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Die Gegenwart · 1867-03-08 · 10 (8.3.1867) · p. Seite 74

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
10 (8.3.1867)
Date
1867-03-08
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Die OcgaOMrt bei Tag und Nacht hervor, sie, die, dem Gesetze der Schönheit und Zweckmäßigkeit folgend, nicht au de»selbeu Baume j^ei Blätter oder Blüthen gleich gestaltet, sie schafft auch unter den Menschen Unterschiede der Begabung, an Verstand, Gedächtniß, künstlerischer Anlage, in unendlicher Mannigfaltigkeit, wie sie körperlich Große und Steine, Schwache und Starke, Grade und Stamme bildet. DaS ist Gottes Ordnung; es ist nicht erforderlich, daß ihr Unterschiede von eurer Mache hinzufügt, dpm abschneidet, jenem zulegt. „Aber das läuft ja auf CommuniSmuS hinaus?" — Unsinn? — Gleichheit de« Rechtes ist ja nicht Gleichheit des Besitzes, ist eben so wenig Gewaltthat und Raub. Nein, die Menschheit soll nicht ein Fourier'scheS Phalanstvre werden; auch da« ist Gotte» Ordnung, die Fleißige und Faule, Geschickte und Tölpel, Schlauköpfe und Einfältige, Unterschiede an Thatkraft und Liebe entstehen läßt. Auch da« macht sich von selbst, ohne daß ihr mit gewaltthätiger Faust oder rcchtödrebender Sophiftik, Besitzungsgleichheit erzwinget oder der Ausgleichung entgegenwirkt. Und so ist eS der entgegengesetzte Wahn der Schreckentzniänner von 1793 gewesen, daß sie auch dies e naturgemäße, von Gott gesetzte Ungleichheit hinwegräninen wollte, die Aristokratie des Könnens, Wissen», der seinen Bildung unter die Guillotine schleppte», da sich jene Vorzüge nicht zum Gemeingut machen ließen. Doch verzeihen Sie, wenn das Thema mich auf daö Gebiet des Pathos geführt hat; kehren wir zur ruhigsten Erwägung zurück. Da» Gesetz der Religion schreibt, wie ich schon angeführt habe, vor: „Ein Recht und Ein Gesetz soll sein für den Einheimischen und für den Fremdling." Also doch auch für die Einheimischen unter einander! Aber selbst das, wie natürlich es auch ist, brauchen wir nicht, einmal auö Fvlgeruugen zu schließen, es ist vielmehr in klarster Satzung ausgesprochen. Der „Gottesstaat" ruhte auf dieser vollen Rechtsgleichheit, da gab es keine Vorrechte, keine Stände im Sinne des Privilegs. Von dem Priesterstande rede ich in auderm Zusammenhänge; vorläufig bemerke ich nur, daß er keine Ausnahme bildete, daß feinem Uebergreifen und hierarchischen Gelüsten dadurch gründlich vorgebeugt war, daß die Priester gar kein weltliches Patrimonium, außer Städten und Häusern zum Wohnen und elwaS „Gartenvergnügen" nicht eine Ouadratruthe Land besaßen, sondern von den Gaben ihrer Volksgenossen abhängig bliebe». Sonst zerfiel das Volk in Stämme, Geschlechter, Familien »ach naturgemäßer Abtheilung; aber alle voll gleichberechtigt; sodann finden wir zu administrativen Zwecke» eine Gliederung nach den Zählen 10, 50, 100, 1000 (was aber vielleicht als figürlicher Name für Ober- und Unterabtheilungen zu betrachten ist) alles gleichmäßig und natürlich. Die Vorgesetzten werden „Aelteste" genannt; ging das auch wohl nicht immer nach der puren Anciennität, sondern so wie wir von Stadt- oder Gewerböältesten reden, so gab es doch auch keinen bevorzugten, zur Senatoren- (d. h. ja Aeltesten-) Würde berechtigten Stand; nicht wie in Rom und andern Republiken Leute, die schon in der Wiege „Aelteste" waren. 8'il y avait un peuplo de Dicu, il so gouverneralt dcmocratiquement (wenn es eilt Volk GotteS gäbe, so würde eS sich demokratisch regieren), sagt Rousseau. „Demokratisch" — e» ist mit solchen Parteiworten ein eigenes Ding, eS versteht leicht Jeder etwas Anderes darunter; Rousseau'« staatliche Theorien oder Utopien gehen uns vollend« nicht« an — aber wenn da« Wort einen Sinn hat, so ist eS der Grundsatz der vollen Rechtsgleichheit. Nun, was ist eS denn mit dem 8'il avait „wenn e« gäbe? hat e« denn nicht exiftirt? hat eS kein israelitische» Volk >gtgchta?,ist seinGpsetz» da» der Rechtsgleichheit, das gou- Teroament 44mocra0qfB, ti^t vorhanden? Diese Unkenntniß erklärt sich daraus, daß jene Leute zwar die Bibel gelesen, aber sich entweder an die poetische Erhabenheit der Propheten und Psalmen gehalten, ober die Geschichten gelesen habeitz sei eS, um sie gläubig anzostaunen, sei es, um sie zu bespötteln. DaS Gesetz MoseS, den Kern der positiven Grundlage, haben sie bei Seite gesetzt; denn freilich: Gesetze lesen ist nicht amüsant und sie zu studiren erfordert Denken. DaS Ideal ist vorhanden, von der Hand de« Gesetzgebers der Menschhett gezeichnet; e« beruht nicht auf philosophischer Spekulation, nicht auf poetischem Belieben. Sehen wir nun, wie sich die Menschheit von diesem Ideal entfernt, oder ihm genähert hat, und ob die bewegenden Ideen der Gegenwart zu diesem Ideal Hinneigen. (Fortsetzung folgt.) * Berlin, 5. März. Wie wir von zuverlässiger Seite -erfahren, hat nunmehr die Repräsentanten-Bersammlung definitiv beschlossen, ihr^Sitzungen öffentlich zu halten, und soll dieser Beschluß schon von nächster Woche an zur Ausführung kommen. Für Diejenigen, welche mit den hiesigen Gemeindeverhältniffen nicht näher bekannt sind, bemerken wir, daß diese Versammlung 21 Mitglieder zählt und ihre Sitzungen im neuen Gemeindehaus (Oranienburgerstr. 30) hält. Es ist selbswerständlich, daß wir dieses Desiderium der Berliner Gelneinde benutzen und über jede. Sitzung aussiihrliche Berichte bringen werden. Wir denken dadurch das Jntereffe der Gemeindemitglieder für Gemeindeverhältniffe zugleich zu fördern und zu wecken — da doch einmal die Menschen auch zu dem angeregt werden wollen, was sie selbst als pflichtgemäß und als nothwendig erkennen. Die traurigen Ereignisse des vergangenen Jahre« sind auch auf die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde nicht ohne nachhaltigen, unerfteulichen Einfluß'geblieben. Die Armenverwaltung z. B. hat ihren,vorjährigen Etat stark überschreiten muffen, wie wir hören, mit einem Betrage von 1500 Thlrn., so daß diese Verwaltung einen bedeutend höheren Zuschuß als im Vorjahre erfordern wird. 8 Frankfurt a. O., den 3. März. Zur endgültigen Erletügung der Ungewißheit über den Geburtstag des leider zu früh seinem segensreichen Wirken entriffenen Professors und Akademiker« Salomon Munk ersuche, ich Sie, Folgendes in ihr geschätzte« Blatt aufzunehmen. Die Glogauer Correspondenz vom 15. Februar in Nr. 8 der „Gegenwart" giebt, nach Ausweis des Mohelbuches, de« unzweifelhaft -sichersten Zeugen, als jenen Tag den 14. Jjar 5562 an; wenn dieselbe aber vermeint, daß dieser Tag auf den 29. April 1802 gefallen, so findet Psplm 19, 13 auf diese Fixirung noch weit mehr Anwendung als auf die Ihrige in Nr. 7, daß es der 14. Mai gewesen. Da gedachtes Jahr als da« 14. des 29. CycluS ein Schaltjahr gewesen, leuchtete mir die Unrichttgkeit jener Angabe, der zufolge damals, wie im vorigen (gewöhnlichen) Jahre, Peßach am 31. März begonnen haben müßte, augenblicklich ein. Eine genaue Berechnung ergiebt vielmehr als Munks Geburtstag den 16. Mai 1802, so daß Sie nur um 2 Tage geirrt haben. Hier in möglichster Kürze das Nähere. Bon Neujahr 5562 (1801/2) bis dahin 5627 (1866/67) sind 65 Jahre verfloffen, welche (65 x 365 4-' 16 Schalttage) 23,741 Tage zählen. Die 6 Jahre, welche zur Zeit noch vom 293. ChcluS restirten, hatten 2116, die 3 folgenden vollständigen Ehclen (294-296) 20,818 (6,939, 6.940, 6,939) und die bei-

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