Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 19 (10.5.1867)
- Date
- 1867-05-10
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 Die OcgaUMit deutung fein, weil er in ihr den 8jftatf*guiti verhüllten Gedanken eindringlich zu rnaeWn^ »S^O»Or Dstie, ja e» müßte ihm angenehm sein, wenn sich der Gedanke in einer zweckmäßigeren Form darstellte; aber er benutzt eben, was da ist. Er weiß es auch, haß ein äußerer Halt ndthweudig ist, daß^flch leichter eine geheiligte Einrichtung nehmen läßt als ge» b e n. und indem er letzteres von der Zeit und von dem Ideen» verkehre hofft, so «riß er immer die bestehende Einrichtung nach ihrer möglichen heilsame« Auffassung bewahren. Sein Verhältst zu dem kleineren Kreise, auf welchen sich seine Wirksamkeit Vezle« hen soll, ist ein rein persönliche». Er und seine Ansichten bilden dem Kreise gegenüber, in wel» chem er auftntt, ein Einzige» und Zusammenhängende», und sei« Einfluß gründet sich vornehmlich aus da» Zutrauen, welche» man zu beiden hegt; sein Wort soll wirken, al» au» seinem Munde kommend. Er steht auch nicht aus der großen Kampfbahn, wo die Parteien sich schaaren Und dem Streite ihrer Häupter zuse» hen; er lebt mit Wenigen zusammen, deren Kräfte er zusam» menhalten muß, wenn irgend ein guter Zweck erreicht werden soll. Er hat nicht die Hervorragenden vor sich, er hat oft blo» schlichte Leute, die wohl auch mit fortgetrieben werden von den Richtungen der Zeit, aber nicht mit der vollen Selbstständig» feit; mit ihnen muß er säuberlich umgehen, sie nicht verwir» ren. Er ist ein treuer Verwalter, der da einsteht, daß er nicht alle Mängel in seinem Fache abstellen,'kan», nach den Verhält» nisten sich richtet, Grundlagen zu legen und mögliche Berbesse» rungen zu machen bemüht ist, und da» Weitere auf geänderte Verhältnisse verspart oder — seinem Nachfolger überläßt. Wa» nützte ihm auch, Dinge zu unternehmen, welche er nicht durchzuführen vermöchte, oder, wenn ihm die Gewalt zur Seite stünde, welche den beabsichtigten Zweck nicht herbeiführten? Ein Mann de» Frieden», muß er den Streit entweder ganz vermeiden, oder ihn doch nicht heftig werden lassen. Er hat so viele schöne, friedliche, tief einwirkende Verrichtungen zu versehen, er kann so zweckmäßige und wohlthätige Einrichtungen treffen, welche von aller Parteiansicht unberührt bleiben, daß er sich nicht diese Mög» lichkeit versperren darf." * Berlin, den 6. Mai. Die dritte öffentliche Sitzung der Repräsentanten-Versammlung fand gestern Vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze de» Hrn. Geh.-Rath I. M. Mayer statt. Al» BorstandS-Commissar fungirte Herr Jakobi. 1. Erweiterung der Alterversorgung»»Anstalt. Wie wir s. Z. berichtet, war die Sache einer Commission überwiesen wor» den. Im Namen dieser Commission befürwortet der Referent (Herr Bendix), die Anträge de» Vorstandes anzunehmen. An der hierauf folgendm Debatte betheiligen sich die Herren: L. Lieber» mann (dafür), Rechtsanwalt Dr. Makower (dagegen). Beschütz (dafür), Demuth (dafür), Sanität»rath l)r. Oestreich (dafür). — Der CommissionSantrag wird angenommen. 2. Rückäußerung de» Gemeinde-Vorstande-, betreffend den Entwurf eine« neuen Statut» für die Beerdigung»»Anstalt. Referent Herr Recht-anwalt Makower: An dem von der Versammlong (s. Bericht der vorigen Sitzung in Rr. 16 der ״Ge» genwart") modifieirten Entwurf hat auch der Vorstand einige un» erhebliche Aenderungen vorgenommen, und bringt nunmehr da» so amendirte Statut wieder zur Vorlage. Referent beantragt bei einigen der fraglichen Aenderungen Annahme, bei andern Ablehnnng. E» erhebt sich über jeden einzelnen Punkt.eine eingehende und lebhafte Debatte, die jedoch wegen der ungünstigen Akustik der' GaGr^ ut^trständlich bleibt. Die Anträge werdeMlnGenoWwku. 3. Benutzung de» früherem^ (kleinen) Sitzungszimmer» in dem Hause Rosenstr. Nr. 2 zu Zwecken der Mädchenschule — wird ohne Debatte gevehenigt. 4. RevifloßHttgeltgerch eiten werden der betr. Commission überwiesen. Schluß der öffentlichen Sitzung um I V. Uhr. — An der Beitel Heine Ephraimfchen Lehranstalt, wird-tu kommendem, am 6, 8Nai begnmenden Sommersemester jiititlifHu Herr Dr. Lebrecht 1. Midrasch Akabboth zur Genesis, Dienstag v. 3—5 Uhr. s 2. Targumim zu Exodu» (Fortsetzung), Donnerstag von 3-5 Uhr. Herr Dr. Haarbrücker 1. Erklärung arabischer Autoren, Dienstag v. 5—7 Uhr. 2. Geschichte de» MuhamedaniSmu» mit Hervorhebung seine» Vychältuisft« zum Jodeuthum, Freitag von 5—7 Uhr. Herr Dr. Steinschneider 1. Stücke au» den religionsphilosophischen Schriften in hebräischer Sprache, Montag von 6—7 Uhr. 2. Geschichte der hebräischen Sprache und Sprachkunde de« Mittelalter«, Montag und Donnerstag von 7 bi» 8 Uhr. Diejenigen, welche sZmmtliche oder einzelne Vorträge hören wollen, haben sich bei dem Hauptlehrer der Anstalt, Herrn Dr. Lebrecht, RpSmarienstr. 4, Vormittags v.H—10 Uhr (Sonnabend ausgenommen) zu melden. Berlin. Eine Zeitftage im buchstäblichen Sinne de» Wor» te» ist die: warum wird unter un$ Juden da» Heirathen in der Zeit zwischen dem Pesach» und Wochenfeste gemieden? Die Antwort de« R. Natronai, Gaon zu Sura, auf diese Frage lautet: Kein religiöse» Verbot sei die Ursache, son» dern dieser Trauerbrauch nistete sich ein, weil nach der Angabe einiger Gelehrten um diese Zeit 12,000 (!) Schülerpaare de» R. Akiba, welche sich nicht würdig gegen einander betrugen, an einer Seuche gestorben wären (Schaare Theschuba §. 278). Ohne den naiven Glauben an die historische Wahrheit dieser Legende nr irgend einer ftommen Seele erschüttern zu wollen, heben wir her« vor, daß nach Midrasch Thanchuma (Abschn. Chaje Sarah) e» nur 300 Schüler waren, ohne daß angegeben werde, wann, warum und woran sie gestorben seien. — Da man mit Recht fürchten mußte, der Grund zur Trauer über den Tod dieser unbekannten Größen möchte Bielen nicht haltbar erscheinen, zumal weil die ganze Erzählung Mythenhaft erscheint: so suchte man noch einige, aber eben so schwache Stützen zur Auftechthaltung dieser Trauersitte. Nach Einigen soll deshalb da» Heirathen um diese Zeit nicht gestattet werden, weil da vor dem himmlischen Thron über da« Gedeihen oder Nichtgedeihen de» Getreide» Verfügung getroffen würde; nach Andern gar de»« halb, weil nach einer Versicherung de» R. Jochanan Ben Nuri die Gottlosen in den Tagen zwischen Pesach und Pfingsten ihre Strafe in der Hölle zu büßen haben. (S. Chok Jacob und Eschel Abraham zu Orach Chajim C. 493.) Mau mochte fühlen, daß alle drei Gründe schwache Füße seien, welche für die Dauer diesen Trauerbrauch nicht zu tragen geeignet schienen; darum erfand oder ersann man zyr Festigung dieser Sitte eine neue Klammer. Es soll einst ein Rabbiner da» Heirathen in den sogenannten Omertagen einem Brautpaare ge«