Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 7 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Bert wer Wochwschrist str Jtdische Logrlrgmhäte». b» alle andern Elemente derselben liegen zusammengeballt im Hintergründe und erst durch dsr höhere Erziehung de» Geiste» wird e» möglich, sie von ihrer Gebundenheit z« lösen und frei zu entwikkeln. Hier geben die Gefühle, die bei dieser Vorstellung in un» von Lindheit an erregt werden, und die dieselbe fast beständig begleiten, derselben eine vorherrschende Form. Nicht ander« geht e» mit der Vorstellung „Seele". Welchen Haren Inhalt hat diese Vorstellung bei den meisten Menschen? Und doch, welche breite Ausdehnung hat sie im Bewußtsein Mer! Dies aber aus keinem andern Grunde, als well sich ihr die Vorstellung „todt" beigesellt hat mit den dieselbe begleitenden Gefühlen: wenn die Seele entflieht, entflieht dä- Leben! In der WiffenschaftHat diese Vorstellung begreiflicher Weise eine ander» begrenzte Bedeutung und dennoch spielen die ursprünglichen Vorstellungen, die man im Gegensatz zu den wissenschaftlichen in haltigen, die formalen nennen könnte, auch in die theoretischen Bestimmungen hinüber. Wenn man sich nur entwöhnen wollte, in jedem Denker, der vikwikgend' ein bestimmtes Culturfeld anbaut, ausschließlich die Saat dieses abgesteckten Feldezu suchen! — Wasich in großen Kulturgebieten absondern und von der geschichtlichen Betrachtung in artlich geschiedenen Gruppen ordnen läßt, daS ist deshalb nicht im Geiste deindividuellen Denkergeschieden. — Da greifen die Vorstellungen auden verschiedensten Culturgattungen in einander, je nachdem sie durch den psychischen Mechanismus herausgepumpt werden. In die strenge wisseuschastliche Untersuchung schleichen sich oft die trivialsten Gefühle ein und in der plattesten Betrachtung deS gemeinen Lebens kann oft ein aus dem Zusammenhang deS geschlossenen Systems gerissener Gedanke als versteckter Hebel wirken. Wer sich diesen Erwägungen zu gewissenhafter Prüfung erschließen läßt, mit dem werden wir uns über die Art des Heineschen Denkens verständigen können, der wird es aber auch nunmehr zugeben, wenn wir behaupten, daß Heine in der Bildung seiner Hauptgedanken von der spinozistischen Anschauungsweise beeinflußt sein konnte, ohne daß er daS spinozistifche System nach dem vollen Inhalt seiner Elemente in seinem Geiste zu dauernd bestimmendem Besitz hätte aufnehmen müssen. Heine selbst fühlt etwas von dem Durcheinanderschießen der fremdesten Ideen, wie er an einer Stelle, wo er von der Klage des alten Schelling spricht, daß Hegel ihm seine Ideen gestohlen habe, sehr richtig sagt: „Nichtist lächerlicher, als das reclamirte Eigenthumsrecht au Ideen." Gilt es nun aber schon von jedem Gedanken, auch dem unbedeutendsten, daß er ursprünglich fremd, „gestohlen" durch eine mechanische Verknüpfung im Bewußtsein sich heimisch machen kann, so muß eS um so mehr von einem Weltgedanken gelten, der nach Heine die Entwicklung der ganzen modernen Welt beherrscht hat. „Wenn man den Spinoza einst aus seiner starren altkartesianischen mathematischen Form erlöst und ihn dem großen Publikum zugänglich macht, dann wird sich vielleicht zeigen, daß er mehr als jeder Andere, über Jdeendiebstahl klagen dürfte. Alle unsere heutigen Philosophen, vielleicht ohne eS zu wissen, sehen sie durch die Brillen, die Baruch Spinoza geschliffen hat." Von Spinoza ist nach Heine die ganze spätere Philosophie abhängig: wie sollte der Schüler der „heutigen Philosophen" nicht „durch dieselbe Brille sehen, die Baruch Spinoza geschliffen hat?" Hier ist nun endlich der Punkt, von dem aus wir auf die Stellung Heine'« zum Judenthum hinüberschauen können. Wir haben oben Seite 13 und 14 in umrisslichen Zügen die angeborene Aehnlichkeit des Pantheismus und des Monotheismus gezeichnet. - Leider verbietet der Raum, den diese Blätter unserer Entwickelung gönnen dürfen, eine weitere, klärende Ausführung. .Wenige wiedereinführende Bemerkungen können wir nn» indeß nicht versagen. Der Berührungspunkt zwischen beiden Anschauungsweisen ist der Gedanke der „Einheit:" „Beim PantheiSmu» wird ebenso gut wie beim TheiSmu» die Einheit Gotte» angenommen." In diesem Moment der Einheit liegt der wohl zu , beachtende Grund für die tiefere Aehnlichkeit de» PancheiSmu» mit dem Monotheismus al» mit dem PolycheiSwu». Nur in der Localisirung dieser Einen Gottheit unterscheidet sich der Monotheist von dem Pantheisten. Und diese Localisirung ist, wie wir gesehen haben, abhängig von dem in den allgemeinen Zeitbewegungen bedingten Vorwalten hier der Vorstellung Natur, dort der Vorstellung Gott. Al» die Vorstellung Natur noch nicht so ausgebildet war, war die Vorstellung Gott das Erste im Denken, das, was wir in der Mathematik Voraussetzung, in der Grammatik Subjekt nennen, und die Vorstellung Natur wurde ihr als Behauptung angefügt, als Prädicat gegeben. Aber im Zeitalter eines Giordano Bruno, eines Galilei, eine« Newton nimmt die Vorstellung der Natur da» Bewußtsein vorwiegend ein. Wenn nun bei dieser großen Entwicklung der Naturwissenschaften in derselben Zeit zugleich die Philosophie ihren Fortgang nimmt, so ist eS begreiflich, daß sie von der herrschenden Anschauung deS Zeitalter« bewegt wird. Diese ist aber nun die Vorstellung Natur. Also ist Natur die Voraussetzung, daS Subjekt. Die alte im Entwicklungsgang der Menschheit fortgeerbte Vorstellung „Gott" ist aber zwar zeitweilig iin Bewußtsein zurückgetretkn, jedoch nicht aus dem Bewußtsein vertilgt. Wenn sie darum in der alten, Alles zusammenfassenden. Alleverschlingenden Form wieder auftritt, so muß sie Prädicat werden. Wie Newton den ersten Stoß von Gott abgeleitet hat, so konnte, so müßte Spinoza sagen: Die Natur ist Gott. Heine selbst würde kaum zugegeben haben, daß in diesem Satze Gott im Sinne Spinoza'S das Prädicat, also daS Spätere ist. Ihm schien Spinoza ein wahrer Theist. „Nur Unverstand und Böswilligkeit konnten dieser Lehre da« Beiwort „atheistisch" beilegen. Keiner hat sich jemals erhabener über die Gottheit ausgesprochen als Spinoza. Statt zu sagen, er leugne Gott, könnte man sagen, er leugne den Menschen. Alle endlichen Dinge sind in Gott enthalten, der menschliche Geist ist nur ein Lichtstrahl de« unendlichen Denkens, der menschliche Leib ist nur ein Atom der unendlichen Ausdehnung; Gott ist die unendliche Ursgche^ Beider, der Geister wie der Leiber." Diese Frage läßt sich nun hier nicht ausführlicher behandeln. Wieweit Pantheismus und Monotheismus in der Consequenz de- Gedanken« verschieden sind, kann und soll hier nicht 'auSeinandergcsetzt werden. AuS« sprechen wollen wir nur, daß diese Verschiedenheit in der konsequenten Bildung der Weltanschauung durchaus besteht. ES liegt unS Nichts ferner, als diesen scharfen Unterschied, der stets so heilbringend gewesen und noch lange Zeit bis zur endlichen Lösung der religiösen Probleme aufrecht erhalten werden muß, zu vertuschen. Aber nichtdesto weniger steht eS doch fest — und dieser Theil deS Gedanken« mußte hier hcrvorgchoben werden, — daß beide Gedankenformen als Anschauungsweisen ^von Natur verwandt sind. Dürfen wir die« nun als zugestanden annehmen, so wird die Behauptung keinen Anstoß mehr erregen, daß daS von Natur Verwandte in Heine'« Geiste sich verbinden konnte, wenn auch einzelne Momente beider Anschauungsweisen einander ausschließen mußten. Natürlich kann davon nicht füglich die Rede sein, daß zwischen Heine und der systematischen Form des Juden«. thumS eine bindende Beziehung bestanden hätte. Dies ist ebens»