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Die Gegenwart · 1867-04-26 · 17 (26.4.1867) · p. Seite 131

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
17 (26.4.1867)
Date
1867-04-26
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift stk IRdisch« Lngklegmhäteu. 131 Gaiwinderath ck»ch demselb«a noch za blondere« schriftlichen Dbnke»au»drack sich gkdrungen fühlte. ' ' t>t* am Errichtung der Synagoge vorzugsweise verdiente frühere Oberrabbiner Herr Semiuardirestor vi-.'Frankel, mittelst besonderer ^DankeSadreste vom Gem^nderath znr Festfeier eingeladen, lehnte in einem Schreiben bartfcnb ab, hierher zu kommen, weil „Gefühle der tiefsten Freude, aber auch Gefühle der schmerzlichsten Wehmuth" auf ihn einstürmen.;;<2« werden da," heißt es in diesem der Gemeinde werthvollrn Schreiben, „in Mir so viele Erinnerungen wach, ei tritt mir lebendig in» Ge« dächtüiß, welche Schwierigkeiten zu besiegen waren und wie sie durch die seltene frvmme Opferfreudigkeit der Gemeinde besiegt wurden, eS vergegenwärtigen sich mir die von allen Seiten gemachten Anstrengungen »nd wie da» Gelingen herbei geführt wurde: uni) ich sende heute wieder meinen Dank zu Gott ein per, der ge« lingen ließ. — Aber, indem ich da» Damals und-Jetzt überschaue und den dazwischen liegenden Zeitraum an mir vorüberziehen laste, kann ich einer tiefen Wehmuth mich nicht erwehren. Wie viele Edle und Theure werden vermißt, wie Biele, die thätig Hand mit anlegtea, sucht daS Gotteshaus vergebens unter den zu dieser Feier sich Bersammelnden!" DaS hiesige Stadtverordnetencollegium sandte ein Glückwunschschreiben zur Feier ein, daS mit den Worten schloß: „DaS Stadtverordnetencollegium wird stetein lebhafte» Interesse an der gedeihlichen Entwicklung der israelitischen Gemeinde nehmen und, so viel an ihm ist, dieselbe auch seines Ortes zu fördern suchen/' AlS ein bleibendes Denkmal und unmittelbare Frucht dieser Synagogenfeier ist die Festsammlung zum Bau eine- Gemeinde- und SchulhauseS zu bezeichnen. Zn den bereit» im letzten Geschäftsbericht erwähnten und speciell aufgeführten Beiträgen von 30 Gemeindemitgliedern nach Höhe von 2577 Thaleru, kamen noch neuerdings 20 Thlr. von Herrn Gemeindedeputirten Adolph Schic, sowie 200 Thlr. von Herrn Seminardirector Or. Frankel in BreSlaü; während noch dankend zu erwähnen ist, daß Herr Buchhändler Wolf den Druck und Vertrieb der obengedachten Festpredigt zum Besten der Festsammlung unentgeltlich übernommen hat. Mit Einschluß früherer und späterer Beiträge für daS Gemeinde, und SchnlhauS, sowie der Zinsen belief sich der hierfür angcsammelte Fond am 3. April 1867 auf 4294 Thlr. II Ngr. 2 Pf. Dem ebenfalls in dieser Sammlung bekundeten gerechtfertigten Interesse für das Schulwesen widmete der Gemeinderath unausgesetzt sein Augenmerk. Zur Gemeindeschule trat, seit dem 3. Mat 1865 neu in» Leben gerufen, eine Religionsschule für diejenigen Kinder, welche jene Schule nicht besuchen. In zuvorkoinmendster Weise haben der hiesige Stadtrath und Herr Schuldirektor Berthe lt derselben da» vorläufige Unterkommen in den Räumen ^der ersten Bürgerschulei ermöglicht. Der Unterricht wird zur Zeit in zwei Klasten Sonntag früh, Mittwoch und Sonnabend Nachmittags ertheilt. Bon Ostern ab sollen drei Klasten, und zwar die obere für Knaben und Mädchen gesondert, mithin ln zwei Abtheilungen, eingerichtet werden. Da» Schulgeld beträgt monatlich 1 Thlr. für Gemeindegenosten, 2 Thlr. für Fremde; doch sind die Schulvorsteher ermächtigt, letzteren im Fall de» Bedürfnisse» auf Ansuchen eine Ermäßigung zu gewähren. Zur Zeit besuchen die ReligionSschule 1b Knaben und 2 Mädchen. ES darf mit Sicherheit erwartet werden, daß die durch diese Schule gebotene Gelegenheit zur Erlangung guten und billigen Religionsunterricht» in Zukunft in noch ausgedehnterem Maße werde benutzt «erden. Nach §, 3. und 4. de» Schulgesetze» vom 6. Juni 1835 ist der Gemeinderach verpflichtet, dafür zu sorgen, daß kein Klnid in hiesiger Gemeinde ohne Re)ig>en»unterricht er« zogen «erde, er ist sogar angewiesen, hiervon die Obrigkeit in Kenntnlß zu erhalten, welche darauf zu sehen hat, daß die Elternihren Obliegenheiten in Bezug auf den Religionsunterricht Nachkommen, ja hierzu nach Befinden Zwangsmittel anwenden soll. Die Gemeindeschule hat eine bewährte 30jährige Wirksamkeit hinter sich. Ueber Ihre Rothwendigkeit nnd innere Einrichtung hat sich der treffliche Leiter der beiden Schulen, Herr Oberrabbiner vr. Landau, in seinem kürzlich veröffeutlichten Schulprogramm so eingehend ausgesprochen, daß nur zu wünschen bleibt, c» möge von dem in dieser Schule gebotenen billigen und anerkannt guten Unterrichte möglichst umfaflender Gebrauch gemacht werden. Das Schulgeld beträgt hier einschließlich de» Unterricht» der französischen Sprache, de» Turnen» und der weiblichen Handarbeiten I Thlr. in der ersten, 20 Rgr. in den beiden anddrn Klasten. Arme Kinder genießen nnentgeltlichen Unterricht. In mehrfacher- Hinsicht hat der Gemeinderath diesen Schulen sein Augenmerk zugewendet. Cr hat ihnen in der Person des am 1. April d. I. in beide Anstalten eingetretenen Lehrer» Herrn Salomon Rose auS Berlin eine neue, tüchtige Kraft zugeführt, hat in der Ueberzengung von der dringenden Rothwendigkeit eineS besteren, helleren und geräumigeren Schullokal», wie eines eigenen, Gemeinde- und Schulzwecke,, dienenden Hauseö überhaupt, das bisherige Lokal auf den 1. Ostober d. I. gekündigt und behält den Erwerb eines eigenen Grundstücks fortdauernd im Auge; wie er denn auch dazu geschritten ist, dem mit der Kaffen« und Rech« ' nungSführung der beiden Schulen betrauten Schulvorstehcr Herrn Commerzienrath Meyer einen zweiten Schulvorstcher für die inneren Angelegenheiten der Schulen in der Person de- Herrn Adv. Emil Lehmann zuzugescllen. Die Gemeinde-Kasse hatte am 1. Januar 1866 einen Bestand von.. 8125 Thlr. Die Einnahme betrug: A. Synagoge (Plätze, Mitzwoth, Stiftungen rc.) 1545 Thlr. B. Uebrige Gemeinde-Einkünfte (Schlachtstcuer, Eintrittsgelder, Beiträge, Staatszuschuß, Zinsen, Stiftungen rc.) .......11182,, Die Ausgabe betrug: A. Synagoge. 1684 „ B. klebriger Gemeinde. Haushalt (Beamtegehälter, Pensionen, neuer Friedhof rc.) 12889 „ E» verblieb somit Bestand am 1. Januar 1867 6280 Thlr. Man wird bei genauer Durchsicht dieses Berichtes sagen müflen, daß derselbe an Ausführlichkeit nicht» zu wünschen läßt, und sowohl nach Inhalt als nach Form ein erfreulicher Bewei» de» frisch aufblühenden Leben» und der guten Verwaltung unserer Gemeinde ist. Pest. DaS iSrael. Dolksschulwesen und der ungarische iörael. Schulfond. Da» ungarische Ministerium für EultuS nnd Unterricht hat dieser Tage seine SectionS-Eintheilung bekannt gegeben, und finden wir dort eigene Sektionen für protestanttsche und griechische Schulen. Daß die Leiter dieser Sektionen den betreffenden GlaubenSbekenntniffen angehören, wird Jedermann natürlich finden; e» bilden diese Sektionen durch ihre Beamten gewistermaßen eine Art Repräsentanz der Schul- und EultuS-Angelegenheiten ihrer ReligionSgenostenfchaften im Mnisterium und M es sich wohl mit Gewißheit annrhmen, daß die

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