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Die Gegenwart · 1867-04-05 · 14 (5.4.1867) · p. Seite 107

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
14 (5.4.1867)
Date
1867-04-05
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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Sotiatr «ocheuMst stk Mische «ugele-rsheitnr. daß er den Anstoß nicht vermeiden könne.' „Kurzum", sagt ft, „ich bin min so. Wenn mich dfr Gedanke drängt und ich kann ihn klo» in der Weise darstellen, daß er Sine« unter Zehntau. sende», einen Denkenden befriedigt und fördert, während er viel« leichkder großen Maste unerträglich erscheint, so spreche ich kühn und osten da« Wort au-, da« den Bernünstigrn erleuchtet, mag auch der Tadel der uNwistenden Menge mich treffen/' Mainwmonide« war ein Mann de« Gev>inidn«, aber zugleich de« rein» stm uiid ernstesten Wollen«. Galt ihm auch al« Höchste« die reine Erkenntniß, die theoretische Ausbildung, so stand diese doch bei ihm in dem engsten Zusammenhänge mit der reinen sittlichen Thai, der Beredelung de« Lharakter«, al« der unerläßlichen Bor« öedingmig auch für die geistige Erhebung. Ohne jede Ueberhebnng ist er stet« mit der Prüfung seiner selbst beschäftigt; Bescheidenheit und Wohlwollen durchleuchtet mild ein jede« ferner Worte, und so sind auch seine talmudisch-gesetzlichen Arbeiten — mit Ausnahme einzelner dogmatisch-metaphysischer Härten — von einer wohlthuenden sittlichen Wärme durchhaucht. Daroni stand er auch al« Mann de« Geiste« und der edlen That in seiner Zeit, wie in allen späteren, hochgeehrt da. 1 <«u« ,4>a« JudeMhum und seine Seschichte" von Abraham Seiger.) * Berlin, den 2. April. Am vergangenen Sonntag fand im Lokale der Gesellschaft der Freunde, Neue Friedrichsstr. dir. 35 unter sehr zahlreicher Betheiligung de« Publiktim« die öffentliche Prüfung der hiesigen jüdischen Religionsschule statt, seit ihrem Bestehen die zwölfte. — Die Zahl der jetzt die Anstalt besuchenden Zöglinge beträgt in 6 Knabenklaffen mit 165 Schülern und 4 Mädchentlaffen mit 140 Schülerinnen im Ganzen 305, die von 7 Lehrern (inci. dem Dirigenten vo. Kirschstein) in 48 wöchentlichen Stunden unterrichtet werden. Die Anstalt hatte im Jahre 1865 incl. Localmiethe eine Ausgabe von 2187 Thlrn., die ungefähr zu % durch Einnahme von Schulgeld und zu Vs durch Gemeindezufchuß gedeckt wurde. Bei der stark wachsenden Frequenz steht eine »och günstigere Gestaltung de« finanziellen Verhältnisse« der Anstalt in Aussicht. ■> Der Gründer und frühere Dirigent der NeligionSfchule Or. Rosin, hat' bekanntlich im vorigen Jahre einem Rufe in da« Breslauer theülogifche Seminar Folge gegeben, vr. Bärwald übernahm die provisorische Leitting bis zur Wahl, beziehungsweise dem Amtsantritt des treuen Dirigenten vr. Kirschstein. Ersterer erfüllte in Folge besten diesmal die Obliegenheit der alljährlich üblichen Berichterstattung im Programm. Dasselbe enthält eine warm und herzlich geschriebene Rückschau auf die Persönlichkeit und da« Wirken de« früheren Dirigenten I)r. Rosin, deren Wiedergabe wir nn« mit Rücksicht auf den bemeffenen Raum leider versagen inüffen, sowie eine mit einem kurzen Lebenöabriß verbundene ehrende Erinnerung au den im November v. I. dahingefchiedenen Dr. Frankfurter, der ebenfalls an der Religionsschule al« Lehrer segen-reich gewirkt hatte. Sqweit eine Prüfung im Stande ist, die Leistungen eine« verfloffenen Schuljahre« und den Geist, in welchem an einer Schule unterrichtet wird, darznlegen, bekennen wir, einen recht wohlthuenden Eindruck empfangen zu haben. E« muß für jeden Menschenfreund erquicklich sein, die Religion nicht alS dogmati« firende Zankbase, ZwietrachtSgvttin oder phantastische Märchen, erzählerin auftreten zn sehen, sondern al« da«, wa« sie von Haufe au« und ihrer Idee nach ist: al« Führerin zur Vernunft, al« Süfterin de- Frieden-, al« Lehrerin der Humanität. — Die V 107 Prüfung erstreckte sich tfcft folgende Fächer! Biblische Geschichte. Hebräische Gebete, Religion«lehre, Bibelexegese, Hebräische Gram» matik und Geschichte de« JudenthUm«. In jedem dieser Fächer traten sehr an erkennen «werkhe Leistungen zu Tage; insbesondere war, selbst bei den unteren Klaffen, eine höchst au-gkbrritete Kennt« niß der biblischen Geschichten wahrzunehmen. Die lieben Kleine» enthüllte« unserem Geiste den vollständigen Schöpfung-plan mit sämmtlichen Dispositionen nach Raum und Zeit; die schwierige» genealogischen Familienverhältniffe der Patriarchen entwickelten sie auf» Bündigste bi« in die feineren Detail«, und wie die Söhne Saul« hießen, weiß gewiß mimcher RabbinakSkandidat' nicht. — Wa« die hebräische Grammatik betrifft, so find die erzielten fchönen^Refultate um so anerkinnenSwerther, als anderwärtsonst oft die liebe Jugend beiderlei Geschlecht« sich soweit germanisirt fühlt, daß sie, ob mit Recht oder Unrecht, wagen wir nicht zn entschei« den. gegenüber der Strenge einer semitischen Formenlehre einige Aversion geltend zu machen wagt. — Wir schließen unseren Berlcht mit dem Wunsche, daß die Anstalt unter der Leitung de« neuen Dirigenten sich ebenso günstig al« bisher entwickeln möge. Ir. Berlin, 1. April. Wir erwähnten neulich eines von drei. Reich-tagSabgeordneten im Anschluß an die Petition der meckle«r> burgischen israelitischen Gemeinden zum DerfaffungS« Entwürfe eingebrachten Amendement. Diese« Amendement wollte an derjenigen Stelle de« Entwürfe«, der die den einzelnen Staaten abzunehmenden und der BundeSregiening zu übertragenden RegierungSacte behandelt, einen PaffuS einschalten, durch den die religiöse Gleichstellung in allen Einzelstaaten ausgesprochen werden sollte. In gleichem Sinne waren noch mehrere Amendement« gestellt worden, so vom Abgeordneten Schräder u. a. Alle diese Anträge fielen bei der Abstimmung mit großer Majorität. Lin Tbeil deS Reichstage« schloß sich der*Auffassung Twesten« an, der mit specietter Bezugnahme auf die Mecklenburger Juden meinte, daß die, welche so lange gelitten hätten, noch ein Jahr weiter leiden müßten. Der gegenwärtige Reichstag sei nur beratheud. Ihm schloffen sich diejenigen Abgeordneten an, die da« Gebäude des Norddeutschen Bunde« unter allen Umständen „unter Dach" bringen wollen und fürchten, daß der geringste Anbau das ganze Werk zum Schwanken oder gar zum Sturze bringen möchte. Der andere Theil de« Hauses war, wie seine College« im Abgeordnetenhause, principiell dagegen. So erklärt sich die große Majorität gegen den Antrag. Fast wäre doch noch ein ähnliche«, wenn auch nicht so weit gehende« Amendement angenommen worden. Der Abgeordnete Braun hatte einen Antrag gestellt, den LaSker in der Sitzung vom 21. Mär; als Nr. 14 zu vbfit der Conipetenz und Legislative der BundeS-Regierung unterliegenden Akten hinzuzufügen vorschlug, nämlich: „Die Feststellung der Befugniffe, welche kein Bundesstaat in Bezug auf Preß-, Vereins- und Versammlung-, recht, sowie in Bezug ans die sonstigen persönlichen und staatsbürgerlichen Rechte den BuudeS-AugchVrigen vorenthalten darf." Hierzu stellte der Abgeordnete Kratz ein Amendement, wel« che« hinter „in Bezug auf" einschaltet: „die Freiheit des religih. fen BekenntniffeS und der ReligionSübnng". Da« Amendement wurde vorerst bei der Abstimmung angenommen. Der so amendirte Antrag wurde aber hierauf mit 128 gegen 123 S timmen verworfen. Die namentliche Abstimmung ergab Ablehnung mit 130 gegen 128 Stimmen. Da ist denn mit 2 Stimmen Majorität diese Angelegenheit vorderhand wieder einmal »ck calendas graecas verschoben wor-

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