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Die Gegenwart · 1867-05-10 · 19 (10.5.1867) · p. Seite 148

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
19 (10.5.1867)
Date
1867-05-10
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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natiftnu« die Qtauflfyrr beherrscht. Es geht die« auch daravhervor, daß. abgesehen von der Einstimmigkeit, womit dieser Beschluß gefaßt wurde, alle Eonfessionen der Stadt sich besselbe« freuep. / Die Ausführung ist abhängig von der Zustimmung der Geistlichkeit und Negierung, da nach dem französischen Gesetz«, welches maßgebend ist, die Friedhöfe zwar Eigenthum der Stadtgemeinde sind, aber über die räumliche Trennung oder Bereiniging der Gräber die betheiligten Eonfessionen sich zu einigen haben. Ob dabei die Ansicht de- Rabbinateinzuhelen nöthig sein wird, ist noch nicht bestimmt. Den Verlauf der Sache werde ich Ihnen miltheilen. Da der Gegenstand von allgemeinem Interesse ist, dürste es rathsam sein, auch die anderwärts herrschenden An« schaumigen zu vernehmen. ׳Die Redaktion der ״Zeitung de- Iudenthum-" bemerkt dazu:״ ׳Wenn in Alzey nach der Meinung anderswoher gefragt wird, so kann man sich dort überzeugt halten, daß man nur Widerspruch und Entrüstung vernehmen Werdens Es giebt unsere» Wissennoch keine jüdische Gemeinde, die ihren eigenen Friedhof aufgegebe» hat. Bor einiger Zeit war in Luxemburg davon die Rede, und der dortige Rabbiner vr. Sam. Hirsch, der den Alzeyern doch gewiß nicht für eine orthodoxe Autorität gelten wird, hat ein so entschiedenes Gutachten abgegeben, daß diese ReligionSnivellirung unterblieb. Da- Gutachten wurde in dieser Zeitung mitgetheilt. Zwischen Iudenthum und Christenthum liegen doch noch andere Differenzpunkte, wie zwischen den einzelnen christlichen Eonfessionen."!(Wir constatire» zunächst, daß sowohl der ״Israelitische Lehrer" als auch ״Ben Chananja" die oben berichtete Thatsache keineswegs mit Entrüstung und Widerspruch, sondern mit Genugthuung und Beifall aufgenommen haben. Auch vir müffen unden genannten Blättern anschließen. E« ist die vorliegende Frage rmseres Erachtens eine reine Gefühlssache. Wenn nun die Gefühle der christlichen Bevölkerung Alzey'S durch die ״jüdischen" Gräber mit ihren hebräischen Inschriften, mit ihrem stereotypen *ט*© unb 0סי und חינ׳צ׳כ׳ח nicht verletzt werden, so ist in der That nicht abzusehen, wie die Alzeyer Juden, die doch gewiß an Toleranz ihren Mitbürgern nicht nachstehen wollen, an der Nachbar« schaft ״christlicher" Gräber ein Aergerniß nehmen sollten.^' Wir können nicht einsehen, wa» die ideellen Differenzpunkte zwischen Judenthum und Ehristenthum mit den Gräbern zu schaffen haben. Auch liegt ein Präcedenzfall in unserer Nähe vor. Unter den am 18. März 1848 für die Freiheit Gefallenen und am 22. März im Friedrichshain Begrabenen befanden sich 6 Juden. Bei dem gemeinsamen Begräbniß betheiligte sich daS Rabbinat. Der selige vr. Sachs hielt die Grabrede, der selige Rabbiner Oettinger verrichtete Gebete. — Der Talmud sagt מיתר, מכפרת.) München, 27. April. In einer an sämmtliche KreiSregierungen und Landwehr-Kreis-Kommandos ergangenen Entschließung vom 25. d. M., hat va» Königl. Staatsministerium des Innern im Einverständniffe mit dem Königl. StaalSministerium der Justiz ausgesprochen, daß der Ernennung israelitischer Notare, Advokaten k. zu Landwehr-Auditoren ein gesetzliches Hinderniß nicht entgegensteht. Au« Witrtemberg. Das israelitische Kirchen- und Schulwesen will sich in neuerer Zeit bei uns nicht recht freundlich gestalten. Würtrmberg hat in den letzten 6 Jahren die Hälfte seiner Rabbiner durch den Tod verloren, meisten- Männer von echter Religiösität, gutem Eharakter und würdiger Haltung. Durch die׳ fen eingetretenen plötzlichen Mangel an tüchtigen mländischen Rabbinern, war man genöchigt, solche aualler Herren Länder hereinzuziehen, deren Wiffen und Charakter man natürlich nicht genau kennen konnte »nd sind deshalb auch, wie «an H»at, -P»« Lhetl keine glütMche Akquisitionen gemacht worden.׳ ' Rmt'.etzzähkt sich so zuweilen Borkomwnifle. worüber der Gebildete n»r! stattnen muß, und man hätte enicht fiir möglich gehalten, daß s» etwajetzt noch in Würtemb«- Vorkommen könnte. Vielleicht kann später Speciellerehierüber berichtet werden. — Trotz der ökonomischen Besserstellung der Lehrer in neuester Zeit, fehlt e« immer noch an dem nvthigen Personal für yi^israel. Schulen de« Landes und müffen deshalb christliche Stellvertreter nicht selten zugezogen werden. — Der israelitische Hauptlehrer Lvwenthal zu Gnchau am Federsee ist auf sein Ansuchen mit einer jährlichen Pension von ca. 369 fl. in den Ruhestand versetzt wordeu. Wie mau vernimmt, werden im Laufe kommenden Sommernoch weitere Veteranen um ihre Peusionirong nachsuchen und dadurch die Roch an geprüften israelitischen Lehrern immer größer werden. (JSr. Lehrer.) 6 Wie», den 24. April. Da Sie als Einwohner und Glied der jetzt zur Metropole Norddeutschlanderhobenen Stadt der Intelligenz gewiß schon große Fortschritte in der den Franzosen abgelernten CentralisationSbestrebung gemacht haben werden, so hoffe ich, von Ihnen nicht der Einfettigkest bezüchtigt zu werden, wenn ich in der Darstellung der hiesigen Jüdischen Verhältnisse ein Bild degesammt-österreichischen Judenthumzu entwerfen glaube. Denn, mag man, besonders unter den jetzigen Umständen, wo Ungarn eine so bedeutende Stellung im Kaiserstaate gewonnen hat und der Schwerpunkt. de- Reiches wirklich nach Pesth und Ofen verlegt worden ist, — mag man da auch noch so geneigt sein, Wien die Bedeutung einer Metropole für Oesterreich abzusprechen, — für die jüdischen Berhältniffe dieses Staatebleibt sie eS stet«; — denn nirgends, in keinem Theile «nd keiner Stadt des großen Reichehat sich dainnere Leben der jüdischm Bevölkerung zu solch' organisirter Thätigkeit und allseitiger AuSdehnung entfaltet, — nirgendhat das Gemeindrleben alle socialen und religiösen Fraßen mehr in den Bereich seiner Wirksamkeit gezogen, — als gerade in Wien. Armen- und Krankenpflege, Förderung der Bildung und Wissenschaft in allen ihren Zweigen haben hier ihren entschieden besten und wirksamsten Wohnsitz genommen, — ob die Resultate absolut gute sind —, da« ist eine Frage, die vom Standpunste der allen Dingen anhaftenden menschlichen Unvollkommenheit be« wachtet, gewiß nicht mit unbedingtem Ja zu beantworten fein dürfte. WaS endlich dareligiöse Leben, — ich meine nicht bloS die Ausübung derituellen EerrmoniellS, sondern den geistige» und geistlichen Standpunkt resp. die Auffaffung des Iudenthum« nach seinem Wesen, seiner Bedeutung und Stellung zum Staate, — wa« die« also anbetrifft, so glaube ich nicht zu wett zu gehe», wenn ich Wien besonders, ja fast allein als den Heerd und OrganiSmuS aller dahin zielenden und darin gipfelnden Bestrebungen ansehe. — Die Bereinigung der jüdischen Bevölkerung, wie sie aus den verschiedenen Kronländern zusammenströmt, zu einer Gemeinde, wie sie hier besteht, läßt die Unterschiede der heimathlichen Gewohnheiten und Gebräuche der Eiozelnen mehr hervortreten und bedingt eine Parteien- und GenoffenschaftS.Gruppimog, die immer da« Anzeichen reger Gemeinchätigkeit ist. Die fast hier allein vertretene geistige Bildung und die gesellschaftliche Stellnng der Juden in der Residenz, wie sie durch die Geld-Aristokratie repräsenttrt wird, sie lassen, als die wesentlichsten Bedingungen der fortschrittlichen Entwickliing de- Iudenthum«, hier da» jüdische Leben am deutlichsten erkennen; e« spricht sich auiu der

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