Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 19 (10.5.1867)
- Date
- 1867-05-10
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M 1 n-.. gw,11 111<>^ ןr amu• —*-*- Tovamt OMycnpfiiit מן nyKyifcnni 147 stattet hastmand fiehe da. die Ehe war «ine unglückliche l So et» Kakt»« pack» and schüchtert «in die sch»achen Gemkther. Dem die Furcht der Mißgeschicken ist größer» al« die Ehrfurcht vor Sott. Es diente diese Fabel — waö thut'S, daß manche Ehe, die zu einer ander» Zeit geschloffen, auch keine glückliche gewefea? — al» Schwefeldämpfe, worüber der Dreifuß feststrhe» solldamit diesen Orakelsprüchen der rabbinifchen Pythia da» betänbte Volk unbedingten Glauben schenke. Doch verlaffen wir diese Bildersprache und prüfen ernst die Haltbarkeit diese» Trauerbrauche-. Jedenfall» müßten Alle, welch« diesen Trauerbrauch für heilig und unantastbar halten, um Hirse Lrauerzeit, wie da» von den Rabbinen vorgeschrieben ist, noch viel mehr jede» weltliche Vergnügen meiden, al» die Lheilnahme cm der Hochzeit»feier, die ja nur, um Freude zu fliehen, untersagt wurde. In der That sahen da» viele Rabbiner ein, weniger aber, warum dieser veralteten Trauer, von welcher unser Her; nicht» fühlt, ein größere» Recht eingeräumt werden dürfte, al» einer, un» näher berührenden, indem mau ja gestattete, im Trauerjahre zu heirathen? Wir wollen da« Lesepublikum nicht mit gelehrten Eitaten ermüden; aber unter vielen rabbinifchen Aussprüchen möge Einer zum Schluffe Zeugniß ablegen, daß d-S Heirathen in den Tagen zwischen Pesach und Pfingsten erlaubt sei. P'ri Ehcwasch zu Orach Lhajim L. 293 erllärt nach den An»sprüchen älterer Rabbiner, daß Solche, -die nie vereh« licht waren, oder auch Solche, deren Verhältnisse eine häusliche Stütze erheischen, ohne Weitere» in dieser Zeit heirathen dürfen. בזק שיש סבה כגון שלא קייס פ׳ד או מי שאין לו מי שישסשנו וכיוצא מה לא חיישינן למנחגא ונושא אשח. — Sapienti 8at. Frankfurt a. M , den 4. Mai. Wenn sich in der letzten Nummer der Gegenwart auch rin Würtemberger ״angliedern" will, so ist die» bei einer Korrespondenz au»/unserer Stadt in so fem wohl weniger motivirung-bedürftig, al» wir bereit» fest ge« nug angegliedert sind. — Doch halte ich eS gerade deshalb für meine Pflicht, Ihnen auch von hier au» Nachricht zukommen zu laffen und Ihnen dadurch in die neue preußische Kreisstadt einen Blick zu gestatten. Die hiesige jüdische Gemeinde ist von den politischen Ver׳ hältnisseu beinahe gar nicht berührt worden, sie stand bisher ohne jeden Konnex mit der Staatsverwaltung und die» wird in Preu« ßen auch so bleiben. Ich möchte fast sagen: ״leider" denn die Verfassung derselben leidet an nur allzuvielen Mängeln, an deren Abstellung kaum gedacht wird. — Die hiesigen Gemeindebehörden find ein Vorstand und ein Ausschuß zu je 9 Mitgliedern. Jede» Jahr scheidet je ein Mitglied au» beiden Körperschaften aus; das de» AuSschuffeS wird alsdann von allen stimmfähigen Gemeinde« Mitgliedern gewählt, während der Vorstand in Gemeinschaft mit dem Ausschuß sich ein Mitglied für da» ausgetretene cooptirt, die auSttttenden Mitglieder sind nicht wieder wählbar. — Von einer irgend überwachenden THLtigkeit der Gemeinde ist keine Rede. — Dazu kommt ubch, daß die Verwaltung vollständig in Händen de» Vorstände» ist> und der Ausschuß nur bei bestimmten, wichtigen Punkten zusammentritt. Bei dieser vollständigen Unabhängigkeit de» Vorstände», der ohne jede Verantwortlichkeit der Gemeinde gegenüber, dasteht, bei der 9 Jahre währenden Dauer seine» Amte», einerseits und an« dererseit» bei der fast völlig ausgeschloffenen THLtigkeit der Gemeinde selbst, bei ihrer gänzlichen Einflußloslgkeit (da sie ja 5 Jahre braucht, um die Mehrheit in den Ausschuß und dieser weiterer 5 oder noch mehr Jahre bedarf, um die Majorität de« Verstände» umzugestalten) — ist e» nicht zu vermaudern, daß eine gänzlich« Theiloahmtofigkeü hier herrscht und der Jndiffereuti»«»» immer mehr um sich greift. Zu all dem kommt noch, daß «in Thril d«r Gemeind« ,sich grollrud zurückgezogen und ihre eigene Syuugoge, Verwattnng u.4• w. sich errichtet hat. Der Gottesdienst ist in den 4 Jahren der AmtSthStigkest unsere» jetzigen Rabbiner» nur in unwesentlichen Punkten u«ge« staltet. — Der Gotte»dieust für Sabbat und Festtage ist bereit» durch vr. Stein vielfach verändert und großentheil» auch vevbessert worden, dagegen bedürfen die hohen Feiertage »och heut in ihrem Gottesdienst nur allzusehr der Reform. — Nicht als ob Herr vr. Geiger sich nicht schon bemüht hätte und aus di« un«r>- träglichen Widersprüche zwischen der Feier der Sabbate und der de» Rosch-Haschauah resp. de- Jom-Hakippurim hingewiesen, nein! e» liegt an dem JndiffereotiSmu» mit dem mau die gauze Sache bettachtet. Man befaßt sich nicht gern mit vergleiche», um so weniger, al» man davon nichtversteht. — Unter den Juden Hierselbst fürchtete man die mit vieler Mühe und Roth unserem Senate abgerungene Smancipation wie« der zu verlieren, da sie in Preußen bis heute noch nicht zur Wahrheit geworden. In diesem Jahre ist dergleichen nicht mit Recht befürchtet worden. ES ist vielmehr Herr vr. zur. Elliffe» zum Hilfsrichter beim hiesigen AppellationSgerjcht ernannt worden und ein anderer auf dem Landjustizamt beschäftigter Aktuar, an das neu creirte Stadtamt III. versetzt worden. Hoffen wir da» Beste! A. Königsberg im April. Au» 14. d. M. fand die öffent« liche Prüfung der Gemeinde-ReligionSschule statt; die Schule wurde am 1. Januar 1866 mit 93 Knaben und 45 Mädchen er« öffnet und zählt jetzt 115 Knaben und 54 Mädchen in 8 Klaffen. Die Resultate, die die Schule in dieser Zeit geliefert hat, sind, wenn man eine öffentliche Prüfung als Kriterium zulaffen mag, anerkennenSwerth. Dirigent der Anstalt ist vr. Bambrrger. Interessant wird ihnen sein, daß hier auch Schreibunterricht in Eupsiv« und Quadratschrist zu den Gegenständen de» Ne« ligionSunteprichtS gerechnet wird. — Mit der Eröffnung der Schule wurde auch zugleich der Grund zu einer Schulbibliothek gelegt, die zunächst auf regelmäßige Beiträge der Schüler (jeder Schüler zcchlt monatlich einen Silbergroschen) angewiesen, die doppelte Bestimmung hat, die ärmeren Schüler mit den nöthigen Schulbüchern zu versehen und der gesummten Schuljugend eine Anzahl Schriften in die Hände zu geben, deren Lektüre die durch die Schule angesttebten Zwecke zu fördern im Stande ist. Diese Schulbibliothek zählt bereit« gegen 400 Nummer». Alzey, 14. April. Sie werden, schreibt man der ״Zeitung de- JudenthumS", von dem Beschlüsse de« hiesigen StadtratheS über den jüdischen Friedhof, welcher auf städtischem Gelände innerhalb der Einftiedigung liegt, welche auch den christtichen Friedhof umschließt, au» den öffentlichen Tagesblättern erfahren haben. Derselbe geht dahin, daß in Zukunft auch die Gräber der Juden, wie bisher die der christlichen Eonfessionen, ohne räumliche Treu« nung neben und unter einander folgen sollen. Es würde demnach keinen gesonderten jüdischen und christlichen, sondern einen gemein« samm Friedhof geben. Wenn der Beschluß zur Ausführung kommt, ist er jedenfall» auch für die Lebenden von Bedeutung, nicht blo» für die Todten. ^Die rechtlicheü und socialen Unterschiede zwischen Juden und Ehristen müssen ebenfalls im Lebm schwinden, wen» sie im Tode nicht mehr festgehalten werde». Jedenfalllegt der Beschluß Zeugniß dafür ab, daß man hier human über Juden und Judenthum drntt und kein religiöser Fa« 1»*