Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 13 (29.3.1867)
- Date
- 1867-03-29
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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Berliner Wochenschrift fir Mdisch« AngelegercheiMl. 99 wage eine solche: imerhalt 15 Jahren werden Farbige im Kongreß zu Washington sitzen and in 8V Jahren im Senat, und auch da« „weiße Haus" wird ihnen nicht »»zugänglich sei»; dann wird der Unterschied zwischen Blaßgrfichtern, Rothhiioten und „der schattigen Tracht de« glithenden Sonnenstrahles" vergeffen sein. Noch ein Schlnßwort für und über Europa. Sklaven haben wir nicht, «cher Dienstboten. „Da sollst sie nicht mit Härte behandeln" hatte da« Gesetz der Bibel vorgeschriebe«; „sie nicht zu entwürdigender Dienstleistung zwingen, ihnen nicht abstoßend begegnen", so wird da« »»«gelegt. Nnn, al« Graf Hahn feine hohen Edikte für seine getreuen Hahn'schen erließ, mit ,,nn« terthänigsten guten Morgen" u. dergl., da lachte ganz Deutsch, land und angrenzende Länder hell auf. Aber ich sage Ihnen, es ist auch in bürgerlichen Häusern noch gar Manche«, worüber man in Zukunft lachen wird. Es gehört doch noch zum guten, noblen Ton, recht kurz zu befehlen, Weisung zu ertheilen; kein überflüssiges Wort, gar kein Wort wo ein Wink genügt; der Stimme Klang ein ganz anderer, al« wenn man mit „Seine«, gleichen" redet; der gewaltige Abstand zwischen Herr, Dame und Gesinde niuß recht fühlbar gemacht werden. Aber die Mensch, heit schreitet vorwärts, der Sieg der religiösen Idee von dem gleichen Menschenrechte Aller ist zu weit gediehen, al« daß er stille stehen könnte; die Idee hat Völker erschüttert, sie wird auch Hau-ordnungen in Bewegung setzen. Auf die Gefahr hin, etwa« recht überspannt Scheinende« auszusprechen, sage ich voran«: die Klagen über wachsende Ansprüche der Dienstboten, mancher Unterhaltung unversteglicher Stoff, sie werden nicht abnehmen, und die amerikanischen Zustände, wonach e« keine „Mägde" sondern nur „Gehülfinnen" giebt. sie erregen jetzt noch Ihr Granen' — aber bi« Sie, meine jüngeren Freundinnen, Matronen geworden sind, werden Eie sich, wohl oder Übel, daran gewöhnt haben! Berlin, 25. März. Dem Vernehmen nach ist von Seiten de« hiesigen Gemeinde. Vorstände« eine Commission gebildet worden , die über verschiedene Modifikationen tze« in der neuen Shnagoge bestehenden Cultn» berachschlagen foOT' Man sagt, daß der in No. 5. der „Gegenwart" enthaltene Auffatz „Der Freitag- Abend in der neuen Synagoge" nicht ohne Einfluß auf diese Ent. fchließung gewesen sei, und daß insbesondere auf die in jenem Aufsatze angedeuteten Mängel, beziehungsweise Wünsche wird ein. gegangen werden, insofern dieselbe» sich al« Ausdruck der öffent. lichen Meinung betrachten lasten. E« ist in dieser Beziehung auch von Intereste, die Ansicht, die unser Rabbiner in Bettest der Reform de- Cultn« hegt, kennen zu lernen. Herr vr. Aub sprach unlängst in einer Predigt über diesen Gegenstand. Anknüpfend an den vollendeten Bau der Stiftshütte nach dem Texte 2. Mose 39, 43 hob der Redner hervor, wie nut der äußere Bau seine Vollendung erhalten habe, der innere Bau der Gotte«vereh. rung kein vollendeter, sondeni ein bloßer Opfercultu« gewesen sei, der erst später im Tempel durch da- Hinzutreten de« Gesänge« und Gebete« mehr veredelt wurde. — Auch wir hätten eine vollendete, schöne Synagoge, aber noch nicht einen vollkommenen genügenden Gottesdienst, wenn derselbe auch manche Vorzüge besitze und keinem anderen in ttgend einer Synagoge nachstthe. Separirte RestgionSgesellschaften könnten nach der Rechten oder nach der Linken hin, ohne Rücksicht auf abweichende Ansichten ihren Gottesdienst gestalten: eine Gemeinde dürfe einen solchen Weg, der zu einer unheilbaren Spaltung führen würde, nie betteten. Wir wollten und müßten allerdings an der Vergeistigung und Veredlung unsere« Gottesdienste« fvrtarbeiten, aber man müffe mit E«ra Da« ist keine Attell für einen Tag »der für zwei sprechen: „Das ist keine Attell für einen Tag »der für zwei Tage." — Al« auf ein bdlehrendeUfBild wie» der Redner ans die beiden Cherubim hi», die na«h dem "Berichte der Bibel auf dem Deckel der Lade, in der man die Tafeln de« Gesetze« bewährle, angebracht warnt, und die, mit dem Gesicht einander zugewendet, ihre Fittig« schützend über die Lade ausbreitet em Der Talmnd erzählt, daß der eine Cherub rin Greifen-Antlitz, der andere da« eine« Kinde« gehabt habe. In dieser Darstellung liege die fiuubildliche Mahnnng für uns, daß zum Schutze der kehre bei der Einrichtung unsre« Cultu« da« Alter auf die Jugend, die Jugend auf da« Alter sehen oder Rücksicht nehmen müste. Solle die Jugend Erbauung finden, so dürfe ihr der Inhalt, wie die Sprache de« Gebete« uicht fremd oder gar abstoßend sein; solle da« Alter nicht au« dem Hause der Andacht verdrängt werden, so dürsten wir ihm nicht alle alten Erinnerungen und werthgewordenen Gebete rauben; daß Eltern und Kinder sich ttennen und an verschiedenen Stätten Erbauung suchen sollten, da« wäre zu beklagen.— C« möchten daher lieber die Eltern um ihrer Kinder willen nicht jeder Reform de« Gotte«dienste« sich widersetzeu; und andererseits die Kinder aus Achtung gegen die Ettern noch manche ihnen uicht zusagende Form sich gefallen lasten. So würde die Einigkeit und Innigkeit in der Familie gewahrt und die Verheißung, „zuzuwenden da« Herz der Väter den Kindern und da« Herz der Kinder den Vätern", erfützt werden. — E« scheint demnach, daß Herr vr. Aub prinzipiell für weitergehetide Reformen ist, wie sie durch die Differenz zwischen den überlieferten CultuSformen und dem religiöse^ Bewußtsein der Gegenwart erfordert werden, daß er aber Schonung für da« Bestehende für zweckniäßig oder für pflichtgemäß hält. * Dre-Iao, den 25. März. Heute wurde, zum ersten Male seit der Einführung de« Statut« vom 6. März 1856, eine „Hebersicht der VermögenS-Verwaltung der Synagogen-Gemeinde Breslau und der zu ihr gehörigen Stiftungen" ausgegeben. — Diese Uebersicht umfaßt den ganzen Zeitraum seit der Reorganisation der Verwaltung (1857) und gewährt somit ein ziemlich vollständiges Bild von der fortschreitenden Entwicklung der Mittel und Kräfte, wie von der AuSdehnug der naturgemäßen Bedürfnisse der Gemeinde, soweit die LebenSbethätigung der letzteren in den finanziellen Verhältniffen ihren Ausdruck findet. Der Abschluß de« Jahre« 1865 ist al« ein entschieden günssiger zu bezeichnen. Während der Etat mit 19665 Thlr. für Einnahme und AuSgab? abschloß, hat einerseits die etat-mäßige Ist-Einnahme (durch bettächtlichcn Steuerzugang u. s. w.) eine Summe von 23439 Thlr., also ein Plu« von 3774 Thlr., andrerseit« die Ausgabe ein Minus von ca. 900 Thlr. ergeben. Bon besonderem Interesse wird Ihren Lesern die Gemeinde- Bibliothek sein, da man ja auch in Berlin eine solche zu gründen beabsichtigt. Dieselbe wurde 1842 vom Lehr- und Lese-Verein gegründet, ist seit 1861 in da«» Eigenthum der Synagogen-Gemeinde übergegangen und wird durch eine besondere Bibliotheks- Commission in Gemeinschaft mit dem Comitö de« Lehr- und Lese- Verein« verwaltet. Die Synagogen-Gemeinde hat die Verpflichtung übernonimen, zm Vergrößerung und Unterhaltung der Bibliothek einen jährliche» Beitrag zu zahlen, der sich nach vorliegender Uebersicht auf die unbedeutende Summe von 90 Thlr. beläuft. Da« Depositalvermösten der Gemeinde in 53 Stiftungen beträgt ein Capital von 139289 Thlr., gegen 52163 Thlr. im Jahre 1856. brr. Leipzig. Im hiesigen „Germanistenklub" ist der Plan zur Herausgabe einer „Jüdisch.deutschen Bibliothek" aufge« IS»