Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 16 (19.4.1867)
- Date
- 1867-04-19
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sofiaer Wochenschrift (Br Jüdische Angelegenheiten. 123 2. Der Aufstand de- Bar Kochba, qnellenuiäßig dargestellt mit besonderer Rücksicht auf die damaligen Vorstellungen vom Messias. (Preisrichter: die Herren Dr. Steinschneider und Dr. Bärwald.) Die 1. Aufgabe fand zwei Bearbeitungen, von denen die eine (von Herrn »tuä. weä. VJfer) den Prei» mit 50 Thlrn., erhielt, die andere (von Herrn »tuä. moä. Samt) ein Accessit mit 25 Thlrn. f Die zweite Aufgabe rief drei Arbeiten hervor; die Arbeit dr- Herrn »tuä. phil. Salzer wurde de- Preisevon bO Thlr. und die des Herrn »tuä. phil. Ehrlich eine- Acceffitvon 30 Thlrn. würdig ^befunden. Die Aufgaben pro 1867 sind folgende: 1. Eine möglichst erschöpfende, auf eigenen und fremden Beobachtuügen beruhende Darstellung der Wirkung subcutaner Morphium-Jnjcctionen auf gesunde und kranke Menschen. Preisrichter sind die Herren Prof. Traube und Dr. Meyer. 2. DaS Sehen mit beiden Augen und sein? Erfolge, mit besonderer Rücksicht auf die Untersuchungen von Scheffler. Preisrichter sind die Herren Prof. Lazarn« und Dr. Steinschneider. Die Bewerbungs-Schriften sind .bis zum 1. December 1867 unter den im Reglement vorgeschriebenen Formen an den Vorsitzenden des HilfS-DereinS für jüdische Stndirende, Herrn SanitätSrath Dr. L. Pofner, Kommandanten-Etraße Nr. 5a. einzureichen. WaS die CrgänzungSwahl. des Vorstandes betrifft, so sind die vier ausscheidenden Mitglieder, die Herren Alex. Goldschmidt, Ferd. Reichenheim, Dr. Rieö und SanitätSrath Dr. Waldeck wiedergewählt worden. Nachdem die geschäftliche» und statistischen Nachweisungen erledigt waren, sammelte sich, wie gewöhnlich, eine größere Gesellschaft zu dem Festmahle, welches durchweg einen edlen und bei aller Heiterkeit ernsten Charakter bewahrte. Wenn in früheren Jahren launigen Reden und Gesangvorträgen ihre Stelle eingeräumt wurde, so schien diesmal der lose Scherz vor der höher» Stimmung zu weichen und konnte nur flüchtig weiterziehend hier und da seine Würze den geistigen Gaben einsttenen. Schon der erste Toast, welcher dem König und dem Vaterlande galt und von dem Vorsitzenden, Herrn SanitätSrath Dr. Posner ausgebracht wurde, ließ diese gehobene Grundstimmung erkennen, wie er denn auch die Ursachen dazu andeutete. Er machte nämlich auf die Veränderungen aufmerksam, welche seit dem vrrigen Male im gesammten Vaterlande eingetreten seien und von denen sich auch die Mitglieder deS Vereinmächtig berührt fühlten. In feinsinniger Weife wurde deköniglichen Urhebers dieser Veränderungen und seiner im Sinn de- Volkes wurzelnden Bestrebungen gedacht und an da» immer innigere Zusammengehen beider heilverkündende Hoffnungen geknüpft. Ebenso wurde von demselben Redner in einem zweiten Trinkspruch auf da» glückliche Gedeihen de» Hilfsvereins hingewiesen, welcher vvn kleinen und unscheinbaren Anfängen bis zu einem der beachtenSwerthetesten Institute der an nützlichen Verbindungen so reichen Hauptstadt sich emporgeschwungen. In der würdigen Art, mit welcher der Verein nicht sowohl drückende Geschenke, als vielmehr Darlehne biete, sei daS Verdienst und daS Gelingen der Ziele deffelben begründet; denn schon eine große Anzahl Unterstützter habe das, wa» sie empfangen, wieder in die kaffe zurückfließen lasten und bald werde sie ebensowohl von Beitragenden dieser Art, als von den eigentlichen Wohlthätern ge- \ tragen fein. — Dr. A. Löwenstein ließ daraus den Vorstand, Dr. Meier die Preisrichter leben. — In vortrefflichen Worten entwickelte Prof. Lazarus die wahre Bedeutung der Vereins- Wirksamkeit. Man klage zwar, sagte er u. A., daß bei solcher Wohlthätigkeit, die im Großen auftrete, weder die schöne persönliche Regung deS Mitleids auf der einen, noch die sittliche Empfindung der Dankbarkeit gegen die theilnehmende Person auf der antskrn Seite stattfinde, aber auf den Höhen der Menschheit werv« es nun einmal immer kühler und besonders entspreche dieses Per« hältniß dem HikfSverein für jüdische Studirende. Deim es finde eigentlich nur eine Thcilung der Leistungen statt. Die einm 'reichen da» Materielle, damit sie von den andern die Früchte des Geistezurückcmpfangen, Körper und Seele gehörten zusammen. In KricgSzeiten pflegen die Jugendlichen in den Kampf hinauszuziehen und die Anvern, um sich gleichfalls an demselben thätig zu betheiligen, mancherlei Opfer auf den Altar deS Vaterlandes niederzulegen; man rüstet wohl auch selbstständig eine Compagnie von Kriegern anS. Nun, eine solche Compagnie deS Geiste» würde auch alljährlich von dem Verein ausgerüstet und dazu solle auch heute Hand angelegt werden. Nachdem auf diese Weise die Sammlung eingeleitet war, fand dieselbe statt und ergab ein Resultat von 150 Thalern. — Der poetisch begabte Herr Cäsar Wollheim feierte dann in schwungvoller Rede die Ehrengäste und die Sauger, welche zur festlichen Erhebung der Gemüther so viel beigetragen, und Prof. Dirchow hob die Gesinnung der cngern Religioichgesellschaft hervor, auö welcher der Verein entstanden sei. Ihr Grnndwesen bilde die Vereinigung von Wissen und Charakter, von Geist und Gemüth. Schließlich beleuchtete noch Dr. Steinschneider die stille Gabe, welche er mit Anwendung eines alten Worte» als daS Höchste und Niedrigste bezeichnete, daS erstere als Wohlthat daS letztere als Bestechung. Auch erwähnte er eine» Falles au» dem 10. Jahrhundert, wo ein reicher Jude der erste Finanzmann deS Khalifen, ein Armer aber deffen Leibarzt wurde, und gab so eine Illustration für das früher berührte Berhältniß zwischen den begüterten und den dürftigen Anhängern de« jüdischen Bekenntnisses. — Erst spät trennte sich, allgemein befriedigt und sichtlich angeregt, die Gesellschaft, bei der wir übrigens diesmal manche« liebe Mitglied vermißten. — BreSla«, 9. April. Seit gestern weilt in unseren Mauern unser liebenswürdiger Landsmann, der Orientalist Dr. Löwe, der beständige Begleiter Sir Moses Montesiore'S auf seinen Reisen. ES dürfte daher nicht unwillkommen sein, einige Notizen aus der letzten Reise desselben mit Montefiore nach Palästina im Jahre 1866 unseren Lesern in aller Kürze mitzutheilen, da der unS zugemessene Raum nicht gestattet, de« Näheren auf diesen Bericht einzugehen, der so viel de» Interessanten enthält und zugleich die liebenswürdige Gestalt deS hochherzigen Greises, der mit aufopfernder Liebe schon so Biele« für seine Brüder gethan, unS so nahe bringt, daß wir ihn unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Die Reise Montesiore'S fand bekanntlich in den ersten Monaten vorigen Jahre« statt und hatte zum Zwecke die Verwendung deS unter den englischen Israeliten gesammelten Unter« stützungSfondS für daS heilige Land. „Meine Reisegefährten (um mit Montesiore'S eigenen Worten zu reden) waren mein hochgeehrter Arzt und viel bettauerter Freundder verstorbene De. Hodgkin, Eapitän Moore, Bruder de» Eonsul» Ihrer Majestät in Jerusalem, der während de« iit^ dischen Aufstande« ein thätige« und ausgezeichnete« Mitglied d«S Geueralstabe« von Sir Hugh Rose war, Dr. Loui» Löwe, mein is* i