Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 17 (26.4.1867)
- Date
- 1867-04-26
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. 1. י' : ז ־ , ,ז, ' זי י ' ,'..־־־ Vj i : Freitag den 26. April. 17. Erster Jahrgang. 18M —-SSmmssmsrn^BBaaBüBas Uebrr Bescheidenheit. — S«rre,p,n>>kn,n1: Berlin, Beuthen, Celle, Dretden, Pest, Stockholm. >— Mose» Mendckefohn in Nömg-bag. — Die Schöpfung. — Da» Institut zur Förderung der israelitischen Literatm. (Forts.) — Vermischte». — Daran,euliste.-Inserate. ׳!,<<. . ׳ r‘■ Arber Bescheidenheit. Bescheidenheit h?ißt nicht: seinen eigenen Werth, feine Kenntnisse, seine Fähigkeiten, der Wahrheit zuwider verleugnen, sondern: von den! Bewußtsein getragen werden, daß es keinen Menschen giebt, welcher' nicht in gewissen Dingen, in gewissen Momenten, in gewissen Verhältnissen seinelieben», uns überragt. Diese Anschauung heißt uns in jedem Menschen die Menschenwürde ehren. Auch wenn diese in manchem Individuum unkenntlich und vollständig überwuchert erscheinen will, so mische sich dem Be«' daurrn und dem Mitleide darüber da» Gefühl unserer Luxzsichti-keit. Wir komme» .dann auch zu jener Seite der^, Bescheidenheit, welche dem eigenen Werthe nicht so ganz traut und im Geltendmachen desselben schon deshalb nicht da» volle Maß beansprucht, weil wir erkennen, daß Anderen, unter unscheinbarer Hülle, hohe und höchste persönliche Werthe gegeben sind. Die Bibel vindicirt dem großen Mose die höchste Erkenntniß, proklamirt denselben dabei als den Bescheidensten unter allen Menscheu: 4. Buch Mose 12, 3. 6. 7. 8. Dies wird durch den unmittelbar in dem vorhergehenden Kap. 1l, von Mose gethanen Ausspruch über Eldad und Medad belegt: ״ES möge daS ganze Volk gleich diesen Beiden die größte Expansion der Fähigkeiten, ohne amtlich berufen zu sein, bechätigen können': .,ומי יתן כל עם ה, נביאים" Die Bibel belegt ferner dort die höchste Erkenntniß Mose und dessen höchste Bescheidenheit damit, daß derselbe eine Negerin ehelichte; womit auch die Gleichheit aller Menschenracen von der höchsten menschlichen Intelligenz anerkannt wird. Folgerecht wird dabei dargestellt, wie sich die Ueberhebung der Miriam gegen die Aethiopierin, durch einen weiß gefärbten Aussatz bestraft und somit der weißen Menschenrace der Stolz auf diese» Haut-Pigment benommen. Der ״Talmud" begründet die Bescheidenheit dem analog mit den echt humanen Aussprüchen: Auch der Leerste der deinigen ist voll guter Werke, wie die Feige mit Körnern!') Rabbi Gera sagt: ״auch die Ungetreuesten unter ihnen." d. i. die Kinder Esau, also Nichtjuden?) י) ריקי שבך סליאי מצות כרמון. *) ד וירא אסר אפילו בוגרים שבחם• r Mancher erwirbt sein ewiges Leben in einem kurzen Momente!״) Wer ist geehrt? wer die Menschen ehrt: denn es heißt, 1. Samuel 2, 36. Die mich ehren, ehre ich; die mich Verächter,. sind gering geachtet?) Jean Paul meint: Die größten Heldenthaten geschehen zwischen den vier Wilden! MiSachte Niemanden, denn Niemand ist ohne eine gute Stunde. Beuge dich Jedem im Gemüthe!״) - Avel Wolcarwoni. * Berlin, 15. Aprils Am vergangenen Freitage fand die öffentliche Prüfung der Religionsschule der hiesigen Reformgemeinde unter zahlreicher Theilnahme deS Publikums statt. Die NeliglonSschule besteht jetzt 20 Jahre und zahlte im abgelaufenen Schuljahre 76 Zöglinge in zwei Knaben- und zwei Mädchen- Klaffen. — Der Unterricht umfaßt, mit Ausschluß fast alle» Hebräischen: Bibelkunde, Jüdische Geschichte und Religion»- lehre. — Zur Orientirung des Publikums über die Tendenz der Schule wird wohl am Besten hier eine Stelle au» dem Aufsatze, den Hr. vr. Ritter dem Schulprogramm voranschickt, wiedergegeben. ״Es begegnet unS oft genug, daß von Seiten Fremder die Frage gestellt wird, was denn der besondere jüdische Religion»- unterricht noch für eine Bedeutung habe, wenn eines TheilS die hebräische Sprache nicht in seinen Bereich gezogen, andern TheilS von den biblisch-jüdischen Vorschriften nur die rein menschlichen zur Befolgung empfohlen würden. Wenn Ihr, — so sagen sie, — der Jugend die heilige Sprache und alle die eigenartigen Formen vorenthaltet, durch welche die Väter sich als eine religiöse Besonderheit erkannten, wie wollet Ihr derselben doch noch immer da» bestimmte Gepräge des Iudenthums, seinen specifischeu Glauben und Charakter, seine eigenthiimlichc Sittenlehre aneigne»? Was zunächst die hebräische Sprache angeht, so hält dieselbe kein Denkender mehr für einen dogmatischen Bestandtheil unserer Religion. Nichtsdestoweniger wäre eS sehr schön, wenn man die Jugend soweit darin bringen könnte, daß ihr dadurch der ursprüngliche Geist des Gesetzes und die Grundlage unserer heutigen Glaubensbegriffe deutlicher erkennbar und zu selbstständiger Beurtheilung geeigneter würden. Denn denjenigen, welche des Hebräischen wahrhaft mächtig find, geht allerdings der vielgehaltige Sinn der Schrift in all seinen Nuancen und feinen Schattirungen leichter durch den Urtext auf und wirkt nachdrücklicher י) יש סונה עולטו בשעה אחוז: *> אייתו מכבר המבכר את הבריות שנאמר, כי מכבדי אכבד תחי מ לכל אדם שאין לך אדם שאין לו שעה. והוי שפל חח בפני כל ארם. \ ) אל ובוי יקלו. * fl