Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 15 (12.4.1867)
- Date
- 1867-04-12
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Dir Gegemvart. Versammlung und dem Borstand der Beerdig«ng»-Lnstalt) herbei« geführt worden war, hatte, wie vir s. Z. berichtet, die Bersamüilung eiue Commission eingesetzt, die den Entwurf zu einem neuen Statut auSarbeiten sollte. Diese Commission hat nun einen solchen Entwurf in 14 Paragraphen vorgelegt; ihr Referent ist Recht-anwalt Makower. Die einzelnen Paragraphen weryeu verlesen und zur Debatte gestellt. An derselben betheiligen sich die Herrn Bernarp, Dr. Posner, Geh. R. Steinthal^-achmann, Beschüz, Demuth, Bendix, Geh. R. Mendelssohn/ Dr. Oestreich, Liebermann. Der Entwurf wird, unter Modification einzelner Bestimmungen, schließlich im Ganzen angenommen. 2., Erweiterung der AkterversorgungS-Anstalt, wurde vertagt. 3. Beitrag zur Erweiterung des (katholischen) St. HedwigS-KrankcnhauseS. — Referent: Herr Bendix. Der Borstand beantragt, mit Rücksicht.darauf, baß daS katholische Krankenhaus bei Aufnahme von Kranken nicht nach Coufessionen unterscheidet, und speciell jüdische Kranken schon öfters ausgenommen hat, einen Beitrag von 300 Thlrn. zu den Kosten der projectirten Erweiterung der gen. Anstalt zu verwilligen. Referent bea»tragt Annahme. — Herr Lachmaun für den Antrag. Daö katholische Krankenhaus nehme sogar solche jüdische Kranken, die vom jüdischen Krankenhause zurückgewiesen würde», bereitwilligst unentgeltlich auf. — Herr Beschütz ebenfalls dafür, indem er den durchaus humanen Charakter der Anstalt hervorhebt. Herr Geh. Rath Mendelssohn ebenfalls für den Antrag, indem er besonder» hervorheb/ daß der confessionelle Charakter der Anstalt Juden gegenüber in keiner Weise zum Borschein komme. Der Antrag wird einstimmig angenommen.*) 4. Beitrag zur Bekleidung düftiger Zöglinge der Knabenschule. — Referent: Herr I. W. Meyer. Die Gemeinde ist gewissermaßen, abgesehen von dem guten Zwecke der. Sache, zu einem derartigen Beitrag verpflichtet, da eine Stiftung, die früher für diesen Zweck existirte, in die Fonds der Gemeinde übergegangen ist. Der Borstapd beantragt daher, 80 Thlr. hierfür zu verwilligen. Referent billigt die Motive des Vorstandes und erklärt, in Betracht des in besonderen« Maße vorliegenden Bedürfnisses, den Antrag dringend befürworten zu müssen. — Die Versammlung nimmt den Antrag an. Schluß der öffentlichen Sitzung um 1 Uhr. * Berlin, den 8. April. Ueber den im Jahre 1846 in hiesiger Geincindc begründete» Borschußverein, der, beiläufig bemerkt, nächst den« seit 1845 in der Hamburger Gemeinde bestehenden Verein, der zweite dieser Gattung in Deutschland über- Haupt ist und durch die Verbreitung seiner Statuten zur Bildung ähnlicher Vereine im gesaminten Deutschland Veranlassung gegeben hat, ist uns ei» Jahreö-Bericht pro 1866 zugegangen. Wir thcilen da» Wesentliche desselben um so lieber ausführlich mit, als wir dadurch zur Förderung des Vereins nach jeder Richtung hin beizutrage» hoffen. *) Dieser Beschluss verdient sicherlich alle Anerkennung. Daß die hiesige Stadtkoniinnne der jüdischen Geincindc;u dein mit einem Kostcnauswandc von ca. 150,000 Tlilr»., in der Augnststraße vor einigen Jahren audgesülirten Reubau eine» Krankenhause« einen Beitrag gewähr« hätte, ist nicht bekannt geworden. Wohl aber wisien wir, daß der Magisttat dem Anträge de» Lorstände» der jüdischen Gemeinde, den« in der Gr. Hambnrgtrstraße üi jüngster Zeit »euerbanten Schnlhanse die volle Mieth»stencrfreihcit zu gewähren, nicht Statt gegeben ha«. Sink die Eleinentarklasicn sind lrcgleuicntsmäßig!) von der Mietdbsteuer befreit, während nicht allein für die oberen Klassen, sondern auch für den Gesang»saal, der für dir combinirtcn unteren und oberen Klassen, also gemeinsam, beiniyt wird, MiethSstener gezahlt werden muß. D. Red. Die General-Versammlung de» Borschuß-Ber» ein» für Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde war auf Sonntag den 31. v. M> anberaumt. Leider hatte sich nur eine geringe Zahl von BereinSmitgliedern eingefunven, wiewohl die Einladung an jede» Mitglied durch gedruckte» Anschreiöen ergangen war. Der stellvertretende Vorsitzende, Hr. Loui» Joachim»thal, erinnerte zunächst durch einige tiefgefühlte Worte an den großen Verlust, den der Verein durch den am 26. Juni v. I. erfolgten Tod seine» Gründer» und beständigen Vorsitzenden Wilh. CaSpart erlitten; die Anwesenden ehrten da» Andenkm de» Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. — Alsdann erfolgte die Berichterstattung über die Wirlsamkeit de» Verein» im Jahre 1866, die um so kürzer gefaßt werden konnte, als die einzelnen Zahlenangabcn bereits gedruckt (in obengedachtem Anschreiben) in die Hände der Mitglieder gelangt waren. Hiernach waren 386 Darlehne im Betrage von 16,335 Thlrn. bewilligt worden, worunter .die überwiegende Mehrzahl zu 30, 40 und 50 Thlr., resp. 130, 84 und 129; 15 Darlehne figuriren mit 100 Thlr., 2 mit 200 Thlr. Gegen daS Vorjahr 1865 stellt sich ein Minus von 17 an Gesuchen und von 2560 Thlr. an Betrag heraus, das wohl erklärlich ist aus den so ungünstigen Verhältnissen dieses KriegsjahreS, in welchem die Vorschnßempfänger theilS durch ihre Abwesenheit von Berlin in Folge Eintritts beim Heere, theilS durch die verschlechterten GeschäftSverhältniffe behindert waren, die Rückzahlungen in der durch daö Statut bedingten Zeit zu leisten. Das Vermögen de- Vereins hat sich im vorigen Jahre nm 373 Thlr. 6 Sgr. vermehrt, allerdings nicht im Geringsten dem Verhältiiiffe entsprechend, in welchem sich die Ansprüche an den Verein fast täglich steigern. Cs erscheint somit der vom Vorsitzenden ausgesprochene Wunsch gerechtfertigt, daß jede« Vereinsmitglied dahin «virken möge, im Kreise seiner Bekannten für die Zweck« deS Vereins Geldmittel zu beschaffen. — Die Gesammtsumme, welche seit dein Bestehen des Vereins (1846) bis zum Ende des JahrcS 1866 durch den Verein zinsfrei auSgeliehen worden, beläuft sich auf 187,495 Thlr. und vertheilt sich auf 4555 Vorschüsse. Diese Zahlen sprechen mehr, als Werte eö vermögen, für die Wirksamkeit deS Vereins. An diesen Bericht knüpfte sich eine Debatte, die zur Darlegung deö VcreinöprincipS sowohl über Gewährung von Vorschüssen, wie über Forderung der Rückzahlungen Anlaß gab, und die Ansicht, «velche sich bei Gründung des Verein» kundgegeben, bestärkte, daß der Verein lediglich als Humanitätswerk gelte, einer zunehmenden Verarmung durch Gewährung zinsfreier Vorschüsse Vorbeugen «volle.— Schließlich erfolgte die Neuwahl eines Vorsitzenden (Dr. wvä. Jona»), eine« Schriftführers (Kaufmann Erlist CaSpari) und eines Controlleurö (M. S. Meyer), sowie die Wiederwahl des KafsirerS^ (S. Gumbert) und zlveier (nach den Bestioilnungen des Statuts) ausfcheidender Beisitzer (Braß und Heinrich Hensch). Im Laufe der Diskussion war eS als ein Mangel bemerkt «vorbei«, daß die Mitglieder des Verein» während de« Jahres über dessen Wirksamkeit ganz ohne Kenntniß bleiben. Vielleicht gelingt eS, dem gerügten Mangel dadurch abzuhelfen, daß. die verehrliche Redaktion dieser geschätzten Zeitschrift ihre Spalten auch im Laufe de» Jahres zu Milthcilungen über die Thätigteit de» Vereins fteundlichst geivährt.*) I. Prag, 27. März. Heute MttagS hielt Herr Prof. Kämpf an der hiesige«« k. k. Universität einen Gedächtnißvortrag zu Ehren D. Red. *) Sehr gern.