Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-03-15 · 11 (15.3.1867) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
11 (15.3.1867)
Date
1867-03-15
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434132--110-4889985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Berliner Wochenschrift fit Jidische Angelegenheiten. 83 r gesetzten Gulachtm«, da«, wie wir hören, Herr Rabb. Dr. Aub gegeben, kennen zu lernen. <#* <3o«1at, 8. März. Die Synagogeu-Temeinde zu f GoSlar hat ihre Zustimmung zu der im Circular de« Ausschusses der Shnagogengemeinde Hannover vom Januar d. I. beabsichtigten Gesammtpetition an ein königliche« Staat-ministerium in Berlin, eventuell an Se. M. den König selbst, wegen Aofrechthaltung der Eigenthümlichkeiten der Joden im vormaligen Königreiche Hannover, nicht nur gänzlich abgelehnt, soiidern auch beschlossen, fall« jene Petition abgesandt werden würde, eine Petition im entgegengesetzten Sione abzusenden (Zukunft.) P. Prag, 3. März. Gestern führte die PinkaSsynagogen« gemeinde chren neuerwählten Prediger I)r. Hoff au« Neutra in sein Amt ein. Derselbe begann seine AmtSchätigkeit mit der üblichen „Antrittsrede", au« der wir blo« hervorheben wollen, daß Herr l)r. Hoff sich entschieden al« der streng orthodoxen Richtung angehörig bekannte. Wir haben bisher keinen Grund, in die Aufrichtigkeit.feine« Bekenntnisses nur irgendwie den leisesten Zweifel zu setzen, glauben aber, daß er überhaupt im öffentlichen Gemeindeleben nur wenig Gelegenheit zur Bcthätigung seines Programme« haben werde. Denn sicherem Pernehmen zufolge leitet die hiesige Repräsentanz bereit« die geeigneten Schritte ein, daß den Predigern der einzelnen Synagogengemeinden die Führung de« Titel« „Rabbiner", wie die Ausübung der Funktionen als solcher nicht gestattet werde, weil sonst der einheitliche Organismus der Gemeinde, der ohnehin bereits arg genug zerrüttet ist, noch mehr gefährdet werden würde. Namentlich soll den Predigern der einzelnen Synagogengemeinden weder die Ausübung der Trauungsfunctionen ohne Ermächtigung de« Oberrabbinateö oder irgend eine Entscheidung in rituellen Sachen zustehen. ES ist in der That sehr zu bedauern, daß in der Prager Gemeinde so wenig Centralisation herrscht, die Kräfte vielmehr so zerfahren und zersplittert sind, wie dies kaum in einer zweiten Gemeinde Oesterreichs der Fall fein dürste. Davon komint eö eben, daß sie keine feste, ausgesprochene Richtung hat und weder süß noch sauer ist. ES ist übrigens jetzt keineswegs an der Zeit, hiervon weiter zu sprechen, und so lassen Sie nnö denn, bevor wir schließen, einen eigenthümlichen, aber immerhin bedeutungsvollen Akt der Toleranz mittheilen. Als es nämlich der hiesigen evangelischen Augsburger Kirche bekannt geworden, der Tempel werde umgcbaut werden, richtete der Kirchmvorstand an den Tempelvorstand ein sehr verbindliche« Schreiben, in welchem er letzterem bis zur vollständigen Restaurirung des Tempelgebäudes die Räume der evangelischen Kirche zur ungestörten Abhaltung des jüdischen Gottesdienste« zu Gebote, stellt. Der Tempelvorstand hat natürlich mit vielem Danke diese« freundliche Anerbieten abgelehnt, und zwar au» dem Grunde, daß er bereits Berfügungeu getroffen habe, die frühere Wohnung des Predigers zu einem JnterimS-Betlokale adaptiren zu lassen. Dasselbe wurde auch gesteni durch Herrn Prof. Kämpf feierlich eingeweiht. (Neuzeit.) * Pari«, 4. März. Dem vor kurzer Zeit erschienenen Rechenschaftsberichte der Alliance israelite für da« Jahr 1866 entnehmen wir im Nachfolgenden die wichtigsten Thatsachen. Die Mitgliederzahl de« LereinS, so wie die Bildung von Localcomitös ist im Wachsen. Sie beträgt gegenwärtig 4610, von denen Frankreich 1553, Deutschland 12, Preußen 94, Oesterreich 164, England 29, Belgien 4, Spanien 2, Griechenland 110, Jtalieu 433, die Niederlande 143, Rußland 12, die Donaufürstenthümer 302, die Türkei 678, die Schweiz 80, die skandinavischen Länder 248, Egypten 11, Amerika 534 zöhlt. „Madie politischen Verhältnisse betrifft, so lagen sie am schlimmsten in Persien, und bei aller Anstrengung durch die europäischen Diplomatm in diesem Lande hörten die allgemeine barbarische Be- Handlung und die speciellen Grausamkeiten nicht auf, obgleich die Alliance durch die französische Gesandtschaft vom Schach selbst die Zusicherung größerer Gerechtigkeit erhielt. Hingegen ist die Lage der Juden in der Türkei Hqnz vortrefflich, und wo irgend ein Unrecht gegen sie vorfällt, beeilt sich die Regierung de« Sultan«, e« zu beseitigen. In Marcckko wachm die Bertreter der europäischen Staaten über die Guben mit einer rühmen-werthen Aufmerksamkeit. Die tunesische Regierung, welche der Reklamationen der französischen und englischen Regierungen müde ward, unterdrückie da« Localcomitü der Alliance.' Daß die Bemühungen de« Präsidenten Crömieux in den Donaufürstenthümern leider ganz erfolglos Ware», ist bekannt. Man hat der Alliance vorgeschlagen, die AuSwauderung der Juden au« den Ländern zu befördern, wo sie unterdrückt sind. Da« ist aber ein Mittel, da« unausführbar ist. Man kennt die Bestrebung der Alliance, Schulen im Oriente zu gründen. Wo die Gemeinden selbst Mittel zusammenschikßen, giebt die Alliance beträchtliche Unterstützung und sucht Lehrer hinzuschicken. Am blüheudsie» sind sie in den 3 Städten Tanger, Tetua» und Magador in Marokko. In Tanger wird die Schule von den Residenten sämmtlicher europäischen Staateü mspizirt und zählt 430 Schüler. .Auch die christliche. Bevölkerung wünscht de» Zutritt zu dieser Schule und sie hat jetzt 30 Schüler von anderen Kulten, unter denen einige unent« geldlich. In Konstantinopel hatte Herr Albert Cohn eine Schule gegründet, die ein stürmisches Geschick erfuhr; siegst jetzt von Neuem gegründet. In Polo, einer kleinen Gemeinde von Thessalien, blüht die Schule. In Salonichi konnte sie nur von den Gaben der Begüterten erhalten werden. In Bagdad siecht die Schule, hat nur wenige Schüler und gegenwärtig keinen Lehrer; die in Damaskus ist eingegangen. „Alle, Schulen, welche früher oder später je nach dem Zunehmen unserer Mittel entstehen werden, brauchen Lehrer. Bis jetzt nehmen wir sie aus unserer Mitte; wir denken daran,, sie auö unseren Schulen zu nehmen. DaS Centralkomitö in Konstantinopel, der Direktor der Schule in Tetuan haben un« vorgeschlagen, einige begabte junge Leute nach Frankreich zu schicken, damit sie ihre Stuvien dort vollenden. Einige Jahre, die sie in unserer Mitte verlebt, sind einige nothwendige Lorbereituug zur Leitung der Schulen. Ju einer civilisirten Umgebung können sie am besten die Civilisatiou verstehen lernen, von der ihnen die Bücher sprechen, und fähig werden, sie im Orient zu verbreiten.- Der Porschlag ist der Prüfung unseres Unterkcmil^ü der Schulen unterlegt worden." - Der Sekrelair schließt seinen Bericht mit dem, wa« zur Unterstützung der Wissenschaft und der Gelehrten geschehen sei. Die Gesellschaft hat bis jetzt nur einen Preis für ein moralische« Werk und zwei anderen eine Unterstützung gewährt. Die durch Herrn Albert Cohn gegründete Stiftung zur Unterstützung von Gelehrten hat zweien, den Herren Goldberg und LetleriS, eine solche verliehen.^ Die finanzielle Gebahrung der Alliance ist blühend. Pom 15. Wai 1865 bis zum 30. September 1866 beliefen sich die Einnahmen auf 50,605 Fr«., dle Ausgaben auf 33,77? Fr«. Bon diese» kostete da« Bureau freilich 9,825 Fr«., die Porti« und Versendungen 3311 Fr«., die Drucksachen 2883 Fr«. Der Urberschuß belief sich also auf 16,828 Fr«. Da« Kapital de« Vereins belief sich auf 44,292 Fr«. n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.