Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 17 (26.4.1867)
- Date
- 1867-04-26
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 . Die OtganNtt Chef» dieser Abheilungen Männer sind, die diesbezüglich da» Bertrauen ihrer GlaubenSbrüd« in hohem Grade besitzen nnd auch verdienen. Mit bedauerlichem Befremde» wird von den Tausenden ungarischen Israeliten eine Section deisraelitischen EultuS- und BolksschulwesenS um so mehr vermißt, weil eben eine Regelung de» israelitischen CultuSwesenS in neuerer Zeit ein dringende» Bedürfniß geworden, dieselbe aber doch nur von israelitischen Vertrauensmännern, vereint mit der Regierung durchgeführt werden kann. Dg» israelitische BolkSschulwesen auch nur nebenher zu leiten, die Bedürfnisse zu erheben, die Stellung der Lehrer zu sichern, die unvermeidlichen Mängel zu beheben, eine Gleichartigkeit im Unterrichte zu erzielen: da» Alle» sind Aufgaben, die kaum und gewiß nur zum Rachtheile de« israelitischen Schulwesen» durchführbar sind, wenn sie nicht mit all' dem Ernst ^erfaßt werden, der für die Sache nothwendig ist. UebrigenS besitzen die israelitischen Volksschulen einen Fond von über zwei Millionen Gulden, welcher durch die Gnade unseres geliebten Monarchen und Allergnädigsten Königs, aus der f. z. von Hahnau den ungarischen Juden wegen ihrer nationalen Gesinnung auferlegten Strafcontribution diesem humanen und dem BolkSwohle so nützlichen Zwecke zugewendet worden ist. lieber die im Sinne des erhabenen Spenders geschehene Verwendung dieses Fond» ist bisher noch verhältnißmäßig sehr wenig in die Orffentlichkeit gedrungen; wohl wissen wir, daß z. B. eine israelitische CultuSgemeinde im südlichen Ungarn wiederholt bei der gewesenen k. ungarischen Statthalter« um ein Darlehen von 8—10,000 fl. zum Baue einer Schule bittlich cingeschritten und stet» abgewiesen worden ist, während ein einflußreicher Staatsbeamter vor Jahren schon zum Ankauf eines seiner Besitzung nahe liegendeu GrundstückeS 50 oder 60,000 fl. als Darlehen auS dem israelitischen Schul« fond erhielt. (!) Wir können und wollen nicht beurtheilen, ob die Kapitalsanlage nicht im vorliegenden Fall gesicherter 'ist, als wenn die Schule gebaut wäre, der Zweck der Stiftung ist damit aber sicher verfehlt. Sind israelitische Vertrauensmänner im CultuSministerinin derart placirt, daß sie ihre Ansichten auch geltend zu machen in der Lage sind, dann dürfte eine solche Verwendung des SchnlfondS wohl kaum Vorkommen können. Irren wir,uns nicht, so war in den 50er Jahren bei der Statthalter« Dr. Ignaz Loeblin als k. Schnlrath für israeli-, tische Schulen bestellt nnd hat auf seine Veranlassung und unter seinem Vorsitze eine Kommission, bestehend aus Rabbinern und Laien, Vorschläge zur Regelung des israelitischen EultuS- und Schulwesens, so wie über die Verwendung de« israelitischen Schulfondö gemacht. Mitglieder dieser Commission waren unter Andere» der Pester Oberrabbiner Löw Schwab, der Szegediner Obcrrabbiner Or. Leopold Loi«, T. Kassowitz, 1)r. Schwimmer, Jakob Kern aus Pest, Gotthilf aus TemeSvrir; inSgefammt Männer, die, selbst reif zur Emancipation, ihren Glaubensbrüdern als nachahmungvwürdige Beispiele voranleuchteten und mit Gut und Blut die Jntcresien ihrer Religionsgenossen vertraten. Die Mitglieder dieser Commission sind größtentheil« dahingegangen, nnd da» Elaborat ihrer Mühen, ihre» Nachdenken» und ihrer gereisten Erfahrungen liegt in irgend einem Winkel de« Statthalterei-Archivs ebenfalls begraben. Sollte dasselbe, herausgefunden, nicht mutatis wutuoäi» heute noch als Basis weiterer Erörterungen angenommen werden können? Und sollten sich unter den ungarischen Israeliten der Gegenwart nicht wohl Männer finden lasten, die von einem eben so redlichen und uneigennützigen Streben beseelt sind, al» jene Dahingeschiedrnen waren? Auch wäre e« schon höchst an d« Zeit, daß endlich auch für die Errichtung eines Rabbiner-Seminars »a« geschehe, damit der ungarische Israelit, welch« sein Sind dem theologischen Fache widmet, nicht nothgedrungen sei, e» nach dem Ausland« zu schicken, damit »S dort fein Studium regelmäßig durchwache, od« an Unregelmäßigkeit — in seinem Studium nämlich — an der Sette irgend eine« nngarischen Rabbiner» zu «ziehen und hnanzubilden bemüsfigt sei. Wir wollen hoff«,, daß in nicht gar fnn« Zeit den g«echten Wünschen und Hoffnungen de« Israeliten Rechnung getragen werde, und daß e» dem ungarischen CultuSminist« Vorbehalten sein werde, hi«zu durch Errichtung ein« eigenen Section für israelitisch« Schul- und EulMSzwecke die Initiative zu «greifen. 8. Stockholm- 9. April. D« VerfastungS-Ausschuß de» schwedischen Reichstages hat sein Gutachten über den privaten Vorschlag in Betreff d« Zulaffung fremd« Glaubensbekenner zu StaatSämtern abgegeben. Der Ausschuß befürwortete, daß fremde, selbst mosaische Glaubensbekenn«, zu allen Aemt«n Zulaß haben sollen, «»»genommen zu geistlichen und ReligionSlehrer-Aemlern, und nur unter gewissen Bedingungen zu StaatSrathS- Aemtern. Auch zum Reichstage sollen dieselben wählbar sein. Moses Mendelssohn in Königsberg. Wir pflegen die Erinn«ung an bedeutende Männer nicht um ihr«-, sondern W unsrerwillen; wir, nicht sie. sind die Geehrten. Wir vergegenwärtigen uns ihren Wandel auf d« Erde und steuen uns der geistigen Beziehung, die un« durch eine Kluft von hundert Jahren mit ihnen in Verbindung setzt. ES wird unS dann erst klar, wie sie für unS gewirkt, wie wir auf ihr Fundament bauen. Das neulich besprochene Werk „Geschichte der Juden in Königsberg" von vr.f H. Jolowicz, dem wir in nachstehender Skizze folgen, liefert den beste» Beweis für diese Wahrheit. Auf einer Geschäftsreise nach Memel verweilte Mose« Mendelssohn, 1777, auf dem Hinwege vom 24. bi» 31. Juli und aus der Rückfahrt vom 16. bi« 20. August in Königsberg, besuchte die Vorlesungen Kant'«, mit dem er bereite ein Jahrzehnt in wissenschaftlichem Briefwechsel stand und trug durch seine'geselligen Gaben dazu bei, in den maß- und tonangebenden Kreisen der Gesellschaft das gegen feine Glaubensgenossen lange genährte Vorurtheil zu entwurzeln. Zeugniß davon giebt ein Nachruf, der unmittelbar nach seiner Abreise in der Kanterschen Zeitung*) «schien und der also lautet: „Gestern Nachmittag gegen vier Uhr v«ließ Herr Moses Mendelssohn seinen Aufenthalt in dies« Stadt und trat die Rückreise nach B«lin wiederum an. Wir hatten ihn lange vorher al« einen tiefdenkenden Philosophen und geschmackvollen Kenn« d« Werke des Witze« verehrt; und bewundern nun in ihm, mehr als alle Gelehrsamkeit, die eitel, »«gänzlich und unnütz ist, ein gut und edel denkendes, der Freundschaft fähige«, und für alle ihre Empfindungen offen stehendes H«z. Er hat sich keiner Ge» sellschaft, die ihn zu kennen begierig war, aus zurückhaltendem Stolz entzogen, sich aber auch kein« einzigen zugedrängt. Auf besondere Veranlassung hat er einige der größesten unser« Stadt, unter anderen, Jhro Excellenzrn Herrn Grafen von Kayserling und He«n Kanzler von Korff gesprochen, und überall hat man ihn weit über alle Erwartungen gefunden. Doch waren brillante *) Mnigebrrgische Gelehrte und Politische Zeitung, 87. Stick, Donnerstag 31. August 1777. S. 388.