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Die Gegenwart · 1867-05-03 · 18 (3.5.1867) · p. Seite 141

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
18 (3.5.1867)
Date
1867-05-03
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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Berliner Wochenschrift fLr Jüdisch« Lagelegeoheilen. 141 sophen erhebt, indem seine reiche Phantasie die Stelle der Brur« theilungSkräfte ersetzt; so liefert un« auch Mose-, ohne daß er die« vielleicht eigentlich zur Absicht hatte, in der SchöpfungSge« schichte eine sehr philosophische Darstellung de« wahrscheinlichen Ursprungs der Sprache und de« menschlichen Denken«. So lange der Mensch noch ohne Sprache war, muß die Welt gleichsam ein Ehao« für ihn gewesen sein, in welchem er nicht« unterscheiden konnte, wo Alle« wüste und leer war, und Dunkel und Finsterniß herrschte. Allein der Mensch konnte nicht lange ohne Sprache bleiben, weil der Schöpfer dieselbe, als ein so nothwendige« Pedürfuiß deS menschlichen Denkens, schon von Anfang an in die ganze Schöpfung mit eingewebt, und einen so auffallenden Unterschied in die Dinge gelegt hatte, welche den Menschen umgaben, daß dadurch daS Wort, womit er diesen Unterschied bezeichnen sollte, gleichsam aus seinem Munde gepreßt wurde. — Nun scheint eS, als ob der betrachtende Mensch erst die großen Unterschiede zwi« scheu Licht und Finsterniß, Himmel und Erde, Erde und Wasser, hinlänglich bemerken und bezeichnen mußte, ehe noch seine Auf« merksamkeit auf die kleineren Unterschiede der Pflanzen, Gestirne und lebendigen Thiere fallen könnte. DaS erste einsilbige Freudengeschrei, womit er das anbre« chende Licht begrüßte und die erste furchtsame kindische Klage bei der wieder einbrechenden Finsterniß, waren vielleicht die ersten Na« men, wodurch er daS Licht von der Finsterniß unterschied und Tag und Nacht bezeichnete. Nachdem er sich vielleicht schon oft über die größte Erschei« nung in der Natur, über de» aufgehenden öag und die dämmernde Nacht, laut gewundert hatte, so hatte nun seine Aufmerksamkeit Muße, auf einen neuen Unterschied zu fallen. Er blickte über sich und dann wieder vor sich nieder; sah oben daS glänzende durch« sichtige Blau des Himmels, und zu seinen Füßen die schwarze feste Erde. Dieser angenehme Anblick eines heitern Himmels, der sich in seinem Auge spiegelte, gegen die dunkle Erde zu seinen Füßen, preßte einen neuen frohen Laut aus seinem Munde, der die kleine Anzahl seiner Begriffe bereicherte. Als nun dieser Unterschied wiederum seine Sinne genug beschäftigt hatte, so fing er an zu seinen Füßen?inen neuen Un« terschied zwischen der undurchsichtigen Erde und dem spiegelhellen Wasser zu bemerken und zu bezeichnen. Und nun entdeckte er auf der Erde, worauf sonst noch alles ohne Figur und Gestalt vor seinen Blicken schwankte, allmälig die kleineren Gegenstände, die ihm sonst noch alle in ein« zu flie« ßen schienen. Zuerst hielt sich seine Aufmerksamkeit an den leb« losen Gegenständen fest, weil diese seiner Borstellung nicht so leicht entwischen konnten. Aufmerksam betrachtete er die Fläche der Erde, und prägte sich Bild und Namen von den mancherlei Arten der Bäume und Pflanzen ein, die auf ihr wachsen. — Er blickte gen Himmel und lernte nach und nach die Sonne, den Mond und die Sterne von dem Himmel, an dem sie glänzten, unterscheiden und benennen. — Endlich gelang eö ihm auch', sich ein festes Bild von den lebenden und webenden Geschöpfen, von den Vögeln unter dem Himmel, von den Fischen im Wasser, und von den Thieren auf Erden, einzuprägen. — Und in Ansehung der leben« den Geschöpfe heißt es noch im folgenden Kapitel, daß, durch besondere Fügung deS Schöpfers, die Thiere den'Menschen gleich, sam nahe gebracht wurden, damit er sie nach ihren besonderen Arten unterscheiden und benennen lernen sollte. Nachdem der Mensch auf diese Weise die ganze Natur außer sich unterscheiden gelernt hatte; so war er auch zugleich zu dem völligen süßen Bewußtsein seiner selbst gelangt, wodurch er sich von allem, was ihn umgab unterschied. Und die« war gleichsam seine eigene edelste Schöpfung. ' Da also die Sprache mit ihre« ersten Tönen die schlum« mernde LorstelluugSkrast erweckte, da fing e« in der Seele an zu tagen, und die Morgendämmerung brach hervor, — Die Schöpfung, ' welche der Mensch vorher, als eine unförmliche und ungebildete Maffe betrachtet hatte, bekam nun allmälig in seiner Vorstellung Bildung und Form. — Das blaue Gewölbe de« Himmel« zog ,sich über ihm in die Höhe, und vor ihm senkte sich die Erde. — Die Waffer sammelten sich in Meere und Flüffe, uud vor seinen Blicken ragte das trockne Land empor. — Die Leder und der Grashalm gewannen in seiner Vorstellung Umfang und Gestatt. /— Die Sonne am Himmel rundete sich in seinem Auge. ---- Je« de« Thier erhielt seine Form, und stand in seiner eigenthümlichen Bildung vor ihm da. So lernte der Mensch vermittelst der Sprache allmälig da- Einzelne im Ganze» unterscheiden. — Wie ein Schiffer in trüber Dämmerung, der nichts als Himmel und Waffer siehet, dann in dunkler Ferne ein Land entdeckt, daS sich erst unförmlich au« dem Meere emporhebt, bi« es dem Auge immer näher kommt, und immer mehr Gestalt und Form gewinnt, daß der spähende Blick nach, und nach Berge, Thäler und Flüffe, und endlich gar Bäume und Häuser und wandelnde Menschen darauf unterscheiden kann, und nun die ganze schöne Landschaft, geschmückt mit Wäldern und Wiesen, und von Bächen uud Flüffen durchschnitten im Glanz der Morgensonne vor ihm da liegt. Ein aUberlinischrr Friedhof. II. Der alte Kirchhof in der Oranienburgerstraße hat seine Phasen durchgemacht, wie jede» großstädtische Terrain, und wchin Fidicin »och 18 Fuß tief unter veralten Königsstraße Straßen« Pflaster aus dem 13. Jahrhundert und Brandschutt auö dem 14. Säculo entdeckt hat, so findet sich wohl AehnlicheS in der Ora«! nienburgerstraße. Diese Fortsetzung der alten Spandowischen Heerstraße, von der aus sämmtliche Bedrohungen und Belagerun« gen Berlins, insofern sie von Nordwesten her kamen und ange« legt wurden, hat ebenfalls ihre Geschichte. Juden gab es in Berlin offiziell nicht, seitdem am 15. Januar 1573, wo Lippold Cluchim von Prag, nach einer Haft von 2 Jahren und 26 Tagen, einen wahrscheinlich unschuldigen Tod erlitten hatte. Bon jenem Tage ab bis zum Jahre 1671 durften in Berlin Iudenliste» of« ficiell nicht geführt werden. Dies galt auch von der ganzen Mark, in welcher zur Zeit der Askanier die Juden eine so her« vorragende und ehrenwerthe Stellung eingenommen hatte», daß nach Moehsen selbst die Fabrikation des Koscherweins in Pritz« walk eine erhebliche Steuer abwersen kennte, pnd die Gemein« den in Berlin, Stendal, Tangermünde und Brandenburg, Spandow und Eremmen zu den reichsten und angesehcnsten gehörten. ES steht jedoch fest, daß sich trotz der Berbote an dm Hauptemporien deS märkischen Handels eifrige jüdische Händler an das Gebot nicht kehrten und selbst unter priesterlichem Schutz zeitweilig in Berlin u. s. f. sich aufhiesten, in Erkrankungssällea jedoch von dannen eilten, um nicht beim Berlaffcn des Lebens noch in große Unannehmlichkeiten zu verfalle». Bei einer andern Gelegenheit habe ich den ältesten iSraeli« tischen Friedhof in der Landwchrstraße beschrieben und nachgewie« scn, wie das alte LeichenhauS aus der Zeit des älteste» Berlin noch im Hofe des Hauses GollnowSstr. 17 zu finden sei, wäh«

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