Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 6 (8.2.1867)
- Date
- 1867-02-08
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Die Segrmvert. durch einen Juden wirklich für zweckdienlich gehalten haben sollte/) einen schlagend?» und traurigen Beleg für da» *?כ המוסיף נורע. Wir haben also da» offenkundige Faktum, daß die Juden fast aller Länder, Preußen ausgenommen, von jeher bi» heute durch christliche Richter vereidigt worden find, daß man dabei wohl von Juden, die wegen Meineid» verurtheilt worden, nie aber davon gehört hat, daß die Meineidigkeit davon herrühre, weil ״ein nicht zur Religion de« Schwörenden Gehöriger den Eid abgenommen habe" — die Juten finden fich wohl überall verpflichtet, auch wenn sie dem christlichen Richter den Eid nachsprechen, einen wahrhaftigen Eid zn leisten — wie muß nun die Verwahrung gegen den Satz de» Justizministers: daß ein Christ eine» von einem Juden abgenommcnen Eid wohl nicht sonderlich respektiren werde, lauten? Sind da die Worte des Hrn. Dr. Kosch (S. 1352 deö stenogr. Ber.)! nicht noch viel zu schwach? T. \ k Pesth, im Jan. Die den Unterrichtszwecken dienenden! Räumlichkeiten in unserer Gemeinde haben sich schon seit lange! dem Bevürfniß nicht mehr entsprechend auSgewiesen. So sah man sich gezwungen die nöthigen Räumlichkeiten zum Theil zn miethen, und mußte» nichtsdestoweniger viele zum Schulbesuch angemeldete Kinder aus Mangel an Raum znrückgewiesen werden, von denen ein großer Theil sich nun den Missionsschulen zuwendete. Unser Vorstand hat nun ein Circular an die Gemeinde-Mitglieder er« laffen, worin er diese Uebclstande klar darlegt, und zu ihrer Abhülfe zu Beiträgen für ein Hauptschulgebäude auffordert, das von der Gemeinde erbaut werden und, unter einer einheitlichen Leitung stehend, allen Ansprüchen genügen soll. Zugleich gedenkt der Borstand ein KnabenwaifenhauS zu gründen, das seine Wohnung in dem bisher zur Schule benutzten Hause aufschlagcn soll. Analckta.!Schlich z» S. SS.) 2. Zu der Neccnsion des Hamas teach (Gegenwart Nr.2): Die Emcndation der Stelle Gittin 68 ist allerdings sehr zusagend; nur möchte ich darauf. Hinweisen, daß der angezogene ״Jcruschalmi" sich nicht ״zur Stelle" findet, sondern in der Schilderung de» Bar-Kechba-AufstandeS Taanith IV. 5. Die palästinensische Tradition hat naturgemäß die bezügliche Agava nicht; (Wagen) במערבא אמרי שירו: א, folglich liegt hier keine Beziehung zu Dämonen vor. Ausführlich wird hierüber von Nappoport in seinem ערך מלין Artikel אשמדאי abgchandelt. Ander» verhält sich's mit der gleichfalls hervorgehobenen Betheuerungöforniel R. Tarphon'S, hier ist die Auffassung völlig sprach- und geschmackwidrig. Ist diese Emphase schon so selbstverständlich, daß Tosaphoth sie zur Erklärung von אראה בנחמה Ehagiga 15 benutzen, so geht auch auö ihrer Anwendung in der Frage Rab- bis nach R. Tarphon'S Nachkoinmen mit den Worten (Bab. Mez.85)? יש לו *בן לאותו צריק שהיה מקפח את בניו derbuchstäbliche Sinn »»zweifelhaft hervor. — Es dürfte nicht unerwünscht sein, wen» ich bei dieser Gelegenheit Anlaß nehme, auf eine Stelle des עומר השבהה über den Gebrauch von בן und בנים in neuhebräischen Poesien aufmerksam zu machen. In genanntem, in wenigen Händen befindlichem Sainmelwerke Seite 24 heißt c« zu Prov. 8, 7: בנים יתבאר ניב שהוא •) Nach de» Aurztlgrn bei Krankel S. <21 sollte man da« wohl glauben. ״ תאר למבינים שכך מצאתי בשירי הקרסונים כנים ופותים'ובשירי p חרר שלמה מגכירול דל והנני ושש עשרה שניותי ולבי בן'בלב השמונים Es ist dies der von Geiger in seiner Skizze über Ga« birol (״Jllustrirte Monatshefte" I. Seite 2 und ״da« Judenthum und seine Geschichte" Bd. II. S. 104 angeführte Ber»: ״Ein Knab' von sechszehn Jahren Und wie ein Greis erfahren". Daraus ergiebt sich, daß auch in GabirolS bekanntem Gedichte עמה חור im zweiten Hemistich des 11. BerseS (שירי שלמה von DuckeS Seite 14 und הוזהיה von S. Sachs Seite 47), zu lesen sei: , , % . •השמונים p לבבו בן כלב לבנים Ber» 89 daselbst, von Luzzatto für לפנים emendirt, ist sicherlich auch nur so zu verstehen; zu בבנים Berö 15 hat übri« genS eine dahingehende Vermnthung, mit Hinweis auf Jer. 49, 7. bereits Lebensohn התתיה II. 3 ausgesprochen, wiewohl gerade dort die gewöhnliche Auffaffung vorzuziehen ist. Briefwechsel über Iudenthum und Iudenheit in der Gegenwart. Zweiter Brief. Aus Süddeutschland. Jan. 1867. ״Und wenn man sagt .... Darf nicht ein Bolk um seineu Gott zu befragen, an die Tokten für die Lebenden sich wenden? Bei der Lehre und dem Zeugniß, ob man da nicht ein Wort spricht, das keinen Sinn hat!" (Jes. 8, 19, 20.) Mit diesem prophetischem Spruche könnte man meinem Versuche be«' gegnen, den ich in lyemem Briefe vom Dezember v. I. mit den , Trauergebräuchen vor und an dem Tempelzerstörungsfeste machte, aus abgestorbenen Satzungen und erblaßten Formen Zeugniß zu holen für den bestehenden Conflikt zwischen den alten Vorschrif« tcn und den neuen Sitten, zwischen dem ererbte» Herkommen und dem neuerwachten Leben unter Israel. In der Thal machte mir Jemand den Vorwurf, als ich Hierlands offen über diesen Punkt mich äußerte, daß ich abgeschiedene, fast schon vergessene Ceremonien' welche kaum noch ״Einer in der Stadt und Zwei in der Familie" beachte, aus der Grabesruhe heraufbeschwöre, wodurch Alt« gläubige ohne Zweck verletzt werden. Ich bin, mein Freund, kein Todtcnbeschwörer, wohl aber ein Zeichendeuter, der das Auge gegen die Zeichen der Zeit nicht verschließt. Mag auch immer Gefühl und äußerer Anstand gegen die Ausübung dieser Trauergebräuche sich sträuben, daher den Gehorsam kündigen, so sind dennoch bis heute diese Ceremonien codificirt und die Mehrzahl unserer Rabbiner wagt eS kaum, für die (legale) Abrogation dieser Satzungen sich auszusprechen; gegentheil»! diese Herrn würden auf eine Anfrage darüber die volle unbedingte Geltung dieser Vorschriften bis zur Ankunft deö Messias erklären, somit in der Nichtbeachtung eine Sünde sehen. Solche Erfahrungen sind authentische Zeugen für den bestehenden Zweikampf zwischen Gesetz und Leben. Absichtlich wollte ich vor« erst den Tischah Beab als Zeugen über den Conflikt vorladen, weil hier selbst die Gesetzestreuen die Wahrheit der Aussage nicht zu bezweifeln wagen; oberes sollen später noch ganz andere Beweise geführt werden, um die Nothwendigkeit einer Heilkur unse« rer kranken religiösen Zustände zu bekunden. Mit dem kläglichen Vertuschen wird der Schaden am Hause Israels nicht geheilt, sondern der Salpeterfiaß greift weiter um sich und setzt da» ganze ReligionSgebäude in Gefahr, wie da» durch viele Beispiele in der Synagoge bestätigt wird.