Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 19 (10.5.1867)
- Date
- 1867-05-10
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4889892-5434108-5434148--186-4890053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ftaftur Wochcafchri» De Mltch rMgeleaacheite». IW tn 1) Bestimm«!- de« Menschen al» Mensch, und 2) Besti»׳ «uug de» Meuschra al» Bür-er brttichlet. In Ansehung der Kultur fallen diese Bettachtmige» zusammea, indem alle praktische Lollkommeuheite« blo» in Beziehung auf da» gesellschaftliche Leben einen Werth haben, als» einzig und allein der Bestimmung de» Menschen, al» Mitglied der Gesellschaft, entsprechen müssen. Der Mensch al» Mensch bedarf keiner Aultkr, aber er bedarf d«r Aufklärung. Stand und Beruf im bÜrgeLllchdu Leben, fährt Mendelssohn fort, bestimmen eine» jeden Mitglied«» Pflichten und Rechte, erforvrut^nach Maßgabe derselben andere Geschicklichkeit und Fertigkeit, andere Neigungen, Triebe, GeselligkeitSsitlen u^d Gavohns heiten, eine andere Kultur ^>nd Politur. Je mehr diese durch alle Stände mit ihrem Berufe, d. i. mit ihren resp. Bestimm!«, gen al» Glieder der Gesellschaft übereinstimmen, desto mehr Kultur hat die Nation. Sie erfordern aber auch für da» Individuum, nach Maß. gäbe seine« Stande» und Berufs andere theoretische Einsichten, und andere Fertigkeit, dieselben zu erlangen, einen andern Grad der Ausklaruug. Dir Aufklärung, die den Menschen als Mensch interessirt, ist allgemein ohne Unterschied der Stande; die Abklärung de» Menschen al» Bürger bettachtet, modificirt sich nach Stand und Beruf. Die Bestimmung de» Menschen setzt hin abermals seiner Bestrebung Maß und Ziel. Diesem nach würde die Aufllärung einer Nation sich verhalten: U wie die Masse der Erkenntniß, 2) deren Wichtigkeit, d. i. Berhältniß zur Bestimmung a) des Menscheu und b) des Bürger«, 3) deren Verbreitung durch alle Stände, 4) nach Maßgäbe ihres Berufs; und also wäre der Grad der VolkSaufllärung nach einem wenigstens vierfach zusammengesetzten Verhältnisse zu bestimmen, dessen Glieder zum Theile selbst wiederum auS einfächern VerhLltnißgliedern zusammengesetzt sind. Menschenaufklärung kann mit Bürgerausilärung in Streit kommen. Gewisse Wahrheiten, die dem Meuschen, als Mensch, nützlich siud, können ihm als Bürger zuweilen schaden. Hier ist Folgende« in Erwägung zu ziehen. Die Eollision kann entstehen zwischen 1) wesentlichen, oder 2) zufälligen Bestünmungen des Menschen; mit 8) wesentlichen, oder 4) außerweftntlicheu zufälli« gm Bestimmungen de» Bürger«. , Ohne die wesentlichen Bestimmungen de« Menschm sinkt der Mensch zum Vieh herab; ohne die außerwesentlichen ist er kein so, gute» herrliche- Geschöpf. Ohne die wesentlichen Bestimuvmgen de« Menschen als Bürger«, hört die StaatSverfasiung auf zu sein; ohne die außcrwesentlichen bleibt sie in einigen Rebenver« hältniffeu nicht mehr dieselbe. Unglückselig ist der Staat, der sich gestehen muß, daß in ihm die wesentliche Bestimmung des Menschen mit der wesentlicheu de- Bürger» nicht Harmoniken, daß die Aufklärung, die der Menschheit unentbehrlich ist, sich nicht über alle Stände des Reich» auSbreiten könne; ohne daß die Berfafsüng in Gefahr sei, zu Grunde zu gehe». Hier lege die Philosophie die Hand auf den Mundk Die Nothwendigkeit mag hier Gesetze vorschreiben, oder vielmehr die Fesseln schmieden, die der Menschheit an-ulegm sind, um sie wieder ׳zu beugen und beständig unterm Drucke zu haltenl Aber weuu dis außerwesentlichen Bestimmungen de- Menschen mit den wesentlichen oder außerwesentliche» de» Bürgers in Streit kommen, so wüsten Regeln festgesetzt werden, nach welchen die Ausnahmen geschehen, und die KellisionSfäske entschied« wer« den sollen. Wenn die wesmtlichen Bestimmungen de» Mmschen uu- / r glücklicherwflk «it ftine» «cheypesMche» Bestimmopgey srM in Gegeastzetzgefffacht worden,And; weuu«<w.. gewiss,,u-tzlsthfl und den Mensch« ziermde Wahrheiten nicht verbreiten darf, o«e die ihm nun eiuwal .heiwohnmdrn GWUdsshe der Religion in Sittlichkeit niederzurrißcn: so wird der tugendliebende Aufklärer mit Vorsicht und Bfhotsamkeit versahrm, üud lieber da» Borm> theil dulden, al» die mit ihm so.fest verschlungme Wahrheit zu« gleich mit vertteiben. Freisich ist diese Maxime von je her Schutzwehr der Heuchelei geworden, und wir haben ihr, so manch«; Jahrhunderte von Barbarei und Aberglauben zu verdanken. So vji *nun ruv vCTCu^rn grnfcn Wu»k, icucit מוד^זזן ^cutj* thum. Wein dem ungeachtet wird der Menschenfreund, in den aufgeklärtesten Zeiten selbst noch immer auf diese Brttachtuug Rücksicht nehmen wüsten. Schwer, aber nicht unmöglich ist e», die Grenzlinie zu finden, die auch hier Gebrauch von Mißbrauch scheidet. — Je edler ein Ding in seiner Vollkommenheit, sagt eiu hebräischer Schriftsteller, desto gräßlicher iu fatns» Verwesung. Lin verfaulle» Holz ist so scheußlich oicht, al» eine verweste Blume; diese nicht so ekelhaft, als ein verfaulte» Thier; und dieseso gräßlich nicht, alder Mensch in seiner Verwesung. So auch mit Kultur und Aufllärung. Je edler t» ihrer Blüthe, desto abscheulicher in ihrer Verwesung und Verderbtheit. Mißbrauch der Aufllärung schwächt da« moralische Gefühl, führt zu Hartsinu, Egoismus, Jrreligion und Auar« chie. Mißbrauch der Kultur erzeugt Ueppigkeit, Gleißnerei, Weichlichkeit, Aberglauben und Sklaverei. Wo Aufklärung und Kultur mit gleichen Schritten fortgehen; da sind sie sich einander die besten Verwahrung-mittel wider die Korruption. Ihre Art zu verderben ist sich einander schnür« straks entgegensetzt. Die Bildung einer Nation, welche nach obiger Worterklä« . rung au» Kusiur und Aufklärung, zusammengesetzt ist, wird also weit weniger der Korruption unterworfen sein. Eine gebildete Nation kennt in sich keine andere Gefahr, al» das Uebermaß ihrer Nationalglückseligkeit; welche» wie die vollkommenste Gesundheit de» menschlichen Körper», schon an und für sich eine Krankheit, oder der Uebergang zur Krankheit genannt werden kann. Eine Nation, schließt Mendelssohn, die durch die Bildung auf deu höchsten Gipfel der Nattoualglückse« ligkeit gekommen, ist eben dadurch ln Gefahr zu stürzen, weil sie nicht höher steigen kann. (Schluß folgt.) Vermischte». — Der verstorbene Kaufmann Aaron Hirschberg hat, wie wir hören, iv seihen, Testamente dem hiesigen Talmud«Verejn 300 Thlr., dem Brth Hamidrasch zu Jnowraclow 800 Thlr., der jüdischen Armen-Commission Hierselbst 100 Thlr., dem Beth Ha« midrasch zu Jrbica im Königreich Polen 300 Thlr., dem Auerbach'schen Waisenhaus 200 Thlr. vermacht. Die letztgenannt Anstalt hat in diesen Tage» au« einem andern Testamente die Summe von 2000 Thlrn. geerbt. Auch sind derselben wie un» berichtet wird, zwei Stiftungen zum Zwecke der Ausstattung von Waisenmädchen überwiesen worden, die eine ini Betrage von?000 Thlrn. von den Geschwistern Ratorf, die a»1dere im Bettage vou 2800 Thlrn. vou Herrn Moritz Kallmann. \ — Die hiesige städtische Schltldeputation hat zum Special« Inspektor säminüichfr hiesige« jüdischen Schul« den Prof. vr.