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Die Gegenwart · 1867-04-19 · 16 (19.4.1867) · p. Seite 124

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
16 (19.4.1867)
Date
1867-04-19
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 Die Gegenwart. hochgeschätzter Gefährte auf meinen früheren Reisen, darunter zwei Besuchen im heiligen Lande, dessen vollständige Meisterschaft in den orientalischen Sprachen und eifrige Dienste für mich unschätzbar waren, und meine theuren und werthen Verwandten Herr und Frau Sebag" u. s. w. Kur; vor der Reise Montefiore'» hatte die Cholera in Egypten und Palästina schrecklich gewüthet, von der ärmeren jüdischen Bevölkerung Jerusalems waren nicht weniger als fünfzehn Prozent der Krankheit zum Opfer gefallen. Die HungerSnoth hatte da» Elend noch vermehrt und eine furchtbare Heuschrecken-Verwüflung drehte auch die Ernte de» neuen Jahre» zu vernichten. Montefiore'S Augenmerk war nun vorzugsweise darauf gerichtet, die Ursachen zu ermitteln, welche die ungeheure Verbreitung der Cholera bewirkt hatten, um dadurch in den Stand gesetzt zu sein, für die Ankunft der Wiederkehr solch furchtbaren Elend» vorzubeugen. Die engen^ ungesunden Wohnungen, sowie der Mangel an gutem'Trinkwasser hatten nach dem Ausspruche der Sachverständigen wesentlich zur Verbreitung der Krankheit beigetragen, und Moiiteficrc lenkte daher die Aufmerksamkeit der türkischen Behörden auf die Erbauung einer Wasserleitung, sowie auf die Gründung gesunder und geräumiger Wohnungen und stellte die Unterstützung der europäischen Juden zu diesen Zwecken in Aussicht. Sodann gewann <or die Uebcrzeugung, daß die Roth der palästinensischen Juden auf die Dauer auch dadurch zu beseitigen sei, daß ihnen Gelegenheit geboten werde, ihre Kräfte auf dem Gebiete der Industrie und de» Ackerbaues zu vcrwerlhen. Mit besonderer Genugthunng machte er die Wahrnehmung, daß die Juden Palästinas eifrig darnach strebten, die Hindernisse zu beseitigen, die ihrer Thätigkcil auf dem Gebiete der Agrikultur und Industrie entgegenstanden, und daß die den Juden gemachten Vorwürfe wegen ihrer angeborenen Trägheit und ihre» Hangezum Müßiggänge größtemheilS von böswillige» Feinden erhoben würde, wie er an einem Beispiele cclatant nachweist. Eine Deputation aus Safed begab sich im Aufträge von sechSzig dort wohnhaften jüdischen Familien nach Jerusalem zu Montefiore, um durch seine Vermittelung ihre Auftraggeber in den Stand zu setzen, sich der Agricultur zu widmen. In dein Beglaubigungsschreiben, welches die Deputation mitdrachle, bescheinigte der österreichische Consul von Safed, Herr MiklaSciewicz, daß er selbst die Petition der sechzig Familien gelesen habe. Wie verträgt sich, sagt Montefiore, der in diesem Schriftstück amtlich anerkannte Eifer der Juden, sich dem Ackerbau zuzuwenden, mit dem Bericht des ehrwürdigen Dr. Maclcod, der ein Jahr zuvor die jüdische Bevölkerung von Safed al« faul, träge u. s. w. bezeichnet und den österreichischen Consul als Gewährsmann kür diese Behauptungen angeführt hatte? Entweder muß binnen Jahresfrist eine wunderbare Veränderung hinsichtlich der Juden vorgegangcn sein oder Herr Dr. Macleod ist von einem Betrüger getäuscht worden. Welche von diesen beiden Annahmen die wahrscheinlichere ist, leuchtet ein, und um so mehr, da rin MieroSlawSki, wie der Berichterstatter des Herrn Dr. Maclcod genannt wird, niemals Consul in Safed gewesen ist. Wie sehr im Gegentheil die Juden Palästina'- sich bestreben, ihrem Ziele in dieser Beziehung näher zu konimen, hatten wir Gelegenheit ans dem Munde der Herrn Dr. Löwe selbst zu hören. Breslau. Die P r ü f u n g sänuntlicher Klasse» der „Industrieschule für arme israelitische Mädchen" fand gestern Nachmittag vor einem zahlreiche» Auditorium statt, unter dem man Se. Exc. den Oberpräsidenten Frh. v. Schleinitz, Vertreter der Stadlvcr« ordneten-Versammlnng, der Synagogengemxinde, der Krankender- »- und der Waisen-Anstalt, de» Commercienrath Fräulke l'scheu CnratoriumS u. f. w. bemerkte. Da» Resultat war eia nach allen Seiten hin erfteuliche» und befriedigende». Wie der Revisor der Anstalt Herr Rabbiner Dr. Jo öl in den Schlußworten hervorhob, verfolgt dieselbe einen dreifachen Zröeck, nämlich die Unterweisung berj Mädchen in allen Fächern weiblicher Handarbeit zum späteren! Broterwerb, einen ihren Verhältnissen angemessenen gründlichen wissenschaftlichen Unterricht und die Erziehung der ihr anvertrauteu Kinder, soweit die Schule e» irgend vermag. In welchem Maße die» gelingt, bekundete deutlich die Haltung der Schülerinnen während der Prüfung, bei der sie die Fragen meist richtig und gut beantworteten, sowie die reiche Auswahl weiblicher Handarbeiten, die im Nebenzimmer ausgelegt wa^ ren. De. Joel verband mit dem Danke an die Behörden auch den an die Lehrer und Lehrerinnen, von denen Frl. Sulzbach, die Lehrerin der 1. und 3. Klasse, 10 Jahre, Hr. Hauptlehrer B. Bloch bereit» 34 Jahre an der Anstalt wirken. BreSl. Zeit. t' Danzig, den 13. April. Der Rabbiner der Alt-schottländer Gemeinde, Herr De. Wallerstein, hat einen Bericht über da» erste Jahr de» Bestehen» der jüdischen ReligionS-Schule veröffentlicht, womit er zugleich zu der öffentlichen Prüfung der Schüler und Schülerinnen einladet. Der Unterricht wurde am 11. März v. I. begonnen. Die Knabenklassen zählen zusammen 32 Schüler, die Märchenklassen 17. r Gera, den 10. April. Die Bemerkungen, welche unser ParlamentSabgeordueter Dr. Jäger über die Stellung der Juden im Fürstenthum Reuß j. L. machte, beruhen allerdings auf thatsächlicher Wahrheit. Die Stellung der Israeliten ist bei uns nicht besser als ein Mecklenburg. Sie können nach Lage unserer Gesetzgebung bei un» weder Grundbesitz, noch das Bürgerrecht erwerben. Verschiedene Anträge im Landtage, sowie die Bemühungen der Presse, diese Beschränkungen aufzuheben ^und die Juden zu emancipiren, sind ohne Erfolg geblieben. Daß trotzdem in unserem Ländchen einige Juden wohnen, welche nicht nur Grundbesitzer und Bürger, sondern sogar Gemeindevertreter sind, resp. waren, daS beweist, wie sehr in den Kleinstaaten die Scheu herrscht, durch Feststellung von Principien in der Gesetzgebung bestehende und nicht zu ändernde Thatsachen anzuerkennen. Jene Juden waren russische Staatsangehörige vor der Revision unserer Vorfassung im Jahre 1856. Consequenterweise hätte man ihnen Bürgerrecht und Grundbesitz nehmen müssen. DaS that man nnn allerdings nicht, aber man vermochte auch nicht den Entschluß zu'fassen, die Israeliten gesetzlich zu emancipiren. Gegenwärtig wird dies nur doch geschehen müssen. (D. A. Ztg.^1 Leipzig, im April. Eine deutsche Mortara-Affaire, und zwar in der ftiedlichen Handelsstadt Leipzig. Kürzlich meldeten die Leipziger Blätter zur 'hohen Erbauung der Frommen im Land, daß ein 14 jähriges Judenmädchen Tags zuvor in der Thomaskirche getauft worden Isei. Ein paar Tage nachher brachte nun da» „Leipziger Tageblatt" nachstehende „Bekanntmachung!" „Die Welt soll eö erfahren, waS sich in Leipzig 186? zugetragen, eine ähnliche Mortarageschichte, wie cS der Fall in Rom war. Mein Kind, Jda Elbmann, geboren zu Jestnitz im Herzog- Ihum Anhalt, israelitischem Glauben angehörig, war in der Erziehung beim Buchbindermeister Schmahler, ist um 4. April durch Herrn Dr. Mille getauft worden. Ich habe bereit« schon seit längerer Zeit protestirt dagegen, keine Erlaubniß ertheilt, eine

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