Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 13 (29.3.1867)
- Date
- 1867-03-29
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Die OtgonoorL schöner, gütiger teerte, in den Sla»g ale»'d«sich $ HsaSstHrfftv, oder Juden heilig ist, unter der Firup ihre« gauß bffMderitt Wohlwollen», ihrer außerordentlich zarten Rücksichtnahme anzupreisen. Möchte e» nach solchen Erscheinungen doch beherzigt werden, datz unser Platz unter der Kahne der freiheitlichen Entwicklung ifl/iüch die Verbindung eine« Jude«' ntit dfn reaktionären Mächten auf irgend einem Gebiete ein Berrath ist, ein Herrath an sich selbst und an der Menschheit. Kttar Deutliche Freiheit. (Schluß »u S. 70.) Religiöse Polemik liegt mir fern; aber da» ist ja klare» Faktum, daß die Kirche, al» sie nicht leidende oder streitende, sondern herrschende war, daß die Hierarchie, al» sie durch Bannbullen Staaten und Throne umwarf und die Freilassung der Leibeigenen wohl hätte erzwingen können — daß sie da kein Wort für sie hatte. Wohl aber hatte sie selbst, nämlich die geistlichen Landesherrn, Klöster u. f. w., zahlreiche Leibeignen; ob diese sich einer bessern Behandlung erfreuten, al» bei den Laien, weiß ich nicht. Ja selbst die schändliche Verstümmlung, die, au» dem Atterthum überkommen, im mosaischen Gesetze selbst an Thieren verboten war, ist in Rom wie in Konstantinopel bi» in die neueste Zeit verübt worden. Aber auch Luther, der von evangelischer Freiheit geredet hatte, schrieb, al» die Bauern diese Freiheit für ihren Leib erzwingen wollten, „die Leibeigenschaft sei nicht wider den christlichen Glauben, und wer da» sage, der lüge; sondern es sei die Seele erlöst, wa» außerhalb ist, da» läßt Gott gehen, und fragt nicht so groß danach". Verzeihen wir dem Manne diesen Jrrthum; genug, e» ist ja endlich, trotz aller Verkennung, da» religiöse Princip: „Der Mensch ist im Ebenbilde Gotte« ge», schaffen. Einer soll nicht de« andern Sklave sein" durchgedrungen, — e« giebt in Europa keine Sklaven, bald auch keine Leibeignen mehr! Sie wissen, und ich mnß mich ausführlicherer Erzählung enthalte», wie erst der Grundsatz durchgeseht wurde, daß der Boden der europäischen Länder den Sklaven, der den Fuß auf ihn gesetzt hatte, befreie; wie dann die Sklaven in den Kolonien emancipirt und zugleich der Sklavenhandel aufgehoben und unterdrückt wurde. Der Name Wilberforce ist durch sein Wirken mit ewigem Ruhm bedeckt. Vergessen wir aber auch nicht, daß schon die ersten Pilgervätxr, Penn, Fox und Genossen, im Anschluß an Bibel-Wort und Geist, ihre Sklaven freigegeben hatten. Aber Amerika! Wie zuerst die armen Indianer, zu Sklaven gemacht, durch roheste Gewalt hingeopfert wurden, ist au« der Geschichte EolumbuS', Cotez'S, Pizarro'ö, allbekannt. Proselhtenmacherei gesellte sich hinzu, „weil e» leichter sei, Sklaven al» Freie zu bekehren". Wie nachher mißleitete» Erbarmen La« Easa» dahin gebracht, den Negerhandel anzurathen, ist ebenfalls bekannt, wenn auch nicht ganz richtig. Das ist aber nicht zu verkennen, daß die Sklaverei in den amerikanischen Staaten sich zu fluchwürdigster Gestalt entwickelt hat, weit hassenSwerther al» je im Alterthum, und e» zeigt sich die in der Geschichte öfter wiederkehrende Erscheinung, daß da» Unsittliche erst auf die Spitze steigen und sich überstürzm muß,'ehe e» erliegt. Jene Alten wußten e» nicht bester, waren von der Rechtmäßigkeit und Unanfechtbarkeit der Sache überzeugt, sahen darin, wie vorhin gesagt, eine Art Naturgesetz; diese amerikanischen Sklavenhalter aber — Heuchler, die Bibel in der Hand, Gotte» Wort im Munde, fromme, augenverdrehende Schurken! Jene hatten Freude an gebildeten Sklaven; diese verbieten bei Todesstrafe, die Sklaven lesen zu tMeit, ^achithie n^D ler«en,ß^aß sie Menschen seien; last» horche PfgAlk, dena» kchieHtlle ttef genug, für die Sklaven «ine Religion fabricireu und verkünden, wonach die Sklaverei ein göttliche» Institut ist, berufen sich auf Ham'» Verfluchung und dergleichen. Dazu die Lösung aller ^lyände de» Blitte« , tjesftr Entsittlichung —- « ist ja noch nicht so langt Hei) däß^e'Hle „Onkel Thom'» Hütte" gelesen haben. — Zu der HseligiönSheu« chelei und Bibrl-Sophistik gesellt sich dann die naturgeschichtliche WeiShett, wonach die Neger eine andere, eine durchaus untergeordnete, den Weißen in keiner Art ebenbürtige Race. --'Nn Bkurftrvmm har da»-a1kr» «tränkt werden müffm; ' edle Saft nie für eine edlere Sache geflossen, es war im wahrsten Sinne de» Worte» ein Befreiungskrieg. Wenn ich, meine Freunde, so lange bei der Sklavenftage verweilt habe, so ist die» au« mchreren Gründen geschehen. Zum ersten, well in keiner andern das biblische Princip klarer ausgesprochen, nirgends auch schnöder verletzt nnd verdreht worden ist, aber auch nirgend« sich fnrchtbarer gerächt hat. Zweitens, weil auch bei keiner andern klarer vorsiegt, daß die bewegende Idee der Gegenwart die uralte von Moses ausgesprochene ist. Charakteristisch ist. dabei, daß die Mißachtung de» schon neulich von mir cisirten Verbotes „du sollst den Sklaven, der zu dir fliehet, nicht an seinen Herrn ausliefern", den ganzen Krieg augesacht hat; o, wie viel Jammer wäre den Amerikanern erspart worden, wenn sie den alten Mose« hätten hören wollen! Endlich aber hat die Frage der Neger-Emancipation noch ein besondere« Jntereffe für Israeliten. Ist' e« nicht dasselbe Wort „Emancipation", um welche« in Betreff der Juden so lange gekämpft worden ist? Dasselbe Wort; auch dieselbe Sache; ganz offenbarlich sind e« dieselben Gründe, Sophismen, Ausflüchte, die dort gegen Neger und Farbige, hier gegen Juden vorgebracht worden sind. Nur die Farbe blieb hier aus dem Spiel; von „ftemder Race" war oft genug die Rede; das Sport hatte dann eine andere, nicht streng naturgeschichtliche, Bedeutung, darauf kommt eS vorurcheilSvoller Gesinnung nicht an. Hier wie dort hieß e«: dem Staate fremd, nicht kulturfähig, niedriger Gesinnung, feig, sklavisch gesinnt, durchaus nicht dem herrschenden Stamme gleichberechtigt, nicht fähig und willens, sich demselben zu assimiliren, social zurückgestoßen, dem „Volke" ein für allemal verhaßt u. s. w., bis auf daö körperliche Moment der Beingestaltung hinunter; Resultat, hier wie dort: nicht emancipation»- fähig! Wie die Juden diese Schlußfolgerung widerlegt haben, so — ich für meine Person schrecke vor der Znsammenstellung keinen Augenblick zurück — wird e« auch bald den Negern und Farbigen gelungen sein: sie werden zeigen, daß sie desselben Gottes und desselben Geiste« Kinder, dann wird da« Luggewebe in seiner ganzen Nichtswürdigkeit zerfetzt sein. Vorläufig haben sie sich im Kriege ebenso tapfer und fähig erwiesen, wie die Weißen — schon vorher hatte Europa einen schwarzen Künstler bewundert und von ein paar tüchtigen Neger-Gelehrten gehört. Wiederum die ftappante Parallele: zuerst haben sich einige einzelne Juden durch Geist und Wissen ausgezeichnet, so daß that« sächlich festgestellt wurde, sie seien als Race doch kulturfähig; dann erkämpfte sich die Masse auf den Schlachtfeldern der napoleonischen und der Befreiungskriege ihren Anspruch auf Emancipation. Die Amerikaner haben bereit« gelernt, daß es möglich fei, mit Farbigen zusammen in einem Omnibus zu sitzen, sie werden noch mehr lernen: auch daß jene fähig sind, Abgeordnete und Gesetzgeber zu sein. Meine Freunde, eS ist gar nicht so schwer, eine Prophezeihung auszusprechen, wenn man die Augen offen hält für „die Wege Gotte»", die Wege der Geschichte — ich