Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 6 (8.2.1867)
- Date
- 1867-02-08
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-V - Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. 47 ES liegt mir fern, da- Fest der Tempelzerstöruug auder Synagoge und unserem Gedächtnisse bannen zu wollen. Die Katastrophe der Tempelzerstörung hatte für die religiöse Entwicklung de- Judenchum-, wie für das Lebensgeschick der Judenhett eine so große Tragweite, daß die Erinnerung daran auunserem Bewußtsein nicht schwinden möge; aber die Art und Weise der Feier muß eine unserer inneren Anschauung und äußern Stellung in der Gegenwart angemessene sein. Nicht allein, daß der Avantgarde von 9 oder 21 Tagen Eintritt und Quartier verschlossen bleibe, auch da- Trauerfest selbst muß würdig, in anständiger Form von der Synagoge gefeiert werden. Hier wie in allen Punkten des außen, Cullusoll, ich sage nicht der Zeitgeist, sondern beides, Geist und Zeit über die Form entscheiden. Der Meister kann die" Form zerbrechen, . Mit weiser Hand, zur rechten Zeit. Ich gehe jetzt zu einem ander» Thema über, da» jedoch an, obigesich anreihend als ein erfreulicher Beweis dienen kann, welche Macht die rechte religiöse Form auf das Gemüth auSübt. Ich mahn, an verschiedenen Orten auf meiner Reise hie und da in einem befreundeten Hause eine Einladung zum Mittagötische an. Wie verschieden war da das religiöse Element zum Vorschein getreten! Bald traf ich Familien, in deren Mitte nach altorientalischem Brauche alle männlichen Mitglieder bedeckten Hauptes um den Tisch sitzen und woselbst nach Schluß des Mahles das Tischgebet inseiner ganzen Ausdehnung hebräisch gesprochen wird, wobei die Jugend andachtSloö und sich langweilend umschaute; bald saß ich in einem Familienkreise, in welchem man zu Tisch ging und von dem Tisch aufstand, ohne ein Wort des Gebetes zu hören. Mitunter abtzr lernte tch Familien kennen, vorzüglich an solchen Plätzen, woselbst ein Rabbiner mit Ruhe und Ernst 'für die Veredlung dereligiösen Lebens wirkte, in deren Zirkel nach aufgehobener Tafel stets ein Mitglied der um den Tisch Sitzenden ein langes deutsches Dankgebet mit der Bitte um den Segen Gottes für daö Haus und die Familie andächtig vortrug, und alle Uebrige» andächtig zuhörten und mit Amen schlossen. Das that meinem Herzen wohl, „daß Israel nicht verwaist," der religiöse Sinn nicht abgestorben ist, wenn er nur die rechte Pflege erhält. Diese Pflege kann und soll aber vorzüglich im Hause gegeben werden. Man lasse die Jugend in der Sprache ihres Herzens, in der Muttersprach e beten, hüte sich, sic zwingen zu wolle», in der ihr ganz oder großentheils fremden hel brätschen Sprache zu beten, mtzthe ihr auch nicht zu, -lagen und Wünsche im Gebete auszusprechen, die für sie ohne Sinn und Wahrheit sind und halte sie nicht an, lange Zeit za beten, Hävern gebe ihr kurze einfache Gebete in die Hand; dann wird sie sich auch stetein weiche- und offenes Herz für Religio» und An» dacht wahren. Die Eltern oder die Alten müßten aber thätigea Antheil nehmen an der Andycht der Jugend, daß sie weder ihre herkömmlichen Gebete in der hebräischen Sprache für. sich beten, noch gar von allem Beten gscichgültig sich zunickhalten, während die Kinder zum Gebete angehalten werden. Rur keinen Zwiespalt in der Wahl und Ausübung religiöser Werke zwischen Alt und Jung innerhalb des häuslichen Ziels! Das elterliche Hauübt einen weit größeren Einfluß aus, auf die religiöse Gesinnung der Kinder, als die Schule. Die Andacht im Gotteshause wird augebahnt und befestigt durch die Andacht im eigenen Hause; die Veredlung deS öffentlichen Gottesdienstes wird nur' da einen sichern Boden und allgemeinen An- Nang finden, wo die häusliche Andacht ebenfalls eine veredelte ist. Diese Ucbcrzeugung gewann ich bei dem Besuche einzelner kleiner Gemeinden in kleinen Städtchen oder auf dem Lande, wenn diese so einsichtsvoll und glücklich waren/ sich tüchtige Lehrer zu wählen, und btt Lehrer wieder so glücklich waren, in ihren Vorgesetzten Rabbinern Männer zu haben, die frei von jedcnt pricsterlichen Dünkel gern sich bereit finden, dem Lehrer in seinem ' Wirken für den religiösen Fortschritt in Schule und Synagoge zu unterstützen. Da dürfte und könnte manche größere oder große Gemeinde eö-sich von de» kleinen Gemeinden absehen, wem £££ Kehillah-Stolz eö erlaubt, wie hier der andächtige Sinn in der Wohnung und der Synagoge genährt wird^ In den großen Gemeinden baute man neue, prachtvolle Synagogen, in welche», niit wenigen Ausnahmen, bald Anstand ohne Andacht, bald Andacht ohne Anstand, bald weher^ Andacbt noch Anstand herrscht. Freilich ist auch die Zahl jener musterhaften kleinen Gemeinde»,»och eine sehr winzige; in den meisten Landgemeinden sieht cS mit der religiösen Bildung so ans, daß man sich oder sic uni ein Jahrhundert zurückversetzt glaubt. Die Ursachen dieser traurigen Zustände liegen in Verhältnissen, welche ich in meinem nächsten Briefs berühren werde, wenn ich Ihnen über unsere RcligionSgenosscn in Süddeutschland nach den Ländergruppen berichte. Vorerst aber werden Sie, mein Freund, mich von Jhllcn lesen lassen, ob Sie von mir lesen wollen. E. R. Vakanzen- Lifte. (Nulnahmc gratis.) v Stelle. Drt. Adresse. Antritlsirit. Behalt. Talmudist ani Beth-Hami. drasch. Jnowraclow. Vorst, de« Beth. Ham. I. Oppei? heim u. S. G. Levv. Sofort.! 350 Thlr. , Lehrer. Zons am Rhein. Borst. B. Meyer. Sofort. 160 Thlr. fix.. Lehrer ». Lantor. Kopreinitz (Ocsterr.). Vorst. Leop. Bcttelheim. Sofort. 600 fl. östr. Religions-Lehrer u. Lantor. Waflertrüdingen (Bayern.) Vorst. David Stöhn. Sofort. — Lehrer, Schächter u. Mohcl. Laudeil (Westpr.). Borst. Leiser Rothenberg. 6. Mai. ca.'sooThlr. RcligionS-Lehrcr, Lantor und Ltrcliy (Mecklenburg). Vorst, der iSr. Gcm. l. Mai. — Schächter. ReliglonS-Lehrer, Lantor u. Schächter. SandeSleben (Anhalt). Borst. Alexander Goldstein. Ostern, 10« Thlr. fix. ReliglonS-Lehrer, Lantor u. Schächter. RaSzkow (Poseü). Borstd. der jüd. Bein. Sofort. 2W Thlr. fix. Lantor und Schächter. Schnaitlach b. Nürnberg. Dvrstd. Lichtenstädter. — Borst, d. Eynag.-Gem. Sofort. 60« st. rhein. Lantor und Schächter. Wrcschen (Posen). Sofort. 600 Tblr. Besondere Bemerkungen. Nicht unbcdcut. Ncbcneinkünjte. Fr. Station u. Wohnung. Kennt». der slavischcn Sprache erwünscht. Bewerber »ins! streng religiös sein, kann auch da» Echächieramt mit übemchmen. Fr. Wohnung und ton Thlr. Ncbcneinkünste. Redencink. ca. 100 Thlr. Außer dem noch für. Privatuntcrr. niit 12 ökindern 12« Thlr. Fr. Wohnung und Nebeucinlünste.