Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 14 (5.4.1867)
- Date
- 1867-04-05
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Die «kgcnaHat den. Gegen Sud« der Sitzung kam außerdem der Antrag de« Abg. Prosch zur Verhandlung, als eine besondere Nummer de« Art. 4. hinzuzufügen: ״Die Bestimmungen über die staatSbürgerlichen Rechte der israelitischen Glaubensgenossen". Abg. Laster spricht gegen diesen Antrag, für den er bei seiner per« sönlichen Stellung zu demselben nur dankbar sein köune; aber wie er die Stimmung der Juden kenne, wollten sie keine Specialgesetzgebung, und auch er nach seinem Gefühl verlange »ach keinem besondere» Gesetze für sie. Der Antrag wurde fast einstimmig abgel ehnt. * Königsberg, den 28. März. (Privatmith.) Anfang« dieses Monat« ist bei dem Vorstände der AönigSberger Gemeinde beantragt worden, daß vom 1. April an, wie in der Berliner Gemeinde, die Repräsentantensitzungen öffentlich gehalten, und ein umständlicher Rechenschafts-Bericht über die bisherige Gemeinde- Verwaltung durch den Druck bekannt gemacht werde. Wir werden s. Z. über den Erfolg dieses Antrag- Weiteres berichten. Thoru, den 2. April. Zu Ehren des Rabbiners Herrn vr. Rahmer, welcher am 28. v. M., nach fünfjähriger Amtsthätigkeit bei der hiesigen Synagogen-Gemeittde unsere Stadt verließ, um in Magdeburg das Rabbinat zu übernehmen, fand am Mittwoch, den 27. Abends ein Festmahl im Saale des Hütel de Sanssouci statt, an welchem eine große Zahl Gemeindemitglieder sich betheiligten. Der Gefeierte hat sich durch seine seelsorgerische Thätigkeit nicht nur die Freundschaft und Liebe feinet" Glaubensgenossen im hohen Grade, sondern auch durch sein sonstiges Auftreten nnd Verhalten die Hochachtung seiner andersgläubigen Mit- -bürger, mit denen er in Berührung kam, erworben. Daß die Gemeinde einen so trefflichen Seelsorger und tüchtigen Mann nicht gern scheiden sieht, ist natürlich und erklärlich. Diesem Gefühle der GemeindemitgWer verlieh Herr Kaufmann Bärwald mit folgenden Worten Ausdruck: ״Wir feiern heute ein schönes Fest, ein Fest geweiht der Wissenschaft, geweiht einem Träger und Verbreiter der jüdischen Wissenschaft. Wenn wir von aufrichtigem Streben gute Erfolge sehen, so gereicht eS uns zur besonderen Freude. Diese Freude, meine Herren, ist eS, uftfrbe bei diesem A b - schiede feste das Gefühl der Wehmuth vertwangt. Herr Rabbiner vr. Rahmer wirkte fast 5 Jahre in unserer Mitte. Sein Wirken war ein segensreiche- und hierfür sei ihm hier Dank int Namen der Gemeinde. Sein Streben war trotz der vielen Amtsgeschäfte ein sehr reges und die Beförderung des vr. Rahmer von hier nach Magdeburg nach so kurzer AmtSthätigkeit giebt Zeugniß hiefür. Gestatten Sie mir, verehrter Herr vr., daß ich Ihnen im Namen der Gemeinde-Vertretung und somit im Namen der ganzcn verehrten Gemeinde den Abschiedsgruß zurufe: Möge Ihr Scheiden aus unserer Mitte und Ihr Einzug in Magdeburg von dem Segen Gottes begleitet svin!" Nach Herrn Bärwald nahmen das Wort: Herr Kaufmann Gi eldzi nSki, um den Scheidenden für seine Verdienste um den hiesigen jüdischen Kranken-Berein zu danken; Herr Kaufm. Heilfron, welcher die Bemühungen des vr. Rahmer um die Organisation und die Hebung der jüdischen Gemeindeschule, auf ״deren Zustand die Gemeinde mit Freude blicken kann", hervorhob; Herr Kaufm. Prager, der einen Toast auf das fernere Wohlergehen de« Scheidenden und seiner Familie ausbrachte, und Hr. Hirsch« Kali sch er, der, und zwar meiner humoristisch gehaltenen Rede, dem Herrn vr. Rahmerauch in Magdeburg eine so gesegnete scelsorgerische Thätigkeit, wie sie «S hier war, wünschte. Herr vr. Rahmer dankte in herzlichen Worten -für die ihm erwiesen« 1 Ehrenbezeugung und freundschaftliche Anerkennung und wünschte der hiesig« Spnagogen-Geuwinde, »yn der er sich ungern trenne, weil er seit«« der Gemeindemitglieder bei Wahrnehmung seine« Berufeda« eiosichttgste und liebevollste Entgegenkommen gefuw> den habe,' auch fernerhin da« kräftigste Gedeihen. Dem Scheidenden rufen auch wir noch ein herzllche« Lehewohl mit dem Wunsche zu, -daß er in seiner neu« Heimath eine ihn ebenso beftiedigrude Wirksamkeit finden möge, wie er sie nach seinen Worten hier gehabt hat. Th. LN — Von den zahlreichen Bewerbern um die erledigte Stelle haben bereitzwei hier Probepredigtm gehalten. Der erste, vr. D«tsch aus Pllsen, predigte zu פרשת זכור, in stark prononcirtem böhmischen Dialekt; amj jüngst« Sabbath, (פרה *EU pre« digte vr. Horowitz au« Breslau. * Loudou, im März. In Serbien existiren barbarische Gesetze gegen die Juden, nicht etwa aus mittelalterlicher Finsterniß überkommene, sondern erst im Jahre 1861 nach de- Fürst« Milosch Tode eiugeführte. Sie gehen darauf aus, die Juden allmälig ganz aus dem Lande zu verdrängen. Das Recht, sich in Serbim aufznhalten oder ein Gewerbe weiter zu betreiben, wird nur denjenigen Juden gAassen, welche schon am 28. Februar 1861 ansässig waren; auf ihre Nachkommen geht es nicht über. Ein neues Gewerbe oder Fabrikgeschäft zu beginnen, ist ihnen durchaus untersagt, und auch das alte dürfen sie nur an demselben Orte wciterbetreiben. Auf diese und ähnliche Bestimmungen wie« Sir F. Goldsmith in der Sitzung des Unterhauses vom 20. d. M. hin, um die Regierung zu ersuchen, die in ihrem Bereiche liegenden Schritte zur Abstellung solcher Tyrannei zu thun. Lord Stanley versprach, den britischen Gesanden bei der hohen Pforte anzuweisen, daß er mit dem Fürsten von Serbien bei dessen bevorstehender Anwesenheit in Konstantinopel Rücksprache nehme und eine Petition, welche die Judm Serbien- oder Europa'- inzwischen an de» Fürsten richtpn könnten, nach Kräften unterstütze. Der Minister tadelte da- Auftreteu der Serben gegen die Judm als ein um so ungerechteres und verdammuugswertheres, als das serbische Volk selbst immer die Worte Nationalität und Unabhängigkeit im Munde führte; der Grund aber liege mehr in dem allgemeinen Voruriheile des Volkes, als in einer beabsichtigten Politik der serbischen Regierung. Herr Lay ar d knüpfte an die Diskussion einige Bemerkungen über die Juden in der Türkei. ״Als spanische Bigotterie die Juden vertrieb, nahmen sie in großer Zahl ihre Zuflucht zur Türkei und wurden von der Türkei stets mit Gerechtigkeit und Mäßigung behandelt. In Konstantinopel sind viele Juden zu großem Reichthnm und zu hohen Ehrenstellen gelaugt. Ihre bitter« Feinde in der Türkei sind nicht die Muhamedaner, sondern die Christen; und der Erbitterung liegt nicht etwa geschäftliche Eifersucht, sondem hauptsächlich religiöse Unduldsamkett zu Grunde. In Griechenland ist eS den Juden fast unmöglich, zu leben. In der Türkei werden die Juden von den Christen in solcher Weise verfolgt, daß sie sich in der Osterwoche in ihren Häufe« halten müssen, um nicht auf der Straße zerrissen oder todtgeschlagen zu werden. Selbst in Smyrna ist die« der Fall, wo sich doch die civilisirteste christliche Gemeinde deS ganzen Orients befindet. Schaudererregmd sind die Zustände, und die einzige Autorität, welche noch Ordnung zwischen Christ« und Juden zu halten strebt, ist die türkische Regiernng. Man braucht nur in der Charwoche in Jerusalem zu sein, um zu sehen, daß die türkische Regierung Truppen marschiren lassen muß, um die Katholikm abzuhalten, den Griechen die Hälse abzuschueidm und umgekehrt; und die Juden sind in der schlimmsten Lage, da sie beiden ein Stein des Anstöße« sind." Layard schloß mit der