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Die Gegenwart · 1867-03-29 · 13 (29.3.1867) · p. Seite 100

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
13 (29.3.1867)
Date
1867-03-29
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Die •cgeanoit 1 taucht, die bi» in'« 14. Jahrhundert zurückreichen soll. Die Hauptträger diese» Gedanken» sind Dr. Hildebrandt, der bekannte Mitarbeiter an dem berühmten Grivun'schen Wörterbuche und Leiter de» Bereio» von Lehrern und Studirendeu der Sprachforschung, sowie vrr als Uebersetzer Hierselbst thätige Dr. Lohe, welcher im Besitze einer reichen Sammlung de» bezüglichen Material» ist. Durch ein solche» Werk glauben die Herausgeber Nachweisen zu können, wie eng in sprachlicher Beziehung noch da» heutige Judendeutsch sich dem Mittelhochdeutschen auschließt, und wie pielfach deutsche Sage und Dichtung in die jüdische Volk»- Phantasie übergegange» sind, die sie dann nach ihrer .Art und Eigenschaft umgewandelt hat. ■ I Karlsbad. Im hiesigen JSraeliten-Hospitisl sind, dem Jahresberichte der Verwaltung zufolge, im verflossenen Jahre 46 Individuen verpflegt worden. Da» Institut zählt gegenwärtig 22 Bette». Bon den aufgenommenen Kranken waren 32 männlichen und 14 weiblichen Geschlecht»; 43 wurden geheilt und 3 »»geheilt entlassen. Die * Einnahmen betrugen 3366 fl. 51 tr. (darunter Spenden irn Betrage von 1193 fl. 57 kr.), die Ausgaben 2643 fl. 2 kr> so daß ein Kaffarest von 711 fl. 49 kr. verbleibt. Der Bermögen»stand, der sich gegen da» Borjahr um 999 fl. 42 kr. vergrößert hat, beläuft sich mit Schluß de» Jahre» 1866 auf 24,102 fl. 59 kr. Tt. Petersburg. Da» 17. Stück der Gesetzsammlung enthält u. A. den Senat»beseht vom 20. Februar, welcher da» am 20. Januar Allerhöchst bestätigte Gutachten de» MinisirrkomitL» veröffentlicht, laut dessen die Wirksamkeit de» am 12. Februar 1865 Allerhöchst bestätigten Gutachten» de» Ministerkomitö» über die Maßnahmen, welche den Juden in den westlichen Gouvernement» den Uebergang au» dem Stande der Ackerbauer in einen andern Stand erleichtern sollen, auf alle auf Privatländereien ansässige Juden auszudehnen ist. Maiinonidrs. Mose» ben Maimon, mit seinem arabischen Namen Abu-Amrau Musa ben Abdallah, gewöhnlich Maimonidr» genannt, wurde geboren in Eordova den 30. März 1135. Sein Later Maimon, Dajan daselbst, war Schüler de» hochgeachteten Joseph ben Migasch, de» Schüler- und Nachfolger» de» beÄihmten Isaak Alfasi in Luzena. Maimon, ein befähigter Schüler Josephs, Dajan in seinem HeimathSorte Cordova, einer der damals blühendsten Städte in Spanien, war ein tüchtiger Talmudist und ebenso — waö bei Männern seiner Art unter den arabischen Spaniern selbverständlich war — ein wissenschaftlich durchgebildeter Mann. Bon ihm wurde sein Sohn Mose» erzogen und von seiner ftühesten Jugend an in die verschiedensten Gebiete der Wissenschaft eingeweiht. Er wurde bald ein eben so bedeutender Talmudist, wie heimisch in allen andern wissenschaftlichen DiSciplinen. Wie Eaadia», als der Anfänger der jüdischarabischen Richtung, da» ganze große Gebiet de» Wissen» in sich zu vereinigen suchte, wie dieser al» Gaon, al» Vertreter de» geltenden talmudischen Judenthum» und zugleich auch al» Philosoph, Sprachkenner und Bibelerklärer die Initiative ergriff für die Neugründung einer in sich geeinten wissenschaftlichen und zugleich jüdisch-religiösen Gedanken »Entwicklung; so finden wir auch bei Maimonide» jene volle Beherrschung beider disparaten geistigen Gebiete. Während bei den andern spanischen Gelehrten Eine Richtung verwiegt, die Einen bedeutende Talmudisten sind mit blo» mäßiger allgemeiner Bildung, die Anderen Männer der Wissenschaft mtt nur allgemeiner talmudsscher Keuutniß, ist bei Maimonide- Bride» vereint; er beherrscht die verschiedenen Gebiets welche die Gelehrsamkeit und den Geiste-fchrnnck de» damaligen JudenchumS bildeten, mit gleicher Auszeichnung. Al» praktischer Arzt mußten seine Studien noch theoretisch wie praftssch einrn viel weiteren Ausbau dtz^ geistigen Leben» anftreben. Maimonide» Lebm^ fällt gerade in diejenige Epoche, die die gefahrdrohendste für de« jüdsschen Arahißmu» in Spanien war, Al» er noch Knabe war, fielen die Almohaden in Spanien ein mit dem Rufe: Bekenntniß zum Islam, oder Tod! Maimon und seine Familie fügten sich eine kurze Zeit dem Machtgebot« und waren heimllche Juden, aber bald entflohen sie nach Nord- Afrika. Auch hier in Fa» (Fez) herrschten die Almohaden, und der dortige Aufenthalt konnte nur al» vorübergehender DurchgaugSpunkt gewählt werden, bi» sie zur See über Palästina nach Egypten entkommen konnten, um dort unter einem hochsiunigen Regenten — Saladin — wieder als Juden zu leben. Aber auch in den Zeiten de» Drucke» war, wie später, da Mose» wieder ftei athmete, seine GeisteSthätigkeit nimmer unterbrochen. Bereitin Spanien fing er sein erste» größere» Werk, den Eommentar zur Mischnah, auszuarbeiten an, in welchem er schon die Absicht, die er sein ganze» Leben hindurch verfolgte, da» innere Streben,da» ihn von Schrift zu Schrift dräugte, offenbarte. Cr wollte zuvörderst die gewaltige Masse von Diöcussionen, wie sie im Talmud sich auseinander fegten und immer mehr sich ausbresteten, so daß ein ganze» Leben kaum hinreicht sie zu durchdringen, diese Masse wollte er bewältigen, zu einem wohlgeordneten Gefüge gestalten, die Resultate in Klarheit darlegen, so daß e» den künftigen Geschlechtern gänzlich erspart werde, sich durch da» dialektische Gestrüppe durchzuarbei« ten. Sein Eommentar zur Mischnah ist kmz, verständig und klar, versucht die Resultate de» ganzen talmudisch-praktischen Lebeu» wiederzugeben.und so den Jüngern der Wissenschaft eine Anleitung zu bieten, von der er glaubte, daß sie ihnen genügen werde. Bald aber merkte er, daß er hiermit da» ganze Material noch nicht erschöpfend verarbeitet habe, und so ging er an da» großartige Riesenwerk, an den Codex, der den Namen Misch«eh Thvrah, Wiederholung der Lehre, trägt, oder auch Jad chasakah, die starke Hand genannt, weil er in vierzehn Bücher (die dem hebräischen Werte „Jad" entsprechende Zahl) getheilt ist. In diesem Codex weiß er in höchst lichtvoller, die verschiedenen Gegenstände umschließender Ordnung da» große Material zusammenzufassen, so daß erst an« ihm da» Ganze übersichtlich wurde, und mit Ausschluß der Diöcussionen Alle» zu verarbeiten und ein zusammenhängendes Ganze» zu schaffen. Er selbst sagt offen und treuherzig in der Vorrede, — wa» ihm später von Manchem verübelt wurde: „Ich habe hier ein Werk ausgearbeitet, daß, wenn Du die Bibel gelesen und Dich mit diesem meinem Werke vertraut «nächst, Du den Talmud vollständig entbehren kannst, da Du dann völlig in Kenntniß gesetzt bist von dem Inhalt de» Judenthum», wie e» sich talmudisch herausgebildet hat." Daß ein solche» Unternehmen, indem e» Alle» hinstellt wie ein in sich geschloffene» Gebäude, in welchem Stein auf Stein aufeiuandergefügt ist, al» ein unzertrennliche» Ganze», da», wenn ein Einzelne» herausgenommen wird, ganz zertrümmert wird; daß ein solche» Unternehmen die geschichtliche Erkenntniß beeinträchtigt, gerade weil e» da» Ganze al» au» einem Gusse erscheinen läßt, ohne daß e» ahnen läßt, wie die Zeiten lange daran gearbeitet und erst allmählig oft sehr Berschiedenartige» zusammengesetzt haben; — daß e» ferner fast die Möglichkeit abschneidet, daß dem wei»

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