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Die Gegenwart · 1867-03-08 · 10 (8.3.1867) · p. Seite 75

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
10 (8.3.1867)
Date
1867-03-08
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift fltr Jüdische Angelegenheiten. 75 den letztverflpssenen Jahre 709, in Gumma also die ganzen 65 Jahre nach jüdischem Aalender 23,743 Lage. Die letzteren zäh« len also 2 Tage mehr, al» die gleichzeitigen Sonnenjahre, und da da» jüngste Reujahr auf den 10. September, so fiel daflrlbe anno 5562 (1802) auf den 8. September. — Indem nun letztere» Jahr da» Kwioth Chatte, so war der Neumond de» Marcheschwan am 8. Oktober, der de- Ehirlev am 6. November, de» Tebeth am 6. December, de» 1. Adar am 3. Februar, de« 2. Adar am 5. März, de- Nisan am 3. April und endlich de» Jjar am 3. Mai, ergo dessen 14. am 16. Mai. vr. M. Stern. Göttingen, 24. Februar. (A. d. „Zukunft".) Hannoversche Zeitungen theilen mit, daß die Vorsteher der jüdischen Gemeinde in der Stadt Hannover alle Shnagogengemeinden de» vormaligen Königreich» Hannover anfgefordert haben/ in einer Gesammtpetition nach Berlin zu beantragen, daß „1. die ver« fassung-mäßige Gleichberechtigung der hannoverschen Juden in allen ihren Consequenzen erhalten bleibe und faktisch durchgeführt werde." — Statt da» nun al» alleinige Forderung hinzustellen und alle anderen mehr oder weniger wünschen-werthen Dinge ' unter diese allgemeine Rubrik zu stellen, folgen noch sieben andere Punkte, die alle darauf hinauSgehrn, daß alte Einrichtungen ge,, wahrt bleiben. Jndeß hoffen wir zu der Einsicht der übrigen Gemeinden de» Sande», daß sie die Wünsche de» Herrn Ober, landrabbiner» in Hannover nicht für sich albindend anerkennen werden. Wozu ftagen wir, soll, wie e» hier Nr. 3u. 5 geschieht, die staatliche Hülfe angerufen werde» für die innere Organisation de» Synagogen« und Schulwesen»? Wozu darauf hingewiesen werden, daß wir den Eid mors judaico nicht mehr haben wollen? Wenn e» noch einen Pnnkt gicbt, der neben dem ad 1 erwähnten wichtig genug wäre, in einer Petition an die Staat», regierung hervorgehoben zu werden, so wäre eü der, zik zeigen, wie wünschen-werth e» sein möchte, daß die Herrschaft de» Ober, landrabbiner» aufhöre, ein Institut, da» in Preußen glücklicherweise nicht mehr besteht. Daß aber überhaupt jüdische Gemeindevorstände für ihre inneren Angelegenheiten noch immer um Staatshülfe betteln, ist ein traurige» Zeichen. °- * Wien, den 28. Februar. Der Berliner Revue wurde vor einigen Jahren von hier au» unter frommen Stoßseufzern die Enthüllung gemacht, „daß in Oesterreich die Ordnung Gotte» gründlicher gestört sei, al» irgendwo." Ihre Leser wissen, was in . der Sprache der Reaktions-Philosophie „Ordnung-Gotte»" bedeutet. Dumm soll da» Volk sein, al» Folie für die wissen« den, lachend sich grüßenden Auguren; gemein soll eö sein, auf daß - ein Unterschied sei zwischen ihm und den Edel», den „an Tugend und an Ehren Reichen;" dienen soll e», gehorchen, tragen und höchsten» zur Abwechslung, wenn e» die „Ordnung Gottes" mit sich bringt, sich selbst zerfleischen. Da» ist ihre „Ordnung Gotre»". — Mit freudigem" Staunen sehe ich, wie begründet die Klage jene» Ehrwürdigen war: Der Sin» für Vernunft und Freiheit wird in Oesterreich von Tag zu Tag reger und mächti« ger, und jeder Versuch der Gewaltträger, ihn zu hemmen, erweist sich bald al» ein vergeblicher, und vergeht unter dem Fluche der Lächerlichkeit. . Einen neuen Beweis für diese» Gesetz liefert die Aufnahme, die die Bestimmungen de» projektirten neuen Heergesetze«, bettefsend angehende jüdische Theologen, gefunden haben. E» sollten nämlich anfangs nur, .wie Ihnen berichtet worden, die Preßburger Talmudjüuger von der Pflicht de» Kriegsdienste» eximirt werden, und schon damals machte sich eine sehr freimüthige, ungenirte Op- Position gegen eine derartige Privilegirung geltend. Nunmehr hat aber die Regierung sämmtliche 36 sogenannte Rabbinerschulen (die Aesthettk verbietet zu sagen, wa» diese Jnstttttte der Mehrzahl nach in Wirklichkeit sind) mit dem erwähnten Privilegium ausgestattet und somit einigen Dutzend Rebdi'» die Macht gegeben, wen sie »ollen, der Fahne zu entziehen, indem sie ihn den Ihrigen nennen. Da» war dem Oesterreicher doch enva» zu viel. War schon die Gründung besagter 36 Restauration».-«, binette eine Verletzung der freideukenden Juden Oesterreich», so wurden durch den neuen Gesetz »».Entwurf diese Anstalten geradezu monopolisirt. In der That erhob sich gegen die angedrohte Recht-Ungleichheit bei allen Juden im Reiche ein solcher Sturm von Unwillen und Protesten, daß der fragliche Gegenstand schon seit einigen WöchKi nicht von der Tage-ordnung verschwunden ist und.jetzt sogar in weitere Kreise dringt. So schreibt man z. B. dem „F. I." au» Preßburg: „SechSunddreißig BerdummungS-Anstalten für eine Bevölkerung von 420,000 Köpfen sind gewiß nicht zu viel, wenn sie rasch und mit Erfolg wirken sollen, und um so weniger, wenn e» sich darum handelt, in der heranzubildenden Jugend eine mächtige Partei zu gewinnen, die sich zum Gegendruck^gegen die Bestrebungen de» Volk» gebrauchen läßt — und dennoch herrscht unter der jüdischen Bevölkerung Ungarn» große Aufregung darüber, daß ded Fort« schrittsmännern die Errichtung eine» Rabbinerseminar» zur Heranbildung von Rabbinern, welche durch Wissen und Narr Auf« fassung ihrer Aufgabe den Anforderungen der Zeit entsprechen, nicht gestattet und den Organen jüdischer Interessen bei Strafe der Sistirung untersagt wurde, noch ferner in dieser bereit» al» erledigt zu bettachtenden Angelegenheit ein Wort zu erwähnen, während für die orthodoxen Juden sechöunddreißig Rabbiner, schulen errichtet wurden, deren Zöglingen der Besuch einer dent« schen oder ungarischen Schule ausdrücklich verboten und nicht einmal da» Selbststudium der deutschen oder ungarischen Sprache gestattet ist. Ich cittre kein Dokument au» dem Mittelalter. Da« k. In« timat der ungarischen Hofkanzelei ist datirt aus dem Jahre 1867. Würde e» sich um eine bloß konfessionelle Angelegenheit handeln, wir würden kein Wort darüber verlieren, aber der Umstand, daß die Verordnung, die gleichzeitig mit dem Entwurf der allgemeinen Wehrpflicht ausgearbeitet wurde, zugleich verfügt, daß biy Zög. singe dieser Anstalten vom Militärdienste befreit sind.^errälh die politische Tragweite de» Faktum». E» war eben der Regierung darum zu thun, sich unter den orthodoxen Juden eine eigene kleri« kale Partei zu gründen, auf die sie sich in gewissen Eventualitäten verlassen kann, und cs wundert nn» auch die.sorgfältige Auswahl nicht, die getroffen wurde, indem nur solche Rabbiner zur Leitung der Schulen zugelaffen werden, die keine andere Wissenschaft al» den Talmud anerkennen und deren Begriff und Anschauung sich nicht über den Rand de- Folianten erstreckt." Ueber den weiteren Verlauf dieser Sache werde ich s. Z. Nähere» berichten. — Nach dem neuesten „statsstischen Jahrbuch der öfter. Mo« narchie" giebt e» in Oesterreich 201 jüdische Schulen mit 18,936 Schülern. Nimmt man mit v. Czörnig die Zahl der Juden in Oesterreich auf ca. 1.059,000 an, so sind darunter (etwa 14 pCt. —) ca. 150,000 schulpflichtige Kinder. E» besucheü also nur 13 pEt. der Kinder specisisch jüdische, die übrigen 87 pCt. paritätische und christliche Schulen. Pesth, den 3. Februar. Da» Budget der hiesigen iörael. ReligionS-Gemeinde für da» Jahr 1867 famint dem von dem Präses der Gemeinde Herrn I. Länhi erstatteten Generalbericht an die abgehaltene Gemeinde-Repräsentant^n-Bersaminlung ist so eben im Drucke erschienen und den «Gemeinde-Mitgliedern;ugeio*

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