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Die Gegenwart · 1867-03-29 · 13 (29.3.1867) · p. Seite 97

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
13 (29.3.1867)
Date
1867-03-29
Page
Seite 97 (sequence 1)
Language
German
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VnRKIIIT I^BvCS idtctliit —-»»— A iWUWH)lw»imip W» L fihJJtJj tt. IV.< Berliuer Wscheaschrift für Jüdische Angclegechkkß^ _. _ _ Y&LL Frettag, den 29. Mir?. R«. 13. Erster Jahrgang. 1867. Mit -tr. 1/U. beginnt dazweite Quartal, wir er» suchen höflichst, da- Monnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der Zusendung keine Unterbrechung «folgt. Die Expedition. V',l ^II ■: * . .. . —— Inhalt: Qinc Lehre. — Ueber staatliche Freiheit. (Schluß.) — SarreaPau. »rlqrn: Berlin, vrellau, Leipzig, Karlsbad, St. Petersburg.-Maimo. nibt*. — JeaUleton:' Jordan und Jericho. — Venaifchte». — Biichrrtisch. --Userate. Eine,-ehre. Der verschwebende Genius de- Mittelalterhat un» dieser Tage einen Abschied-gruß zugewinkt. Zu zeigen, daß da« Grab der Zeit ihn noch nicht für ewig zugedeckt habe, raffte er sich auf, blickt un« in ohnmächtiger Wuth an, schüttelt sich grimmig, und ein Moderdust entsteigt seinem Leichentuch« — der „Kreuzzeitung". „Die Vorstände von 412 jüdischen Gemeinden beanspru- „chen die Aufhebung aller Specialgesetze in den Staaten de» Nord« „deutschen Bunde-, die noch der Verwirklichung der völligen bür „gerlichen und staatsbürgerlichen Gleichstellung der „Juden mit den Christen entgegenstehen. „Wir sind den Juden nicht feind, gehören auch „nicht zu denjenigen, die verächtlich über die Juden spre« „chen, während sie vor ihrem Gelde sich bücken. Im „Gegentheil, wir lieben sie, (!) weil da- Heil von den „Juden gekommen ist. Aber weil wir sie lieben, darum „halten wir ihre staatsbürgerliche Gleichstellung mit ,,den Christen für ein Unrecht, da« gerade ihnen zuge- .fügt würde. ' „Wir sind überzeugt, daß der Jude, welchem e« mit sei« „nem Glauben ernst ist, nur mit tiefer Ironie auf Christen blicken „kann, die ihm seine sogenannte Cmancipation in den Schooß „werfen. Ja, jeder gläubige Jude muß sie als ein Geschenk der „Anhänger de- „verhaßten Nazarener-" zurückweisen. Für ihn „ist die staatsbürgerliche Gleichstellung mit den Christen ein Zeug« „niß der Mißachtung seiner Religion von Seiten der Christen. „Und doch nehmen auch diese sie an? Solltenicht „da- Raisonnement, mit dem sie ihr Gewissen be« „schwichtigen, in dem Satze sich zuspitzen: So gering halt' „i«h euer Echriffeirthirm, daß Ichdk eG^kU.Vieda ra u- „hervorgegangen, nicht höher achte, als,Luft, Licht „und Brot, Güter, die bekanntlich aller Menschen Ei« „genthum sind ohne Rücksicht auf ihren Glauben!" „Wir find der Zuversicht, daß unter den christlichen Män« „nern Deutscher Nation noch so viel Anerkenntniß der Ehre ist, die „dem Herrn Jesu Christo gebührt, daß sie Anmuthungen, wie d ie „jener 412 und Gleichgesinnter, mit Nachdruck zurückweifrn werden. „Hat man sich auch über den Widerspruch weggesetzt, der darin „liegt, daß Söhne einer fremden Ration in Deuffchm Angelegenheiten mit rathen und thaten, — ja einer fremden „Nation, denn so lange Jemand Jude bleibt, wird er, ob auch '„in Deutschland geboren, ebeuso wenig .ein Deuffcher, al» ein ,-Türke oder Ungar, der zufällig in einer Deutschen Stadt ge« „boren wäre, dadurch ein Denffcher würde: — so achten wir doch, „esei unmöglich, daß christliche Männer, Glieder der heiligen „Kirche, seien sie Katholiken oder Protestanten, die letzte Schranke „sollten fallen lassen, die noch daran erinnert, daß die Juden „nicht eher Bürgerrecht im christlichen Hau-Halte empfangen können, albisie die Sünde Jahrtausende langer Verläugnung „der Ehre und Majestät de- König« Jesu« Christus im Bade der „heiligen Taufe abgrwaschen. Die Ehre Gotte-, unsere« Heilande-, da- Recht seiner Christenheit und die wahre Liebe „gegen die Juden fordert da-!" So die Berliner Kreuzzeitung vom Freitag den 22. März. * Wir find nicht gesonnen, unin eine Polemik mit den Schreibern degenannten Blatteeinzulaffen, in eine Polemik, die unstuchtbarer wäre, als die Wüste Sahara. Denn wahrlich, so schreibt nur Einer, der bettelarm an jeder Art von Glauben und Religion ist. Leute dieser Art sind keiner überzeugenden Rede zugänglich; auf ernste, redliche Worte, auf eine Appellation an Wahrheit, an Gerechtigkeit antworten sie, wie die Freier der Penelope, mit — Heiterkeit. Esind Menschen, die den Glauben an einen Popanz verlieren mußten, ohne dafür den beffern Glauben, den Glauben an Ideen gewonnen zu haben. Heute schmähen sie, wasie morgen in den Himmel heben, sie verkaufen ihr Ja und ihr Rein, je nachdem dieses oder jenein der Hausse ist. CS wäre darum thöricht, sich in einen Gedankenaustausch mit dieser Gedankenarmuth einzulaffen, oder mit der Forderung der einfachen Menschenliebe an Herzen heranzutreten, die so ttostlo« bankerott sind. Wir könnten an sie hinreden, wie an eine Wand und ihre einzige Antwort wäre: schallende Heiterkeit. Darum uur unser tiefe-, aufrichtige« Mitleid für die Apostate« der Humanität, die für die Reaktton schreiben, aber keine sachliche Entgegnung! Dagegen wir für un«, wir könnten etwa- Große« auder Kreuzzeitong lernen. Wir können daraus lernen, daß ein Jude, ein Bekenner der Freiheit und Gleichheit der Menschen, einer, der da« Reich Gotte« , wo Alle Brüderflgd^ fördern^ soll,- k et» gemeinsame« Ziel verfolgt und darum leine principielle Gemeinschaft de« Partei-StrebenS haben kann mit solchen Leuten. Dtnn nicht bloS Freiheit und Gleichheit, sondern jeder wahre Wort ist ihnen ein Gegenstand frivolen Spotte«, ein willkommener Anlaß, da« Gift mittelalterlichen Wahnwitze« aufzuttschen, und menschenfeindliche Gesinnungen, heuchlerisch verhüllt in den Syrup lichter, i»

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