wandte sich deshalb an einen seiner älteren Landsleute um Rath. ״Zum- Handwerk" sagte er diesem, ״bin ich zu schwach, zum Kaufmann zu dumm, zum Ge« lehrten schon zu alt und noch zu unwissend; — was soll aumir werden?" — Da gab Hm der Geflagte den Rath nach Dmtsch« land zu gehen und Deutscher Prediger zu werden. — Die Anwendung, welche ich mit diesem Citat habe machen wollen, datsrtium cowparatiom« hierbei dürfte wohl Jedem Nar sein uud ich will nur benierkn, daß bei den hiesige» sogenannten Rabbi» natSkandidaten noch der heikliche Umstand hinzukommt, daß sie sich über ihre Mängel in selbstgefälliger Selbsttäuschung befinden. Die Herren sind nämlich bestrebt, eine wiffenschaftliche BUdung sich anzueignm, — sie treiben Griechisch, Lateinisch und sonst noch

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