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Die Gegenwart · 1867-03-01 · 9 (1.3.1867) · p. Seite 67

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
9 (1.3.1867)
Date
1867-03-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Brrlwer Wochenschrift für Jüdisch« Angeleg mhei len. \ «7 trauen dielmehr dem hingehenden Willm und der gesunden Ein« ficht der Männer unserer Wahl und erwarten von diesen di« volle Befriedigung unserer Wünsche, unserer Hoffnungen. המתחיל י־ במצוח עליו לגסרה. * Berlin, 26. Februar. In der in Nr. 6. unsere« Blatte« berührten Friedhofs-Angelegenheit erhielten wir verschiedene Zuschriften, u. A. die nachfolgende, die wir, obgleich wir die Ansicht de« Herrn Einsender« nicht theilen können, doch unverkürzt wiedergeb»«,-weil sich in derselben da« Streben nach einer Verständigung auf erfreuliche Weise kundgiebt. ״Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Nr. 6 Ihrer geschätzten Zeitschrift bespricht eine Angelegenheit, betreffend die Einfügung einer Photographie in einen Leichenstein unseres hiesigen Friedhofes, bei welcher der Wunsch nach einiger Aufkläning zu erkennen gegeben wird. — Gestatten Sie mir deshalb wenige Worte. Obschon der konservativen (sogenannten orthodoxen) Richtung im Iudenthum in Bezug auf mein eigenes Leben angehörend, nehme ich dennoch keinen Anstand, mich zu den Liberalen zu zählen, da ich jede religiöse UeberzeugungStreue hoch achte und mir nichts mehr zuwider ist, als Glaubens- und Gewissen-freiheit anzufeinden. Ich will die Gebetform in der alten Synagoge unangetastet erhalten wiffen, gehöre aber keineswegs zu den Fanatikern, welche die Einrichtungen der neuen Synagoge, in welcher ja auch Israeliten zum Gotte Israels beten, verunglimpfen und mit Geringschätzung bekritteln. — DaS von Ihnen an« geführte Gutachten ist, wie ich au» glaubwürdiger Quelle —von einem der Herren Vorsteher der Beerdigungsanstalt selbst — erfahren habe, vom RabbinatSassessor Herrn Rosenstein und meine» Erachtens ein durchaus gerechtes, den Vorschriften unserer Religion entsprechend und Niemanden verletzend. — Wir Juden alle, Männer jeder Richtung, Altorthodoxe, Neologen, Reformer u. s. w. sind gewiß einig in dem Hauptdogma unserer Religion, dem Glauben und der Anbetung eineeinzig-einigen Gottes. Wie unsere gelchrten Vorfahren in ihrem überall hervortretenden Streben, unsere Religionsvorschriften auf da» allernachhaltigste zum Ausdruck zu bringen, es in der entschiedensten Weise verboten, Oerter, welche der Verehrung und der Anbetung Gottes geweiht sind, mit Bildern zu schmücken, offenbar, nm der Anbetung des einzig-einigen Gotte» in Nichts Abbruch zu thun, so kann wohl jeder Israelit eine solche Vorschrift mit Pietät und aufrichtiger Hochachtung, ja mit Stolz und Selbstbewußtsein aufnehmen. Niemand wird Verlangen äußern, in jüdischen Bet- und Lehrhäusern Bilder zu finden und Niemand kann sich verletzt fühlen, wenn ihm aus obigem Grunde da« Anbringen eines Bildeauf dem Friedhöfe, der ja ebenfalls eine Stätte der Andacht und noch dazu einer recht innigen, darstellt, verweigert wird. — Was Einem Recht ist, ist dem Andern billig und verfährt man erst mit dergleichen Angelegenheiten in laxer Weise, so dauert eS vielleicht nicht lange und man findet den Friedhof recht zahlreich mit Pho« tographien geschmückt. — Gatten und Eltern werden ihre lieben Dahingeschiedenen damit zu ehren glauben, aber derjenige, welcher den Friedhof mit jenem Lobspruch für den allweisen Richter betritt: ׳ N אשר יצר אתכם בדין. - והטית אתכם ברין, — der will da« אתכם nicht in bildlicher Darstellung sehen, sondern er weiß e« da vorhanden, worüber Leichenstein mit feinem ס׳ט AnSkümft giebt — in der Verborgenheit — dem menschlichen Auge für immer entzogen, und der gänzlichen Auflösung pretSgegeben. —. Wenn man erwägt, wie gerade Männer der allerfreiesten Richtung Pietät gegen die Verstorbenen bewahren — Niemand weigert fich, daß die Bestattung seiner Angehörigen nach altem Ritus vollzogen werde — der Gemeindevorstand wählt zu vegräbnißvorstehern ausdrücklich Männer der konservativen Richtung und diese Männer entsprechen nur der Pflichttreue ihrer Wahl, wenn sie ihr Amt in jeder Beziehung nach konservativen Grundsätzen verwalten — wenn man anderseits sieht wie ja Männer degrößten JndifferentiSmuS ausnahmsweise die Synagoge besuchen, bloß um da« alte (aramäische!) Kaddischgebet zu verrichten — wenn man alle diese Verhältniffe in unparteiische Er- Wägung zieht, so dürfte eine entschiedene, mit Gründen unterstützte Entscheidung in der oben besprochenen Angelegenheit wahrlich auch Niemanden verletzen können. — Genehmigen Sie, Herr Redakteur u. s. w. L. Jolenberg, ° Oranienburgerstraße 86a. Wir sind mit dem geehtten Herrn Einsender darüber einer Meinnng, daß ein Anlaß, durch Wort oder Bild Aberglauben und Jrrthümer in die Religion einzuführen, auf'« Entschiedenste und Sorgfältigste zu meiden ist,^.wie eS die Bibel und wie es die Rabbinen lehren. Auch im vorliegenden Falle kann füglich darüder keine Differenz obwalten, daß eine Photographie nicht gut zu einem Leichensteine paßt, und daß eine Idee, bei welcher der Schmerz der Trauer und der Reiz der Neuheit in gleichem Maße wirksam sein mochten, vor der ruhigen Ueberlcgung nicht Stich gehalten -hätte; indeß ist bei der Beurtheilung, die besagte Idee im Publikum allgemein gefunden, eine Nachahmung sicher nicht zu befürchten. Dem Herren Einsender scheint e« jedoch entgangen zu sein, daß die Photographie sich in einer wohlverschlossenen Kapsel befindet und also gar nicht zn sehen ist. Auch war eS -dem Corrcspondcnten in Nr. 6. d. Bl. hauptsächlich um die Gründe de« Gutachtens zu thun, und in dieser Beziehung scheint uns auch jetzt noch die Sache nicht genügend aufgeklärt. Wenn der geehrte Herr Einsender schließlich daraus, daß die bestehenden BeerdigungS-Eeremonien ohne Widerstand vor sich zu gehe» pflegen, den Schluß ziehen will, daß diffe Gebräuche von Jedermann gebilligt werden, so müssen wir dagegen Protest,- ren. ES sind uns viele Fälle bekannt, wo dieselben sehr unange« nehm berührt haben, und wo nur äußere Umstände eine Opposition ungeeignet erschienen ließen. * Berlin, den 24. Februar. Am 19. d. M. hat iin Conferenzsaal der Gesellschaft der Freunde eine Generalversammlung des jüdischen StudienbeförderungS-DcreinS unter verhältnißmäßig zahlreicher Betheiligung stattgefunden. Vielleicht ist es für größere Kreise von JMeresse, bei dieser Gelegenheit Etwas über den Verein zu erfahren. Er besteht unter dem jetzigen Namen seit zwanzig Jahren und verfolgt seitdem die Tendenz, junge Leute, die bisher einseitig dem Talmudstudinm obgelegen, der allgemeinen Bildung und Wissenschaft znzusühren. Demgemäß hat er seine Thätigkeit vornehmlich unseren GlaubenSgenoffen aus den Ostländern zugcwen» det, wie denn auch andererseit« mit Rücksicht auf die bisherige Thätigkeit der Zöglinge als Ziel hauptsächlich bettachtet wurde, sie zu Rabbinern oder Lehrern auSzubilden. In der That ist bisher in der Praxis dieses Ziel keineswegs da« ausschließliche gewesen, und nach dem an diesem Abende vorgelesencn Entwürfe ist, waö bisher berrsts praktisch verfolgt worden, nunmehr auch ausdrücklich ausgesprochen worden. Der Bericht des Unterrichtsvorstehers Ur. Kirschstein, der uit« am meisten interessirt, ergiebt folgende intereffante Notizen. Seit 9*

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