Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 8 (22.2.1867)
- Date
- 1867-02-22
- Page
- Seite 59 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berliner Wochenschrift fir Jüdische Angelegenheiten. 50 «nt müssen dieselben ganze Figuren enthalten und zwar für runde' Werke nicht unter 3 Fuß, da- Relief aber soll in der Höhe nicht hinter 2V$ und in der Breite nicht unter 3 Fuß messen. Der Termin für die Ablieferung der concurrirendeu Arbeiten an die Königlich« Akademie ist' auf den I I. Juli d^ I. festgesetzt und haben nach den Bestimmungen de» Statuts die Eoncurrenten gleichzeitig einznfenden: I. eine in Relief modellirte Skizze, Reguel- Töchter am Brunnen, nach 2. Buch MosiS, 2, 15—17, 2. einige Studien nach der Natur, welche zur Beurtheilung des bisherigen Stodienganges de- Eoncurrenten dienen können. Die eingefandtrn Arbeiten müssen von folgenden Attesten begleitet sein: 1) daß der naoientlich zu bezeichnende Eoncurrent sich zur jüdischell Religion bekennt, ein Alter von 22 Jahren erreicht.hat und Zögling einer deutschen Kunstakademie ist; 2) daß die eingesandten Arbeiten von dem Eoncurrenten selbst erfunden und ohne Hülfe von ihm selbst ausgeführt worden find, in welcher Rücksicht jddoch eine nachträgliche Prüfung für nöthig befunden werden kann. Der Preis besteht in einem einjährigen Stipendium von 750 Thlr. zu einer Studienreise nach Italien unter der Bedingung, daß der Prämiirte sich 8 Monate in Rom aufhalte und unter Beifügung eigener Arbeiten der Königlichen Akademie halbjährlich über seine Studien Bericht erstatte. Die Zuerkennung de- Preises erfolgt in der öffentlichen Sitzung der Königlichen Akademie am 3. August d. I. Berlin, den 17. Februar 1867. Die Königliche Akademie der Künste. Im Aufträge: O. F. Gruppe. . Ed. Darge." § Berlin. Am 19. d. M. fand die jährliche Generalversammlung der Hierselbst bestehenden „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheit«- -v fällen" statt. AuS ihrem bei dieser Gelegenheit veröffentlichten Rechenschaftsbericht ersehen wir, daß der Verein von 267 ordentlichen (dem Handwerker« und Künstlerstand.e angehörigen) und 217 Ehrenmitgliedern (Kaufleuten rc.. die keine Anrechte auf die Leistungen des Vereins haben) eine Einnahme von 1197 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. durch Zinsen der Fonds, Einschreibe. gelder rc. 208 „ 23 „ 9 ,; also eine Gesammteinnahme von . . 1406 „ 1 „ 3 „ hatte. Die Ausgaben beliefen sich für Krankengelder und Heilmittel auf . .... . . . 405 Thlr. 8 Sgr. 1 Pf. Für 2 BereinSärzte auf. . . . . 90 20 „ — „ Für andere Aerzte bei dringlichen Krankheitsfällen, Wundärzte und Heilgehülfen auf ... . 37 y „ — „ — „ Für VerwaltungSkosteu auf. . . . 172 „ — „ — „ Dazu kommen Ausfälle u. Rückstände mit 101 ,. 19 „ 0 „ so daß nachdem 556 Thlr. 19 Sgr. auf Ankauf von StaatSpapieren verwendet worden noch 42 Thlr. 25 Sgr. 5 Pf. baar zurückgelegt werden konnten. Die Generalversammlung nahm den Antrag de- Vorstandes auf Bewilligung von 300 Thlr. zu Badereisen an. Da» Verein-Vermögen beläuft sich auf 5225 Thlr. In die Augen springend Ist bei diesem äußerst günstigen Abschlüsse daso winzige Honorar der Aerzte und glauben wir, daß der Verein wohl im Stande wäre, für dieselben eine größere Summe auszusetzen, besonderda die BereinSärzte sthr in Anspruch genominen werden. Einer von denselben z. B. hatte im vorigen Jahre, wo er während de- Kriegeallein sungirte, nicht weniger als 100 Patienten. Der Verein fft in fortwährender »Zunahme begriffen, und find alle Handwerke in demselben vertreten. Man fleht hieran-, wie grundlos von gewiffer Seite behauptet wird, daß die Juden sich dem Handwerke fernhasten. -r Am Montag, den 18. Februar d. 3. fand die EinweihungS-Feier eineneuen AnstaltS.ÄebäudeSGder^„Baruch-Auerbach'fchen Waifen-ErziehungS-Anstalten für jüdische Knaben und Mädchen statt, welcher der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin (Protektoren der Anstalten) und zahlreiche andere Gäste beiwohnten. k (Slogan i. Schl., 15. Februar. Durch den plötzlichen Tod Salomon Mnnk'S in Pari-, des Sohnes unserer Stadt, ist auch, auf diese wieder ein Strahl seine-Ruhmegefallen. Unsere Gemeinde, altberühmt und durch ihre Bedeutsamkeit, die sie ihren gelehrtest Mitgliedern verdankt, schon in längstvergangenen Zeiten hervorragend, hat auch in jüngerer Zeit ausgezeichnete Männer der Wiffenschaft in die Ferne gesandt. Der letzte bedeutende Vertreter denoch von kritischer Wissenschaftlichkeit un. berührten Talmudstudiums in unserer Stadt war Abraham Tiktin, der freilich nicht hier geboren war, doch die bedeutendste Zeit seine- Lebenhier verlebte, Al- Söhne der hiesigen Gemeinde, die in fremden Städten im Dienste der Wiffenschaft thätig waren und sind, nenne ich Salomon Munk, Joseph Zebner (Bibliothekar de» „Britisch Museum»" in London), H. Qettinger (bekannter,als „Rabbi Jakob Joseph"), Michael Sachs, durch welchen letzteren ein inniger Verband der Glogauer und der Berliner Gemeinde hergestellt ist, ferner David Cassel, Joseph Lehmann (Redakteur de« Magazin« für Literatur des Auslandes) und der Literarhistoriker Eduard Munk. — Jetzt wird hier zwar auch noch viel „gelernt", doch steht dies mit dtr allgemeinen Wissenschaft kaum im Zusammenhang. — Zu Ehren Salomon Mnnk'S hielt am Donnerstag den 14. d. att der Rabbiner Dr. Klein in der Synagoge eine Gedächtnißrede, was dem berühmten Namen feitender Gemeinde feinet Vaterstadt wohl tzebührte. Der Redner, hob neben de» hohen wissenschaftlichen Verdiensten besonders auch die edlen Charakter-Eigenschaften de« Verstorbenen hervor. .Lasten Sie mich hier einen allgemein verbreiteten Jrrthum in Betreff de- Geburts- TageS und Jahres Munk'S berichtigen. Die meisten Blätter geben alö sein Geburtsjahr das Jahr 1805 an; Ihr Blatt nähert sich der Wahrheit schon mehr und läßt ihn am 14. Mai 1802 geboren sein. Aber auch die« ist noch nicht richtig. Die Unsicherheit erklärt sich aus dem bis vor noch nicht langer Zeit herrschenden Mangel von amtlichen Geburtsregistern der Juden. So sind die Bücher, die die „Mohelim" über ihre Thätigkeit führten, bei den männlichen Geburten die einzigen relativ zuverlässigen Nachweise. Ich habe das Beschneidnngsregister eingesehen, in welchem die Geburt Munk'S eingelrageck ist, und andiesem ergiebt sich als sein Geburtstag der 14. Ijar d. I. der Weit 5562, d. i. nach der gewöhniiche» Zeitrechnung der 29. April 1802. * Wreschen, 17. Februar. In den meisten Städten Deutschlands (Posen bietet uns ein paheliegendes Beispiel) sind Vereine gegen die „HauSbettelei" entstanden und haben mit Erfolg sowohl die Belästigung der Almosengeber, als auch den Umfang der Hausbettelei beschränkt oder ganz beseitigt. Nur in hiesiger Stadt ist bisher Nichts geschehen, um dem Unfuge, der längst hättt beseitigt sein müssen, ein Ziel zu setzen. Nicht mir die hiesigen . 8»