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Die Gegenwart · 1867-04-26 · 17 (26.4.1867) · p. Seite 130

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
17 (26.4.1867)
Date
1867-04-26
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Dir Gegenwart. r i durch denselben auf sie, als durch tzie ^ensichel^E EeÜe^ fetzung. Aber so weit bringt e» gerade S ^»bvdac»j^eiPa)he^ zutage keine einzige Religionsschule, weil au« deren' häuslichem und geselligem Leben die Uebung jener alten Sprach« und jeglicher Zusammenhang mit ihr verscheucht ist. Eine Analogie dafür,bietet sich etwa in per Schwierigkeit, einem jimgrq Mmlrl« durch Unterricht in der griechischen Sprache die Pforten des inneren Geistes und das rechte Bersttzndniß des alten Griechenthums zu eröffnen. Dazu gehört schon eine tiefe und eingehende Kenntuiß der Sprache, während in der Regel beim Hebräischen mit ei» oberflächliches Anlernen erreicht wird. Aber es giebt einen anderen Weg Gutezu leisten und zwar durch begriffliche und geschichtliche Ausführungen. Unsere fremden Zuhörer sollen sich davon überzeugen, ygß auf diesem wissenschaftlichen und dem BildungSgange unserer Jugend angemessenen Wege ihr der Inhalt deS JndcnthumS zweckmäßiger zugeführt wird als durch immerhin unausreichend bleibende Sprachkuude. ' Ebenso bekennen wir ganz unzweideutig, daß wir es un« in der Schule angelegen sein lassen, nur diejenigen Glaubenslehren und Gebote in den Verstand und das Gemüth des Kindes hinüberzuführen, welche wir dazu bestimmt und fähig halten, das Eigenthum aller Menschen zu werden. Wir lassen uns darin nicht irre machen durch die Einrede, daß wir dann keine besondere Religion mehr hätten, welche uns von andern unterscheidet. Wenn unsere Bibel wirklich zugleich daS Grundlehrbuch aller Kulturvölker geworden, sollen wir deShalb unzufrieden sein und unS zur geflissentlichen Unterscheidung Formen ancignen, die a» und für sich werthloS sein mögen? Bei geistigen Gütern verhält cS sich doch nicht etwa so, wie bei materiellen, daß wenn Andere von uns empfangen und angenommen haben, unser Ancheil daran hierdurch verkürzt wird. Die Lehren bleiben Eigrnthum der Gemeinde Jakobs und die Sittengcsetze ein Erbgut Israels, auch wen» sie auf unzählige Menschen übcrgegangen sind. Im Gcgcntheil ist es ja unser gerechter Stolz, daß da« alte Wort von der Auserwählung Israels eine so heilsaine und unS rechtfertigende Bestätigung in der Geschichte der Menschheit selbst gefunden hat, ist cü unsere Freude wenn ein geistvoller Kenner dieser Verhältnisse, welcher unserem Stamme nicht angchört, sich also äußert: „Wir Späteren bewegen u»S in den durch Mose und andere ihm vergleichbare Geister einmal in Bewegung und Geltung gekommenen Wahrheiten. Wir lassen unS durch sie tragen und beschützen, wir genießen stündlich ihre Früchte zum eigenen Wohle; aber eben diese Leichtigkeit, womit man sich jetzt darin bewegt, verführt dazu, ihre Gründung und erste Offenbarnng für eine leichte Sache zu halten; und wie wenige vermö- 1 gen jetzt die Kraft klar zu erkennen, welche allein fähig ist, solche Wahrheiten zuerst nicht nur aufznfassen, sondern auch mit dem innersten Leben eines Volkes zu verknüpfen und dadurch dauerod in der Welt zu begründen. (Ewald, Geschichte des Volkes Israel II. S. 24 f.)." Dennoch ist es natürlich, daß sich diese Wahrheiten, die Grundgedanken deS JudenthumS, nirgends in derselben Reinheit und Strenge wie bei den Trägern selbst erhalten und fortgcbildel haben und daß wir diise Thatsache in den verschiedenen EntwicklnngSstadien nachzuwcisen nicht unterlassen. Andererseits hat daS Iudcnthum im Laufe der Jahrhunderte bereits unbewußt eine Menge von symbolischen und nationalen Einrichtungen abgestreift, ohne deshalb an seinem Inhalte zu vevf liercn, und augenscheinlich werden durch seinen Lebensprozeß noch viele andere änßere Elemente weichen, nachdem sie ihre ernährende Substanz an dasselbe abgegeben haben. Aber darum haben diese Symbole und Fermen noch immer ihre große Äedeutung für den §em tfcfl/|n*$4n fprb erst der volle eigenthümliche )Doi^»in^ HMgkter,^xtzgmizs>-so erhabene Absicht der Gesetze und Lehren erweissich. Und für bie Aenutniß der Geschichte und deS inneren Fortschritts im Judenthum sind ihre Entwicklungen geradezu uuontbehrlA.- Je weniger -SPppathie wir daher für, tzix chißere Erhdtwig btt ahfn nwHaisch-füdischen Höxnjdn'hfgßn,. »bst« mehr schätzen und betonen wit ihre Dignität als Üeberlieferinnen der wichtigsten Religionsgedanken, welche wir iq dem Geiste unserer Zöglinge zur Gestalt und in ihren Gesinnungen zur Frucht bringen wollen." Insofern vir" Prüfung ^k» Probe für das Gefagtr^bienen soll, so ist gewiß anzuerkenn,!^ ^aß die Schule das Ziel, das sie sich vorgesteckt hat, mit redlichem Eifer ersttebt. nach der ' persönlichen Auffassung und dem Standpunkte der 3 Lehrer, werden die Lehrgegenstände bald symbolisch (auslegend) behandelt, bald rationalistisch d. h. durch eine Erklärung der biblischen Ueberlieferungen, die deren Autorität nicht auzutasten wagt, bald hingegen rein mythologisch. Die Zahl der Eonfirmanden betrug 41 und zwar 23 Mädchen und 18 Knaben. Wir schließen unseren Bericht mit dem aufrichtigen Wunsche für daS Gedeihen der Schule. Beuthen in Oberschlesien, den 17. April. Die hiesige jüdische Gemeinde hat Herrn Dr. Rosenthal aus Eisenstadt in Ungarn zu ihrem Rabbiner und Prediger erwählt. Celle, 17. April. DaS landschaftliche Collegium der Lüneburgischen Landschaft hat in seiner gestrigen Versammlung die Principienftage, ob die Mittel der Landschaft bei Verleihung von Stipendien und Freitischen auch zu Gunsten eines bedürftigen Juden verwandt werden dürfen, im bejahenden Sinne entschieden. Dresden, den 19. April. Wir erhalten hente die „Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben bei der Israelitischen Gemeinde- und Schul-Kasse zu Dresden im Jahre 1866 nebst Geschäftsbericht über die Jahre 1865 und 1866", dem wir folgende Daten entnehmen. \ Die Religionsgemeinde zählte Ende 1866: 725 Seelen und 124 stimmberechtigte Mitglieder. Im genannten Jahre wurden 6 Paare getraut und 18 Kinder geboren (8 Knaben und 10 Mädchen) und starben 18 Personen. Die im Jahre 1866 neu aufgenommenen Mitglieder zählt der Bericht mit Namen auf, ebenso die Beamten und Vertreter der Gemeinde („Gemeinderath"). Zur Geschichte der Gemeinde liefert der Bericht eine ganze Reihe ausführlicher Mittheilunge». Da« für die Gertieinde wichtigste Ereigmß des JahreS 1865 war das am 1. Mai jenes Jahres in Anwesenheit eine« zahlreichen Kreise« von Festtheilnehmern gefeierte 25jährige Jubiläum unserer Synagoge. Legte die ehrenvolle Gegenwart hochgestellter Staatsbeamten wie der städtischen Corporationen Zeugniß ab von dem humanen Sinne, der die Bürgerschaft Dresden« auSzeichnet, so durste nicht minder der FestgotteSdienst selbst als einer der weihevollsten und seinen Thciluehmcrn unvergeßlichsten bezeichnet werden; da« Verdienst hierfür gebührt nächst dem Herrn Oberrabbiner Or. Landau, der in einem schönen Liede, mit alleiniger Abänderung der Schlußstrophe, demselben, das bei der Einweihung selbst ertönte, und in der trefflichen (zuui Besten der Festsammlung zum Erwerb eine« Gemeinde- und Schulhauseö bei L. Wolf im Druck erschienenen) Festpredigt die Herzen zu erheben verstand, namentlich auch deni nunmehr verewigten Synagogenvorsteher Herrn Levi Wallerste in, der mit dem Feste selbst sein 25 jährige» Jubiläum als Synagogenvorsteher beging und dem für die sorgsame Borberiitung, Anordnung uub Ausführung diese« Festes der

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