Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 12 (22.3.1867)
- Date
- 1867-03-22
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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SStrtaft Sochaischiift ftk Ilwtzche Lugelegm-atea. SS tato* I. gilt, welchen er, da er noch Consol Booaparte hieß, an den Astronomen Oriani in Mailand schrieb: ״Alle Minner von Genie, alle Diejenigen, welche einen au-grzeichneteu Rang in der Gelchrtenrrpublik sich erworben haben, sind Franzosen, in welchem Lande sie auch geboren sein mögen": so zieht un* noch ein nähere* Verhältniß zu dem großen Gelehrten, dessen zu früher Tod nicht blo* da* Institut, deffen Mitglied, nicht blo* da* Eolleg, an dem er mit so vielem Geiste und mit so umfassendem Wissen Lehrer war, bedauern, sondern dessen Verlust weit über die Grenzen seine* Wirkungskreise* gefühlt werden wird. Salomon Munk ist geboren zu Glogau am 16. Mai 180S — 14. Jjar 5662, — Der Vater, Liepmann Mnnk, war Gemeindebeamter, נאסן, und ein talmudisch-gelehrter Mann; in dürftigen Verhältnissen lebend vermochte er den Sohn mehr mit seinem hebräischen Wissen, als mit seinen Geldmitteln zu unterstützen. Seinen ersten Unterricht in den Elementarkennt, nisten, im Französischen und Hebräischen erhielt Salomon Munk bei einem seiner Zeit tüchtigen Lehrer, dem sogenannten Maitte Aron und bei dem RabbinatSassessor Manne* Lisser; im Lateinischen und Griechischen, wohl auch in andern Fächern unter« richtete ihn sein Altersgenosse Joseph Lehfeldt (später Buch. Händler in Berlin), und Lilienhain (nachher Arzt in Glogau). um feine talmudischen Studien fortzusetzen begab er sich nach Berlin*) und besuchte da* Gymnasium zum grauen Kloster, fpäter die Universität in Berlin. — Durch feinen Fleiß und seine hervorragende wissenschaftliche Befähigung zog er die Aufmerk, samkeit de* Professors Carl Ritter aus sich, der ihn wieder dem Dichter Michael Beer empfahl, durch dessen Unterstützung e* ihm auch ermöglicht wurde, die Universität München zu be« suchen, von wo er nach zwei Jahren behufs Studium einiger Ma. uuscripte nach Oxford ging. — Weil sich ihm ohne Aufgeben sei« ne* Glauben in seinem Daterlande keine Aussicht auf irgend eine Laufbahn im Gebiete seines Wissens eröffnete, begab er sich (1828) nach Pari* und setzte daselbst seine Studiey, namentlich im Arabischen und Sanskrit unter Sylvester de Sach, Bärnauf, Ta« musat und. Ouatremdre fort. Im Jahre 1833 schrieb er sein erste« Werk: ״Ueber den Kultus der alten Hebräer"; von 1832 bi« 36 lenkte er die Aufmerksamkeit der Gelehrten durch mannig. fache philosophische Abhandlungen auf sich; 1848 entzifferte er eine in Marseille aufgefundene phönizisthe Jnschrsst; 1650 wurde sein Werk über einige hebräische Grammatss^veS 10. und 11. Jahrhundertvon der Akademie gekrönt utid erhielt den Preis Bolney; 1856 entzifferte er die phönizische Inschrift auf dem Sarcophage Eschmun-Ezer, König« von Sidon (im Louvre-Musrum). Damals schon erblindet, ließ sich Munk die Gestalt jede* Zeichens, jede« Buchstaben«, jede* Zuge« erklären und übersetzt« diese für die Geschichte so höchst werthvollen Inschriften. Bevor wir über auf da* Hauptwerk seiner Studien und Forschungen, Hen More Nebu chim, übergehen, müssen wir noch seine« höchst werthvollen Werke* über ״Palästina" in geographischer, histori« scher und archäologischer Beziehung erwähnen und auf die wich, tige Entdeckung Munk* Hinweisen, daß der so lange verkannte Philosoph Avicebron der berühmte Salomo ben Gabirol sei, dessen Werk: Mekor Chajim mehr bekannt war, als sein *) ״Aber nicht zu Fuße", wie Pr»f. >. Frank m Part» am Grabe Munk'« e* au«sprach. Denn Mnnk wurde, al« er von Glogau nach Berlin ging, Anfang» von wohlhabenden und wohlwollenden Lerwandtm und Freunden unterstütz!.. In Berlin selbst wie« Munk au« edlem Streben selbst jede Unterstützung zurück und erhickt sich bei seinen Studien durch Srtheilen von Privatunterricht und selbst die zeitweilige Unterstützung, die chm seine dürftige Mutter von Glogau au« bieten wollte, lehnte er welmüthig ab. Verfasser. Endlich erschien 1856 der erste Band de* Morr Nebuchim arabisch mit französischer Uebersetzung und Amerkuu« gen; 1861 folgte der zweite Bard und i» Juli 1866 der dritte und letzte Band. Wie Maimonid e* al* Verfasser, so hat sich Munk al* Uebersrtzer und Erllärer de- More Nebuchim einen unsterblichen Ruhm erworben. Aber beide glichen sich auch im Edelsinn de» Charakter*. Munk war eine durch und durch edle Natur; ihn erfüllte die innigste Liebe für die Menschen und für seinen Glauben. — Seine Reise nach Dama-ku* in Begleitung de* Mose* Montefkore und Adolf Eremieux im Jahre 1840 zur Abwendung der Gefahr, welche die Juden in Folge schändlicher Verleumdung bedrohte und die Rettung und Ehren« rettung der grausam Verfolgten sei hier nur berührt, da sie in der Geschichte der Juden fortlebt. — Die Ehren, welche Munk genoß, die ruhmvolle Stellung, die er sich durch seine KeunMiffe erwarb, erhöhten nur seine Liebenswürdigkeit und ungeheuchelte Bescheidenheit und die Liebe zu seinen deutschen Landsleuten lebte in einer fortwährenden Sehnsucht fort, seine Vaterstadt noch ein. mal besuchen zu können, an die er mit rührender Kindlichkeit dachte. Die Ausführung dieses seine» Wunsches war ihm nicht vergönnt. — Am Abend de« 5. Februar fand noch eine Bespre« chung eine* EomitS* über Aultusangelegenheiten in seiner Woh« nung' statt; kurze Zeit nachher traf ihn ein Schlaganfall, der ge» gen Morgen de« 6. Februar seinem Leben ein Ende machte. — Sein Name, wie sein Wirken wird, wie seine Werke, un. vergänglich bleiben. In ihm hat fich da* Wort unsrer Alten voll« kommen bewährt: .הזהה (ור.תבכדו) ככני עניים שמהם חצא חנרה Sit ei terra levis! A . . n. Aaalekta. Der Talmud (Berachoth 5 E. 6) vergleicht die GotteSfürch« tigen mit der Melone, ohne daß ein tertinm corapärationis an. gegeben wird. Rabbenu Nissim, einer der hervorragenden Gelehrten, die etwa um da* Jahr 1000 das talmudische Studium an der Nord, küste Afrika« und im arabischen Spanien neu belebten, gab, von seinen Schülern, — zu welchen - auch der berühmte Gabirol ge« hörte — darüber befragt (Mafteach 25), folgende treffliche Erklärung: ״Die Melone ist die größte unter den Früchten, den. noch erhebt sie sich nicht über den Boden, sondern beugt sich desto tiefer herab, je mehr sie an Fülle und Reife zunimmt; ebenso machen Ehre und Auszeichnung den Verdienstvollen nur noch be« scheidener und dehmüthiger. ״Die volle Aehre senkt da« Haupt" lautet da* bezügliche deutsche Sprüchwort. Unter einem ähnlichen Bilde wird (Aboth d'Rabbi Nathan c. 40 und Tractat Callah eä. Coronel 13a.) gefügige« Wesen anempfohlen: ״Der Mensch sei nachgiebig wie da* Rohr und nicht unbeugsam wie die Ceder; bricht ein Sturm au*, so biegt sich da* Rohr und derselbe zieht, ohne Schaber, anzurichten über dessen Haupt hin, während die stolze Ceder von ihm zeschmettert wird. Deshalb, wird in sinniger Weise hinzugefügt, findet da* be« scheidene Rohr im Dienste der Bildung und Wissenschaft al* Schreibmaterial seine Verwendung, wogegen die hochragende Ce« der e* fich gefallen muß, daß ihr Holz für da* Gebälk der Häu. ser mit Axt und Hobel bearbeitet wird und dessen Abfälle gar in'* Feuer wandern. Noch ein dritte*, dem ersten nahverwandte*, nur die andere