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Die Gegenwart · 1867-04-19 · 16 (19.4.1867) · p. Seite 125

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
16 (19.4.1867)
Date
1867-04-19
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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/ * Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. 125 solch« Handlungsweise vorzunehmm, doch Alle« ohne Erfolg. Ich habe keinen Schutz und Beistand hier gefunden. Hermann Elbmann." Tie schlechte Grammatik wirft die Thatsache nicht um. Cb Niemand auf die Idee verfallen wird, diese „Morlarageschichte" ebenso wie da« Römische Original im annexionistischen Sinne au-jub euten? 8. Z. Pest, 8. April. Da» also war des Pudels Kern! Die Gleichberechtigungsfrage der Juden wird in Verbindung mit einem Lolonisations-Gesetz erledigt werden? Und mit dieser Beantwortung seiner Interpellation wird der Führer der liberalen Linken sich zusriedengebeu? Es wird' jedenfalls ein gut Stück Selbstgefälligkeit dazu gehören, wenn ddr ungarische^ Landtag sich von nun an fernerhin in seiner Rolle eine« eminent liberalen BertretungSkörperS gefallen sollte, er, der noch nicht über daS ABC der Menschenrechte — die er zwar in hochtönenden Phrasen principiell anerkennt, thqtsächlich jedoch mit Füßen tritt — hinaus ist. Geradezu unbegreiflich ist es, warum das Ministerium feine Ansichten in der GleichberechtigungSfrage, auf die es wahrlich nicht stolz zu sein braucht, mehr als nöthig enthüllt, warum eö jetzt schon ausposaunt, daß e« ein JncolationS- und Immigrations- Gesetz als Ballast der Gleichberechtigungsfrage verwenden wolle. Die, Kunst der Selbsttäuschung haben die Herren eben bi« zur Virtuosität inne; es war keine Heuchelei, als sie sich den Anschein gaben, als wären sie wer weiß wie liberal. Sie glaubten selbst daran, ja sie glauben eS jetzt noch. Die Gefahr, die in dieser unnatürlichen Verkoppelung von zwei Gesetzesvorschlägcn, die rechtlich mit einander nichts gemein haben, liege, darf nicht gering angeschlagen werden. Die Gleichberechtigungüfrage wird durch das EolonisativnS-Gejetz nicht nur verschleppt, sie kann auch im Mcritorischen gefährdet werden. Zwar habe ich keinen Grund, die Ansicht derjenigen zu th'eilen, die da fürchten, dör Landtag werde einfach die Jud^r des Landes als Colonen behandeln und demgemäß ihre Gleichberechtigung von gewissen, im Jncolationö-Gesetz zu präcisirenden Bedingungen abhängig machen; das wäre denn doch eine gar zu trostlose Verleugnung aller modernen Begriffe über Menschenrecht und der vom Landtage selbst abgegebenen Versprechungen; allein als geradezu unmöglich kann dieser LösungSversuch nach all dem Sonderbaren, daS wir in der Judenfrage bereits erlebt, nicht bezeichnet werden, und sicher ist es, daß hinter dem Colonisations-Gesetze eine Fußangel für Freiheit und Gleichheit lauert, daß dies Gesetz als Handhabe dienen wird, um von dem guten Rechte der Juden Ungarns einen und den andern Fetzen abzuzwicken. Wäre den magyarischen Machthabern zn rathen, so möchten sie von derlei Attentaten gegen Recht und Billigkeit ablassen. Sie sollen begreifen, daß eS unmöglich im Interesse der magyarischen Race liegen kann, sich aus 400,000 treuen Anhängern ebensoviel erbitterte Feinde zu machen. Die Israeliten Ungarns waren noch stets gute Patrioten im magyarischen Sinne, sie kämpften und litten mit bewunvernöwerther Treue für ihre Herren und Unterdrücker; im Jahre 1848—1849 fochten 13,000 iSraclitische HonvedS für jene Berfaffung, die vergeffen hatte, ihr Menschenrecht anzuerkennen, und die Juden de« Landes mußten ihre Hingebung für die magyarische Sache mit vier Millionen Strafgelder bezahlen. Man irrt jedoch, wenn man glaubt, daß die Juden Ungarns auch fernerhin geneigt sind, die Hand zu küffen, die sie knechtet; bereits ist unter ihnen die Erbitterung, groß, weil mit Erfüllung ihrer gerechten Forderungen immer und immer gezögert wird. Sollten sie jedoch zur Erkrnntniß gelangen müssen, daß sie von den Magyaren die freiwillige und. vollständige Anerkennung ihrer Menschenrechte überhaupt nicht zu erwarten haben, so werden au« den bisherigen geduldigen und treuen Freunden energische und gefährliche Feinde werden. (N. Fr. Pr.) Alzey, 5 April. Schon seit einer Reihe von Jahren ist der Friedhof der hiesigen israelitischen Gemeinde mit demjenigen der Christen vereinigt und von Einer Mauer umschlossen. Während jetzt die Gräber der Protestanten und Katholiken nicht räumlich getrennt sind, ist dies wohl mit denen der Juden der Fall- Da der den Juden angewiesene Platz beinahe gefüllt ist, trugen diese bei der Stadt (denn nach linkSrhein. franz. Gesetz sind die Begräbnißplätze städtisches Eigenthum) zur Erweiterung ihre« FriedhofS auf Ueberweifung eines nebenliegenden Grundstücks an. Gleichzeitig verbanden sie damit den Antrag auf die Eriaubniß zur Mitbenutzung deö städtischen Leichenwagens »nd Leichenhause-, sowie de« im letzteren befindlichen BetsaaleS. Die Mitbenutzung des Leichenwagens und Hauses nebst der des BetsaaleS wurde einstimmig gestattet und in gleicher Weise der Antrag zum Beschluß erhoben, daß in Betreff der Erweiterung de« Begräbniß. Platzes die Juden in Zukunft ihre Gräber nicht mehr von denen der Christen räumlich trennen sollen. Fr. I. Loudon. Der Londoner JudenbekehrungSverein umfaßt, dem 55. Jahresberichte zufolge, gegenwärtig 33 Stationen in Europa, Asien und Afrika, 134 Missionen, und hat ein jährliches Einkommen von 43,000 Pfund Sterling. Im verflossenen Jahre hat der Verein 35,424 Pfd. verausgabt und damit 60 erwachsene Juden bekehrt, darunter eine 80jährige stockblinde Hebräerin in Bukarest. In Jerusalem, wohin derselbe wieder 4444 Pfd. verwendet hat, sind nur 4 Juden getauft worden, in Abyssinien dagegen 30 unter einem Aufwande von nur 1000 Pfd. Die „Saturday Review" bemerkt dazu wörtlich: „So viel kostet ein Jude von Jerusalem mehr zu bekehren, als ein gewöhnlicher: jener 1100 Pfd., dieser immer noch 600 Pfd. Wenn das Christenthum ursprünglich nach diesem Tarif verbreitet worden wäre, so hätten die Apostel die Goldmacherkunst besitzen müssen. E« giebt in der Welt circa 5'/» Millionen Juden, und wenn der Verein Alle zu taufen hofft, und. der CourS nicht etwa sinkt, so wird der Vereinspräsivent Lord ShafteSbury „GreenbakS" nach amerikanischer Mode, d. h. uneinlösbare Banknoten fabriciren und wenn daS 1000 jährige Reich 1870 eintreten soll, wie die neueste amerikanische Berechnung sagt, so muß bi« dahin der Verein zur Bekehrung der Juden nicht weniger als 3,300 Mill. Pfd. aufbringen." Die Judenverfolgung im Mittelalter. (Schluß zu S. Il6.) Die Geistlichkeit bot alle ihre Thatkraft auf, um die Vertreibung des Volksstammes zu bewirken und zur Erreichung diese« Ziele« wurden die alten Verleumdungen wieder aufgewärmt und zwei oder drei Wunder erfunden.') Zieht man alle diese Umstände in Betracht und de» Zustand deS öffentlichen Gewissens, den sie bekunden, so kann man vielleicht Jsabella kaum wegen de» BerbannungSdekrctS gegen die Juden tadeln, allein man muß zu gleicher Zeit anerkennen, daß die Geschichte sehr wenige Maßnahmen berichtet, die einen so ungeheuer großen Jammer erzeugten, — Trübsale so schrecklicher Art, daß ein alter Geschichtsschreiber sie kaum übertrieben hat, wenn er die Leiden der spanischen Juden als - gleich denen ihrer ') Einzelne aufgezählt von Paranw.

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