Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 18 (3.5.1867)
- Date
- 1867-05-03
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Die Segattvart. - einer Gemeinde, specielle Beziehung auf diese in alten ihre« Elementen, und grade besonder» auf den schlichten Raun zu nehmen, und ein Jede», woran sich da» religiöse Gefühl ge« knüpft, ist ihm ehrwürdig. Und nach diesen Grund» sähen habe auch ich, gelebt und werde ich leben; sowohl in meinem Privatleben, al« auch in mei». nen rabbinischen Entscheidungen habe ich mich nach den in Ansehen stehenden Eodice» gerichtet." Noch ein ebenfalls gar nicht genug zu schätzende» Moment werde hier nur kurz berührt. Eintracht und Harmonie ist die Grundbedingung einer gedeihlichen RabbinatSwirkfamkeit. Diese Grundbedingung wird un» verbürgt durch da» Band wisienschaft» lichen Verkehr» und gegenseitiger Hochachtung, da» ihn, wie wir hören, seit vielen Jahren mit unserem wackereu Rabbiner vr. Aub verknüpft. So müssen wir denn zu dem Resultate gelangen, daß der Eintritt de» vr. Geiger in da» Rabbinat der Berliner Gemeinde von segensreichen Folgen sein wird. ץ * Berlin im April. Bei der diesjährigen EntlassungSprü» fung in der hiesigen Lehrer-BildungS-Anstalt — am 3. April — sind wiederum 7 jüdische Lehrer gewonnen worden. Seit der Er» öffnung de» Seminars am 6. November 1859 sind in fünf stattgehabten Prüfungen — im Oktober 1862, im Oktober 1863, im März 1865, im März 1866 und im April 1867 — zusammen 34 Zöglinge entlasten und dem Lchrainte zugefühlt worden. Nücksichllich ver Befähigungsgrade erhielten von den 34 Entlastenen 7 Nr. Eins, 22 Nr. Zwei, 4 Nr. Drei. Lehr« amtlich thätig, theils nur als Lehrer, theils als Lehrer und Vor» beter oder Chorleiter sind in diesem Augenblicke: in Berlin 2 (in der Gemeinde-Knabenschule und in der Religionsschule), in Danzig 2, in Emden 2. Ferner je einer in Culm, DreS» den, M. Friedland, Hamburg, Hirschberg, Jnowrac» low, Jaroczewo, Jastrow, Nenenburg W.«Pr., Neu» stettin, New-Aork, Posen, Pyritz, Strzelno, Schweid» nitz, Thorn, Wolfenbüttel. Drei setzen ihre Ausbildung weiter fort. Zwei haben einen andern Beruf erwählt. Einer be« findet sich auf dem Wege in'S Ausland, und Fünf (von der neue« sten Generation). stehen in Unterhandlung wegen Uebernahme von Stellen. Aus der hier mitgetheiltcn statistischen Notiz ergiebt sich Zweierlei: erstens die aus den OualisicationSgraden sprechende Leistungsfähigkeit dcö Seminars; zweitens die zunehmende Nach« frage nach jüdischen Lehrern. Die Mannigfaltigkeit der Gemein« den und Plätze, in denen die jungen Lehrer bereit» eine Wirksam« keit gefunden, zeugt sowohl von tüchtiger Vor« und Durchbildung für da» Lehramt, als auch von Anstelligkeit und Geschick sehr verschiedenartigen Ansprüchen gegenüber. Wenn dem aber so ist, dann darf die Berliner Gemeinde sich zu einem Institute Glück wünschen, das, wie sei» Name sagt, eine Pflanzschule wird für die allgemeine und religiöse Cultur in den Schwestergemeinden de» eugern und weitern Vaterlandes. Ja, die hier gewonnenen BildungSsaate» sind bereits über den breiten Meereöarm in die neue Welt hinübergetragen, da einer der begabtesten frühern Zög« linge des Seminar«׳ bereits an der Spitze einer jüdischen Schule in Ncw.Aork wirksam ist. Dieser etwa» weit hinausgeschobene ArbeitSposten wird hoffentlich von keiner Seite eine Einrede oder Bemängelung erfahren; denn darüber, wo man zu nehmen hat, können wohl Grenzstreitigkeiten entstehen; geben aber darf und soll man, so tveit der edle Antrieb und die Kraft reicht, und die Äerkioer Gemeinde — darüber Ist kein Zweifel — wird stet» zu! Allem die Kraft habeu» wa» eia Mer Antrieb ihr nahe legt. Insbesondere scheint un» Beachtung zu verdienen, daß 82n« der, beziehungsweise Provinzen, welche eigene Anstalten zur Au»« bilduug von jüdischen Religion»« und Elementarlehrern besitze«, wie Westphalen und da» frühere Königreich Hannover, Zög» lingen der hiesigen Anstalt den Vorzug gegeben haben. E» spricht dieser Umstand wohl am besten für die Gediegenheit der am Seminar wirkenden Lehrkräfte, sowie für die Umsicht und Energie, mit welcher der Rektor der Anstalt, Herr Horwitz, die» selbe leitet. E» ist dem Seminar die zu feinem Gedeihen nnent» behrliche Förderung und Theilnahme vok Seiten gebildeter und wohlwollender Privaten, sowie der Behörden aufs lebhafteste zu wünschen. — Vielleicht werde» wir in den Stand gesetzt, weitere Mittheilungen über die Geschichte und den Stand de- Seminars zu machen. Berlin, den 23. April. Der Eultu»»Minister Herr v. Mühler hat unlängst bezüglich des Religions-Unterricht» an jüdi» scheu höheren Schulen an den Magistrat in N. folgenden Bescheid erlaffen: ״Dem Magistrat erwidere ich auf die Eingabe vom 22. November v. I., daß der jüdische Religions-Unterricht in den Lehrplan der dortigen höheren Schulen nicht ausgenommen wer« den kann. Daß derselbe den jüdischen Gymnasial» und Realschü» lern außerhalb der gewöhnliche» Schulzeit in Lokale beider Anstal» ten ertheilt werde, ist zulässig und bedarf meinerseits keiner be» * sonderen Genehmigung. Die beiden Direktoren und die Klaffen» Ordinarien werden ohne Zweifel, wie es auch bei andern Anstal» ten geschieht, bereitwillig die Hand dazu bieten, die betreffenden Schüler, soweit e» erforderlich ist, zur Ordnung und Regelmäßig« . keit im Besuche des ReligionS-UnterrichtS anzuhalten. Alle weitere Sorge für die Betheiligung der Schüler muß dem jüdischen Re» ligionölehrer selbst überlassen bleiben." Wie man nun auch bedauert, daß der Minister sich noch nicht zu der Anschauung erhebt, welche bereits in dem annektirten Hannover, Hessen und Naffau, ohne den christlichen CultuS im geringsten zu schädigen, lange schon zum Durchbruch gekommen ' ist: den jüdischen Religions-Unterricht al« gleichberechtigt mildem der anderen Confessionen behandeln zu lasten, so begrüßen wir doch die Austastung de« RescriptS als einen Schritt nach vor« wärt». Das königl. Provinzial-Schullcollegium in Coblenz er» klärt noch — d. d. 13. Nov. 1858 und 10. Mai 1860 —: daß Gymnasien, stiftungsmäßig der christlichen Jugendbildung gewid» mete Anstalten, das für den Religionsunterricht erforderliche Lo« kal nicht herzugeben hätten. Wie«, den 19. April. Nach einer Mittheilung der ״Neu» zeit" hat die niederösterreichische Advokatenkammer in der Plenar» Versammlung vom 16. d. M. die DerfaffungSanträge des vr. Knepler bezüglich deS Judeneide», in Uebereinstimmung mit dem ComitLberichte ohne Debatte einstiminig angenommen. An« Würtemberg, im April. Die Schwaben sind zäher Natur, man wirft ihnen die Gefühlsduselei vor; aber alleweg, wenn auch der größte schwäbische und deutsche Dichter sagt: ״Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme", so weiß der Schwabe der Vernunft zu folgen, nach Göthe'S Ausspruch: ״Die Vernunft ist grausam, das Herz ist besser". Trotz deS fchwäbi« schen Motto»: ״Hie gut Würtemberg alleweg" hat man sich, um mit Wilhelm Emanuel Freiherrn von Ketteler, Bischof von Mainz zu reden, an die AngliederungSt heorie angeschloffen. Die Würtemberger wollen ehrliche Preußenfreunde werden und dem Norddeutschen-Bunde sich ״anAliedern" wenn dieser sich zum