Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-04-19 · 16 (19.4.1867) · p. Seite 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
16 (19.4.1867)
Date
1867-04-19
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434142--154-4890024
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

122 Dir Segmwart. / Aber Eines resultirt daraus und dieses Resultat ist gewichtig genug, betont zu werden. Die Religion hat und soll nicht die Aufgabe haben, in ihren kehren und Ansprüche» Kämpfe und Widerspruche de» Lebens zu scheuen. Ebenso wenig, wie sie von der einen Seite streng konservativ und stabil ist, vielmehr in ihrem ersten Auftreten gewissermaßen revolutionär, insofern sie neue Ordnungen und Einrichtungen des Lebens forderte und nach und nach herbeiführte — ebenso wenig darf sie erniedrigt werden zu einem Produkt der Anschauungen und Richtungen deS äußeren Lebens; vielmehr war und bleibt eS ihr Beruf, das Schlechte, Niedrige» Unberechtigte desselben zu bckämpfenT^alS geistiges und göttliches Element den andern materiellen Elementen und Mächten des Lebens entgegenzutreten. Die Anwendung auf die Zustände der Gegenwart ergiebt sich leicht. Höhere, wehlbegründete Bedürfnisse haben sich im Leben durch die gänzliche veränderte Stellung, durch die gänzliche Umgestaltung unserer Beziehungen zum Staate und zur Gesellschaft herauSgeslellt, führen oft Pflichten herbei, welche scheinbar mit den Ansprüchen der Religion in Eonflitt sind. Davf dieselbe ein Veto rinlegen und die Erfüllung der Pflicht dem Staatsbürger, dem Bürger überhaupt untersagen oder erschwerend Darf sie Gebote mit aller Starrheit aufrecht erhalten wollen, welche das geschäftliche Leben in seinem nolhwendigcn Ganzen oder welche die Theilnahmc an den Allgemeinen BildnngSanstalten fast unmöglich machen? Ganz gewiß nicht, denn sie wollte von Anfang an und will auch heute noch die Fortentwicklung deS Lebens nicht hindern, sondern fördern. Aber — wenn oft die Bequemli chkeil oder die moeexne Lebensweise ihr Concessionen um Eoncessionen «bringe» will, oeer wenn jede Erinnerung auS der alten Zeit, jeder ehrwürdige Gebrauch, der de« Geist auf dieselbe zürücksühren soll, auSgcmcrzt werden rüöchte von Manchen, weil dieselben nicht daran erinnert sei» wollen, daß sie Juden sind, so wird die Religion solchen und ähnlichen Conflikten nicht auS dem Wege gehen dürfen. * Wechsler. * Berlin, 16. April. Wie wir hören, ist am 11. b. M. von dem Borstandc der hiesige» Gemeinde I)r. Abraham Geiger in Frankfurt a. M. zum Rabbiner erwählt worden. Wir konstatiren für heute bloS die, allerdings bedeutende, Thatsache, deren weitere Erörterung wir uns für die nächste Nummer Vorbehalten. tz Berlin, den 12. April. Die Generalversammlung deS Hilfsvereins für jüdische Studirende fand am 6. d. M. iin Lokale der Gesellschaft der Freunde unter zahlreicher Betheiligung statt. — Jahresberichte erstatteten der Borsitzende, Herr Sanitätsrath vr. Posner, sowie der Schriflführer de« Vereins, Herr l)r. RieS. , Im Nachstehenden sei nur das Atterwesentlichste auS den vielfach interessanten Vorträgen mitgetheilt. 1. AuS den ordentlichen Fonds sind im Jahre 1866 im Ganzen 67 Studirende unterstützt worden, von denen 45 Medizin, 16 Philosophie und 6 Rechtswissenschaft studirten. Laufende monatliche Unterstützungen erhielten 55 Studirende, und zwar 2 je 2 Thlr., 33 je 3 Thlr., 14 je 4 Thlr. und 6 je 5 Thlr. monatlich. Der Gcsammtbetrag der monatlichen Unterstützungen war 1518 Thlr. Einmalige Unterstützungen wurden in 20 Fällen bewilligt uns zwar: 6 Mal zur Annahme der Sezirübungen je 17 Thlr. 8 Mal zum medizinische» Doktorexamen in Beträgen von 30 -56 Thlr. 20. Sgr. 5 Mal Mnmediziuischen Staatsexamen 20—34 Thlr. 1 Mal zum philosophischen Doktorexamen 56 Thlr. 20 Sgr. Der Gesammtbettag der einmaligen Unterstützungen von 613 Thlr. 20 Sgr., mithin sind an ordentlichen Unterstützungen überhaupt verausgabt 2131 Thlr. 20 Sgr. : f Unterstützungsgesuche sind im Laufe des Jahre» 101 tingegangen nnd erledigt worden; 78 betrafen monatliche Unterstützungen, von diesen wurden 74 bewilligt, 3 Petenten wurden abgewiesen, weil sie bereits 4 resp. 5 Semester hindurch unterstützt worden waren und einer, weil er statutarisch nicht berechttgt war. Von den 23 Gesuchen um einmalige Unterstützung wurden 20 bewilligt, 2 Petenten wurde» abgewiesen, weil sie bereitzu demselben Zwecke, für welchen sie eine Beihülfe uachsuchten, unterstützt worden waren, und einer, weil er statutarisch nicht berechtigt war. II. Da« Alexander v. Humboldt-Stipendium wurde an zwei Studirendcn der Medizin in Beträgen von je 125 Thlr., in Summa 250 Thlr., verliehen. III. Aus der Marianne-Liebermann-Stiftung sind zum medizinischen Staatsexamen drei Stipendien, jedes von 80 Thlr. verliehen worden an drei Doctoren der Medizin. IV. Auö der Stiftung „vom 3. März 1866" ist ein Stipendium von 100 Thlrn. an einen Studirenden der jüdischen Theologie zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde verliehen worden. V. Au» dem durch die Generalversammlung gebildeten außerordentlichen Fond sind im Ganzen 292 Thlr. bewilligt worden und zwar 30 Thlr. für die jüdische Lehrerbildungsanstalt, je 20 Thlr. für die jüdische Gemeinde-, die Dorotheenstädtische Realschule und für das Berlinische, Werdersche und Köllnische Gymnasium zur Verthcilung an hilfsbedürftige jüdische Zöglinge und \ 12 Raten von 5 bis 20 Thlr. in Fällen augenblicklicher Roth insbesondere an solche, die wegen Mangel deS testiwonium mntut ritatis aus den ordentlichen Fonds nicht unterstützt werden konnten. VI. An Preisen wurden vertheilt: ein juristischer von 50 Thlr., zwei medizinische von je 50 Thlr. und ein juristisches Accef|it von 40 Thlr., zusammen 190 Thlr. Mithin sind im Ganzen zu Unterstützungen verwendet worden 3203 Thlr. 20 Egr. Die Vermögensübersicht. ergiebt, nach dem in Abwesenheit deS KafsirerS Herrn B. Liebermann von Herrn MagnuS erstatteten Bericht nachstehende Ziffern: Bestand am Bestand am 1.Jan. 1866 Einnahme Anögabe 31.Der. 1866 Thlr. Sgr. Thlr. Sgr. Thlr. Sgr. Thlr. Sgr. ». Haupt-Kaffe 7347 29 4119 — 2951 — 8515 29 d. Alex. v. Humbold-Stiflung 5424 21 317 7'/, 250 — 5491 28'/, c. Marianne Liebermann-Stiftg. 421 343 - 240 — 524 — ä. Stiftung vom 3. März 1866 Kapital». Zinsen 2050 - — 2050 — Summa: 13193 20 6829 V/t 3441 — 1658127 V, Für die Preis-Bewerbung waren pro 1866 folgende Themata gestellt worden: 1. Ucber die Wirkungen der narkotischen Gifte (Alkaloide deS Opium, Aconitin, Eoniin, Nicotin, Digitalin, Atropin, Cyankalium rc.) auf das ausgeschnittene Froschherz. (Preisrichter: die Herren Prof. Traube und Or. Meyer.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.