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Die Gegenwart · 1867-03-08 · 10 (8.3.1867) · p. Seite 76

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
10 (8.3.1867)
Date
1867-03-08
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Die Segemoart. schickt worden. Dem vier Bogen starken Aktenstück .sind iy ge« drängter Kürz« die folgenden Daten zu entnehmen: Da- Budget für da» Jahr 1867 zerfällt in zwei Theile: Der erste Theil umfaßt den Bedarf in 6 Abschnitten, welche zusammen 172 Posten enthalten. Die Abschnitte beziehen sich auf: Kuktu», Schulen, Wohlthätigkeit, Allgem. Gemeinde-Verwaltung, Zinsen-Bedarf und Passiven-Depurirung. Die Hauptsumme de» Bedarfs beziffert sich auf 95,727 fl. 89 kr. — Der zweite Theil umfaßt die Bedeckung in 4 Abschnitten, welche zusammen 34 Posten enthalten. Die Abschnitte beziehen sich auf: Aultu», Schulen, Wohlthätigkeit und allgemeine Einnahmen. Die Haupt« summe der Bedeckung beziffert sich auf 4l, 168 fl. 66 kr. und efehlt somit zur Bedeckung de» Bedarfes^der Betrag von 54.559 fl. 23 kr. Wir lassen nunmehr eitriges au» dem Generalberichte folgen: „Wenn wir die diversen. Einnahmen mit 41,168 fl. 66 kr. annehmen, so fehlt noch zur Bedeckung de» Gesammtbedarfe» von 95,727 fl. 89 kr. der Betrag von 54,559 fl. 23 kr., der durch den Kultus-Beitrag hereingebracht werden soll, und wozu um so mehr Hoffnung vorhanden ist, da die Fassionen mit Ende Dezember schon 50,000 fl. überschritten haben. Wohl kann nicht auf den vollitänvigen Eingang gerechnet werden, e» bleibt immer ein guter Theil als Rückstand zurück, auch ist e» nicht zu umgehen im Verlauf de» Jahres bei genauer Ermittlung der Verhältnisse — Relaxate zu bewilligen; — doch dürfte sich dieser Abgang wieder mit den Erhöhungen in den neuen Fassionen, und durch neu hinzukommende Eontribuenten auSgleichen. „Ferner kann die erfreuliche Wahrnehmung mitgetheilt werde», daß der WohlthätigkeitSfinn in unserer Gemeinde sich immer glänzender entfaltet, und daß viele Gemeinde-Mitglieder bei freudigen und traurigen Anlässen, au» freiwilligem Antriebe die Wohl« thätigkcitS-Anstalten uiisercr Gemeinde, »anientlich daS Spital, die Arinenunterstützung und die Waisenunterhaltnng mit namhaften Spende» hochherzig bedenken. E» ist die» auch zugleich ein Beweis des achtbaren Vertrauens zur geregelten und ordentlichen Verwaltung und Verwendung des Gemeinde-Vermögen« und eine Bürgschaft, daß unsere schön und musterhaft eingerichteten Gemeinde-Anstalten sich stet« der warmen Theilnahme erfreuen, und i» ihrer segensreichen Wirksamkeit prosperirend erhalte» werden. Wir habe» inmitten einer verhängnißvollen Zeit, der allgemeinen Ealamität und Roth nach besten Kräften abznhelfen gestreht. Wir haben de» religiösen Bedürfniffen Genüge geleistet. Durch den vorhabenden Schulbau wird ein mächtiger Fortschritt in der Erziehung unserer Jugend bewirkt; wir haben auch unser Augenmerk auf die Förderung der Volkserziehung gerichtet, indem wir es nicht unterließen, die armen Hörer an der hierortigen iSaligelitischen Präparandic kräftigst zu unterstützen, und auch andere israelitische Gemeinde-Vorstände hierzu aufzumuntern. Durch JnSlebenrufen des FrauenvereinS, — durch Aufmunterung zu ansehnliche» Spenden für da« Zustandekommen eine» Waisenhauses, ist der Kreis der Wohlthätigkeit in unserer Gemeinde bedeutend erweitert worden. — In dem Bestreben, den Krei« der KultuS- BeitragSleistcnden zu erweitern, ist sehr viel geschehen, und die Rücksicht auf einen sparsamen Haushalt und die sttengste Controlle gehandhabt worden. Im Schooße des Ausschusses und aller Sektionen waltet fortan der Ton bester Harmonie. In der Gemeinde, waltet bei allen verschiedenell BethauS-Parteien vollkommene Zuftiedenhejl und Beftiedigung vor, — nach Außen steht die Gemeinde in Ansehen und Achtung,^ und hat sie auch von hohen LandeStheilen belobende Anerkennungsschreiben eingeerntet." — Heute stellten sich unsere Gemeindevorsteher dem neuen ungarischen Minister Bar. Jos. v. Etve» vor; derselbe hatte sie be^ sonder» freundllch empfangen, und ihnen jede Mitwirkung zur ^Verbesserung ihre» Schul- und KultuSweseu» zugesagt. Wir können von diesem ausgezeichneten und liberalen StaatSmanne nur da» Beste erwarten, und hoffen auch, daß er alle die frühem Lücken ausfüllen wird. Bar. Etve» hat vor mehreren Jahren selbst eine Schrift für die vollständige Emancipation der Juden veröffentlicht. ft. Cinrianati» 5. Februar (Privatmitth.) DaS ainerikanische Jndenthum wird in Europa, besonder» von de» Journalisten, gründlich vernachlässigt und radkcal mißverstanden. Während.wir hier die europäischen Blätter lesen, durch Auszüge aus denselben den Leser vollständig mit allen Ereigniffen der allen Welt bekannt machen, erfährt mau au» europäischen Blättern kaum die Existenz der amerikanisch-jüdischen Presse, so daß di« Leser dort von Amerika so gut wie nichts wiffen. DaS amerikanische Judenthum ist ein junger Riese, dem in diesem Jahrhundert, noch Große» zu leisten bestimmt ist. Jetzt bauen wir auch: Tempel, Spitäler, Witwen- und Waisen-Häuser u. s. w., wir sind a^uch daran. Schulen zu gründen und Kräfte zu requiriren und zu erziehen. In 20 Jahren werden die Früchte dieser Arbeit al« Thaten vor der Welt stehen. Wir |6en jetzt schon einen bedeutenden Einfluß aus auf den Fortschritt her religiösen Idee im Allgemeinen, und die liberale» christlichen Sekten fühlen sich heute schon uns näher als dem orthodoxen Ehristenthume. Unsere Zukunft ist eine große und von welthistorischer Bedeutung. Dt^s Breslauer Seminar und seine Parteilichkeit. Von einem Ausländer. Seit Jahren lebe ich fern v'on den Wirren und Wehen unserer deutschen! Gemeinden. Ich bedauere es von Herzen, daß die Partheien sich immer schroffer einander gegenüberstellen und sich zerklüften, daß unsere bedeutendsten Städte Rabbiner und Gegenrabbiuer aufstellen, und so, statt mit vereinten Kräften zum guten Ziele hinzuwirken, dieselben zertheilcn und zersplittern. Voll Zuversicht auf den Sieg der Wahrheit, welche diese Verirrungen wohl aufhalten, aber nicht abwenden können, habe ich mich au» dem Nebel dieser praktischen Zänkereien in die Licht« regionen der heitern Wissenschaft geflüchtet, ich bete bei Hirsch pnd Lehmann, wie bei Geiger und Kahn, wenn der Sabbat mich in'S Gotteshaus ruft, und kehre alSdann in mein Studierstübchen zurück wo Frankel, Grätz, BernahS, Zuckermann und so viele andere mit Jost, Geiger, Herzfeld, Löw und Genossen sich ruhig vertragen. Freilich, ich darf eS nicht leugnen, manchmal wandelt mich ein gewiffeS Bangen an! Wie, wenn diese Bücher und Zeitschriften sich belebten, wenn die „Vorstudien" und die „altpalästimusische Exegese" zu gleicher Zeit mit der „Urschrift" die ganz gelassen neben einander auf dem Bücherbrette sich auSruhen, plötzlich vom Odem des Herrn angcweht, Wort und Laut gewännen wenn die „Monatsschrift" und „wiffenschaftliche Zeitschrift" laut aufschrieen und einander inü Gesicht sagten, was ich in der Stille meines Kabinette» lese! Welcher Lärm, welche Donnerstimmen würden mich nmbrausen! Wäre ich stark genug die Herren auSeinanderzuhaltrn, damit sie sich nicht an den Haaren packten! Und meine armen Möbel I — Doch nein, sie schweigen, da» ist ja allebloße Einbildung, die Bücher halten sich ja ruhig, und sie drücken sich fest an die Wände. Sobald ich meine lieben Bände einttächtig neben einander i

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